Migrantenförderung zahlt sich aus
Manche Branchen in Deutschland haben bereits jetzt große Probleme ihren Bedarf an Fachkräften zu decken. Eine einfache und schnelle Möglichkeit, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wäre die Ausbildung von Migranten. Doch Integration wird in Deutschland noch immer nur halbherzig vorangetrieben. Nach wie vor haben Migranten ein deutlich geringeres Bildungsniveau als Nichtmigranten und sind infolgedessen viel häufiger arbeitslos. Hierunter leiden nicht nur die Eingewanderten selbst, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Würden die Unterschiede zwischen Migranten und Nichtmigranten bei formalen Bildungsabschlüssen und Kompetenzen der Schüler in den kommenden Jahrzehnten zumindest halbiert, so hätte dies erhebliche positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum und die Steuereinnahmen.
Dazu müsste der Staat aber zunächst einmal in Vorleistung gehen. Denn häufig sind es die Kinder von Einwanderern, die Probleme in der Schule haben. Oft ist das Problem hausgemacht, denn auch Zuhause erfahren diese Kinder selten Hilfe, da auch die Eltern selbst keine gute Schulbildung haben. Hier muss die Politik ansetzten. Die Betreuung für die Kleinsten muss ausgebaut und mehr Ganztagsschulen geschaffen werden. Ferner sollten Lehrer gezielt fortgebildet werden, damit sie diese Kinder effektiver fördern können. Eine stärkere zielorientierte Vergütung würde ihren Teil dazu beitragen. Greifen diese Maßnahmen, müssten künftig auch mehr Plätze in der Oberstufe, in der beruflichen Ausbildung und an den Hochschulen geschaffen werden, um die Begabtesten unter den Migranten weiterqualifizieren zu können. Dies alles würde zunächst einmal Kosten verursachen. Doch die Rechnung ginge auf: Stellt man den Investitionskosten die Zusatzeinnahmen in Form von Steuereinahmen und Sozialbeiträgen gegenüber, dann ergibt sich im zeitlichen Verlauf ein steil ansteigender positiver Saldo in Milliardenhöhe. Bereits 2020 wären die zusätzlichen Einnahmen von 5,9 Milliarden Euro höher als die Reformkosten von 4,6 Milliarden Euro. Im Jahre 2040 würden dann die zusätzlichen Einnahmen auf 26,1 Milliarden Euro ansteigen, während gleichzeitig die Kosten bei 4,6 Milliarden Euro stagnieren würden. Eine Förderung der Kinder von Migranten zahlt sich also aus.
Die ausführliche Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft finden Sie hier


Sehr geehrter Herr Pluennecke,
glauben Sie wirklich, dass der Ruf nach staatlicher Intervention und noch mehr Staat in der Bildung hier Besserung verspricht? Wie soll das gehen? Die Bildungsforschung produziert seit einigen Jahren immer haeufiger das Ergebnis, dass es GERADE die staatlichen Bildungsinstitutionen und die darin Beschaeftigten sind, die dazu beitragen, dass Ungleichheit (soziale Ungleichheit – Arbeiterkinder besuchen seltener ein Gymnasium oder Ungleichheit nach Geschlecht: Jungen haben deutlich schlechtere Schulabschluesse als Maedchen) geschaffen oder verstaerkt wird. Kurz: Sie machen den Bock zum Gaertner, wenn sie nach mehr Paedagogen in staatlicher Anstellung und am besten staatlicher Betreuung ab der Wiege rufen.
Wie waere es statt dessen mit einer Reduzierung staatlichen Einflusses in der Bildung und der Einfuehrung von Wettbewerb zwischen Schulen, damit sich Lehrer wieder mehr auf die Leistung und weniger auf den “sozialen Hintergrund” ihrer Schueler konzentrieren?
Ich finde die Migrantenförderung ist ein sehr interessantes liberales Problem.
Wie würde sich ein solcher Vorschlag im Bildungsystem und seiner Finanzierung insgesamt niederschlagen?
Eine klassische liberale Forderung ist ja die verstärkte Subjektförderung im Gegensatz zur Objektförderung – in diesem Artikel propagieren Sie ja letztere.
Staatliche Ganztagesschulen und frühkindliche Förderung (wohl auch staatlicher Zwang, diese Angebote wahrzunehmen, damit die Maßnahmen greifen) – eine Begrenzung dieser Angebote / Zwänge auf Migranten wäre wohl weder machbar noch sachdienlich.
Wie ist nun also dieser Vorschlag mit der liberalen Position der Subjektförderung und Wahlfreiheit zu vereinen?