Die Soziale Marktwirtschaft ist ohne eine konsequente Politik der Preisstabilität nicht denkbar. Nur diese Politik gewährleistet auch, dass sich nicht einzelne Bevölkerungskreise zu Lasten anderer bereichern. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

9 OrdnungspolitikSteuern und Finanzen

Steuern senken!

Steuermehreinnahmen

Nach der aktuellen Prognose der Steuerschätzer wird der Staat in den kommenden drei Jahren 60 Milliarden Euro mehr einnehmen, als bisher angenommen. Für diese Mehreinnahmen sieht der Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, Marc Beise, grundsätzlich drei Verwendungsmöglichkeiten: Sozialausgaben erhöhen, Schulden abbauen oder Steuern senken. In seinem Videoblog setzt sich Beise mit diesen drei Alternativen auseinander.

  • Markus

    Steuern erhöhen – aber an der “richtigen” Stelle! Oder möchte hier jemand ernsthaft bezweifeln, daß sich auch in “Good Old Germany” bereits amerikanische Verhältnisse der extremen Ungleichheit ausgebreitet haben?

    http://extremeinequality.org/
    Working Group on Extreme Inequality » Homepage

  • Eine Lachnummer ist der Herr Beise. Als die Steuersenkungen ganz unten standen war klar worauf er hinaus will. Dabei kann man seine Wachstumsprognose durch Steuersenkungen auf die anderen beiden Punkte ebenso ausweiten.

    Höhere Sozialabgaben = mehr Kaufkraft = bessere Konjunktur = Mehreinnahmen

    Sparen = weniger Schulden = weniger Zinsleistungen = Mehreinnahmen

    Da Herr Beise allerdings lieber weniger Steuern zahlen möchte nimmt er eben seine dritte “nachhaltige” Lösung. Bei der ersten meinte er noch sie sei nicht nachhaltig und unflexibel wenn denn die Konjunktur wieder schwächelt. Bei Steuersenkungen ist das aber nicht der Fall?

  • Surp

    Eine radikale Steuerreform und SV-Reform, würde viel bringen, aber da hängen ja soviele “Arbeitsplätze” (mit negativer Produktivität) dran.

    Ich wundere mich immer warum fast kein Ökonom dies ernsthaft ausspricht, haben sie alle Angst um ihren eigenen Arbeitsplatz?

  • Im Prinzip hat Beise mit allen drei Vorschlägen Recht, denn alle drei sind nötig. Aber: Bisher wurde jede Schuldenaufnahme in der Bundesrepublik damit begründet, dass diese für das Wirtschaftswachstum nötig war.
    Nach 30 Jahren Wirtschaftswachstum haben sich nun zwar die Vermögen um 900 Prozent erhöht (seit 1979), aber noch nie wurde ein Euro getilgt.
    Dass Steuersenkung zu Steuereinnahmen führt, ist eine von vielen religiösen Annahmen in der Wirtschaft.
    Da also über Wachstum auch keine Tilgung entsteht, sparen aber zu Steuermindereinnahmen führt, bleibt nur die betriebswirtschaftliche Betrachtung der Staatsschulden im Verhältnis zum bisher unbesteuerten Zuwachs der Privatvermögen.
    Dieser bilanzielle Blick wird von Ökonomen noch einige Zeit abgelehnt werden, bevor er dann dazu führt, dass endlich getilgt wird.

  • Markus

    Werter Herr Beise,
    mal in allem Ernst: Hat eine Unternehmung Schulden, geht bei zu erwartenenden Einnahmen absolut kein Weg an der Schuldentilgung vorbei. Sicherlich hat niemand direkt etwas davon – denn Schuldentilgung ist als solche nciht greifbar oder materiall anschaulich. Also auch kein Thema für den Wahlkampf. Die SUmmen sind derart hoch, dass der “normale” Bürger gar keine Realation mehr hierfür hat. Aber Tilgen ist der einzige Weg aus dem Dilemma. Sofort!
    Steuern zu senken kann sicher eine einhergehende Alternative darstellen – aber die dadurch höheren Einkommen müssen zwingend auch wieder zurück in den Wirtschaftskreislauf. Sonst verpufft das Instrument komplett. Und diese Einkommen müssen in deutsche Güter investiert werden (siehe Fehler bei der Abwrckprämie) Die Deustchen sind aber zum Glück nicht für Ihren maßlosen Konsum bekannt – sondern sparen mehr denn je. Warum? zukunftsangst aufgrund eine miserablen Politik!

    Wieso haben manche Ökonomen eigentlich gar kein Gefühl mehr dafür, was als Lösung immer so nahe liegt? Naja – weil diesen immensen Schuldenberg die nächste Generation tilgen muss. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und dies kommt irgendwann zurück. Mal sehen, ob wir dann immer noch so liquide sind.

    Unternehmen kamen aus der Krise, weil diese gespart habe. Der Staat scheint nicht fähig. Schilden abbauen ist zwingend notwendig!

  • “Hat eine Unternehmung Schulden”
    Wir reden aber von einer Volkswirtschaft. In der Physik würde niemand auf die Idee kommen Atomverhalten auf Planeten zu übertragen. In der Wirtschaftwissenschaft aber schon. Wie Alexander Dill richtig sagt müsste man nicht nur die Verschuldungsseite, sondern auch den Vermögenszuwachs betrachten. Da sieht es in Deutschland sehr gut aus. Schaut man sich nun die Steuersenkungen der letzten 50 Jahre an, dann wird klar das genau diejenigen mit Vermögen entlastet wurden.

    Ein zweiter Punkt sind die angeblichen Mehreinnahmen, welche hier thematisiert werden. Sicher sind es Mehreinnahmen, wenn man vom letzten Jahr schaut. Nimmt man aber die Extrapolation von 2008, dann sieht man starke Mindereinnahmen. Hinzu kommen die Bankenrettungsausgaben.

  • Markus

    @ chriwi
    und eine Volkswirtschaft muss demnach nicht “Wirtschaften”? Das Ergebnis ist bekannt. Durchaus ein interessanter Ansatz, dass eine Unternehmung nicht mit einer Volkswirtschaft zu vergleichen ist. Womöglich kann ein Volkswirtschaft demnach auch ohne die Grundregeln auskommen. das wäre schön, ist nicht realistisch.
    Auch die VWL darf sich daran gewöhnen, dass nur Ausgaben durch Einnahmen bzw. Innenfinanzierung Bestand haben.
    Oder welche Grundlagen unterliegt die VWL?

    +
    “Schaut man sich nun die Steuersenkungen der letzten 50 Jahre an, dann wird klar das genau diejenigen mit Vermögen entlastet wurden.”

    Wer ist “vermögend”?

  • “und eine Volkswirtschaft muss demnach nicht “Wirtschaften”?”
    Habe ich das behauptet? In einem Unternehmen ist es sinnvoll die Ausgaben zu senken und die Einnahmen zu erhöhen. Was passiert, wenn in einer Volkswirtschaft alle Teilnehmer dieser Logik folgen? Sie können die Mehreinnahmen nicht steigern. Denn die Ausgabensenkung des Einen führt zwangsläufig zur Einnahmensenkung des Anderen. Einzelwirtschaftliches Denken im Bezug auf eine Volkswirtschaft lässt sich nur im Export nutzen. Wenn man allerdings die globale Weltwirtschaft sieht kommt man allerdings zum gleichen Schluss.

    “Wer ist “vermögend”?”
    Die Grenze ist sicherlich fließend. Allerdings kann man sehen, dass gerade die obersten 10-20% der Einkommen entlastet wurden (Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Kapitalertragssteuer, entlastet tendenziell eher diesen Bereich, da die niedrigen Einkommen und Vermögen unter den Freibeträgen liegen). Mehrwertsteuererhöhungen belasten gerade die niedrigen Einkommen, da sie ihr komplettes Einkommen konsumieren.

  • Markus

    Ich habe durchaus nur den Binnenhandel im Sine der Volkswirtschaft betrachtet. Auch wenn es Global-wirtschaftlich nciht sinnvoll scheinen mag, so muss doch der Länderhaushalt schon auch egoistisch rechnen. Es hilft uns ncihts, wenn wir die Weltwirtschaft auf unsere Kosten unterstützen. Denn es bedeutet nicht, dass wenn wir viel importieren dass dann aus Dank andere Länder mehr unserer Güter importieren. Diese Gleichgewicht ist nur Theorie. Und wir können unsere Ausgaben nur stabil halten, wenn unsere Einnahmen im gleichen Maße sind. Wenn nciht, gibt es doch nur die Möglichkeit einer Ausgabensenkung. Das ist in der BWL nicht anders.
    Vergibt eine Unternehmung weniger Aufträge an Lieferanten, fehglen diesen die Einnahmen. Gleiches Prinzip. Ein Unternehmen muss in mnachen Situation diesen Weg gehen – und der Bund ist hier keine Ausnahme.

    “Mehrwertsteuererhöhungen belasten gerade die niedrigen Einkommen, da sie ihr komplettes Einkommen konsumieren”
    Da gehe ich mit einher. Aber: Da die Steuer eben in % gerechnet wird, bezahlt doch der Konsument von teuren Produkte proportionalem Maße mehr Steuer. Das ist einfach nur gerecht. Nicht Mehr oder Weniger. D.h., für den Staat ist es besser eine E-Klasse zu verkaufen als einen Golf. Im Übrigen halte ich dies auch für eine Frage des Konsumverhaltens, die sich nur schwerlich bewerten lässt.
    Vielleicht die Frage: Spart ein Durchschnittsverdiener prozentual mehr als ein Niedriglöhner?