Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf die Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmass an Freiheit an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

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Sparen schafft Wohlstand

Die europäischen Staaten sind auf Konsolidierungskurs. Und das ist auch gut so findet Prof. Freytag von der Universität Jena

Der europäische Sparkurs erntete vor allem von der amerikanischen Regierung viel Kritik. Prominente Unterstützung für die US-Regierung leistete der Nobelpreisträger Paul Krugman. Deutschland würde den wirtschaftlichen Aufschwung der Welt durch die Sparmaßnahmen abwürgen, heißt es.

Doch hier hat man offensichtlich etwas falsch verstanden: Das Sparpaket heißt nicht, dass die deutsche Regierung aufhört, Geld auszugeben. Die Maßnahmen sehen lediglich vor, die Ausgaben zu reduzieren, um das staatliche Defizit zu verkleinern. Wie wichtig dieser Schritt ist, wird besonders offensichtlich, wenn man sich anschaut, zu welch billigen Zinsen sich Deutschland dieser Tage seine noch immer notwendige Neuverschuldung finanziert. Die billigen Zinsen vermitteln den Eindruck, dass Ausgaben nichts kosten und dass das Geld schon irgendwie fließen wird. Doch irgendwann steigen die Zinsen und die Schuld muss beglichen werden – und zwar von zukünftigen Generationen der Steuerzahler.

Der Sparkurs fördert das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Regierungen. Und mehr Vertrauen in die europäischen Regierungen heißt auch mehr Vertrauen in den Euro, mehr langfristige Investitionen und ultimativ: mehr Wohlstand.


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  • Autor

    Prof. Dr. Andreas Freytag

    ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Schilller-Universität Jena.

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  • “Der Sparkurs fördert das Vertrauen in die Wirtschaftspolitik der Regierungen.”

    Darum wurde Spanien kurz nach dem Beschluss des Sparprogramms im Rating abgewertet. Die Begründung war, dass die Wirtschaft aufgrund des Sparprogramms abgewürgt wird. Wieso nicht das Geld dort holen wo es rumliegt? Einfach eine Reichensteuer einführen und schon hat man das Geld. Schließlich wurde primär diese Gruppe durch die Bankenrettung gesponsort.

  • Markus

    Wenn`s mit der Wirtschaft schlecht läuft, ist “Sparen” und “Konsolidieren” angesagt – als vertrauensbildende Maßnahme. Nur für wen, fragt man sich?

    Haben wir es der neoliberalen Reformpolitik der vergangenen Jahre nicht zu verdanken, daß die Einkommens- und Vermögenskonzentration stetig zunimmt?

    Vielleicht sollte bei diesen Nutznießern und Profiteuren mal “gespart” werden.

  • @Markus
    Die Logik kann man nicht nachvollziehen. Im Wachstum soll man sparen und keine Löhne erhöhen (stört das Wachstum). In der Krise soll man das gleiche tun, um diese nicht zu verstärken. So einfach sind scheinbar die Wirtschaftswissenschaften.

  • Thomas Müller

    Also gerade weil die Zinsen niedrig sind, ist sparen notwendig? Das ist mal eine ganz eigene Logik.
    Und die Sache mit dem Vertrauen ist ebenfalls sehr interessant: Die Regierung kürzt ihre Ausgaben um 1% des BIP bzw. erhöht die Steuern entsprechend. Haushalte und Unternehmen haben also rund 25 Mrd. Euro weniger zur Verfügung – die Ausgaben des Staates sind schließlich die Einnahmen der anderen Sektoren. Der private Sektor soll nun aber seinerseits auf die geringeren Einnahmen jedoch nicht mit eigenen Ausgabenkürzungen reagieren, sondern aufgrund eines gestiegenen Vertrauens – worin und weshalb? – sogar mehr Geld ausgeben. Voodoo-Ökonomik nennt man das wohl.

  • Markus

    @ chriwi

    Es kommt eben auf die betreffenden Wirtschaftswissenschaftler an ;-)

    http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:gastkommentar-stiglitz-die-gefahren-des-sparens/50085980.html
    Gastkommentar: Stiglitz – Die Gefahren des Sparens | FTD.de

  • Rosa Luxusburg

    @chriwi
    dochdoch, die logik kann man gut nachvollziehen. nennt man klassenkampf. und professoren stehen da gerne schmiere. wollen ja auch ein einkommen haben, nichtwahr?

  • Bereits 1937, knapp 8 Jahre nach der Großen Depression schrieb der von Krugman und anderen Geldverteilern wohl so gepriesene Lord Keynes in der Times „Genauso, wie es ratsam war für die Regierung, während des Konjunkturrückgangs Schulden aufzunehmen, so ist es nun aus demselben Grund ratsam, dass sie nun zur umgekehrten Politik neigen“. Da die Politiker dies in bessern Konjunkturzeiten (in einer solchen befinden wir uns gerade!) nicht tun, weil sie glauben, dies sein politisch nicht opportun, sind wir heute in der Schuldenkrise. Der Autor hat recht, wenn er auf die Gefahren in einer alternden Gesellschaft hinweist. Zukünftige Generationen werden in Europa die Schulden kaum mehr abtragen können (Amerika hat hier Dank Zuwanderung kein großes Problem); es muss jetzt geschehen! Der Krugman-Lösungsweg ist in Europa und Japan verantwortungslos. Wer heute nicht mit einer drastischen Rückführung der Neuverschuldung beginnt, verhindert, dass morgen wirtschaftliches Wachstum dauerhaft und nachhaltig generiert werden kann. Niedrige Zinsen verführen dazu den Schuldenabbau zu verzögern; sie sind die Grundlage für die nächste Blase. Wohl deshalb nahm auch die von billigem Geld genährte Finanz- und Schuldenkrise ihren Ausgang in den Vereinigten Staaten, könnte man hinzufügen, doch Krugman würde das wohl ganz anders sehen.

  • Keynesianer

    @ Werner A. Halver
    Sind sie sicher, daß sie Keynes richtig verstanden haben?
    http://www.bildungswerk-nrw.de/PDF/Glossar_Version%20Mai%202006.pdf
    Vor allem bezüglich einer entwickelten Volkswirtschaft?

  • “Zukünftige Generationen werden in Europa die Schulden kaum mehr abtragen können”

    Werden diese Schulden nicht auch in Form von Vermögen in die nächste Generation weitergereicht? Die zukünftige Generation wird nicht nur belastet. Will man nicht, dass einige wenige die Gläubiger sind und auf Kosten der Mehrheit leben, dann hat man über Steuern die Möglichkeit gegenzuwirken. Senkt man Spitzensteuer und Erbschaftsteuer soll man bitte nicht jammern, dass irgendwer belastet wird.

  • uli

    Mal ne Frage,

    wenn alle Europäischen Länder sparen, wer soll dann Deutsche Exporte im Ausland kaufen? Da unsere Wirtschaft auf Export ausgelegt ist wird es uns bald ziemlich hart treffen.
    Tag für Tag versuchen uns sog. Wirtschaftsexperten Müll zu erzählen.
    Der einfach Bürger spart übrigens schon lange. Er kann nämlich nur das ausgeben was er hat und das wird im Durschnitt immer weniger.
    Arme und Renter pumpen Ihr Geld sogar zu 100% in den Wirtschaftskreislauf.
    Dort zu Sparen ist der falsche Anreiz. Lohnsenkungspolitik eben so.

  • bilbo

    @Werner A Halver

    “Da die Politiker dies in bessern Konjunkturzeiten (in einer solchen befinden wir uns gerade!) nicht tun, weil sie glauben, dies sein politisch nicht opportun, sind wir heute in der Schuldenkrise.”

    Ich stimme Ihnen im Grundsatz zu (Konjunktuprogramm in der Krise, sparen in guten Zeiten), nur scheint mir der von Ihnen (mit Ausrufezeichen!) herbeigerufene Zyklus der besseren Konjunkturzeit noch nicht eingetreten. Zudem sind die Schulden, die die Staaten in den letzten zwei Jahren aufgenommen haben, aufgrund der Krise aufgenommen worden, also mitnichten in einer besseren Konjunkturzeit. Wenn es denn also eine Schuldenkrise geben sollte (dies wird sich zeigen, zunächst sind es “nur” Schulden), dann aufgrund der eben in der Krise aufgenommen Schulden und deshalb, weil es gerade nicht, wie erhofft, zu besseren Konjunkturzeiten gekommen ist.

  • Egal ob Krise oder nicht. Die Regierung der BRD spart nur am falschen Ende und schafft bei denen mit geringen Einkommen, nicht den anreiz die Binnenkonjunktur anzukurbeln.

    Deutschland müsste nicht sparen, gäbe es eine Börsenumsatzsteuer und/oder eine Vermögenssteuer.

    Eine Finanzkrise gab es doch nur bei den Banken, die der Staat dann aber abgesichert hat. Die Banken kamen ungeschoren davon, die Last trägt der Steuerzahler.

    Die Banken hatten nur Probleme, weil investiert wurde in einen Markt, der ewige Gewinne und Gewinnsteigeungen versprach und natürlich nicht halten konnte.

  • Rolfrüdiger Traub

    Noch so’n Professor der Ökonomie. Wieso wird man da überhaupt Professor, Ökonomie ist keine Wissenschaft an sich, vergleichbar mit den Naturwissenschaften. Von diesen ist sie Lichtjahre entfernt.
    Lassen wir den Prof. bei seinem Glauben, denn Wissen ist es nicht.