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KKW-Strom: klimaschonend und preiswert

Die Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken um 20 Jahre würde zu einem niedrigeren Strompreis führen.

Einseitig verpflichtete sich die Bundesregierung auf der Klimakonferenz in Kopenhagen 2009, die Emission von Treibhausgasen bis zum Jahre 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Andere Industrieländer und  insbesondere die Schwellenländern waren hier zurückhaltender. Ein kürzlich von der Regierung veröffentlichtes Gutachten zeigt auf, wie dieses Reduktionsziel realisiert werden soll. Einige der Annahmen sind aber sehr optimistisch.

Besonders fragwürdig: Zukünftig soll die Energieeffizienz pro Jahr um 2,5 Prozent gesteigert werden. Die Steigerungsrate in den letzten Jahrzehnten lag – trotz aller Anstrengung – aber lediglich bei 1,7 Prozent. Umso wichtiger ist es, dass sich die Bundesregierung für eine Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken entschieden hat. So kann das Klima geschützt und gleichzeitig Geld gespart werden.

Die Laufzeitverlängerung wird sich zudem auf den Strompreis auswirken. Das zeigen die Energieszenarien, die für die Bundesregierung erstellt wurden. Auch unter Berücksichtigung von moderaten Zusatzkosten für den Ausbau der Sicherheit der Kernkraftwerke kann der Strompreis bei einer Laufzeitverlängerung um 20 Jahre unter dem Preis bei einer Verlängerung von 4 Jahren liegen: für Privathaushalte um 7 Prozent, für die Industrie um knapp 11 Prozent und für die energieintensiven Industrien um fast 31 Prozent ergeben.  Ein Teil dieser möglichen Preissenkungen landet aber in Form von neuen Steuern beim Staat. Die Laufzeitverlängerung ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll – auch wenn mit den angestrebten 12 Jahren das wirtschaftliche Potenzial noch nicht vollständig genutzt wird.


Weiter Informationen zu diesem Thema:

*Hier geht es zu dem Infomaterial der IW-Pressekonferenz “Zehn Eckpunkte für eine zukunftsorientierte Energiepolitik”.

*Hier geht es zur Studie von Hubertus Bardt: Energieversorgung in Deutschland – Wirtschaftlich, sicher und umweltverträglich, Köln 2010. 

*Hier geht es zum Gemeinschaftsgutachten von ewi/gws/prognos: Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, Berlin 2010.

*Hier geht es zum Entwurf des Energiekonzeptes der Bundesregierung.

6 Kommentare zu “KKW-Strom: klimaschonend und preiswert”

  1. Haben sie in ihrere Studie die Kosten der Endlagerung mit eingerechnet, das höhere Risiko das ein Kraftwerksunfall passiert (höhere Versicherungsprämien, wenn denn eines der Kraftwerke versichert wäre), Ausfallzeiten im Sommer, die fallende 100% Nutzung der Kraftwerke, die schlechte Flexibilität? Atomkraft ist heutzutage faktisch nicht mehr nötig. 2 Kraftwerke würden fehlen, wenn man alle Atomkraftwerke abschaltet. Der Ersatz durch flexibele Gaskraftwerke wird nicht gebaut, da man ja gut an der Atomkraft weiterverdienen kann. Wenn die Kraftwerksbetreiber alle Kosten selber tragen, sollen sie die AKWs betreiben. So lange der deutsche Staat die Garantien für Atommülllagerung und Unfälle trägt nicht.

  2. Bernhard Hamilton sagt:

    Großbritannien stieg im 19. Jahrhundert zur dominierenden Wirtschafts-Großmacht auf, bald danach auch Deutschland. Die „industrielle Revolution“ basierte auf der Ausbeutung der reichen Kohlevorkommen, in England und Wales wie im Ruhrgebiet. Mit der neuen Energie aus der Kohle konnten nun die neuen Lokomotiven, Webstühle, Schmieden, Hochöfen, Schiffe etc. gebaut und betrieben werden.
    Die Energie wurde zu einem zentralen Produktionsfaktor. Was den einen den Aufbruch ermöglichte, führte dazu, dass z.B. Frankreich stärker landwirtschaftlich geprägt blieb – weil dessen Kohlenvorkommen ungleich kleiner waren. So wurde Frankreich von zwei Industriegiganten flankiert und fiel sukzessive – ökonomisch, militärisch, politisch – zurück. Heutzutage, im Zeitalter einer verflochtenen Weltwirtschaft ist weniger das Vorhandensein von Energieressourcen wesentlich für den Standort. Günstige Strompreise bedeuten Arbeitsplätze – teure Energie vertreibt Unternehmen, wie z.B. die deutsche Aluminiumindustrie.
    Nicht nur, dass die Verbraucher für die „alternativen“ Energien mit 60 Milliarden €uro subventionieren mussten. „Um die Nachfrage zu stärken“, erscheint es sinnvoller, dieses Geld in den Taschen der Verbraucher zu lassen. Ohne Subventionen produziert die Laufzeitverlängerung von abgeschriebenen Kern-Kraftwerken schöne Gewinne. Einerseits können die Kraftwerks-Betreiber daraus wieder investieren und (gut bezahlte) Arbeitsplätze anbieten. Andererseits verdient der Staat an den Gewinnen mit – Körperschaftssteuer, Gewerbesteuer, Brennelemente-Steuer.
    Und spricht man sich für Klimaschutz aus, dann muss die Endlagerung von Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ebenso problematisiert werden. Jährlich sind ca. 10.000 Tonnen Nuklear-Mülls zu entsorgen, was für diese Industriegesellschaft viel eher möglich ist. Der Kontrast zeigt auch die Größenordnung des moralischen Unterschieds – eine in wenigen tausenden Tonnen zu bemessende Erblast für die nachfolgenden Generationen erscheint viel eher akzeptabel als die Einlagerung von Millionen Tonnen eines klimaschädlichen Gases in der Atmosphäre.

  3. Pincorrect sagt:

    Produktionspreise:

    Atomkraft : 3-4cent/kWh
    Solar : 50cent/kWh

    damit ist alles gesagt.

  4. “Produktionspreise:
    Atomkraft : 3-4cent/kWh
    Solar : 50cent/kWh

    damit ist alles gesagt.”

    Ist das so?

    Bei Solar handelt es sich wohl oder übel um den Marktpreis (Solarenergie in Deutschland macht maximal Sinn für autarke Eigenheime), aber bei Kernenergie wage ich dies mal zu bezweifeln, da fast alle Kosten auf die “Welt”gemeinschaft umgelegt werden.

    Der tatsächliche Marktpreis von Kernenergie liegt, denke ich, eher zwischen 1 gegen unendlich, da die Risiken doch weit höher sind als man sich eigestehen möchte und es bisher kein annährend sicheres Endlager gibt.

    Das Problem ist, dass jedes Land der Erde Kernenergie nicht zu Marktpreisen produziert, daher entsteht evtl. durch hohe Energiekosten ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland und das gesamte Bemühen ist eh vergeblich, da alle Nachbarländer AKWs mit den gleichen Problemen betreiben wie wir es tun.

    Die Frage bleibt, was soll man da machen?

    Ich persönlich wünsche mir eine regenerative Energieform (gerne Kernfusion), da alle Rohstoffe endlich sind, aber ich bin nicht so verblendet den Rest der Welt bei diesem Wunsch nicht sehen zu wollen.

    Der erste Schritt ist in meinen Augen vorallem der Ansatz möglichst viel Energie zu sparen. Dann ist man wieder ganz schnell bei der überflüssigen Erwerbsarbeit und dem quantitativen anstatt qualitativen Wachstumsansatz, jene sind eben eigentlich nur Ressourcenverschwender und senken mittelfristig für den Großteil der Bevölkerung den Wohlstand.

  5. @Pincorrect
    Die Zahlen sind alt. Für Solar liegt man jetzt bei 30 cent. Das ist zwar noch deutlich über dem Wert der Atomkraft, aber rechnen sie zum Beispiel die Asse Sanierung mit ein, das Fehlen eines Endlagers, den Rückbau der Kraftwerke, die Versicherung. Sie werden staunen wie der Preis nach oben gehen müsste. Atomkraft ist auch sehr stark subventioniert.

  6. Bernhard Hamilton sagt:

    Atomstrom wird mäßig subventioniert, unbestritten:
    • 90 Mia. Euro sind bis heute allein in die Solarförderung geflossen.
    • Für die Windkraft mussten die Verbraucher 60 Mia. Euro ausgeben.
    • Die Kohle wurde allein in NRW mit mehr als 100 Mia. Euro unterstützt.
    Das Subventionsargument spricht daher nicht gegen die Kernkraft.

    Auch die „nicht eingerechneten Kosten“, die manche unbedingt berücksichtigen möchten, müssen geprüft werden.
    • Versicherungskosten – ohne Unfall keine Kosten, und 50 Jahre haben wir schon Atomkraft unfallfrei. Kosten gleich NULL.
    • „Ewigkeitskosten“ – ein Bergwerk auf unendliche Zeit betreiben und sichern zu müssen, ist eine Übertreibung. In einer entwickelten Gesellschaft dürften in 50 Jahren technische Verfahren ausgereift sein, mit denen der eingelagerte Müll wieder „entschärft“ werden kann. Schon heute wird weltweit an der Entwicklung entsprechender Verfahren gearbeitet. Der schnelle technische Fortschritt sorgt dafür, dass die Aufarbeitung ein gutes Geschäft werden wird.
    Eine Einlagerung von radioaktivem Müll für absehbare 50-100 Jahre in einem Salz-Bergwerk ist durchaus machbar, sie sicher und die Kosten dafür sind nicht übermäßig – „Ewigkeits“-Kosten existieren nicht.

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Der Autor:

Dr. Hubertus Bardt

ist Stellv. Leiter des Wissenschaftsbereiches II und Leiter der Forschungsstelle Umwelt- und Energieökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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