Gewinn ist so notwendig wie die Luft zum Atmen, aber es wäre schlimm, wenn wir nur wirtschaften würden, um Gewinn zu machen, wie es schlimm wäre, wenn wir nur leben würden, um zu atmen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

18 SozialesSteuern und Finanzen

GKV: Marktwirtschaft oder Planwirtschaft

Die Krankenkassenbeiträge steigen kontinuierlich. Passiert nichts könnten sie sogar bis auf 28 Prozent im Jahr 2040 ansteigen.

Gerade erst wurden die Beiträge zu gesetzlichen Krankenkasse – dank Steuermilliarden – von 15,5 auf 14,9 Prozent heruntergeschraubt. Nun sind die Kassen wieder leer und die Beiträge steigen wieder auf 15,5 Prozent. Doch das eigentliche Problem ist damit nicht gelöst. Auf die Steuer- und Beitragszahler rollt ein Kostentsunami, wenn nicht endlich eine systematische Umsteuerung gelingt.

Im Jahr 2040 wird es doppelt so viele Alte und Kranke geben wie heute. Gleichzeitig verringert sich die Anzahl der Zahler um ein Drittel. Allein dieser demographische Effekt wird die Beitragssätze bei gleich bleibendem Leistungsniveau auf 20 Prozent steigen lassen. Rechnet man den Kostendruck durch den medizinischen Fortschritt hinzu, muss der Beitrag auf etwa 28 Prozent steigen – für die kommenden Generationen unzumutbar.

Was ist also zu tun? Erst einmal: Lohn und Gesundheit muss entkoppelt werden, denn eine Lohnerhöhung macht nicht kranker. Doch die Lösung des Problems liegt auf der Ausgabenseite. Hier bestehen grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder wir verstaatlichen das ganze System endgültig und überlassen die Rationierung dem Staat. Ärzte werden dann qausi zu Beamten, die nach Wartelisten und Punktesystemen behandeln und um 17 Uhr Feierabend machen. Der Preis ist dann eine Zwei-Klassengesellschaft, denn Reiche gehen – wie in England – woanders hin. Oder aber wir wählen die Marktlösung. Ärzte und Krankenhäuser werden dann zu Unternehmen die Geld verdienen wollen und sollen. Die Patienten sind Kunden und erhalten für die in Anspruch genommenen Leistungen eine Rechnung, die sie deshalb gut prüfen, weil sie die Rechung nur zum Teil erstattet bekommen.

Beide Möglichkeiten sind umsetzbar: Die planwirtschaftliche Lösung bietet für alle – bis auf die ganz Reichen – eine gleiche Versorgung auf niedrigem Niveau. Die Marktwirtschaftliche schafft grundsätzlich eine bessere Versorgung für alle, doch die Ungleichheit der Behandlungen wird größer. Wir müssen uns entscheiden: Eine gute Versorgung, oder die Tatsache, dass bei schlechter Versorgung der Nachbar auch nicht mehr hat.


Die ursprüngliche Langfassung dieses Beitrags ist am 07.07.2010 im Handelsblatt erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Realist

    Herr Raffelhüschen weiss also schon heute, wie die Gesellschaft im Jahr 2040 aussehen wird. Das erinnert schon sehr an die Personen die früher auf der Kirmes die Zukunft prognostziert haben. Wer sagt uns, das morgen nicht der 3. Weltkrieg ausbricht, in Deutschland Öl gefunden wird, ein massiver Einwanderungsboom nach Deutschland einsetzt oder andere Strukturbrüche entstehen?
    Aufgrund der demographischen Entwicklung werden die Kosten der KV sicherlich steigen. Der Lösungsansatz á la Freiheit oder Sozialismus scheint hierzu wenig hilfreich zu sein. Warum sollen wir nicht das gegenwärtige System beibehalten und den Steuerzuschuss für die GKV erhöhen. Dies finanzieren wir mit einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes. Die skandinavischen Länder zeigen, dass ein solches System nachhaltig ist und Spitzenleistungen möglich macht. Die Entscheidung zwischen britischem NHS und einer Privatisierung der Krankheitsrisiken ist daher völlig unnötig.
    Für Prof. Raffelhüschen lohnt sich der Vorschlag natürlich, schließlich steigt sein Einkommen im Falle einer Privatisierungslösung, v.a durch Zuwendungen seiner Auftraggeber. Im Zweifelsfall baut er sich einen Zaun um sein Haus, um von den auf der Straße lebenden Kranken nicht belästigt zu werden.

  • Raffelhüschen welcher Mitglied im Aufsichtsrat der ERGO Versicherungsgruppe, sowie wissenschaftlicher Berater für die Victoria Versicherung AG tätig ist will mal wieder gegen die GKV wettern. Wieso es 2040 doppelt so viele Kranke geben und das System doppelt so teuer sein soll verät er nicht. Es passt aber in das Konzept seiner Versicherungstätigkeit. Mache andere Angebote madig und verkaufe deines als das Beste. Das die Kosten der privaten Kassen in den letzten 10 Jahren deutlich mehr gestiegen sind als die der Öffentlichen verschweigt er. Auch, dass durch gezielte Mitgliederwahl die Kosten natürlich geringer werden verschweigt er auch. Wenn die privaten Kassen jeden nehmen müssen und dies zu passablen Preisen ist der Vorteil weg. Dies alles verschweigt Herr Raffelhüschen. Seine Aussagen haben keine Substanz. Sie dienen nur dazu den privaten Bereich zu erweitern, damit er als Berater der Versicherer weiter fleißig verdienen kann.

  • Keynesianer

    Ist lustig was der Lobbyist Raffelhüschen wieder verbreitet. Der Kuchen (BIP) wird immer größer und die Menschen in diesem Land werden immer weniger.
    Die Stücke können bei einer vernünftigen Partizipatizion für jeden größer werden. Herr Raffelhüschen läßt bei seine Taschenspielertricks gerne entscheidende Faktoren wie die Produktivitätssteigerung weg, bei anderen Dingen hingegen spiel er gerne Dichter statt Denker!

    Ich kann mich den Aussagen von Chrivi und Realist nur anschließen!

    Oskar Lafontaine: “Die Marktwirtschaft ist das überlegene Organisationsprizip”
    Ja, nicht mehr und nicht weniger. Allerdings kann eine Marktwirtschaft auch zu schwachsinnigen ergebnissen führen. Der Markt regelt eben nicht alles von selbst und makroökonomische Fehlstellungen beseitigt er nur in einer irrealen Tacka-Tacka-Welt! Die INSM-setzt ja auch nicht darauf, daß der markt alles von selbst regelt sondern auf Lobbyismus! Die INSM bringt die Marktwirtschaft irgendwann noch so richtig in Mißkredit!

  • Karl-Heinz

    “Ärzte und Krankenhäuser werden dann zu Unternehmen die Geld verdienen wollen und sollen. Die Patienten sind Kunden…”

    Nicht erst dann , sondern auch heute wollen Ärzte Geld verdienen. Geht natürlich am besten , wenn sie ihre Patienten als Kunden sehen.
    Heilt der Arzt schnell, hat er nichts verdient. Behandelt er stattdessen über einen längeren Zeitraum, steigt auch sein Gewinn.

    Eigenes Erleben 2010:
    Hörtest Ohrenarzt: Diagnose atypisches Hörvermögen.
    Überweisung CMRT.
    Sprechstunde Ohrenarzt Bilder begucken. Diagnose , ich sehe was, was du nicht siehst.
    Überweisung CT , Überweisung Neurologie.
    Sprechstunde Ohrenarzt: Bilder begucken und Gutachten Neurologe erklären lassen
    Diagnose: Scheint doch alles in Ordnung zu sein.

    Tja Herr Raffelhüschen und was prüfe ich jetzt auf der Rechnung?
    Der Patient kann doch garnicht wissen welche Untersuchung vielleicht sinnlos war. Von daher kann ein Patient nie gleichberechtigter Markteilnehmer sein.

  • Michael Klein

    Es ist wirklcih erstaunlich, was fuer eine Argumentationsunkultur in Deutschland herrscht!

    Zunaechst einmal eine Verteidigung fuer Raffelhueschen: Er macht eine Prognose, leitet daraus bestimmte Bedingungen ab und weist auf Konsequenzen hin, die sich daraus ergeben und deretwegen man heute bereits handeln muesste, um sie eventuell zu vermeiden. Daran ist erst einmal nichts auszusetzen.

    Aber:

    @Realist bestreitet die Moeglichkeit der Prognose, warum er eine Prognose fuer Unmoeglich haelt, verschweigt er, stellt aber gleichzeitig seine eigene an, naemlich, dass eine Erhoehung der Spitzensteuersaetze die Luecke in der GKV schliesst. Implizit macht er dabei die Annahme, dass die Einnahmen aus der Erhoehung in Zukunft dem entsprechen, was man heute als potentielle Einnahmen berechnen koennte. Realist – in seinen eigenen Worten – weiss also, was morgen oder 2020 oder 2030 oder 2040 sein wird – und das, ohne dass er Kriege und Ungluecke in Rechnung stellt. Aber genau das nicht zu tun, wirft er Raffelhueschen vor. Seltsam.

    @chriwi weiss, dass Raffelhueschen Lobbyist ist und deshalb sind seine Argumente, so meint chriwi, falsch. Dies haben u.a. die Logiker des Mittelalters als Fehlschluss ad hominem identifiziert. Dass man jemanden nicht mag und seine Ueberzeugungen ablehnt, hat mit den Argumenten, die dieser jemand vortraegt, nichts zu tun. Warum chriwi denkt, Argumente muessten immer Ausdruck eigener Interessen sein, weiss ich nicht, die aus psychologischer Forschung (Festinger und Maslow z.B.) abzuleitende Hypothese waere, er uebertraegt das, was fuer ihn normal ist auf andere.

    @Keynesianer weiss, dass Raffelhueschen mit Taschenspielertricks unterwegs ist, vergisst aber – wie gewoehnlich – in seinen Beitraegen etwas anderes als unbelegte Behauptungen zu verbreiten.

    @Karl Heinz hat ein Problem und eine Frage, die man beantworten kann, z.B. mit der Gegenfrage, warum er seine Frage hier stellt und nicht den Ohrenarzt mit den selben Fragen beglueckt hat. Ausserdem gibt es die Moeglichkeit , sich Rechnungen erklaeren zu lassen…

    Nun zurueck zum Anfang und zur ArgumentationsUNkultur: @Realist, @chriwi und @Keynesianer finden nichts dabei, einen ihnen namentlich bekannten Autoren zu diskreditieren, und zwar einzig mit Behauptungen und sind doch nicht Manns genug, mit dem eigenen Namen fuer ihre Behauptungen zu stehen. Statt dessen verstecken sie sich hinter einem Pseudonym, das es leichter zu machen scheint, Beleidigungen zu verteilen. Ich finde ein solches Verhalten schlicht verachtenswert und moechte an dieser Stelle keine weiteren Betrachtungen ueber Charakter und Persoenlichkeit anstellen. Der Verweis auf Adornos F-Skala moege genuegen. Fuer die Zukunft waere es hilfreich, wenn die Feigheit es schon nicht zulaesst, mit dem eigenen Namen zu stehen, sich wenigstens an die im Internet herrschende Etikette zu halten und mindestens Beleidigungen und Diskreditierungen zu unterlassen.

  • Keynesianer

    @ Michael Klein

    Zitat Michael Klein
    “Keynesianer weiss, dass Raffelhueschen mit Taschenspielertricks unterwegs ist, vergisst aber – wie gewoehnlich – in seinen Beitraegen etwas anderes als unbelegte Behauptungen zu verbreiten.”

    Aber nein, ich nenne den Trick! Das mag ihnen ja nicht gefallen, aber nehmen sie das doch bitte zur Kenntnis!

    Was die Verflechtungen des Lobbyisten Herrn Raffelhüschen angeht, so geht es nicht um Beleidigungen, sondern um Aufklärung! Wir leben hier nicht in der DDR!
    Im Zeitalter das Internets kann jeder gerne die Verflechtungen mit ein paar Klicks nachprüfen. Da erkennt man sehr schnell wer desinformiert und wer informiert!

  • Michael Klein

    @Keynesianer
    Soso, Sie haben den Trick genannt, wer haette das gedacht… Nun denn, dann schaun wir mal, ob sie mit Loesungen genau so schnell und einfach bei der Hand sind wie mit negativen Qualifikationen. Wenn Sie so auf Ihrem Produktivitaetswachstum bestehen, dann rechnen Sie jetzt aus, wie hoch Ihr Produktivitaetswachstum ausfallen muss, um die vorhersehbaren Mehrkosten der GKV zu decken und stellen sie dabei als Restriktion in Rechnung, dass sich das Verhaeltnis erwerbstaetige Bevoelkerung – nichterwerbstaetige Bevoelkerung deutlich aendern wird. Sobald Sie die Loesung haben, bitte hier publizieren, und bis dahin, bitte keine Beitraege der genannten Art mehr posten. Noch ein Hinweis, in der General Theory finden Sie die Loesung fuer die Aufgabe nicht (dafuer aber eine Reihe von (Rechen)Fehlern). Vielleicht hilft Ihnen ja der Hinweis auf die Moeglichkeiten linearer Programmierung bei der Suche nach einer Loesung weiter.

    Ich sehe immer noch nicht wo die Taetigkeiten des Herrn Raffelhueschen irgend etwas mit seinen Argumenten zu tun haben. Und in der Tat, wir leben nicht in der DDR, deshalb sollten Sie sich mit ihrer Form der Denunziation zurueckhalten. Ich will Ihren Eifer auch nicht eindaemmen, aber dennoch darauf hinweisen, dass ich die Taetigkeiten von Herrn Raffelhueschen nicht in Frage gestellt habe. Warum sollte ich, im Gegensatz zu Ihnen halte ich sie hier fuer nicht erheblich. Und um es noch einmal deutlich zu sagen, solange Sie hier unter Pseudonym unterwegs sind, sehe ich nicht, wo Sie das Recht hernehmen wollen, ueber andere und deren Verflechtungen zu schwadronieren. Wie ist dass denn mit Ihnen, seit Jahren Mitglied in Attac? Offizieller beim DGB oder in einer parteinahen Stiftung? Einfamileinhaus, 600m2, Urlaub in Italien, Jazz, Rotwein und Spagetti …?

  • pincorrect

    keine Sorge , die hervorragende Einwanderungspolitik wird die Probleme beheben da nur hochqualifizierte ins Land kommen – http://www.bmi.bund.de/cln_183/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2010/07/asylzahlen_juni2010.html

  • Keynesianer

    @ Michael Klein

    Erkären sie mir doch einfach einmal warum bei einem wachsenden Kuchen dem eine schrumpfende Bevölkerung gegenüber steht (Demographie) die Kuchenstücke für die absolute Bevölkerungsmehrheit ANGEBLICH immer kleiner werden müssen?!

    PS. Ihr Diskussionstil ist unter der Gürtellinie und ob Sie überhaupt Michael Klein sind und welcher Michael Klein von vermutlich tausenden Michael Klein in Deutschland (?) sie sind ist mir Schnuppe!

  • Keynesianer

    @ Michael Klein
    Zitat Michael Klein

    “Hinweis, in der General Theory finden Sie die Loesung fuer die Aufgabe nicht (dafuer aber eine Reihe von (Rechen)Fehlern). ”

    Keynes besteht nicht nur aus der General Theory und er ist auch kein Dogma insbesonders, da er selbst völlig undogmatisch war. Aber ich würde ihnen diese dennoch einmal ans Herz legen. Sie werden mit Sicherheit beim Mathematiker Keynes weniger erleben, daß er falsche Modellwelten schafft um diese abseits der Realität rechenbar zu machen.
    Wenn sie sich mit der General Theory beschäftigt hätten, dann würden sie wissen, daß Keynes makroökonomische Zusammenhänge dort logisch erschließt und sie werden Berechnungen dort sehr vermissen!

    „Die klassischen Theoretiker gleichen euklidischen Mathematikern in einer nichteuklidischen Welt, die entdecken, dass scheinbar parallele gerade Linien in Wirklichkeit sich oft treffen, und denen kein anderes Mittel gegen die sich ereignenden bedauerlichen Zusammenstöße einfällt, als die Linien zu schelten, dass sie nicht gerade bleiben.“

    -J.M. Keynes

    Sie verwechseln wohl Keynes mit klassischen Theoretikern oder mit John Hicks, der versucht hat Keynes in Modelle zu gießen!

    Pseudokeynesianismus ist aber weit verbreitet! Vor allem bei gewissen Leuten denen die neoklassische Theorie gerade wieder um die Ohren geflogen ist!

    „Einige Leute scheinen daraus abzuleiten, Produktion und Einkommen könnten erhöht werden, indem man die Geldmenge erhöht. Aber dies ist so, als würde man versuchen dick zu werden, indem man sich einen längeren Gürtel kauft.“

    -J.M. Keynes

    Das Original sieht manche Dinge anders als manche Verzweiflungstäter, die aktuell vermeintlich Keynes aus der Schublade holen

  • @Michael Klein

    “Produktivitaetswachstum”
    Man kann dieses Wachstum tatsächlich ausrechenen. Es ist eine simple Gleichung. Sie müssen einfach nur den Produktionsverlust (durch Rente) durch die Anzahl der restlichen Arbeiter/Angestellten teilen.Dann haben sie die nötige Steigerung.
    Der Keynesianer hat recht wenn er sagt: “Der Kuchen (BIP) wird immer größer und die Menschen in diesem Land werden immer weniger.”

    Das heißt wie haben kein Wirtschafts- oder Systemproblem wie Herr Raffelhüschen uns weiß machen will. Wir haben ein Motivationsproblem dieses BIP zu verteilen, so dass man Renten- und Gesundheitssystem bezahlen kann.

    Wenn man sich überlegt, dass in Deutschland offiziell 3.5 Millionen Arbeitslose rumlaufen und wahrscheinlich mehr. Dort liegt sehr viel Produktionskapazität brach. Diese 3.5 Millionen können locker die Zunahme der Rentner abfedern. Werden sie selber zu Rentnern kosten sie das System heute und in der Zukunft Geld. Die Welt ist eben nicht so einfach wie es der Herr Professor behauptet. So lange die Kosten nicht höher als 100% liegen sind sie prinzipiell erst einmal Finanzierbar. Die Alterssteigerung der letzten 100 Jahre wurden doch auch prima abgefedert.

    Zur Privatisierung kann man nur folgendes sagen. In Texas ist das System wesentlich teurer als hier. Dort ist fast alles Privatisiert. Das Problem liegt in den unterschiedlichen Zielen der Teilnehmer. Die Kranken wollen gesunden. Gelingt das den Ärzten zu schnell verdienen sie kein Geld. Nimmt man Pauschalsätze, dann leidet die Betreuung und der Wettbewerb. Nimmt man die Qualität der Behandlung, dann wird es wieder teuer, da man alles unternimmt um die Qualität zu steigern. Auch gehen sie davon aus, dass Konkurrenz herrscht. In wie vielen Kleinstädten gibt es mehr als ein Krankenhaus. Ich werde sicher nicht bei einem Notfall die Stadt wechseln.

    Ein Schlusssatz zum Lobbyismus. Würden sie einem Gebrauchtwagenhändler glauben, dass mit einem Auto alles in Ordnung ist? Würden sie es ohne Kontrolle kaufen? Der Händler will das Auto los werden. Ebenso will Raffelhüschen seine Versicherer unterstützen. Ob er selber daran glaubt oder es nur wegen des Geldes macht weiß ich nicht.
    Wenn sie also einem Versicherungsvertreter, Autohändler, etc. Misstrauen fallen sie in das gleiche mittelalterliche Schema.

  • Michael Klein

    @Keynesianer,

    der Rotwein hat scheinbar gewirkt …

    Leider lassen Sie mir keine andere Wahl, als Ihr Idol vom Sockel zu stossen. Und da Sie Keynes scheinbar nur aus dem Lexikon der 1000 oekonomischen Zitate kennen, koennen Sie den kleinen Hinweis, der nun folgt, als Weiterbildung betrachten:

    Sie schreiben: “Wenn sie sich mit der General Theory beschäftigt hätten, dann würden sie wissen, daß Keynes makroökonomische Zusammenhänge dort logisch erschließt[,] und sie werden Berechnungen dort sehr vermissen”

    Ich wuenschte, Keynes ginge logisch vor, dann waeren ihm vermutlich einige der krasseren Widersprueche seiner “Theorie” aufgefallen…
    Aber zu behaupten, Keynes ginge nicht mathematisch vor… Nun, ich weiss ja nicht, was Sie unter Mathematik verstehen, aber vielleicht koennen wir uns einigen, dass Gleichungen etwas mit Mathematik zu tun haben und dann nehmen Sie einmal Ihren Keynes (also das Buch nicht die Bueste) zur Hand und lesen z.B. in der 2006er Ausgabe auf Seite 261: “It is easily shown that

    ep=1-e0(1-ew)^4.

    This equation is … a first step to a generalized Quantity Theory of Money”.

    Damit ist Ihre oben zitierte Aussage falsifiziert.

    Dann: Wenn ein Kuchen waechst, dann koennen alle nur dann ein groesseres Stueck abhaben, wenn die Kosten fuer den Kuchen (oder die Zutaten) nicht mitwachsen. Das tendieren Keynesianer generell zu vergessen: there is no free lunch! (Sie sehen, ich kenne das Lexikon der 1000 Oekonomenzitate auch…)

    Ok, wenn Sie meinen Diskussionsstil zu bemaengeln haben, dann nennen Sie mir, was daran beanstandenswert ist. Kurz, fuegen Sie ein WEIL an die Aussage “Ihr Diskussionsstil ist …”, an. Im Gegensatz zu Ihnen habe ich angegeben, warum ich ihren Diskussionsstil verachtenswert finde. Zur Erinnerung, wenn man sich hinter der eigenen Anonymitaet verschanzt und andere beleidigt, dann finde ich das einfach nur schofel.

    Da Sie so gerne googlen, googlen Sie doch einmal nach Michael Klein. Den Namen gibt es oefter, aber mich mit den Meinungen, die ich hier vertrete, gibt es nur einmal im Netz.

  • Michael Klein

    @chriwi

    Zu ihren ersten beiden Absaetzen verweise ich auf das posting an @Keynesianer oben.

    Mit ihrem Arbeitslosenargument haben Sie in einer idealen Welt, in der jeder Arbeitslose auf eine offene Stelle “gematcht” werden koennte, Recht. Aber eine solche Welt haben wir nicht. In vielen Faellen gibt es eine Diskrepanz zwischen dem Humankapital, das ein Arbeitsloser hat und dem, das fuer eine Arbeitsstelle gefordert wird. Und da es in D. nicht moeglich ist, Jobs im Landbau mit deutschen Arbeitslosen zu fuellen bzw. rentable Taetigkeiten im unteren Bereich von Dienstleistungen zu schaffen, wird sich an dem mismatch zwischen Arbeitslosen und Arbeitsstellen auch in absehbarer Zukunft nichts aendern. Und dass Arbeitslose mit der Dauer ihrer Arbeitslosigkeit einen Verlust an Humankapital erleiden, macht das beschriebene Problem nicht geringer.

    Zum Gebrauchtwagenhaendler: Sie reden vom “Glauben” und darin besteht genau das Problem. Nein, ich wuerde dem Gebrauchtwagenhaendler nicht glauben, und vermutlich wuerde ich auch seine Interessen in Rechnung stellen, aber ich wuerde seine Aussagen unabhaengig pruefen, d.h. ihm den benefit of a doubt einraeumen und nicht gleich jede seiner Aussagen als “tainted” ablehnen. Ihr Ansatz scheint mir der institutionalisierte Fehlschluss der Verneinung des Antecedens zu sein, nur weil jemand ein Interesse hat, muss man nicht annehmen, dass seine Aussagen unwahr sind. Wie sollte man sich auf Basis einer solchen Annahme auch unterhalten bzw. wozu, denn – und das ist der zweite Teil des Arguments, das ich hier gemacht habe, was fuer Raffelhueschen gelten wuerde, wuerde auch auf Sie zutreffen. Warum posten Sie in diesem Blog? Welche Interessen verfolgen Sie? Warum ist es Ihnen so wichtig, die Person zu diskreditieren? Warum nutzen Sie ein Akronym Ihres Names und nicht den eigentlichen Namen? Waere ich wie Sie, dann wuerde ich denken, Sie verfolgen eine hidden agenda, die so schrecklich ist, dass Sie es nicht einmal wagen, mit Ihrem eigenen Namen dafuer zu stehen. …

  • Keynesianer

    Zitat Chriwi
    “Das heißt wie haben kein Wirtschafts- oder Systemproblem wie Herr Raffelhüschen uns weiß machen will. Wir haben ein Motivationsproblem dieses BIP zu verteilen, so dass man Renten- und Gesundheitssystem bezahlen kann.”

    Delbst Reinhard Miegel mußte zugeben, daß es unter diesem Blickwinkel heraus kein Problem gibt!

    Eine gewisse Problematik erkennt Miegel mittlerweile auch:

    Zitat Reinhard Miegel:

    “Jetzt werden die wirtschaftlich Stärkeren abgeben müssen, wenn soziale Spannungen beherrschbar bleiben sollen. Dass das ein erhebliches Umdenken erfordert, steht außer Frage. Denn gerade in neuerer Zeit haben sich die wirtschaftlich Stärkeren weit überproportional am Erwirtschafteten bedient und die anderen hatten das Nachsehen. Dadurch ist die Gesellschaft wirtschaftlich auseinander gedriftet. Eine solche Entwicklung ist nicht tolerabel”

  • Keynesianer

    @ Michael Klein

    Es ist bei ihnen wohl mehr ein reliöses Problem aus einem ideologischen Dogmatismus heraus!

    Selbstverständlich betrachtet man den wachsenden Kuchen bereinigt!

  • Michael Klein

    @Keynesianer
    nicht immer von sich auf andere schliessen.

    Wenn man den wachsenden Kuchen bereinigt betrachtet, dann fragt sich (1) worum er bereinigt wurde, in ihrem mentalen Modell und (2) ob ein bereinigter Kuchen immer noch waechst .. Hier die Zahlen der OECD zum GDP in D, beachten Sie vor allem die Minuszeichen!

    Average 1985-95
    1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011

    Germany 2,7 1,0 1,9 1,8 1,9 3,5 1,4 0,0 -0,2 0,7 0,9 3,4 2,6 1,0 -4,9 1,4 1,9 –

    Und ganz nebenbei moechte ich noch darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der Oekonomen sich darueber einig ist, dass die Grundlage von Wachstum der Kapitalstock einer Gesellschaft ist, wenn Sie also den Kapitalstock verringern, dann verringern Sie automatisch das zukuenftige Wachstum und deshalb ist ein “bereinigter wachsender Kuchen” nicht notwendig mit einem groesseren Anteil identisch. In der Psychologie handelt man derartige Probleme unter dem Rubrum kurzfristige und langfristige Beduerfnisbefriedigung ab und der Tenor ist, wenn man jetzt (kurzfristig) alle Vorraete auffrisst, dann hat man morgen (langfristig) nichts mehr zu essen. Und ich dachte immer, Linke haben so viel Sorge um die nachwachsenden Generationen…

  • Michael Klein

    @Keynesianer

    Besonders interessant an Ihren Beitraegen finde ich im Uebrigen, worauf Sie mit Sicherheit eingehen und worauf Sie alles nicht eingehen …:)

  • “Warum ist es Ihnen so wichtig, die Person zu diskreditieren?”

    Ich weise nur darauf hin, dass Herr Raffelhüschen ein Lobbyist ist.

    Ab Minute 3:34
    http://www.youtube.com/watch?v=PsiZZnPsSX0&feature=related

    Somit muss man seine Aussagen hinterfragen, oder nicht?