Politiker sparen, indem sie den Gürtel der Bürger enger schnallen. Lothar Schmidt, *1922, dt. Jurist, Politologe

5 FinanzmarktSteuern und Finanzen

Aus Zwei mach Null

Rund zwei Drittel der Gesamtkosten entfallen auf die Rettung von Landesbanken. Nimmt man die IKB hinzu, sind 80 Prozent dieser Kosten den staatlich kontrollierten zuzuordnen.

Der Fusionsversuch zwischen West LB und Bayern LB ist erneut gescheitert. Mit einer Fusion können die Probleme zweier Banken, die bis heute über kein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen, nicht gelöst werden. Zwei schlechte Banken ergeben nicht automatisch eine gute.

Dabei ist eine Fusion von Landesbanken grundsätzlich kein falscher Ansatz zur Lösung der Probleme im hiesigen Landesbankensektor. Allerdings nur unter zwei Bedingungen: Erstens muss die Fusion wirtschaftlich und nicht politisch motiviert sein. Dazu gehört, dass es beide Seiten ein Verständnis darüber haben, wie die neue – also fusionierte – Bank aussehen soll. Und zweitens darf die Fusion nicht das Ende des Konsolidierungsdrucks im Landesbankensektor sein, sondern lediglich der Anfang. Es darf kein Weg daran vorbei führen, dass sich die Landesbanken dem Wettbewerb um die besten Konsolidierungsmodelle am hiesigen Bankensektor stellen. Die Politik muss daher darauf achten, dass auch nach einer Fusion ein diskriminierungsfreier Wettbewerb um die besten Konsolidierungsmodelle stattfinden kann. Vermutlich war der fehlende politische Wille, dies durchzusetzen, auch ein Grund für das Scheitern der Gespräche.

Man darf nicht vergessen, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer – und schon gar nicht der bessere Banker – ist. 80 Prozent der direkten Kosten in Deutschland sind bei den schon vor der Krise verstaatlichten Banken entstanden – also den Landesbanken und der IKB. Eine Lösung muss her. Bis Ende 2011 muss die West LB ohnehin den Eigentümer wechseln, so will es die EU Kommission. Möglich ist das. Die Landesbanken müssten sich in einem ersten Schritt lediglich wieder auf ihre Kernkompetenzen besinnen – ob mit oder ohne Fusion. Danach wäre der Weg frei für eine echte, d. h. diskriminierungsfreie Privatisierung. In wie weit sich die Geschäftsmodelle noch als tragfähig erweisen, entscheidet dann der Markt und nicht mehr die Politik.


Die Studie “Staatliche Hilfen für Banken und Ihre Kosten” können Sie hier downloaden.

  • Autor

    Prof. Dr. Christoph Kaserer

    ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München.

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  • Die IKB war keine staatliche sondern eine private Bank Herr Kaserer. Wenn der Staat über die KfW mit 38% drin steckt, dann gibt es offensichtlich noch 62% die er nicht besitzt.

    “Man darf nicht vergessen, dass der Staat nicht der bessere Unternehmer – und schon gar nicht der bessere Banker – ist.”
    Aus diesem Grund musste er auch einen Rettungsschirm von 500 Mrd. Euro aufspannen. Aus diesem Grund musste er die Commerzbank, HRE, IKB mit Milliarden unterstützen. Das zeigt wie effizient zu große Banken sind. Wären sie kleiner gewesen hätte man sie pleite gehen lassen können. So wurden sie gerettet und das Problem nur verschoben. Wie das “diskriminierungsfreie Privatisierung” leisten soll ist mir nicht klar. Einmal wünsche ich mir, dass ein neoliberaler Professor einen Vorschlag macht, welcher nicht aus Floskeln besteht. Funktioniert das Prinzip der Privatisierung nicht, dann war sie halt nicht diskriminierungsfrei. Gratulation für diese Hintertür.

  • Markus

    Daß Private die besseren Banker sind, sieht man ja bei Lehman Brothers!

    Und die Deutsche Bank kann gut feiern, wie z.B. im Bundeskanzleramt den Geburtstag von Josef Ackermann. Ein Schelm, wer da Böses denkt ;-)

    Wie die Landesbanken auf Abwege kamen, erzählt hier ein Insider:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=3510
    NachDenkSeiten – Die kritische Website » Die Landesbanken sind die schlimmsten

  • Keynesianer

    Alle Privatbanken, die “too big to fail” sind, sind quasi faktisch Staatsbanken.
    Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste werden sozialisiert. Bei einer Staatsbank werden die Gewinne sozialisiert und die Verluste auch sozialisiert.

    Die größten Pleitebanken weltweit waren Privatbanken! Ist der Staat also der besserer Banker? Nein, sitzt ein Hirsch an der Spitze geht die Bank pleite egal ob privat oder staatlich. So ist das, wenn man es völlig ideologiefrei betrachtet. Nach ideologiefreier Logik müßte man Privatbanken, die in Schieflage geraten sind und staatliche Hilfe benötigen, sofort voll verstaatlichen, wenn man sie nicht PLEITE gehen lassen kann. Die Refinanzierung ist dann nämlich günstiger und das schont den Steuerzahler!

    Die Landesbanken nach dem Vorbild gewisser Privatbanken zu Spielbanken und Wettbüros zu machen war absurd. Das kommt aber davon, wenn Politiker nicht oberhalb der Wirtschaft stehen (unabhängige übergeordnete Aussenperspektive), sondern zu sehr mit Finanzmarktderegulierungslobbyisten schmusen!

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-grosse-raubzug/1803948.html

  • Surp

    Das wirkliche Problem ist die Art wie die Geldmengenerhöhung (vorallem der FED). Staatsbanken funktionieren bei weitem schlechter als Privatbanken, trozdem funktionieren sie alle schlecht, aber das ist nicht ihre Schuld.

    Banken haben eine extrem geringe Produktivität (Rendite aus optimaler Kapitalallokation). Sie können nur so funktionieren, weil wir ihnen erlauben einen extremen Hebel anzusetzten. Sonst wären weder die Gehälter nocht sonstwas bei Banken möglich.

    Nimmt man den Banken den Hebel und streut dazu noch Sand ins Getriebe (Finanztransaktionssteuer nach Feige), dann brauch man auch den ganzen Überwachungsblödsinn nicht mehr.

    “to big to fail” ist eine leere Worthülse, selbstverständlich hätte man fast alle Banken in Konkurs schicken können (somit letzendlich auch die Deutsche Bank, die sich immer rühmt sie wäre so gut aufgestellt gewesen, das war sie mitnichten). Dies hätten zu einem zügigen Andersdenken gezwungen, oder es wäre wirklich das Chaos ausgebrochen. Jetzt hat man nur Zeit gekauft und Vermögen beschützt, zu einem verdammt hohen Preis für die meisten Bürger.

  • Kammerjäger

    Warum sollten die Landesbanken überhaupt “konsolidiert” werden? Zum einen führen derartige Marktbereinigungen zu geringerem Wettbewerbsdruck, und sind damit quasi per se volkswirtschaftlich zunächst als fragwürdig zu beurteilen, sofern nicht eine höhere Effizienz durch Skaleneffekte zu erwarten sind.

    Zum zweiten müsste sich Deutschland schon aus Staatsinteresse eher um die Zerschlagung von Großbanken kümmern. Die gerade erst begonnen Misere von “to big to fail” Bankenproblemen zeigt den exitenzbedrohenden Charakter, der von einer Konzentration auf dem Bankensektor ausgeht.

    Werfen Sie einmal eine Blick nach Island oder besser noch nach Irland: Um die drei Irischen Pleitebanken zu Retten, müsste Irland die kompletten(!) Steuereinnahmen der kommenden sechs Jahre aufwenden. Kleinere Banken hätte man einfach in die Pleite schicken können.