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Rockefeller, Banker und ihre Helfer

David Rockefeller, heute 95 Jahre und in den 70er-Jahren einer der einflussreichsten Bankiers der Welt, äußert sich in einem Interview mit dem Handelsblatt zu den Ursachen der Finanzkrise:

„Sie (die Banker, Anm. der Red.) haben eine Schlüsselrolle gespielt, gewiss. Die laxe Kreditvergabe, dazu die exotischen Finanzprodukte, die sie ihren Kunden verkauft haben. Beides sind Ursachen für den Ausbruch der Finanzkrise. (…) Die Banker sind nicht allein verantwortlich; sie hatten Helfer: Politiker, Hypotheken-Makler, die US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Auf dem Höhepunkt des Hypotheken-Booms war der Glaube an den unregulierten, freien Markt in den USA beängstigend stark. Dieser Glaube hat den meisten Menschen den kritischen Blick auf die Realität verstellt. So etwas passiert immer wieder, wie uns die Geschichte lehrt. Die Tulpenmanie im 17. Jahrhundert ist das bekannteste historische Beispiel für die maßlose Übertreibung der Märkte. Die aktuelle Krise wird vermutlich nicht die letzte gewesen sein. Es wird wieder passieren.“


* Das ganze Interview mit David Rockefeller kann man nachlesen auf der Onlineseite vom Handelsblatt.
* Das WebVideo „The Crisis of Credit Visualized“ von Jonathan Jarvis bietet zehn lehrreiche Minuten für alle, die wissen wollen, wie es zur Finanzkrise kommen konnte.

5 Kommentare zu “Rockefeller, Banker und ihre Helfer”

  1. Michael Klein sagt:

    Wieder so eine Meinung, mit der man viel, wenig oder gar nichts anfangen kann.

    Die Formulierung: “Uebertreibung der Maerkte” jegd mir allerdings einen Schauer ueber den Ruecken. Maerkte als eigenstaendige Akteure gibt es nicht. Es gibt nur Akteure, die sich u.a. an Maerkten treffen, um dort zu tauschen. Und beim Tauschen an der Boerse schneidet der am besten ab, der die besten Informationen hat. Entsprechend kann man bubbles und von solchen scheint Rockefeller zu sprechen, als run interpretieren, der von noise traders, also den Uninformierten, die an der Boerse tauschen wollen, ausgeloest wird. Dies ist im uebrigen auch die Erklaerung, die sich bei denen findet, die sich intensiv mit der Tulipmania auseinandergesetzt haben. So schreibt etwa Thompson:

    “tulip contract prices, before, during, and after the ‘tulipmania’ appear to provide a remarkable illustration of efficient market prices, where options prices approximated the expected costs of the information suppliers” (Thompson, 2006, p.109).

    Das liegt deutlich naeher an dem, was bereits Galbraith fuer den Great Crash geschrieben hat, naemlich, dass nicht die regulaeren Investoren der Boerse den Crash zu verantworten haben, sondern die vielen “Boersenfremden” (aus Mittelschicht und mitunter auch kleinen Leute), die das schnelle und viele Geld vor Augen hatten, das man vermeintlich an Boersen machen kann, auch wenn man nicht informiert ist.

    Zur Tulipmania, wen’s interessiert:
    Garber, Peter M., 1989: Tulipmania. Journal of Political Economy 97 (3): 535-560.
    Thompson, Earl A., 2006: The Tulipmania: Fact or Artifact? Public Choice 130 (1-2): 99-114.

  2. “sondern die vielen “Boersenfremden” ”

    Das halte ich für den heutigen Crash wenig realistisch. Dort waren die Deutschen Banken, die deutschen Versicherer, etc. sehr stark involviert. Jetzt können sie schreiben, dass hauptsächlich die öffentlichen Banken betoffen waren. Das ist aber nicht richtig (IKB, Commerzbank, HRE (über die HRE hingen die Deutsche Bank und die Allianz mit drinne)). Das sind nur einige der Akteure von einer breiten Masse an “regulareren” Investoren. In meinen Augen ist eine Blase nicht so einfach zu erklären. Selbst wenn die Banken um die Blase wissen müssen sie mitspielen um in Aufwärtstrend Gewinne zu machen. Das heißt selbst mit genügend Wissen ist der Zwang nach Gewinn und der Druck der Aktionäre da. Sie sorgen für das Ignorieren der Tatsachen.

    Ein weiterer Punkt, welcher in meinen Augen eine Rolle spielt und gegen die “Fremdinvetoren” in diesem Fall spricht ist die Menge an Vermögen. Wer kann denn auf den Finanzmärkten spekulieren? Es sind diejenigen mit einem Gewissen Vermögen. Nun haben diejenigen mit sehr wenig davon faktisch keinen Einfluss auf die Marktentwicklung. Wenn jeder Amerikaner 10% seines Vermögens spekulativ anlegen würde, dann würde in meinen Augen an Fremdinvestorengeld nur etwa 10-20% der Gesamtsumme ankommen. Denn die obersten 20% sind in meinen Augen keine Fremdinvestoren.

  3. Michael Klein sagt:

    @chriwi

    Ich denke, man muss in erster Linie einmal die Aepfel von den Birnen trennen. Der “Crash”, von dem Sie schreiben, und mit dem Sie wohl die Subprime Mortgage Krise meinen, ist kein Boersencrash in dem Sinne, in dem die Tulipmania oder der Great Crash ein Boersencrash war. Das Subprime-Problem, war ein Vertrauensproblem: Weil niemand wusste, was in Asset-Backed Securities (oder in RMBS), die am sekundaeren Markt gehandelt wurden, eigentlich enthalten ist, hat sich der haircut fuer ABS massiv erhoeht (das, ist der Abzug, den ein Investor vom Wert von Kollateral macht, um im Falle einer Insolvenz, die Kosten, die sich mit der Veraeusserung von Kollaterral verbinden, decken zu koennen), von 10% auf weit ueber 75%, so dass die entsprechenden ABS nicht mehr handelbar waren. Da ABS aber von Banken haeufig dazu genutzt werden, um am Repo-Markt kurzfristig Geld zu leihen, sind die Banken, die einen hohen Bedarf an kurzfristigem Kredit und wenig Aussenstaende an kurzfristigem Kredit hatten, ins Trudeln gekommen (das sind u.a. Lehman Brothers aber mehr noch Bear Stearns). Da zudem niemand wusste, wieviel von dem ABS-Krempel sich im Portfolio seines Gegenueber befindet, und wie liquide das Gegenueber morgen noch sein wird, haben Banken aufgehoert, sich gegenseitig Geld zu leihen. Kurz: es gab einen capital freeze und von da an, geht alles wie von selbst: Aktienmaerkte fallen, weil Investoren verkaufen muessen, um sich liquide Mittel zu beschaffen, die sie brauchen, weil margin calls in Menge erfolgen, das drueckt wieder den Aktienpreis und schon hat man einen wunderschoenen und sich selbst verstaerkenden Abwaertzprozess.

    Mit einer Spekulationsblase hat das Ganze daher ueberhaupt nichts zu tun, eher damit, dass in den USA zu viel “billiges” Geld vorhanden war, mit dem es moeglich war, selbst dem letzten Looser noch das eigene Haus zu verschaffen, wohlwissend, dass nach kurzer Zeit bereits der dafault ins Haus steht.

    Dass vor allem oeffentliche deutsche Banken (Landesbanken usw.) in den Strudel von maroden ABS geraten sind, haengt damit zusammen, dass die entsprechenden Banken aehnlich wie z.B. Northern Rock, eigentlich unterkapitalisiert sind. Wenn man sich die Herstatt Bank Pleite (1974) ansieht, dann draengtt sich die Gemeinsamkeit auf, dass heute wie damals Banker das grosse Investitionsrad gedreht haben und zwar in der Weise, dass die eigenen Assets zu den vorhandenen liabilities in keinem Verhaeltnis mehr stehen (damals durch das Ende von Bretton Woods befoerdert, heute durch die Moeglichkeit, Leverage an sekundaeren Maerkten zu generieren) . Der Unterschied zwischen damals und heute: Die Herstatt Bank ging in die Insolvenz, IKB und die diversen Landesbanken haben die Steuerzahler retten duerfen.

  4. Kynesianer sagt:

    Hierzu aktuell der Chefökonom der UNCTAD Heiner Flassbeck:

    Ich denke damit kann man mehr anfangen!
    http://science.orf.at/stories/1656890

  5. Michael Klein sagt:

    @Keynesianer,
    ich sehe nicht, was Madoff mit der Subprime-Mortgage Krise zu tun hat und denke, dass Herr Flassbeck nochmals ueber den ein oder anderen Punkt nachdenken sollte, z.B. ueber seine brennende Rede gegen die Spekulation in Waehrungen (weil wenn wir diese Spekulation beenden, dann bricht der deutsche Export aber massiv ein und von der SWAP-Finanzierung deutscher Schulden wollen wir gar nicht sprechen, ganz zu schweigen vom Ende des griechischen Zwischenhochs…) . Seine Forderung nach einer Trennung von Banken und Investmentgeschaeft, die es in den USA ja laengst gibt und die mitnichten dazu beigetragen hat, dass die letzte Krise verhindert worden waere, hat etwas fuer sich, denn sie wuerde das Ende von WestLB, Bayerischer LB und anderen LBs bedeuten, die – nachdem Anstalts- und Gewaehrtraegerhaftung entfallen sind, im internationalen Wettbewerb weitgehend chancenlos sind, wenn die Moeglichkeit, ein bischen Geld mit “Spekulation” zu verdienen, entfaellt … Es hat eben alles immer zwei Seiten …

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