Es ist beispielsweise in höchstem Maße widerspruchsvoll, wenn der Staatsbürger über die unerträgliche Höhe der Steuerlast klagt, gleichzeitig aber vom Staate Hilfen erwartet, die diesem das moralische Recht geben, noch immer höherer Steuern einzuheben. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

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Falsche Anreize

Die Bad Bank soll helfen, die Bankbilanzen von sog. toxischen Wertpapieren zu befreien und das Vertrauen der Banken untereinander wieder herzustellen. Dabei gibt es jedoch ein Dilemma: Um sicher gehen zu können, dass die Banken wirklich alle Wertpapiere auslagern, müssen die Konditionen attraktiv sein, weiterhin darf es für die Banken keine Verpflichtung geben, für Verluste bei der Abwicklung der Papiere später haften zu müssen. Allerdings setzt man hiermit die falschen Anreize, nämlich dass derjenige, der hohe Risiken eingeht, später mit großzügiger Hilfe rechnen kann. Wettbewerbsneutral ist eine staatlich gestützte Bad Bank auch nicht, denn diejenigen, denen die Staatshilfe heute zugute kommt, werden künftig umso aggressiver am Markt auftreten.

Auch die nun auf dem Tisch liegenden Vorschläge für die Einrichtung von Bad Banks lösen dieses Dilemma nicht. Können die Banken ihre toxischen Wertpapiere zum Buchwert verkaufen, sind sie ihre Verlustbringer zwar auf elegante Weise los, die Verlustrisiken trägt aber der Steuerzahler, wenn der Ankauf über eine staatlich garantierte Anleihe erfolgt. Müssen die Banken dagegen die Verluste aus der Verwertung der Wertpapiere später tragen und dafür Rückstellungen bilden, kann man die Papiere auch gleich bei den Banken belassen. Der Versuch, das Problem durch eine Bewertung der Wertpapiere oder durch die Entrichtung einer angemessenen Risikoprämie zu lösen, wird scheitern: Dieser Weg ist zu teuer, zu langwierig und letztlich wird man einsehen müssen, dass es keinen objektiv richtigen Wert gibt.

  • Autor

    Prof. Dr. Th. Hartmann-Wendels

    ist Direktor des Seminars für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Bankbetriebslehre sowie Geschäftsführender Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität zu Köln.

  • Womit wir im Endeffekt mehr oder weniger zwangsläufig bei der Verstaatlichungslösung landen. Zumindest sehe ich nicht, was man sonst machen kann…

  • Nicht-Dogmatiker

    Warum werden keine Lösungen in diesem Blog präsentiert?
    Es wäre auch einmal schön, wenn Leute präsentiert werden, deren Institute über “Geldflüsse” NICHT mit Banken verbunden sind. Es gibt Lösungen, nur sind diese offenbar von der INSM nicht gewollt!

  • Sehr geehrter Herr Professor,

    Ihre Ausführungen sind deutlich zutreffender als die Ihres Kollegen van Suntum. Dennoch ligen auch Sie falsch: Sie verwechseln “Bankbetrieb” mit “Bankgesellschaft” wie zahlreiche Ihrer Kollegen auch. “Systemisch” im politischen Sinne kann aber nur der Bankbetrieb sein, nicht die aktuellen Aktiengesellschaften, in die dieser eingebettet ist. Diese sind volkswirtschaftlich irrelevant, und ihre Eigentümer mögen pleite gehen oder nicht, keinen Menschen müßte es kümmern.

    Wie ein “Betrieb” von seiner “Rechtsform” getrennt wird und als eigenständige, zukunftsfähige Lösung bestehen kann, kann Ihnen jeder Insolvenzverwalter erzählen, der terminus technicus lautet “übertragende Sanierung”.

    Eine solche, speziell für den Bankbereich, haben sehr detailliert Willem Buiter oder Paul Romer skizziert, u.a. Buiter in seinem letzten Blogeintrag am Beispiel der deutschen Commerzbank (http://blogs.ft.com/maverecon/2009/04/why-weber-is-half-right-but-completely-wrong/).

    Sie werden zugeben müssen, dass derartige Lösungen im wahrsten Sinne des Wortes “marktwirtschaftlich” sind, während das Modell Ihres Kollegen van Suntum jeder Ahnung dieses Begriffs Hohn spottet. Es gibt also objektiv sehr wohl einen “richtigen” Weg, nur ist der ideologisch/interessenspolitisch sehr häufig verbaut.

    Gruß,
    Thomas Strobl

  • Pingback: Tolle, neue Bad Bank-Abenteuer mit der INSM — WEISSGARNIX()

  • Adlib

    @ Nicht-Dogmatiker: Wo wollen Sie denn einen Experten herzaubern, der über seine institutionelle Gebundenheit nicht mit irgendeiner Bank verbunden ist? Aus dem Weltall?

    Außerdem erwarte ich doch von einem Weblog keine Lösungen. Ich finds ganz okay, wenn ich hier ein bisschen Futter zum Nachdenken bekomme.

  • update 2.0

    @Adlib. Vielleicht ist das Manager-Magazin ja an solche außerirdischen Kontakte gekommen? http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,druck-619203,00.html

    Man könnte also Jospeh Stiglitz (Wirtschaftsnobelpreisträger) fragen. Er wird wahrscheinlich weitere Experten nennen können. Gut genug für die Titelseite der INSM scheint er ja auch zu sein (wenn auch nur in fein abgestimmter Dosis).

    Es ist keineswegs so, dass es keine Alternativen gäbe!