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Steuern: Misstrauen durch Intransparenz

Die wenigsten Bürger zahlen gerne freiwillig Steuern. Gleichwohl gibt es eine grundsätzliche Akzeptanz, sich an der Finanzierung der Staatsaufgaben zu beteiligen. Wichtig dabei ist es den Menschen aber, für die gezahlten Steuern auch eine adäquate Leistung zu erhalten. Ist das der Fall, halten die Bürger das Steuersystem für fair. Darüber hinaus steigt die Zustimmung, wenn sich der Staat bei seinen Ausgaben an den Wünschen seiner Bürger orientiert und eine langfristige Finanzierbarkeit dieser Aufgaben organisiert. Gefährlich ist hingegen der umgekehrte Ansatz: Zuerst nach dem maximalen Steueraufkommen zu streben und sich dann Gedanken darüber zu machen, wie die Einnahmen ausgegeben werden könnten. Hierdurch werden falsche Anreize gesetzt – die Politik neigt dann dazu, sich mit zusätzlichen Staatsausgaben zu profilieren. Bürger fühlen sich dann schnell entmündigt – zu Recht!

Durch die Unübersichtlichkeit des gegenwärtigen Steuersystems wird es den Bürgern zudem unmöglich gemacht, das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung sachgerecht beurteilen zu können. Ein intransparentes Steuersystem geht immer zu Lasten derjenigen, die nicht die Mittel besitzen, aus der Intransparenz Vorteile zu ziehen. Abhilfe leisten kann die Einführung eines einfachen Steuersystems, denn es schafft Transparenz. Umgekehrt gilt: Intransparenz schürt Misstrauen.


Prof. Dr. iur. Dr. rer. pol. Dr. h.c. Christian Kirchner leitet den Lehrstuhl für deutsches, europäisches und internationales Zivil- und Wirtschaftsrecht und Institutionenökonomik an der Humboldt-Universität zu Berlin.

39 Kommentare zu “Steuern: Misstrauen durch Intransparenz”

  1. Michael Klein sagt:

    Obwohl ich Ihren Ausfuehrungen grundsaetzlich zustimme, frage ich mich, ob Transparenz derzeit ratsam ist, immer vorausgesetzt die Transparenz betrifft auch die Ausgabenseite, das, was mit den Steuern gemacht wird. Nehmen Sie mich zum Beispiel, nachdem mir klar geworden ist (nicht nur durch intensive Beschaeftigung mit dem Steuerrecht in D und im UK, sondern auch durch intensive Beschaeftigung mit den Haushalten mancher Ministerien) wieviel Steuern ich zahle und was damit gemacht wird, sprich wem es zugute kommt, gab es fuer mich nur noch eine Option: Auswandern. Entsprechend wuerde ich vorhersagen, dass mehr Transparenz zu (noch) mehr Auswanderung fuehrt (derzeit gehen z.B. rund 12% eines Akademikerjahrgangs ins Ausland).

  2. Stimme dem Artikel komplett zu.

    Angenommen man würde ernsthaft in Erwägung ziehen ein Bürgergeld in Höhe von 2000 Euro pro Einwohner (ja, 2000, bei Kinder evtl. nur 1000, da bin ich mir noch nicht sicher) einzuführen und dies dadurch zu finanzieren, dass man radikal unser gesamtes Steuer- und Sozialabgabensystem abschafft und durch eine echte Finanztransaktionssteuer (Modell von Edgar L. Feige, ich weiß geht nicht ohne andere Länder) und eine Konsumsteuer von 25% ersetzt und überlegt welche Erwerbsarbeit, Subventionen, Gesetzte etc. man wirklich braucht (wird nicht viel übrigbleiben) und dann alle entlässt die überflüssig geworden sind. Dann wäre man doch auf dem richtigen Weg. Danach sollte man fast alles privatisieren und eine direkte Demokratie einführen, brauch man auch fast keine Staatsangestellten und Politiker mehr.

    Das wäre doch ein lebenswerte soziale Marktwirtschaft, oder? Vorallem wäre sie sozial und marktwirtschaftlich. Ich glaub ich bin ein Spinner.

  3. Michael Klein sagt:

    @surp
    Ihr Buergergeld ist fuer mich ene Dystopie, keine lebenswerte soziale Marktwirtschaft, denn wenn alle dasselbe bekommen, wo bleibt dann der Anreiz fuer Leistung, warum soll man sich anstrengen?

  4. “derzeit gehen z.B. rund 12% eines Akademikerjahrgangs ins Ausland”
    Wie viele kommen nach einer weile zurück? Es gibt jede Menge Hochschulabsolventen die erst einmal eine Weile ins Ausland wollen. Die Differenz wäre interessant. Auch sind die Belastungen durch Steuern nur ein Teil des Problems. Es gibt ettliche Ärzte die gerne nach Dänemark oder Schweden gehen. Dort sind die Steuerlasten nicht gerade niedrig, aber die Arbeitsbedinungen in diesem Bereich deutlich besser.

    Generell finde ich Transparenz im Steuersystem gut und wichtig. Man sollte einfach (so weit ich weiß in Schweden üpplich) einsehen können wie viel Steuern jeder bezahlt. Bei einigen Unternehmen wie Siemens weiß ich, dass der Wert bei unter 15% liegt. Auch wäre die Steuerhinterziehung eventuell schwieriger. Die Menschen merken, dass das System ungerecht ist. Denn wenn ein Millionär prozentual weniger belastet wird als ein Mensch mit einem Jahreseinkommen von 50 tausend Euro kann etwas nicht stimmen.

  5. @ Michael Klein

    jeder der arbeitet bekommt mehr und das ohne SV und Steuerabzüge, damit wird Leistung ernsthaft belohnt und da man die ganzen parasitäten Arbeitsplätze abbauen kann wird tatsächliche Leistung belohnt. Außerdem ist eine echte Dienstleistungsgesellschaft möglich, da man den Menschen Kaufkraft gibt. Des Weiteren ist eine Mindestlohndiskussion müßig, da der Arbeitsmarkt ein Markt ist. Auch kann man viele andere derzeit diskutierte Probleme damit lösen Ernergiefrage, Migration, Finanzwirtschaft etc..

    Man muss nur mal bischen rumspinnen, die Möglichkeiten sind gewaltig.

  6. Bernhard Hamilton sagt:

    Eine einfache Steuer kann nicht gerecht sein kann, so das zentrale Argument der Linken gegen die Vereinfachungs-Pläne von Prof. Kirchhof. Daher müssen wir uns weiter mit einem überkomplizierten Steuerrecht herumschlagen, das rechtsstaatlichen Anforderungen nicht mehr genügt – so der Nestor des deutschen Steuerrechts, Prof. Tipke. Nicht nur die zahlreichen Ausnahmetatbestände des Einkommensteuergesetzes – § 3 EStG – verweisen auf grundlegende Probleme im Steuerrecht.

    In einer Demokratie gilt – one man, one vote – ohne Berücksichtigung von Einkommensunterschieden. Will man an diesem Grundprinzip festhalten, lassen sich keine unterschiedlichen Pflichten ableiten. Abweichende Steuersätze für unterschiedliche Einkommensgruppen ist gleichzusetzen der Rückkehr (Wiederkehr/ Weiterführung) eines alten Privilegiensystems – mit einer neuen Begünstigtengruppe.

    Die progressive Einkommensteuer kollidiert mit der Rechtsstaatlichkeit. Und die Auseinandersetzung damit unterbleibt, weil die Majoritäten daran gewöhnt sind, „Besserverdienende“ über den Umweg der Steuern abkassieren zu dürfen. Die „kleinen Leute“ besaßen im NS-Unrechtsstaat den Luxus einer eigenen „Steuer-Oase“, durch Freistellung aller Einkommen bis 3.000 RM von der Lohn-/ Einkommensteuer. Anstelle einer breitenwirksamen Einkommensteuer wurden 70% der Erwerbspersonen von der Steuer befreit, die Spitzenverdiener wurden deutlich und das obere Viertel der Einkommensbezieher mäßig belastet (Götz Aly, Hitlers Volksstaat). Der Gedanke – die „Steuerbourgeoisie“ besonders belasten zu dürfen – leistete der Verzerrung des Rechts in der NS-Zeit massiven Vorschub.

    Und diese (national-) sozialistische Meme hat sich bis heute unbeirrbar erhalte

  7. @ Bernhard Hamilton

    ich frag mich immer warum muss man Einkommen überhaupt besteuern?

    Man könnte evtl. überlegen Einkommen ab 100.000 Euro zu besteuern, da dies derzeit nicht der Leistungsfähigkeit für eine Gesellschaft entsprechen kann. Aber grundsätzlich ist die Besteuerung (SV-Anteil ist für mich auch eine Steuer), das perverste was es gibt, da Arme nur Arbeit haben, um teilhaben zu dürfen.

  8. Bernhard Hamilton sagt:

    Peter Sloterdijk: „Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, dem antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen. Dies ist ein politisches Dressurergebnis, das jeden Finanzminister des Absolutismus vor Neid hätte erblassen lassen.“

    Wenn eine Handvoll Leistungsträger mehr als 50% des Einkommensteuerbudgets bestreitet … leben die Anderen mittelbar auf deren Kosten, unter der politischen Suggestion, die Gesellschaft täte ihnen Unrecht und schulde ihnen eigentlich noch mehr.
    Da 90% der Einkommensteuer inzwischen von 50% der Steuerzahler gezahlt werden, wird damit gegenwärtig mehr als die Hälfte der Population des „modernen“ deutschen Staates von dieser Steuer befreit.
    Diese Form der Ausbeutung der Produktiven durch die Unproduktiven läuft der vielbeschworenen Ausbeutung der Arbeit durch das Kapital längst den Rang ab (Sloterdijk, Revolution).

  9. Das angesprochene Problem ist doch cnith das Steuersystem sondern die Transparenz:
    Wo fliessen meine Abgaben hin? Ich bezahle in giter Absicht meine Steuern, weil es meinen finaziellen Mittel zulassen und auch weil ich an die Argumentation von Erhardt glaube.

    Aber: Sehe ich ie Beispiele im Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes mit dan haarstäubenden Beispielen, sehe ich, wie manche Gemeinden das Geld “verbrennen” mit einem weitern Kreisverkehr, etc.
    Dann sehe ich auch, dass etwas getan werden muss. Rechtfertigung muss dabei nur ein Baustein sein. Transparenz ein anderer. Aber vor Allem: Die Ausführungen des Rechnungshof sollten de Politiker als Pflichtlektüre lesen, verstehen und auch umsetzen!

  10. mich würde mal interessieren wie Sloterdijk Leistungsträger definiert, der Großteil der produktiven Arbeit leisten Maschinen.

    Die meiste menschliche Erwerbsarbeit ist eher Negativleistung, da sie weder einen gesellschaftlichen Nutzen noch Produktivität besitzt.

  11. “Wenn eine Handvoll Leistungsträger mehr als 50% des Einkommensteuerbudgets bestreitet”

    Zeigt das im Endeffekt nur wie viel mehr sie verdienen. Selbst wenn alle Einkommensschichten den gleichen Steuersatz zahlen würden, dann hätten wir den Fall, dass die obersten 10% den Mamutanteil tragen. Lustig ist auch, dass gerade in diesem Bereich nur die Einkommenssteuer und nicht die Gesamtbelastung diskutiert wird. Denn die besteht letztendlich aus Einkommenssteuer, Verbrauchssteuer, Kapitalerstragssteuer, Sozialabgaben. Davon müssen dann noch die Freibeträge und Steuervergünstigungen abgezogen werden. Die Frage ist wie ungerecht bleibt dann das Steuersystem noch. Die Höchstlast trägt dann sicher nicht das obere Drittel.
    Wenn die unteren 20% kein Geld mehr am Ende des Monats haben und/oder sich sogar verschulden müssen, um zu überleben ist diese Gruppe offensichtlich (trotz Sozialtranfer) genug belastet. Bleibt noch die Mittelschicht. Dort stagnieren seit 10 Jahren die Löhne und die Belastung steigt. Trotz steigender Vermögen soll diese Gruppe die Melkkuh der Nation sein? Das erschließt sich mir nicht.

  12. Bernhard Hamilton sagt:

    Man muss sich entscheiden, will man „gleiches Recht für Alle“ oder eine Rückkehr zur „Diktatur der Massen“ – sei es rechts- oder links-sozialistisch begründet.
    Das heutige Deutschland bekennt sich zwar verbal zur „offenen Gesellschaft“, „ „… nur die Verhältnisse, die sind nicht so….“ Der deutsche Steuer- und Regulations-Staates (siehe den Beitrag von Wolfgang Clement) reflektiert eine Situation, die massiv gegen das Bekenntnis des Grundgesetzes zur Menschenwürde verstößt. Denn wer sich dem neidgesteuerten Vormacht-Anspruch der Massen nicht fügt, hat harte Reaktionen zu erwarten – öffentliche Diskriminierungen, Datenhehlerei und unrechtsstaatliche Hausdurchsuchungen. [Warum dann nicht auch wieder Folter gegen solche „Gesetzesbrecher“ - verehrte Bochumer Staatsanwälte?]

    Wenn die Besteuerung zum Problem wird, dann stimmt etwas mit der Steuer-Ermächtigungsgrundlage nicht – und das lenkt den Blick auf das Grundgesetz, das massive Diskriminierungen toleriert. Im Rechtsrahmen des Grundgesetzes ist eine neue Klassensteuer aufgetaucht, mit der sich die Massen freistellen und die die unbeliebten Gruppen der Gesellschaft zur Kasse „bitten“. Die heutige Einkommensteuer ist wenig anderes als staatlich organisierter Raub an den schwächeren Gruppen der Mehrheitsdemokratie.
    Trotzdem schaffen Steuererhöhungen (und Umverteilung) keinen Wachstum und Wohlstand, dafür gibt es keinen empirischen Beleg – Steuersenkungen dagegen schon.

    Ein Teil einer seriösen Lösung wäre die Ablösung des progressiven Einkommensteuertarifs durch eine „Flat Tax“, in der Größenordnung von um 25%. Diese Steuerausgestaltung würde einerseits verhindern, dass die EStG als Klassensteuer nur eine Gruppe belastet und andererseits die der deutschen Nachkriegs-Demokratie angemessene Rechtsstaatlichkeit – gleiches Recht für Alle – in der Besteuerung herstellen.

  13. christian.prus sagt:

    Flat-Tax ohne Ausnahmen in Höhe von 25 % wäre besser als das derzeitige System, aber bei weitem nicht wirklich gut. Arbeit sollte man garnicht besteuern oder mit Sozialabgaben belasten.

    Das Problem sind aber nicht die Steuern auf Arbeit (bei sehr hohen Einkommen evtl.), sondern die Sozialabgaben, die machen das System so ungerecht.

    Das Problem liegt ganz woanders, sie haben es selbst angesprochen und der von Ihnen zitierte ist für mich das beste Beispiel. Herr Sloterdijk sieht sich selbst als Leistungsträger, hat aber in seinem ganzen Leben keine messbare Leistung erbracht. Er ist für mich sowas wie die Tulpen vor langer Zeit in den Niederlanden, sehr gut bezahlt aber fast nichst Wert.

  14. Wer ist der Leistungsträger?
    Wer 10 Nägel/ Minute in einen Balken schlägt oder wer das System entwickelt, wie 10 Nägel/ Minute in den Balken zu schlagen sind?
    Jemand, der die Effizienz umsetzt, odder jemand, der die Effizienz entwickelt? Ist ein Herr Zetsche (CEO Daimler) kein Leistungsträger, weil er die Autos gar nciht selbst baut oder ist er Leistungsträger, weil er daür sorgt, dass Auto gebaut werden können?
    Hat das Gehalt, die Bildung oder der Beruf als solcher etwas mit Leistungsträger zu tun? Ist jeder Ingenieur per se Leistungsträger?

    Sehr wacklige Diskussion hier.
    Künstler, Philosophen, etc. werden hier nicht als Leistungsträger anerkannt. Unsere Geselschaft wäre ohne diese und ähnliche Berufsgruppen sehr arm, denn es gibt auch ein Leben ausserhalb der Ökonomie.

  15. Genau das ist der Punkt.

    Wer ist Leistungsträger, es ist zumindest nicht der per se, der der Einkommenssteuer zahlt. Steuern zahlen kann jeder.

    Aber grundsätzlich kann man sagen, dass jemand der ausschließlich durch Gesetzte , Subventionen (damit mein ich nicht alle, aber sehr viele) etc. sein Gehalt bezieht kein echter “Leistungsträger” sein kann, oder?

    Genau so verhält es sich mit Menschen die nicht entlassen werden, obwohl sie nicht gebraucht werden und so weiter.

    Bei Managern seh ich das Missverhältnis eher zwischen Einkommen und Leistung. Aber da gibt es noch andere wo dieses Verhältnis weit extremer ist zum Beispiel Erben.

  16. Bernhard Hamilton sagt:

    Eine „Flat Tax“ erscheint auf den ersten Eindruck ungerecht – „der Chefarzt zahlt genauso viel wie die Krankenschwester“ ätzte Schröder dagegen. Höhere Einkommen zahlen jedoch immer noch deutlich mehr Steuern als niedriger Einkommen, aber sie werden – proportional – gleich besteuert – nicht gegenüber anderen Menschen diskriminiert.
    Und sie bräuchten auch nicht auswandern.
    Das Steuersystem der Schweiz kennt keine Steuerflucht, so dass die hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der „Besserverdiener“ der dort Allgemeinheit – gerade den weniger produktiven Menschen – zugute kommt. Und man muß auch nicht mal wieder „die Kavallerie ausrücken lassen“, damit die Welt am deutschen Umverteilungs-Wesen genesen kann.

    Die derzeit bestehende Zulässigkeit einer Besteuerung von mehr als 50% (BVERFG, Az 2 BvR 2194/99), zeigt, dass sich das höchste deutsche Gericht/ wie das Grundgesetz noch nicht ausreichend von den alten Umverteilungskategorien gelöst haben. Wenn die „luziden Denker“ des Verfassungsgerichts das Prinzip „gleiches Recht für Alle“ verinnerlicht hätten, dann wäre es schwerer, die Diskriminierung der Schwächeren im Koordinatensystem der Demokratie, der zahlenmäßigen Minderheiten mit höheren Einkommen, fortzusetzen.
    Momentan unterliegen die Ideale der Aufklärung dem neiderfüllten Verlangen der Mehrheiten – einkommensteuerlich leben wir noch im dunklen Mittelalter der Demokratie.

  17. @ Hamilton

    wie wollen sie die Umverteilung denn gestalten?

    Außerdem warum klagen sie so gegen die Einkommenssteuer, die Sozialabgaben sind doch viel heftiger für Durchschnittseinkommen.

    Grundsätzlich sollte man den Faktor Arbeit erstmal garnicht belasten, da gibt es weit elegantere Methoden einen sinnvollen Sozialstaat zu finanzieren und dafür brauch man kein Bürokratiemonster wie wir es in Deutschland haben.
    Weder im Steuersystem noch im Sozialsystem, aber das kostet viele gutbezahlte Arbeitsplätze, weil Bürokratie viel Arbeit schafft und in den meisten Bereichen inzwischen Hochschulabsolventen eingesetzt werden.

    Mit der Schweiz als Beispiel wäre ich vorsichtig, sie hat gewisse Vorteile (sehr nett gesagt), die andere Länder nicht besitzten. Dann ist es leicht wenig Steuern zu nehmen. Das gleiche gilt für andere Staaten wie Monaco etc..

  18. @Bernhard Hamilton
    “Die heutige Einkommensteuer ist wenig anderes als staatlich organisierter Raub an den schwächeren Gruppen der Mehrheitsdemokratie.”

    Die schwächere Gruppe der Multimillionäre ist für den Ruab den sie propagieren in den letzten 20-30 Jahren verdammt gut weggekommen. Wieso steigt denn der Abstand der Vermögen, wenn ein Raub an Minderheiten stattfindet. Wer bezahlt denn gerade die Banken und Vermögensrettung mit dem Sparpaket und den Lohnsenkungen?

    “Trotzdem schaffen Steuererhöhungen (und Umverteilung) keinen Wachstum und Wohlstand, dafür gibt es keinen empirischen Beleg – Steuersenkungen dagegen schon.”

    Es gibt empirische Beweise dafür und dagegen. Das Problem ist die Komplexität einer Volkswirtschaft. Wann setzt die Erholung ein, was ist der Auslöser, wann steigt man aus Fördermaßnahmen aus, etc. Das Steuersenkungen per se die Beste Lösung sein sollen ist Unsinn. Denn selbst wenn man an die Laffer Kurve glaubt, dann muss man sich eingestehen, dass es ein Optimum gibt. Wo das liegt ist schwer bis gar nicht nachweisbar.
    Im Übrigen dürften die Senkungen für Staatsausgaben auch keinen Einfluss auf die Wirtschaft haben. Spanien und Griechenland beweisen gerade das Gegenteil. Einer der Gründe wieso diese Sparpakete in den nächsten Jahren scheitern werden.

    @Markus
    Die Leistungsträgerfrage ist der eigentliche Diskussionspunkt in diesem Fall. Was ist Leistung? Wie kann man einen Lehrer bewerten? Wie kann man eine Putzfrau bewerten. Das sind wichtige Fragen. Eine weitere Frage ist wie viele Ressourcen nimmt jeder in Anspruch. Ein reicher Mensch nimmt natürlich mehr Ressourcen in Anspruch als ein Armer. Schließlich wird sein Vermögen durch die Gesellschaft garantiert. Wie will man diese Garantie denn nun bewerten und was soll sie kosten? Ohne eine Gesellschaft, welche Besitz garantiert wäre auch niemand reich. Diese Garantien sind für den Armen der nichts besitzt uninteressant. Darum sehe ich nicht so ganz wieso höhere Steuern für Vermögende so ungerecht sein sollten.

  19. Bernhard Hamilton sagt:

    Die Besteuerung von Einkünften aus Kapitalvermögen mit mehr als 25% ist nur schwer durchsetzbar, da Kapital mobil ist [nicht zu vergessen, dass dies eine Doppel-Besteuerung darstellt, da das Einkommen schon vorher mindestens einmal versteuert wurde].
    Glaubt wirklich jemand, dass die Besserverdienenden sich in einer globalisierten Welt so einfach von den Hochsteuerländern besteuern lassen?
    Die weichen aus, der deutsche Fiskus kann sich nur entscheiden, mit einer abgesenkten Abgeltungssteuer zufrieden zu sein – oder er forciert die Kapitalflucht.
    Nimmt man die „Gleichmäßigkeit der Besteuerung“ ernst, dann darf keine Einkommensart besser oder schlechter gestellt werden. Auch die anderen Einkunftsarten sind mit „nur“ 25% zu besteuern. Eigentlich alle empirischen Ergebnisse verweisen darauf, niedrigere (Spitzen-) Steuersätze führen zu höheren Investitionen, zu mehr Arbeitsplätzen – wie auch umgekehrt – höhere Steuern laufen parallel mit weniger Einkommen/ Arbeitsplätzen/ Lebensstandard für Alle.
    Dass der Wohlstand einer Gesellschaft steigt, wenn die Steuersätze steigen, ist unhaltbar.
    Niedrigere Steuersätze dagegen ermutigen Menschen, mehr zu arbeiten, aus der Schwarzarbeit herauszukommen und mehr Einkommen zu erzielen – wodurch dann auch die Steuereinnahmen steigen (siehe die LAFFER-Kurve).

    Die „Flat Tax“ schlägt etliche Fliegen mit einer Klappe, sie ermutigt zu sparen und zu investieren, zu arbeiten und Geld zu verdienen, sie schiebt die wirtschaftliche Entwicklung an und macht einen Quantensprung in Sachen Steuer-Vereinfachung und -Gerechtigkeit.

  20. ich kann mich nur wiederholen. Nicht die Einkommenssteuer ist das Problem der sozialversciherungspflichtigen Erwerbsarbeit, sonder die SV-Abgaben.

    Wenn ein Durchschnittsverdiener schnell zwischen 50 – 70% (AG-SV-Anteil ist sein Geld) bezahlt dann ist das einfach nicht tragbar. Daran ändert eine Flattax garnix (da viele in diesem Bereich eh nur einen Durchschnittsteuersatz von 25 % haben), wobei sie besser ist, da weniger Bürokratie anfällt. Eine Flattax ist gut für Freiberufler, Beamte und Spitzenverdiener.

    Grundsätzlich ist aber richtig das Kapitaleinkünfte den gleichen Belastungen unterliegen sollten wie Einkünfte aus Arbeit, auch wenn jetzt wieder wer um die Ecke kommt mit Doppelbesteuerung, dann soll man besser Arbeit garnicht besteuern.

    Man muss viel weitergehen, so weit wie ich oben beschrieben habe, aber das führt zu unglaublichen vielen Arbeitslosen, zumindest kurzfristig.

  21. Bernhard Hamilton sagt:

    Für eine „Flat Tax“ benötigt man keine radikalen Umbrüche [immer falsch – siehe die rechts- und linkssozialistischen Systemexperimente], sondern nur einen kleinen Schritt für den deutschen Teil der Menschheit.

    Das überkomplizierte System der deutschen Einkommensteuer wäre reformiert, es wäre einfacher und durch den Wegfall der Progressions-Ungerechtigkeit auch gerechter – für Jedermann. Denn inzwischen unterliegen ja nicht nur Chefärzte, sondern auch mittlere Einkommensbezieher/ Handwerksmeister u.a. der Progression.

    Und dass niedrigere Steuern das wirtschaftliche Wachstum anschieben, dafür gibt es ausreichende empirische Evidenz. Zwei Dutzend Staaten haben sich dazu entschlossen. U.a., Hongkong – es erhebt eine „Flat Tax“ von 15% und erlebt eine stürmische wirtschaftliche Entwicklung.
    Und das würde auch uns Deutschen nützen – daran (ver-)zweifeln eigentlich nur noch die Ewiggestrigen.

  22. @Hamilton

    verstehen Sie überhaupt was ich schreibe?

    Eine Flat-Tax ist besser, löst aber fast kein Problem, da die Sozialabgaben das Problem sind, diese haben andere Länder überhaupt nicht.

    Deutschland hatte nach dem 2ten Weltkrieg auch einen stürmischen Aufschwung, das lag sicher auch ausschließlich an den niedrigen Steuern, ich glaub sie sollten mal bissel anfangen zu denken.

  23. Bernhard Hamilton sagt:

    YEAH – Eine „Flat Tax“ ist tatsächlich „besser“ – nur ist das Thema SV-Abgaben hier OT. Die „Denker“ werden sich wohl mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass es Widerspruch zu den einfach gestrickten Thesen der (Links-) Konservativen gibt.

    Denn inzwischen gibt es zur Steuer-Reform in Richtung „Flat Tax“ es kaum noch Alternativen. Das derzeitige System des deutschen Einkommen-Steuerrechts ist überholungsbedürftig, da überkompliziert und ungerecht
    • mit seinen vielen Ausnahmen, wie
    • in der unterschiedlichen Belastung verschiedener Einkunftsarten und
    • der Progressions-Ungerechtigkeit, die nur mit Neid-„Argumenten“ zu rechtfertigen ist.
    Der internationale Steuer-/ Standortwettbewerb lässt keine hohen Steuern auf nationaler Ebene mehr zu. Denn die Steuer-Oasen liegen weniger in Liechtenstein und Andorra, sondern leicht erreichbar und unangreifbar in London und New York. Man mag es mögen oder nicht, die weltweite „Tax Competition“ drückt die Steuersätze – und das ist gut so.
    Der US Prof. Krugman (Princeton) war/ ist ein Anhänger des Glaubens, dass hohe Steuern und verschuldungsfinanzierte Stimulus-Programme in Europa das Wachstum beleben könnten.
    „Abrr Vorsicht – das stimmt nicht“ – gerade die niedrigeren Steuersätze der Reagan- und Clinton-Administration haben die dynamischen Unternehmer wieder motiviert. Viele der Internet-Startups wie ebay, Amazon, Netscape, Microsoft etc. und andere würden wahrscheinlich niemals aufgebaut worden sein, wenn die Investoren dabei nicht auch reich geworden wären. Die Erkenntnis, dass vorrangig die „bösen Reichen” für den Wachstumsschub gesorgt hatten, eben weil sie so niedrig besteuert wurden, gefällt Krugman und seinen Nachbetern nicht.
    Sogar dieser Nobelpreisträger (2008) musste zur Kenntnis nehmen, dass sich seine Thesen in Luft auflösten. Robert J. Barro (Harvard) führte den empirischen Nachweis, dass eine 1%-Steuersenkung zu einem deutlichen Wachstum des BIP führt.
    http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704471504574440723298786310.html – in der Kurzfassung: Steuersenkungen, speziell in Hochsteuerländern wie Deutschland machen Sinn – Konjunkturprogramme blähen hauptsächlich die Staatsverschuldung auf.

    Deswegen ist es sinnvoll, die Einkommensteuer zu senken, die billigste Form eines Konjunkturprogramms – und dabei wäre eine „Flat Tax“ eine fortschrittliche Lösung in vieler Hinsicht – sofern man Argumenten zugänglich ist.

  24. @ Hamilton

    Ein Flattax vermeidet Bürokratie ist aber bei weitem nicht ausreichend! Sozialabgaben sind eigentlich auch nur Steuern, nur weil man sie anders nennt haben sie den gleichen Zweck.

    Nicht so kleinkariert denken. Eine Einkommenssteuersenkung als Konjunkturprogramm zu sehen ist schon fast niedlich dämlich. Wobei staatliche Konjunkturprogramme noch schlimmer sind. Psychologische Aspekte spielen eine weit höhere Rolle als die Verfügbarkeit von Einkommen. Wenn Sie ernsthaft was für die Konjunktur in Deutschalnd tun möchten schenken sie den Amis Geld, damit sie usnere Autos kaufen (endlich wach geworden?)

    Aber inzwischen glaube ich die Diskussiion ist müßig mit Ihnen. Was ist übrigens mit den ganzen anderen intranspareten Steuern, da gibs noch weit mehr.

    Sie könnten auch ein Bot sein.

  25. Bernhard Hamilton sagt:

    Wir halten mal fest, dass heute nur noch von Alt-SED-Kadern oder ähnlichen Scheuklappen-„Denkern“ bestritten werden kann, dass Steuersenkungen positivere Wachstums-Wirkungen zeigen als defizitfinanzierte Stimulus-Programme (oder gar Steuererhöhungen).
    Für Ihre Verklammerung an den überholten Leitbildern der Umverteilung sind die Bestätigungen ausgegangen. Dennoch weiterhin darauf zu beharren, entspricht einem autoritären Intellektualismus, der sich allein im Besitz der Wahrheit wähnt, einem „Pseudorationalismus“ (Popper, Offene Gesellschaft).

    Auch wenn es schwer fällt, es zu akzeptieren, Steuersenkungen motivieren die Produktiven wieder, zu investieren und Geld zu verdienen. Ein progressiver Einkommensteuer-Tarif ist wenig anderes als eine Bestrafung des Geldverdienens.
    Umgekehrt wird daraus jedoch eine Belohnung – senkt man die Steuern, können die „bösen Entrepreneurs“ reich werden, dann strengen sich die kreativen Köpfe an – und schaffen damit unsere Arbeitsplätze.

    Von der enormen Wohltätigkeit eines Bill Gates und Warren Buffet mal ganz zu schweigen – ich wünschte, die SED würde mit ihren versteckten Partei-Milliarden ähnlich großzügig sein.

    Wenn anerkannte Wissenschaftler zu anderen Ergebnissen kommen, dann ist das „fast niedlich dämlich“.
    Glückwunsch – solche Verunglimpfung betrieben auch die Nazis, aber trotzdem waren ihre „schlagenden Argumente“ falsch. Und sogar der „wissenschaftliche Sozialismus“ brach zusammen, aller Gewalt gegen die eigenen Bürger (Stasi-Terror, Schiessbefehl auch auf Kinder, Minensperren, Hohenschönhausen, Bautzen etc.).

    Ignoranz hilft in einer freien Welt nicht weiter – die positiven ökonomischen Wirkungen von Steuerentlastungen lassen sich nicht mehr wegdiskutieren.

  26. @ Hamilton

    haben Sie überhaupt gelesen, was ich geschrieben habe (alles), ich will nichts anderes als einen “echten” Neoliberalismus (wir haben zurzeit eher sowas wie Staatssozialismus für Wohlhabende und Manchesterkapitalismus für die Verlierer) mit einer für unsere Zeit angemessenen sozialen Komponente (BGE oder Bürgergeld). Welche fast keine Bürokratie erzeugt und es ermöglicht unglaublich viel Bürokratie etc. abzubauen und sich fast Wettbewerbsneutral verhält. Eine Konsumsteuer wirkt ähnlich wie ein Zoll, eine Fianztransaktionssteuer wirft “Sand ins Getriebe”, was aber wohl weit sinnvoller ist als die ganzen Regulierungen, die derzeit angestrebt werden.

    Wie gesagt ich gehe viel weiter als Sie, da in meinem Modell existieren keine Steuern (auch keine Sozialabgaben) auf Einkommen (nur indirekte). Eigentlich existieren nur 2 Steuern, die die existieren machen aber einen sehr interessanten sozialen Staat möglich.

    Um frei zu sein muss man freie Entscheidungen treffen können, dies ist doch in unser Gesellschaft für viele überhaupt nicht gegeben. Unser Arbeitsmarkt ist ja nichtmal ein Markt.

    Sie sollten weniger Statistiken glauben schenken, genau wie Wirtschaftstheorien, da diese viel zu viele Einflussfaktoren ausblenden.

    Aber ich glaube wir verfolgen auch ganz andere Ansätz, sie verfolgen Besitzstandswahrung mit einer persönlichen Besserstellung. Ich hingegen einen Systemwechsel in fast allen Bereichen, dieser hat aber garnichts mit der Idee des Sozialismus zu tun.

    Die grundsätzliche Frage ist: Soll der Kapitalismus allen dienen oder nur den vermeintlichen Leistungsträgern (die meisten sind nur in unserem System welche)?

    P.S.: Ich persönlich glaube aber die Menschen sind noch nicht soweit, leider. Dafür erzeugt mein Ansatz auch viel zu viele finanzielle “Verlierer” (da sie keine Erwerbsarbeit mehr haben) auf Seiten der derzeitigen “Gewinner”, zumindest kurzfristig.

  27. @Bernhard Hamilton
    “Niedrigere Steuersätze dagegen ermutigen Menschen, mehr zu arbeiten”
    Wieso sollte ich mehr arbeiten? Für die gleiche Arbeit bekomme ich auf einmal mehr Geld. Worin liegt denn da die Motivation. Nach der Logik müsste man die Zahlungen von Hartz 4 nach oben schrauben, da die Menschen dann auf einmal mehr Arbeiten.

    “höhere Steuern laufen parallel mit weniger Einkommen/ Arbeitsplätzen/ Lebensstandard für Alle.”
    Siehe Dänemark, Schweden, etc. Das Geld ist ja nicht weg. Der Lebensstandard der Gesellschaft wird erhöht. Wenn es mehr Freizeitangebote gibt die Preiswert sind, dann hat sich ihr Lebensstandard erhöht. Sie haben dafür eben keinen Pool zu Hause. Die arbeitsplätze lagern sich dann in den öffentlichen Bereich um. Denn die öffentlichen Einrichtungen müssen betrieben werden.

    “Reagan- und Clinton-Administration ”

    Schauen sie sich die Verschuldung der USA in diesen Zeiten an. Die Gesamtverschuldung stieg. Unter Reagan im Staatshaushalt, unter Clinton im privaten Bereich (teilweise Ursache der Finanzkrise). Die Einkommen der unteren 20% liegen Inflationbereinigt bei den Werten von 1960. Das nenn ich mal eine Wohlstandssteigerung.

    “ökonomischen Wirkungen von Steuerentlastungen”
    Sie schreiben das gerade die Spitzensteuersätzen die größte Wirkung haben. Wo ist denn das große, breite Wachstum in Deutschland. Seit 1990 wurde der Spitzensteuersatz von über 50 auf 42% gesenkt. Die Kapitalertragssteuer im oberen Bereich ist gesunken. Dennoch sinken die Bruttoeinkommen (Steuerunabhängig) und die Unternehmensgewinne steigen. Scheinbar scheinen ihre empirischen Studien nicht ganz zu funktionieren. Reagan erhöhte auch die Ausgaben. Was war wichtiger, Ausgabensteigerung oder Steuersenkung? Es gibt mindesten ebenso viele Steuersenkbefürworter, wie Gegner. Alle haben trifftige Grüned gefunden und diese empirisch belegt. Das zeigt nur, dass das Thema eben sehr komplex ist.

  28. Bernhard Hamilton sagt:

    Wer Erkenntnisse ablehnt und auch realworld-Fakten nicht akzeptieren will, unterliegt einer selektiven, ideologisch gefärbten Wahrnehmung, „kognitiven Filtern“ zur Selbstbewahrheitung vorwissenschaftlicher Aussagen.
    Ein solches Vor-Verständnis blendet abweichende wissenschaftliche Ergebnisse aus, um an den etablierten Denkmustern (Mentalitäten) festhalten zu können.

    Als Deutscher mit einigen Geschichtskenntnissen kann man durchaus befürworten, dass die Ausbeutung der Bürger durch ihren (Steuer-) Staat begrenzt bleibt. Sicherlich ist das demokratische Deutschland nicht mit den rechten bzw. linken Diktaturen gleichzusetzen. Ein Vergleich ist jedoch keine Gleichsetzung – und daher zulässig.
    • Man kann die Frage aufwerfen, welcher Deutsche hätte sich nach dem berauschenden Fest der Olympischen Spiele 1936 in Berlin sagen lassen, dass Deutschland 1945 in Trümmern liegen würde.
    • Welcher Sozialist hätte nach Gagarins triumphalem Flug (12. April 1961) geglaubt, dass die „glorreiche Sowjetunion“ ca. 30 Jahre später verschwunden wäre?
    • Das demokratische Deutschland hat durch seine Umverteilungs-Politik derartige Staatsschulden angesammelt, dass Fragezeichen zum Überleben der Bundesrepublik durchaus zulässig sind.

    Der Systemwettbewerb hat den Unrechtsstaat der „DDR“ friedlich von der Landkarte gefegt, das gleiche wäre auch mit dem rechten Sozialismus geschehen – hätte dieser nicht Krieg und Massenmord begonnen.

    Der Standort-Wettbewerb hat auch die deutlichen Senkungen der Steuersätze in der Einkommen- und Körperschaftssteuer erzwungen, seit Mitte der 80er Jahre [dank Maggie und Ronald]. Dadurch bleibt den Bürgern endlich mehr von – ihrem – hart erarbeiten Einkommen. Verallgemeinert gesagt, dieser Wettbewerb zwingt die Politik zu einer faireren Behandlung nicht nur der Minoritäten, sondern aller Menschen.

    Für eine niedrigere Besteuerung sprechen daher auch die für eine „soziale Marktwirtschaft“ (Neoliberalismus – NEIN Danke) so wesentlichen moralischen Wertungen.

  29. @ Hamilton

    sie wissen schon, dass Neoliberalismus und soziale Marktwirtschaft auf den gleichen Grundgedanken beruhen, es sind mehr oder weniger nur andere Namen.

    Dabei sollte man es nicht mit dem verwechseln, was Reagan und Thatcher darunter verstanden haben.

    Der wichtigeste Gedanken des Neoliberalismus sind, dass der Staat nur als Schiedsrichter fungiert und sich grundsätzlich aus dem wirtschaftlichen Handeln raushält, außer jemand wird benachteiligt (Monopole etc.). Außerdem eine unabhängige Zentralbank, das Gegenteil der FED, die EZB entspricht noch am ehesten diesem Gedanken. Es steht für Chancengleichheit und Gerechtigkeit für alle sowie für eine Leistungsgesellschaft.

    Das größte Problem der derzeitigen Form des Kapitalismus ist, dass er absolut falsche Leistungsanreize setzt. Der Kapitalismus sollte der Bevölkerung dienen, unser dient vorallem der Bürokratie und setzt falsche Anreize für Unternehmen, dies hat viel mit deren Besteuerung zu tun, daher möchte ich auch Unternehmen garnicht besteuern. Unternehmen produzieren nicht mehr für die Bevölkerung, sondern größten Teils für sich selbst und riesige Verwaltungsapperate. Dies schafft zwar Unmengen von Arbeitsplätzen, die aber letztendlich reine Ressourcenverschwendung sind, das makabere daran ist, dass dieser Schwachsinn auf dem Papier unsere Wohlfahrt erhöht.

    Grundsätzlich kann man sagen, dass der Großteil unser derzeitigen Erwerbsarbeit uns als Bevölkerung ärmer macht, als wir sein sollten und sehr innovationshemmend wirkt, da man sich mit unglaublich viel bürokratischen Blödsinn rumärgern muss.

    Man sollte eher versuchen wieder den Bürger in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handels zu rücken. Dies kann man nur erreichen, indem man alle überflüssigen Subventionen, Gesetzte, Erwerbsarbeitsplätze etc. abbaut und den Massen Kaufkraft gibt. Der Konsument sollte entscheiden was er will, daher brauch man auch einen anderen Umverteilungsfaktor als nur die adäquat bezahlte Erwerbsarbeit, davon gibt es schon lange nicht mehr genug für alle, auch wenn wir noch so bemüht sind ständig Neue zu erfinden. Zurzeit schreibt der Staat für Arme und Nichwohlhabende vor was sie zu wollen haben, das widerspricht doch dem Grundgedanken der Freiheit.

    Außerdem wird der Staat durch die Abhängigkeit von Arbeitsplätzen extrem erpressabr, das sollte jedem auffallen.

    Aber die meisten Menschen setzten sich nur mit Symptomen auseinander, anstatt die Krankheit zu sehen. Eine Flat-Tax ist ein Beispiel für dieses Problem genau wie Mindestlöhne es sind.

    Dies kann man alles ändern, man muss es nur tun. Die Welt würde dadurch einfacher und transparenter werden. Des Weiteren sollte man Banken nicht den Hebel der Geldmengenerhöhung geben, was dadurch passiert sieht man ja seit einiger Zeit. Ich persönlich zweifle sehr stark daran, ob man wirklich Politiker braucht.

    P.S: 2 long didn’t read

  30. “Standort-Wettbewerb”

    Sie haben eine sehr eindimensionale Sicht auf einen Wettbewerb. Wenn nur die Steuern eine Rolle spielen würden, dann müssten ettliche afrikanische Länder blühen. Bildung, Recht, Infrastruktur, Sicherheit, etc. ist wichtige Faktoren. Diese der breiten Masse zu ermöglichen ist Aufgabe des Staates. Dafür zahlte man eben Steuern. Die Unternehmen profitieren massiv davon. Wenn das Gesundheitssystem gut ist, dann gibt es weniger Fehltage. Wenn die Kinderbetreuung gut ist, dann gibt es kürzerer Mutterschaftsurlaube und Fehlzeiten aufgrund der Kinder.

    Zu ihrem Systemwettbewerb kann ich nur sagen, dass ein objektiver Vergleich im wirtschaftlichen Bereich nur sehr schwer möglich ist. Hätte die UdSSR und die DDR die Startwerte der USA und der BRD gehabt, dann hätte die Wettbewerb auch in die andere Richtung ausgehen können. Die Wirtschaftsleistung der neuen Bundesländer liegt nach 20 Jahren Kapitalismus gerade mal so in dem Bereich von 1989.

  31. @chriwi

    Der Sozialismus hat ein großes Problem, er setzt keine Leistungsanreize. Wobei man den Staatssozialismus (UDSSR etc.) auch nicht unbedingt mit der Grundidee vergleichen darf.

    Wenn allen alles gehört, gehört niemanden etwas oder besser alle sind gleich nur manche sind gleicher (dies ist vorallem Staatssozialismus).

    Daher ist unsere Welt bei weitem noch nicht reif für so ein System.

    Der Kapitalismus scheitert nicht an sich selbst, sondern sehr klar an seiner derzeitigen Ausrichtung (vorallem einer viel zu schwachen sozialen Komponente) und einem viel zu dominaten Staat (was dem sehr ähnelt, was man aus der UDSSR kannte). Dies kann man aber ändern.

  32. Bernhard Hamilton sagt:

    Danke für Benennung afrikanischer Länder. Dort regieren in vielen Fällen korrupte Eliten, die den Staat als ihre eigene Veranstaltung ansehen und vorrangig erstmal in die eigene Tasche wirtschaften.
    Das ist kaum anders als in den Links-sozialistischen Systemen, wo die herrschende Parteiklasse den Staat ebenfalls als ihren Feudalbesitz behandelt hat.
    Sie dürfen gerne zeigen, warum Nordkorea ein Land ist, in dem die Menschen gut leben können und gerne leben möchten.

    Der Punkt bleibt, dass die Steuern zu hoch sind in Deutschland. Und das hauptsächlich, weil demokratische Staat an allen möglichen Stellen Umverteilungsansprüchen nachkommt.

    Hier zeigt die Bundesrepublik durchaus neosozialistische Züge, die Versuchung der Unfreiheit wirkt auch im Westen. Aber diesmal bleiben die Grenzen offen, und der Wettbewerb verschiedener Staaten um Investoren und Steuerzahler mindert die Ausbeutungsmöglichkeiten des einzelnen Staates an seinen Bürgern.

    Die Barro-Untersuchung, wonach Steuersenkungen in Hochsteuerstaaten Wachstumsimpulse auslösen, konnte auch nicht widerlegt werden.

    SED-Gelaber wird da nicht helften – “Die Freiheit in ihrem Lauf, halten weder Honecker noch Lafontaine auf”.

  33. “Der Punkt bleibt, dass die Steuern zu hoch sind in Deutschland.”
    Haben sie die mit anderen Industrieländern verglichen? So schlecht stehen wir da nicht da.

    “Wachstumsimpulse”
    Ich habe nie abgestritten, dass Steuersenkungen Wachstumsimpulse stattfinden lassen. Unter Reagan stieg aber auch sehr stark die Verschuldung an (Steuersenkungen + Ausgabensteigerungen). Er hat auch die Finanzbranchen liberalisiert und daraufhin konnten alle munter auf Pump konsumieren. Hat ihre Barro Untersuchung diese Effekte mit berücksichtigt?

    An den afrikanischen Ländern haben auch sie eingesehen, dass Steuern eben nicht der einzige Faktor für eine Standortwahl sind. Ebenfalls zeigen sie das es in Nordkorea mit viel Staat gar nicht geht (zu Recht), in Dänemark mit sehr viel Staatsquote funktioniert es aber. Es gibt also eine Vielzahl von Einflüssen. Nur auf Steuersenkungen zu schauen ist sehr kurzsichtig. Vor allem weil viele Dinge dann teuerer würden.
    Nimmt man das Beispiel Straßenbau. Niedrige Steuern –> kein Geld zum Bau von Straßen ist da –> Privatinvestoren bauen die Straßen und nehmen Maut –> Pendler zahlen deutlich mehr und werden zusätzlich belastet

    Natürlich haben alle Pendler die freie Wahl in den innerstädtischen Bereich zu ziehen, nur wo kommen dann die Wohnungen her?

  34. Bernhard Hamilton sagt:

    Ich nehme erfreut zur Kenntnis , dass die positiven Wirkungen von Steuersenkungen doch endlich akzeptiert werden.

    Wachstum und Beschäftigung steigen an, die Menschen finden Arbeit und können Einkommen aus eigener Kraft erarbeiten – ich empfinde das als durchaus wünschenswert.
    Steuern sind Strafen für die Leute, die Arbeitsplätze schaffen, hohe Steuern gleich geringe Investition, siehe Roosevelt`s fehlgeschlagener “New Deal”.
    Niedrigere Steuern – und die Investitionen rechnen sich wieder.
    Wirtschaft, Beschäftigung und Wohlstand steigen.

    Und das ist der Punkt, der in Ihrer Nordkorea-Argumentation unterschlagen wird. Die “bösen Reichen” gibt es dort nicht, sieht man von den leitenden Parteigenossen ab. Aber dafür müssen die Menschen in Armut durchhalten – eine Parallele zum untergegangenen Unrechtsstaat der “DDR”.

    Es ist nicht leicht, die neidbasierten Vorurteile herunterzuschlucken und zu akzeptieren, dass eine “soziale Marktwirtschaft” ein höheres Maß an Ungleichheit aber dafür auch mehr Wohlstand für Alle bietet – inklusive einem funktionierenden sozialen Ausgleich.
    Damit ist sie erheblich “gerechter” und “sozialer” als alle afrikanischen, asiatischen oder osteuropäischen (Links-) Diktaturen.

  35. @ Hamilton

    ich glaube, das hat niemand in diesem Forum jemals bestritten, nur könnte sie noch viel besser sein, das ist der entscheidende Punkt.

    Vorallem dieses “erarbeiten”, ist inzwischen totaler Blödsinn, da sich die Situation komplett gewandelt hat.

    Theoretisch müsste man fast garnicht mehr arbeiten (zumindest nicht in der Form wie wir es kennen), wenn wir nicht andauernd schwachsinnige Gesetzte, Subventionen, Überwachung etc. erfinden würden.

    Aus diesem Grund gibt es auch kein wirkliches Demographieproblem, sondern nur ein Systemproblem.

  36. Bernhard Hamilton sagt:

    “Theoretisch müsste man fast garnicht mehr arbeiten (zumindest nicht in der Form wie wir es kennen), wenn wir nicht andauernd schwachsinnige Gesetzte, Subventionen, Überwachung etc. erfinden würden.”

    Im Wolkenkuckucksheim mag das stimmen.
    Aber hinter der Ablehnung der Erwerbstätigkeit steht wohl der sozialistische Glaube von der arbeitsfreien Vollversorgung für Alle.
    “Herr, lass Manna vom Himmel fallen.”
    Weil das heutige Wohlfahrts-Deutschland auf erzwungener Umverteilung basiert, möchten manche glauben, man müsse dafür “Nichts” tun.

    Träumen Sie ruhig weiter.
    Aber Vorsicht, beim Aufwachen könnten Sie ihrem eigenen Dreck liegen.
    Und der muß dann auch wieder von der Arbeit Anderer entsorgt werden – wie die “DDR”-Ruinen mit mehr als 1.500 Mia. € aus dem freieren Westen Deutschland.

    Und solange Einkomme durch Leistungen für Dritte “erarbeitet” werden muss, braucht es dringend eine Steuerreform, die die überkomplizierte Einkommesteuer vereinfacht und die ungerechte Progression senkt – eine “Flat-Tax” wäre eine gute und gerechte Lösung.

  37. @ Hamilton

    Maschinen produzieren unsere Güter, inzwischen überwachen Maschinen, Maschinen, nur durch Marktzutritthemnisse und vorallem durch Überwachung, überflüssige Gesetzte etc., entstehen weitere Arbeitsplätze.

    Es gibt trotzdem genug zu tun, sie sollten mich nicht missverstehen, nur sind das andere Arbeiten als das was wir derzeit Erwerbsarbeit nennen.

    Ich glaube Sie leben in einem Wolckenkuckkucksheim und das ist rückwärtsgewand.

  38. Bernhard Hamilton sagt:

    “… nur durch Marktzutritthemnisse und vorallem durch Überwachung, überflüssige Gesetzte etc., entstehen weitere Arbeitsplätze.”

    Auch wenn es maschinelle Unterstützung gibt, Arbeitsplätze entstehen – nur – durch menschliche Tätigkeiten, sei es
    • in der Kontrolle,
    • in der Überwachung
    • in der Steuerung
    • in der Planung
    • in der Organisation wie auch
    • in der direkten Durchführung
    von (menschlichen wie maschinellen) Arbeitsabläufen.

    In ihrer abwegigen Vorstellung müssen wir mit der Bürokratie auch die Bagger (Maschinen) abschaffen, um dann wieder 20 Leute mit Schaufeln in „wirklich produktiver Arbeit“ einsetzen zu können.

    Die Arbeit hat sich in vielen Bereichen verändert – willkommen im 21. Jahrhundert.

  39. @ Hamilton

    “Die Arbeit hat sich in vielen Bereichen verändert – willkommen im 21. Jahrhundert.”

    Wollen sie mich veralbern?
    Ich dachte die DDR war ein Unrechtsstaat.
    Aber die ganzen überflüssigen und einschränkenden Gesetzte, wettbewerbsverzerrende Subventionen, riesen Verwaltungsapperate ohne Sinn und Zweck befürworten Sie, oder wie?

    Aber dann bitte nicht immer von totalitären System labern, wenn man selbst eines will, was einen selbst besserstellt, ok?

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Der Autor:

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Christian Kirchner

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