Die moderne Gesellschaft mit marktwirtschaftlicher Ordnung ist ein Positivsummenspiel, was Eigennutzstreben rechtfertigt. Karl Homann, *19. April 1943, deutscher Ökonom

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Globalisierung: Weg aus der Armutsfalle

Weltweit sank zwischen 1981 und 2005 die Zahl der armen Menschen um über 500 Millionen.

Über die Auswirkungen von Globalisierung wird seit Jahren heftig debattiert. Kritiker behaupten, dass durch die Globalisierung die Kluft zwischen reichen Industriestaaten und armen Entwicklungsländer stetig wachsen würde. Zweifelsohne: Nach wie vor herrscht in manchen Teilen der Welt große Armut. Doch die Globalisierung dafür verantwortlich zu machen, wäre fragwürdig. Im Gegenteil: Der Globalisierungsprozess bietet die Chance, aus der Armut herauszuwachsen. Die Weltbank misst Armut in Entwicklungsländern mittels einer absoluten Armutsdefinition. Demnach gilt als arm, wem weniger als 1,25 Doller pro Tag zur Verfügung stehen.

Erfreulich ist: Die Zahl der Armen verringerte sich im Zeitraum von 1981 bis 2005 um gut 500 Millionen. Weniger erfreulich ist: Nicht überall ist der wachsende Wohlstand angekommen. Während vor allem Ostasien dank der gelungenen Integration in die Weltmärkte die Zahl der Armen um 751 Millionen verringerte (davon allein China um 627 Millionen), ist Armut in Subsahara-Afrika immer noch ein großes Problem: Dort ist lebten 2005 sogar 182 Millionen mehr Menschen in Armut als 1980. Bürgerkriege, Misswirtschaft, Korruption haben eine Teilhabe an den wachsenden Weltmärkten verhindert.


* Weitere Informationen zum Thema Globalisierung finden Sie im IW-Dossier Globalisierung.

* Hier geht es zum Bericht der Weltbank.

  • Autor

    Jürgen Matthes

    ist Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den ökonomischen Aspekten der Globalisierung.

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  • Surp

    Sind bei dieser Betrachtungsweise auch die relative Armut und die gewaltige Ressourcenverschwendung sowie deren Folgen miteinbezogen.

    Die Globalisierung macht wenige extrem Reich und vielen geht es eher schlechter als besser, nicht nur aus finanzieller Sicht. Dies liegt aber in ihrem unkontrollierten Vorgehen, sonst wäre sie defintiv für alle eine Wohlfahrtssteigerung.

    Freihandel ist das Beste was es gibt, nur gibt es diesen nirgends^^.

  • “Kritiker behaupten, dass durch die Globalisierung die Kluft zwischen reichen Industriestaaten und armen Entwicklungsländer stetig wachsen würde.”

    Beides schließt sich ja nicht aus. In Deutschland werden die Reichen auch immer reicher und der Abstand steigt. Dennoch liegen die Armen über dem 1.25 Dollar und die Einkommen steigen auch leicht an (über längere Zeiträume). Ich würde die Aussagen mit den 500 Millionen kritischer Hinterfragen. Ohne China sieht es schon deutlich schlechter aus. Man kann also sagen, dass China im wesentlichen die Armut in eigenen Land bekämpft hat. Die Inflation ist ein weiterer problematischer Teil, wie die Autoren der Studie zugeben. Das heißt die Vergleichbarkeit der Länder gestaltet sich schwierig. Auch geht die Studie nur bis 2005. Seit dieser Zeit hat sich eine Menge getan. Die Zahl der Hungernden hat wieder zugenommen. Globalisierung hat sicher Vorteile. Ein wesentlicher Nachteil ist die Abhängigkeit. Faktisch alle industrialisierten Länder haben erst den eigenen Markt durch Zölle geschützt und als sie stark genug waren sind sie in Richtung Freihandel gegangen. Deutschland machte es, die USA machten es so, Japan und China. Globalisierung ist dann am effizientesten, wenn die Handelspartner auf Augenhöhe agieren.

  • Karl-Heinz

    “Während vor allem Ostasien dank der gelungenen Integration in die Weltmärkte die Zahl der Armen um 751 Millionen verringerte (davon allein China um 627 Millionen),”

    Jaja, die Nikes verdienen schon etwas Lob.

    Spiegel online 2003:

    Es sind vor allem junge Frauen, die für Nike im Süden arbeiten, Frauen wie Ee und Seng, die vor dem Ministerium für Arbeit protestieren. Ee ist 25 und war Näherin bei Bed & Bath. Seng ist 32 und war Aufseherin.

    Beide erzählen, dass sie fast jeden Tag 15 bis 18 Stunden gearbeitet haben. Wenn ein Liefertermin drängte, hätten sie rund um die Uhr arbeiten müssen – und danach sofort die nächste Schicht.

    Auch bei Bed & Bath gab es keine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Viel arbeiten, wenig schlafen, keine Freizeit, das war das Leben von Seng und Ee. Sie hatten 13 Urlaubstage im Jahr. Sie sind die wahren Athleten im Weltreich von Nike.

    Damit sie nicht müde würden, erzählt Seng, habe der Vorarbeiter die Fröhlichkeitsdroge Amphetamin in einer Flüssigkeit aufgelöst. Das hätten sie trinken müssen. So hatten sie auch bei Nacht gute Laune, danach allerdings schwere Depressionen, sobald die Wirkung der Droge nachließ. Amphetamine haben einen hohen Suchtfaktor.

    Seng und Ee haben Überstunden gebraucht, weil sie nur so auf ein Monatsgehalt von 11 000 Baht kommen konnten, umgerechnet 230 Euro.

    Sie nennen so etwas gelungene Integration in die Weltmärkte.
    Irgendwie eine komische Umschreibung von Ausbeutung.

  • Hühnerwahnsinn
    90.000 Tonnen gefrorene Hühnerteile importiert Ghana jährlich, produziert in den Schlachthäusern Europas oder Amerikas. Die Schwemme der Hühnerteile aus den Industrienationen zerstört in den afrikanischen Entwicklungsländern die lokalen Märkte, treibt dort Hühnerfarmer und verarbeitendes Gewerbe in den Ruin.

    2004 kostete ein Kilo Hühnerfleisch in Ghana umgerechnet 1,50 Euro. Möglich werden solche Dumpingpreise, weil europäische und amerikanische Firmen im großen Stil Hühnerteile nach Afrika exportieren. Tiefgefroren gelangen die Hühner aus Brasilien, den USA, Holland und Frankreich in die afrikanischen Märkte und zerstören einen ganzen Wirtschaftszweig. Von den Futtermittelherstellern über die Hühnerfarmen, bis zu Händlern, Schlachtern und Rupfern – viele Menschen lebten einst von der Geflügelproduktion. In Akra (Ghana) auf dem Ganeshi Markt wurden früher 3.000 lebende Hühner pro Tag verkauft. Seit der Importschwemme ist das Geschäft vollkommen zusammengebrochen, genauso wie die Betriebe, die indirekt vom Geflügel lebten.

    Ghana beschloss 2003, die Importzölle auf Geflügel und Reis zu erhöhen. Der Internationale Währungsfond (IWF) schaltete sich ein und forderte, die ghanaische Regierung solle das Gesetz noch einmal überdenken. Andernfalls müsse der IWF die Vergabe neuer Kredite an Ghana prüfen. Die Zölle seien nicht zur Armutsbekämpfung geeignet. Dieser Meinung war auch die Europäische Union. Pascal Lamy, ehemaliger EU-Handelskommissar und heute Chef des IWF, reiste im April 2003 nach Accra, verstärkte den Druck auf die Regierung, welche wenige Monate später aufgab. Der IWF versetzte der ghanaischen Geflügelindustrie den Todesstoß.
    Quelle: 3sat

  • Die amerikanische Gesellschaft bricht auseinander: Millionen Bürger haben durch die Rezession ihren Job verloren und verarmen, unter ihnen viele Mittelschichtfamilien. Ich hoffe doch sehr, dass die amerikanischen Menschen nicht den Mut verlieren, denn immerhin ist Amerika die führende Nation und eine der grössten Wirtschaftsmachten auf dem Globus. Auch unser Wohl und Wehe als Exportnation hängt daran. Es wäre auch für uns schlimm, wenn Amerika nicht auf die Beine käme.