Was Wachstum schafft, darf sehr wohl mit Schulden finanziert werden. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

13 FinanzmarktSozialesSteuern und Finanzen

Die Pflegebombe tickt

Die Nachhaltigkeitslücke der Pflegeversicherung beträgt rund 37 Prozent des BIP. Passiert nichts, platzt die nächste Schuldenbombe.Die Staatsschuld in Deutschland erreicht in diesem Jahr voraussichtlich rund 75 Prozent der jährlichen Wirtschaftskraft. Doch das ist nur die spitze des Eisbergs. Durch den demografischen Wandel rollt der nächste Kostentsunami auf die zukünftigen Generationen zu. Allein in der Pflegeversicherung beläuft sich die Nachhaltigkeitslücke auf 37 Prozent des BIP.

Zum 01.01.1995 hat Deutschland die Pflegeversicherung als Pflichtversicherung eingeführt – und damit eine Zeitbombe scharf gemacht. Den Beitragszahlern hat man versprochen, dass auch sie später Pflegeleistungen erhalten werden. Aber schon damals stand fest, dass der Generationenvertrag in der Pflegeversicherung nicht aufgehen wird.

Denn Fakt ist: Wenn die geburtenstarken Jahrgänge zu Pflegefällen werden, ist kaum noch einer da, den man als Beitrags- oder Steuerzahler heranziehen kann. Die Baby-Boomer haben schlichtweg zu wenig Beitragszahler in die Welt gesetzt. Zwar hat die Pflegeversicherung in diesem Jahr einen Milliardenüberschuss erwirtschaftet, doch spätestens im Jahr 2040 kulminiert die Belastung in der Pflegeversicherung so richtig. Um alleine die demographische Entwicklung auszugleichen, müssten die Beiträge auf vier bis viereinhalb Prozent ansteigen. Hinzu kommt, dass der Pflegebetrieb ein arbeitsintensiver Bereich mit wenig technischem Fortschritt ist. Die Zunahme der Demenzkranken sorgt für einen weiteren Anstieg. Um eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung sicherzustellen, müsste der Beitrag summa summarum im besten Fall auf fünf, im schlechtesten Fall auf sieben Prozent ansteigen. Oder man steuert auf der Ausgabenseite gegen. Leistungen kürzen ist politisch kaum durchsetzbar. Machbar wäre, die Leistungen auf dem Status Quo einzufrieren und auslaufen zu lassen. So oder so: passiert nichts, platzt bald die nächste Schuldenbombe.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Gratulation an Herrn Raffelhüschen. Er kann in die Zukunft schauen. Die Kosten im Jahr 2040 können sie vorhersagen Herr Professor. Merken sie nicht was für ein Unsinn diese Prognose ist? Wenn die Produktivität steigt und damit auch die Löhne ist das ganze System ohne Probleme finanzierbar. Aber das würde ja eine Variable mehr bedeuten im einfachen Weltbild eines Professors, welcher mehr Versicherungsvertreter als Forscher ist.

  • Michael Klein

    @Chriwi: Also ich folge lieber einer wissenschaftlichen Prognose, die auf festen Randbedingungen, die man kennt (Lebenserwartung, Anteil Alte, Anteil Kinderlose usw.) basiert, und im Rahmen eines Simualtionsmodells in die Zukunft verlaengert wird (unter der Annahme, dass die Lebenserwartung nicht geringer wird und der Anteil der Alten ebenfalls nicht sinkt, was sehr konservative Annahmen sind), als dass ich mich ihrem Prinzip Hoffnung anschliessen wollte, das mir mehr mit dem bekannten Australischen Vogel zu tun zu haben scheint, der zwar den heranziehenden Sturm sieht, aber eine Technik entwickelt hat, den Sturm nicht sehen zu muessen.

  • Keynesianer

    @ Chriwi

    Den Punkt getroffen! Wenn der Versicherungslobbyist Raffelhüschen aber die Variable nicht weglassen würde, dann würde die Geschichte nicht aufgehen!
    Entscheidend ist, daß von einem größer werdenden Kuchen die Menschen in der Breite partizipieren! Der Kuchen wird immer größer und die Demographie sagt, daß wir immer weniger Menschen in diesem Land werden. Wo ist das Problem?

    Wobei ich gerne einmal Herrn Raffelhüschen bitten würde mir zu erklären bei welchem Wetterfrosch er gelernt hat? Könnte auch sein, daß aus irgendwelchen Gründen wie Streß, Immissionen etc. plötzlich wir nicht mehr älter werden. Ja, vor 10 000 Jahren wurde der Mensch nicht so alt, da war man mit 30 bereits meistens in die Kiste oder im Bauch eines Säbelzahntiegers! Heute werden Menschen durchaus 60 Jahre alt und älter! Siecht deswegen ein 60 Jähriger automatisch die Differenz zwischen 30 und 60, also 30 Jahre vor sich hin?

  • Keynesianer

    @ Michael Klein

    Mit Taschenspielertricks kommt man bei aufgeklärten und ökonomisch gebildeten Menschen nicht weiter!

  • @Michael Klein
    Hätte Herr Raffelhüschen diese Prognose 1930 gebracht, hätte er einen Weltkrieg vergessen.
    Hätte er sie 1970 gebracht, hätte er die Wiedervereinigung vergessen.

    Die Modelle mögen gut und schön sein, aber zum einen sind Randbedingungen etwas sehr komplexes in diesem Zusammenhang. Woher kennen sie zum Beispiel die Lebenserwartung im Jahr 2040? Der Anteil der Kinderlosen und Alten kennen sie auch nur heute. Auch müssen sie erst einmal alle notwenigen Randbedinungen ihres Models kennen. Das ist in diesem Falle alles andere als einfach. Wenn die Arbeitssicherheit und der Lohn steigen würde, wenn die Kinderbetreuung verbessert wird, gibt es auch mehr Kinder.
    Somit hat die Politik durchaus Möglichkeiten etwas zu ändern.
    Wenn die Produktivität steigt können auch weniger Menschen mehr Alte unterstützen. Unser Arbeitsmarkt ist alles andere als ausgelastet. Fallen viele Menschen weg, weil sie Pflegefälle werden, werden auch Arbeitsplätze frei und die Kosten in diesem Teil der Sicherungssysteme werden geringer. Auch Bildung wird billiger bei weniger Kindern. Das Kosten die ebenso gegengerechnet werden müssen. Dies sind nur einige Parameter die eine Rolle spielen. Genau deswegen sind die Prognosen so schwierig und lagen, wenn ich mich recht erinnere noch nie richtig.

    Einen letzten Punkt. Man weiß nicht mal wie viele Menschen in Deutschland leben. Schätzungen gehen davon aus, dass es 2 Millionen weniger sind als angegeben.

  • Michael Klein

    @chriwi

    “Hätte Herr Raffelhüschen diese Prognose 1930 gebracht, hätte er einen Weltkrieg vergessen. Hätte er sie 1970 gebracht, hätte er die Wiedervereinigung vergessen.”

    Richtig, er haette Ereignisse, die man nicht vorhersehenkann, vergessen. Das ist das Problem mit allen Prognosen, dass man nur beruecksichtigen kann, was man weiss und nicht beruecksichtigen kann, was man nicht weiss. Aber dennoch halte ich es fuer besser, das wenige, was man weiss fuer Vorhersagen zu beruecksichtigen, anstatt einfach ins Blaue hinein zu leben. Haben Sie eigentlich eine Lebensversicherung (eine kapitalbildende)? Wenn ja, wieso eigentlich, wo Sie doch nicht sicher sein koennen, dass im Jahre 2030 ausgezahlt wird, was sie eingezahlt haben, zuzueglich der Zinsen? Oder gibt es doch Prognosen, denen Sie sich anschliessen?

    “Die Modelle mögen gut und schön sein, aber zum einen sind Randbedingungen etwas sehr komplexes in diesem Zusammenhang. Woher kennen sie zum Beispiel die Lebenserwartung im Jahr 2040? ”

    Die brauche ich nicht zu kennen, denn ich weiss, wie lange die HEUTE Lebenden im Durchschnitt leben. Allerdings bin ich sicher, dass ich eine ziemlich gute Schaetzung der Lebenserwartung im Jahre 2040 machen kann, auf Grundlage der Entwicklung der Lebenserwartung ueber die letzten 100 Jahre. Eine sehr gute Datenreihe (die Kriege und Wirtschaftskrise und Boom enthaelt …).

    “Der Anteil der Kinderlosen und Alten kennen sie auch nur heute. Auch müssen sie erst einmal alle notwenigen Randbedinungen ihres Models kennen. Das ist in diesem Falle alles andere als einfach. Wenn die Arbeitssicherheit und der Lohn steigen würde, wenn die Kinderbetreuung verbessert wird, gibt es auch mehr Kinder.”

    Ei, Sie sind ja ein Sozialtechniker, der denkt, wenn man an den Randbedingungen herumdoktert, dann kann man Menschen lenken. Wer haette das gedacht, fast so was, wie eine Verhaltensprognose, was Sie da machen. Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich nicht, dass Kinderbetreuungsmoeglichkeiten etwas mit der Anzahl der Kinder zu tun haben. Ich wuerde eher eine Laffer-Curve uebertragen und sagen, je mehr sich der Staat in so private Dinge wie Kinderbetreuung einmischt, desto weniger Kinder gibt es. Und wissen Sie was, wenn ich die Daten fuer die vergangenen Jahrzehnte nehme und korreliere, dann zeigt sich, dass Investitionen in Kinder von Seiten des Staates erheblich zugenommen haben, waehrend die Anzahl der Kinder erheblich abgenommen hat.

    “Somit hat die Politik durchaus Möglichkeiten etwas zu ändern.
    Wenn die Produktivität steigt können auch weniger Menschen mehr Alte unterstützen. Unser Arbeitsmarkt ist alles andere als ausgelastet. Fallen viele Menschen weg, weil sie Pflegefälle werden, werden auch Arbeitsplätze frei und die Kosten in diesem Teil der Sicherungssysteme werden geringer. Auch Bildung wird billiger bei weniger Kindern. Das Kosten die ebenso gegengerechnet werden müssen. Dies sind nur einige Parameter die eine Rolle spielen. Genau deswegen sind die Prognosen so schwierig und lagen, wenn ich mich recht erinnere noch nie richtig. ”

    Sie haben Recht, Prognosemodelle sind immer nur so gut, wie die Randbedingungen, die ihnen zugrunde liegen. Das gilt auch fuer Ihr Beispiel. Produktivitaet bringt nur dann Wachstum, wenn Gewinne investiert und nicht konsumiert werden. Gewinne werden nur dann investiert, wenn sie Rendite versprechen. Staaten haben bislang wenig dazu beigetragen, fuer Rendite zu sorgen. Eigentlich haben sie den Rahmen fuer Renditen immer nur reduziert, und entsprechend wuerde ich an dieser Stelle die Hypothese aufstellen, dass jeder staatliche Eingriff in den Markt, eine suboptimale Allokation von Ressourcen zur Folge hatte und haben wird. So hands off the market…

  • Zu der Aussage “Die brauche ich nicht zu kennen”

    Sie wissen aber auch nicht wie fitt die Menschen in 30-40 Jahren im hohen Alter noch sind. Somit ist der Rückschluss Alter –> Pflegefall absolut spekulativ. Ich sage nicht das man mit Prognosen arbeiten soll. Aber so wie der Herr Professor es schreibt klingt es nach einem Dogma. Er zeigt keine möglichen Fälle auf, sondern absolute.

    “dass Investitionen in Kinder von Seiten des Staates erheblich zugenommen haben”
    Genau bei den Personen, welche genug Geld besitzen und diese Unterstützung nicht brauchen (Stichwort Elterngeld).
    Einfach mal einen Blick über den Tellerrand wagen. Dänemark, Finnland, Schweden beweisen es. Man kann den Menschen bessere Chancen bieten Kinder zu haben. Es ist ja nicht verpflichtend, welche zu bekommen. Was will man aber machen, wenn man arbeiten muss und sein Kind nicht betreuen lassen kann? Man bekommt einfach kein Kind oder wird arbeitslos.

    Zur Einmischung nur ein Bild:
    http://www.schrumpfende-stadt.de/magazin/0503/bilder/6_6.jpg

    Komisch das genau nach der Wende die Zahl der Geburten zurückgeht.

    “eigentlich haben sie den Rahmen fuer Renditen immer nur reduziert”

    Wo nehmen sie die Annahme her? Alle Statistiken die ich kenne sprechen ein anderes Bild. Hier zwei Beispiele. Wenn die Unternehmenseinkommen kräftig steigen und die Steuern sinken dann heißt das wohl bessere Rendite oder etwa nicht. Nur wird bei steigender Produktivität und konstantem Lohn wohl keinerlei Arbeit entstehen, bzw sie verbilligt sich. “Autos kaufen keine Autos”

    http://www.jjahnke.net/index_files/04173.gif

    http://www.jjahnke.net/untsteuer.html

  • Michael Klein

    @chriwi

    Investitionen in Kinder: Meine Eltern, beide Arbeiter, haben es geschafft, mich mit 50 DM Kindergeld durchzufuettern und so richtig gefehlt hat mir nichts. Derzeit ist das Kindergeld um ein Vielfaches hoeher, es gibt Geburtspraemie, Kinderfreibetraege und was nicht noch alles. All das ist neu, kostet eine Unmenge (und bringt, wenn man einmal die Ergebnisse aus Einschulungsuntersuchungen ueber Zeit vergleicht, eher nichts, wenn es nicht schadet) und kann mit dem Hinweis darauf, dass in Deutschland Kindergeld mit der Gieskanne verteilt wird, nicht aus der Welt geschafft werden.

    Rendite und Staaten .. ein einfaches Denkgebaeude: Staaten erheben Steuern, Steuern gehen in den Konsum, sie werden nicht investiert. Entsprechend sind Steuergelder fuer Investitionen verloren. Und wenn die Unternehmenseinkommen steigen und die Steuern sinken (Schlaraffenland-Szenario ;)), dann gibt es immer noch Steuern, die Investivkraft abschoepfen. Mein Argument ist grundlegender als Sie denken. Steuern schaden aus meiner Sicht der Wohlfahrt, entsprechend sind sie so gering wie moeglich zu halten und die Aufgaben des Staates zu rigide wie moeglich zu formulieren.

    Soziologen koennen erklaeren, dass die Geburten in Ostdeutschland nach der Wende gesunken sind. Kinder waren dann nicht mehr notwendig, um Kredit, Wohnung und sonstiges zu bekommen. Und da der Kinderwunsch eine kulturelle Mythe ist, haben sich Menschen entschieden, wie sie sich immer entscheiden, wenn sie die Wahl zwischen Freiheit und Verpflichtung haben…

  • “beide Arbeiter”
    Wie viel haben sie verdient? Würden sie heute überhaupt noch einen Beruf haben und wenn einen Niedriglohnjob, wo das Geld vorne und hinten nicht reicht. Das Elterngeld ist im übrigen eine Förderung der Akademiker und höheren Einkommen Kinder zu bekommen. Ein Hartz 4 Empfänger, welcher die Unterstützung brauchen könnte hat nicht einmal von der letzten Kindergelderhöhung profitiert.

    “Steuern gehen in den Konsum”
    Dann ist die komplette Infrastruktur der Bildung, Grundlagenforschung, Straßen, Wasserwege, Flugsicherheit, Recht, keinerlei Investition. Das alles sind Gründe das sich Unternehmen ansiedeln. Somit eine Investition.

    “Schlaraffenland-Szenario” Tatsache.

    “Steuern schaden aus meiner Sicht der Wohlfahrt” Da ist die Frage was sie als Wohlfahrt verstehen. Nimmt man Cuba als Beipiel. Dort hat man eine der niedrigsten Analphabetenquoten der Welt (Selbst Deutschland ist schlechter), jeder hat etwas zu essen und eine Wohnung, allerdings hat man auch wenig Mittel für Konsum zur Verfügung. Durch die Blockade und natürlich das politische System ist die Freiheit zwar vorhanden, aber man bräuchte das Geld das man auf Cuba durch das System nicht verdienen kann. Der Wohlstand für die breite Masse ist dennoch höher als in den meisten Südamerikanischen Staaten, wenn nicht sogar in allen. Ich denke das ist das größte Problem an der Diskussion, dass jeder unter Wohlstand/Wohlfahrt etwas anderes versteht. Ob Steuern schaden ist somit nicht klar. Schaut man sich zum Beispiel die Krankenversicherungen an, so sieht man das die privaten Versicherer trotz besserer, gesünderer Kundschaft ihre Kosten deutlich gegenüber den öffentlichen Kassen gesteigert hatten. Dort war man über den Gesundheitsfond froh. Wer haftet denn wenn ein großer Versicherer pleite geht? Letztenende die Gesellschaft und der Staat, oder aber es gibt tausende die dann ohne Versicherung/Rente dastehen (siehe USA, GB). Diese Sicherheit kann man auch zu Wohlstand zählen. Dafür hat man eben nicht die Freiheit zwischen teuerern Anbietern zu wählen.

    “Soziologen koennen erklaeren”
    Sie haben es doch erklärt und damit bewiesen, dass der Staat durch bestimmte Rahmenbedingungen durchaus die Kinderzahl erhöhen kann.

    “der Kinderwunsch eine kulturelle Mythe”
    Viele Menschen wollen Kinder haben. Schließlich ist das der Sinn unserer Existenz.

  • Michael Klein

    @chriwi
    “…Wie viel haben sie verdient? Würden sie heute überhaupt noch einen Beruf haben und wenn einen Niedriglohnjob, wo das Geld vorne und hinten nicht reicht….”

    Nicht allzu viel, zuweilen hat es hinten und vorne nicht gereicht, was bedeutet hat, dass ich zuverdient habe …
    Sind Sie wirklich der Ansicht, dass Menschen, die es sich nicht leisten koennen, Kinder in die Welt setzen sollen? Und wenn ja, wieso soll dann die Allgemeinheit fuer diesen Luxus bezahlen?

    “Dann ist die komplette Infrastruktur der Bildung, Grundlagenforschung, Straßen, Wasserwege, Flugsicherheit, Recht, keinerlei Investition.”

    Sie vermengen Aepfel mit Birnen. Flugsicherheit ist in der Tat keine Investition, Grundlagensicherung haben sich europaeische Staaten zwar zur Gewohnheit gemacht, aber da, wo sie privat finanziert wird (USA) funktioniert die GF weit besser und ich warte immer noch auf die staatliche finanzierte Grundlagenforschung, die (a) nicht poltischen Motiven gedient hat oder dient und (b) langfristig mit einem Mehrwert versehen ist, der nicht bei privater Foerderung weit hoeher ausgefallen waere. Ich halte das ganze Gerede von den “market failures” fuer Unsinn. Und mein Argument ist, dass der Markt es alle Mal besser kann als Staaten mit dem begrenzten Wissen ihrer Repraesentanten.

    Wohlfahrt kann man einfach als Optimierung wirtschaftlichen Wachstums definieren und auf dieser Basis ziemlich einfach zeigen, warum staatliche Eingriffe die Wohlfahrt nicht optimieren. Staaten sind keine Marktteilnehmer, sie sollten Randbedingungen schaffen, rechtliche Sicherheit, Einhaltung der Spielregeln usw. nichts anderes. Wohlfahrt hat auch etwas mit Freiheit zu tun. Was nuetzt es mir, bei aller Symathie fuer Fidel Castro, wenn ich lesen und schreiben kann, aber keine Moeglichkeit habe, diese Faehigkeit fuer mich und nutzenbringend einzusetzen? Insofern ist meine Definition von Wohlfahrt recht einfach: Alles, was die individuelle Freiheit und die indivduellen Moeglichkeiten, aus seinem eigenen Leben etwas zu machen, befoerdert, dient der Wohlfahrt.

    “Sie haben es doch erklärt und damit bewiesen, dass der Staat durch bestimmte Rahmenbedingungen durchaus die Kinderzahl erhöhen kann. ”

    Richtig, und zwar durch Gaengelung. Ist das Ihre Vorstellung eines Staates, ein Apparat, der seine Buerger zu einem bestimmten Lebensentwurf ZWINGT?

    “Viele Menschen wollen Kinder haben. Schließlich ist das der Sinn unserer Existenz.”

    Immer weniger Menschen wollen (in Deutschland) Kinder haben (siehe Geburtenstatistik), und die Nachwelt wird jemanden, der sich fortgepflanzt hat, kaum in Erinnerung behalten, wenn ich mich recht entsinne, kennt man Einstein nicht wegen seinem Sohn, sondern wegen u.a. seiner Relativitaetstheorie, entsprechend scheint mir der Sinn der Existnz weit ueber das Kinderbekommen hinaus zu gehen. Gott sei Dank, denn Fortpflanzung ist keine besondere Leistung (das kann fast jeder) … Anyway, denken Sie doch auch an den carbon imprint, wie verhaelt es sich eigentlich mit dem Umweltschutz (global warming) und dem von Ihnen definierten Sinn unserer Existenz?

  • Keynesianer

    @ Chrivi

    “Autos kaufen keine Autos”! Richtig! Henry Ford war da schon weiter als offenbar die INSM!

    In diesem Zusammenhang möchte ich den Damen und Herren der NEUEN sozialen Marktwirtschaft ein Zitat aus dem Original, der “alten” sozialen Marktwirtschaft mitgeben.

    Wörtliche Zitierung von Auszügen aus Rüstows Godesberger Referat vom Januar 1959:
    Punkt 1, Rüstow zur Lohnpolitik, S. 23 f.

    “An die Stelle der marxistischen Irrlehre von der Ausbeutung und dem Mehrwert ist nun neue nationalökonomische Einsicht getreten, die von der allergrößten Wichtigkeit ist, nämlich die Einsicht, dass der Lohn für den Unternehmer nicht nur ein Kostenbestandteil ist, sondern zugleich die Kaufkraft darstellt, mit der seine eigenen Produkte gekauft werden. Wenn man das weiß, ergibt sich eine vollkommen andere Perspektive für die Lohnpolitik.”

    Rüstows Godesberger Referat vom Januar 1959:
    Punkt 1, Rüstow zur Lohnpolitik, S. 23 f.

    Ich hoffe die von Gesamtmetall finanzierte INSM nimmt das irgendwann zur Kenntnis!

  • “Flugsicherheit ist in der Tat keine Investition”
    Für mich ist eine Verbesserung der Infrastruktur eine Investition.

    “funktioniert die GF weit besser”
    Wie kann denn GF besser funktionieren? Mehr Ergebnisse, mehr Geld, mehr Veröffentlichungen, mehr ausgegliederte Firmen. In den USA wird massiv aus Gründen der Geldaquirierung publiziert. Dort wird gerne mit den Daten gespielt um ein wenig besser dazustehen und neue Gelder zu bekommen. Unabhängige Forschung ist schwieriger, da man immer an den Geldgeber gebunden ist. Sicherlich hat es Vorteile, da mehr Geld da ist, aber auch Nachteile. Beide Wege sind sicher nicht das Optimum.

    “Wohlfahrt kann man einfach als Optimierung wirtschaftlichen Wachstums definieren”

    Ich würde gerne mal sehen wie sie beweisen, dass ein Staat die Wohlfahrt nicht erhöhen kann. Das werden sie leider nicht schaffen, denn mathematische Modelle, welche funktionieren gibt es nicht und objektive Studien schon gar nicht. Jede Seite findet seine Lösung bei Studien und Model. Die Aussage das Wohlfahrt eine Optimierung des wirtschaftlichen Wachstums sein soll ist in meinen Augen nicht hinreichend. Wenn 99% der Bevölkerung 80% ihres Vermögens verlieren und 10% dieses Vermögen kassieren plus einen kleinen Gewinn haben wir Wachstum. Von Wohlfahrt kann man dann aber nicht reden. Denn 90% verlieren und leben schlecht und 10% leben super. Auch das der Markt irgendwie dieses Optimum erzwingt ist für mich nicht schlüssig.
    http://endlessgoodnews.blogspot.com/2010/06/markteffizienz.html
    Eine kleine Erschütterung kann ihn beeinflussen. Das heißt mit Objektivität hat es wenig zu tun. Wenn aber die Einschätzung des Marktes nicht Objektiv sondern zufällig sind, wieso muss dann diese Zufälligkeit besser sein als der Versuch einer teilweisen Regelung?

    “der seine Buerger zu einem bestimmten Lebensentwurf ZWINGT”

    Musste die Menschen Kinder kriegen? Nein ganz sicher nicht, denn sie hätte ja auf die eigene Wohnung verzichten können. Das heißt ich habe nur ein Kind bekommen, um mich zu verbessern (mit einer Wohnung in diesem Fall).
    Wie ist es heute? Jeder der ein Kind bekommt und relativ wenig verdient kann es in den meisten Bundesländern nirgendwo in eine Betreuung geben. Das heißt, dass man wieder vor der gleichen Entscheidung steht, aber diesmal heißt eine Verbesserung eben, dass man kein Kind haben kann. Mit freier Wahl hat das in beiden Fällen wenig zu tun. Denn in meinen Augen ist es vollkommen egal ob ein Staat Druck ausübt oder aber ein Unternehmen. Als Frau hat man mit Kindern deutlich schlechtere Karten einen Beruf aufzunehmen als ohne (gerade wenn sie jung sind).

    “definierten Sinn unserer Existenz”
    Runtergebrochen auf die Biologie ist es aber nun einmal so. Der Mensch und jede andere Spezies auf diesem Planeten will seine Gene weitergeben. Das man sich an Einstein wegen seiner Arbeit erinnert ist gut und schön, allerdings hätte es die Menschheit weiterhin gegeben auch ohne seine Arbeit. Ohne Kinder hätte es zwar seine Arbeiten gegeben, aber niemanden der sie anwendet.

  • Michael Klein

    “Ich würde gerne mal sehen wie sie beweisen …denn 90% verlieren und leben schlecht und 10% leben super. Auch das der Markt irgendwie dieses Optimum erzwingt ist für mich nicht schlüssig.”

    Ihr Rechenbeispiel kann ich nicht nachvollziehen, es erinnert mich an ein lifeboat example. Dazu daher nur soviel: Wie lange haben denn die 10% etwas von ihrer Wohlfahrt, wenn 90% schlecht leben. Gesellschaften bestehen aus interagierenden Einheiten und nicht aus Monolithen oder boesen Kapitalisten, die horten, was anderen fehlt. Im uebrigen verweise ich nur auf die mittlerweile recht stattliche Literatur zum rent seeking (googlen sie einfach nach Gordon Tullock), was den negativen Effekt von Staaten auf die Wohlfahrt ALLER angeht.

    “Denn in meinen Augen ist es vollkommen egal ob ein Staat Druck ausübt oder aber ein Unternehmen. Als Frau hat man mit Kindern deutlich schlechtere Karten einen Beruf aufzunehmen als ohne (gerade wenn sie jung sind).”

    Wie heisst es so schoen, es gibt keinen free lunch! Und angesichts knapper Ressourcen muss man sich halt zwischen einer beruflichen Karriere und dem “ueberwaeltigenden” Kinderwunsch entscheiden. Mal im Ernst, ich kenne niemanden, der es nicht geschafft hat, wenn er es unbedingt wollte, Beruf und Kind unter einen Hut zu bekommen. Eine Bekannte hat zwei Kinder und ist Prof an der Uni … Scheinbar geht’s.

    “Der Mensch und jede andere Spezies auf diesem Planeten will seine Gene weitergeben.”
    Ui, Sozialbiologismus, nun, den teile ich ueberhaupt nicht, nicht nur weil ich meine Gene bislang und auch in Zukunft unter Verschluss halte, sondern weil ich im Gegenteil der Meinung bin, Fortpflanzung war bis zur Erfindung der Pille ein mieser Trick der Evolution, von dem sich die Spezies nunmehr befreit hat, was bedeutet, dass ich glaube so etwas wie einen Kinderwunsch gibt es nicht. Es gibt kulturelle Vorgaben, denen viele entsprechen wollen, aber keinen frei in der Umgebung flottierenden Kinderwunsch. Wenn schon Fortpflanzung, warum dann nicht einfach unter kontrollierten Bedingungen im Labor (uebrigens eine fruehe Forderung des Feminismus (Firestone), die im heutigen Mutterismus untergegangen ist), dann eruebrigen sich die Probleme mit der Ueberbevoelkerung und die Probleme, einen Job zu finden, sind auch Vergangenheit, allerdings auch die Transferzahlungen…