Unternehmer wird man nicht in fünfzig oder fünfhundert Wochen. Um Unternehmer zu werden, braucht es eine Nacht, neun Monate und vierzig bis fünfzig Jahre Erfahrung. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

9 FinanzmarktSozialesSteuern und Finanzen

Weg mit der Rentengarantie!

Im vergangenen Jahr die Bruttolöhne und Gehälter der Arbeitnehmer aufgrund der Wirtschaftskrise rückläufig. Folglich hätten in diesem Jahr auch die Renten sinken müssen. Doch die Rentengarantie hat das verhindert.

Im Grundsatz ist es so: Steigen die Löhne, steigen die Renten im darauf folgenden Jahr nach Maßgabe der Rentenformel. Sinken die Löhne, sinken die Renten. Doch die Einführung der Rentengarantie hebelt dieses Prinzip aus. Der zweite Fall kann nicht mehr eintreten. Zum ersten Mal, wären in diesem Jahr die Renten tatsächlich rückläufig gewesen, denn Kurzarbeit und Entlassungen haben zu sinkenden Löhnen im letzten Jahr geführt. Diese Garantie kostet den Arbeitnehmer rund 5,1 Milliarden Euro bis 2017. Der Spielraum für zeitweilige Beitragssenkungen ist damit weg. Die Last wird einseitig auf die Schultern der Beitragszahler verteilt. Der Solidaritätsbegriff ist durch die Rentengarantie verunstaltet und die Generationengerechtigkeit ausgehebelt. Deswegen: Weg mit der Rentengarantie!


Bereits vor einem Jahr hat Prof. Raffelhüschen in einer Studie vor steigenden Beiträgen in Folge der Rentengarantie gewarnt. Er prognostizierte damals eine Beitragserhöhung auf 21,1 Prozent im Jahr 2011.

Zur Grafik: Die Rentensteigerungen beziehen sich jeweils auf die Bruttolohnentwicklung des Vorjahrs. Obwohl 2009 die Löhne rückläufig waren, stehten aufgrund der Rentengarantie keine Rentenkürzungen in 2010 an.

  • Autor

    Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen

    ist Direktor des Forschungszentrum Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

    Alle Beiträge

  • “Steigen die Löhne, steigen die Renten im darauf folgenden Jahr nach Maßgabe der Rentenformel”
    Da haben sie es sich ja schon selbst erklärt Herr Raffelhüschen. 2004-2006 sind die Rente gar nicht gestiegen, obwohl die Löhne gestiegen sind. 2009 ist es eben umgekehrt. Wie sie auf die 5.1 Milliarde kommen können sie gerne vorrechnen. Vor allem, weil das eine Mehrbelastung von knapp 18 Euro im Jahr für die arbeitende Bevölkerung pro Kopf wären. Selbst wenn die 5.1 Milliarden jährlich hinzukommen würden, wäre das eine üppige Mehrbelastung von knapp 11 Euro pro Monat. Da schreie auch ich Weg mit der Rentengarantie. Ich lasse mich gerne bei den Rechnungen belehren.

  • Kammerjäger

    Herr Professor Raffelhüschen,

    können Beamtenpensionen eigentlich auch sinken, oder nur unter der Voraussetzung des Staatsbankrotts?

  • Markus

    Bei diesem Beitrag kann man wirklich nur noch von Propaganda sprechen.

    Denn es wird nicht erwähnt, daß den Rentnern selbst in den vergangenen vorkrisenhaften wirtschaftlichen “Boomjahren” eine Nullrunde nach der anderen auferlegt wurde und daß die Rentner ihre sog. Rentengarantie durch Abschläge an künftigen Rentenerhöhungen letztlich selbst bezahlen müssen.

    Warum hat man nur den engen Zusammenhang zwischen Löhnen und Renten (“Dynamische Rente”) durch die Riester-Rentenformen wesentlich gelockert? Riesterfaktor und Nachhaltigkeitsfaktor bedeuten reale Rentenkürzungen!

    “Die Rente ist sicher!” – Norert Blüm steht auch heute noch zu seinem einstmaligen Ausspruch. Und er hat recht, wenn man nur nicht soviel an der umlagefinanzierten krisensicheren gesetzlichen Rente herumdoktoren würde.

  • Karl-Heinz

    “Die Last wird einseitig auf die Schultern der Beitragszahler verteilt. Der Solidaritätsbegriff ist durch die Rentengarantie verunstaltet und die Generationengerechtigkeit ausgehebelt.”

    Oh Herr , gib bitte auch den Ökonomen die Kraft , nicht immer nur die Spaltung der Gesellschaft voran zu treiben.

    Wie schreibt VDK Präsidentin Ulrike Mascher am 1.9.2009 u.a.:
    “Der volkswirtschaftliche Wert der Leistungen, die von den 60- bis 85-Jährigen in den Bereichen Ehrenamt, Pflege und Kinderbetreuung jährlich erbracht werden, wird von Wissenschaftlern auf 40 Milliarden Euro geschätzt. Das sind 40 Milliarden Euro, die der Staat und die Steuerzahler dank der unverzichtbaren Tätigkeiten der Rentner sparen. Über ein Drittel aller Pflegepersonen in den Familien sind älter als 65 Jahre. Jeder dritte 65- bis 75-Jährige engagiert sich ehrenamtlich in Sportvereinen, Sozialverbänden oder anderen Bereichen. Darüber hinaus unterstützen 31 Prozent der 70- bis 85-Jährigen regelmäßig ihre Kinder und Enkel finanziell. Umgekehrt erhält diese Altersgruppe nur in 2,7 Prozent der Fälle finanzielle Hilfe von ihren Nachkommen. Ältere leisten ihren Beitrag zum Zusammenhalt der Generationen. Sie sind wesentlicher Bestandteil des sozialen Kitts, der unsere Gesellschaft zusammenhält.
    Übrigens: Die Mehrheit der Jungen schüttelt ohnehin den Kopf über den künstlich geschürten Generationenkonflikt. Eine Umfrage des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” ergab, dass 64 Prozent der 20- bis 35-Jährigen der Auffassung sind, die Versorgung der Rentner gehe nicht zu Lasten der jüngeren Generation.”

    Ich fasse zusammen:
    Rentengarantie bis 2017 5,1 Miliarden Euro.
    Leistung der Rentner bis 2017 280 Milliarden Euro.

    Warum wissen das 64 % der 20-35 jährigen Menschen und ein gestandener Ökonom faselt von ausgehebelter Generatioengerechtigkeit ?

  • Hans Wurst

    Auweia,

    übelste Propaganda von einem Versicherungsvertreter der Ergo Gruppe mit Professoren Titel. Wenn Herr Prof. Raffelhüschen mal die Riesterrentenbeiträge zu den 19,9% RV-Beitrag addieren würde, wäre er bereits bei einem RV-Beitrag von 23,9% angekommen. Das sagt nur niemand der sogenannten Experten.

  • Volker Z.

    Ist ja nicht neues das alle die gegen die staatliche Rente vorgehen, in den Vorständen der privatwirtschaftlichen Versicherungswirtschaft ein und ausgehen!

    Die Finanzkrise hat 100.000 tausende Rentner in den USA mittelos gemacht, sie waren alle bei privaten Rentenfonds!

    Politiker sind käuflich, das nutzen Unternehmer und Konzernchefs schamlos aus!

  • Ludwig von Mises

    Die Sache ist doch völlig klar: Wir haben einen Topf, da Zahlen die Arbeitnehmer rein und die Rentner nehmen im Optimalfall raus was drin ist. Der Optimalfall ist, dass es genügend Beitragszahler gibt die den Topf füllen. Dann können die Rentner mehr raus nehmen. Gibt es weniger Zahler können die Rentner weniger rausnehmen-es sei denn, die Löhne der Beitragszahler steigen. Sinken die Löhne ist weniger Geld im Topf. Das war im letzten Jahr der Fall. Da man um den demographischen Faktor weiß, glättet man Ausschüttungen an die Rentner, damit nicht in einem Jahr mehr im anderen weniger ausgeschüttet wir und die Last des demografischen Wandels auf mehrere Generationen gleichmäßig verteilt wird. Das ist der Grund weshalb die Rentenerhöhung in einigen Jahren nicht so hoch, wie die Lohnsteigerung ausgefallen ist.
    Und außerdem: Raffelhüschen fordert nicht die Abschaffung der umlagefinanzierten, gesetzlichen Rente, sondern nur zusätzlich das private Standbein.

  • Keynesianer

    Nur weil immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird, wird sie nicht wahrer!

    Aus ökonomischer Sicht gibt es kein Demographieproblem (zumindest wenn man nicht Lobbyist ist) und nach ihrer Logik wäre die Rentenversicherung seit Jahrzehnten pleite. Tatsache ist, die Rentenversicherung wird demontiert.

    Die Propagandageschichte mit dem scheinbar plausiblem Märchen der notwendigen Rentenreduzierung ist nur deshalb plausibel weil sie entscheidende volkswirtschaftliche Faktoren wie die Produktivitätssteigerung wegläßt.

    Der Kuchen wird nach wie vor immer noch größer und die Menschen in diesem Land werden immer weniger (zumindest die Demographen sagen das)

    Mehr Kuchen für weniger Menschen => kleinere Stücke für die Mehrheit der Bevölkerung???

    Ist nicht ihr Ernst, oder?

    Es ist lediglich eine Frage der Partizipation an der Prodktivitätssteigerung in der Breite der Bevölkerung.
    http://www.youtube.com/watch?v=RP2gVE03J2c

  • @Ludwig von Mises

    In den Jahren davor war mehr im Topf und es gab keine Erhöhung. Wie wollen sie das begründen? Raffelhüschen mit seiner Kostenanalyse ist unseriös wie meine einfache Rechnung am Anfang zeigt. Er argumentiert mit den hohen Mehrkosten für den Einzelnen. Wenn ich mich privat versichere, wie weit komme ich da mit 18Euro/Jahr?