An der Börse sind 2 und 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

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Protektionismus schadet allen

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Bisher war man aus den USA andere Töne gewöhnt. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten galt als Garant für Freiheit und Wettbewerb. Umso irritierender erschien im Vorfeld des am Donnerstag beginnenden G-20-Gipfels die Forderung jenseits des Atlantiks nach einer Exportbremse. Künftig sollten nationale Exportüberschüsse vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht überschreiten dürfen, so der Vorschlag des Us-amerikanischen Finanzminister Geither. Zu Recht hagelte es Proteste. Denn im Kern geht es bei dieser Forderung um eine Abkehr vom Wettbewerbsgedanken hin zur Planwirtschaft.

Exportüberschüsse sind das Ergebnis erfolgreichen Wettbewerbs. Deutschland gehört zu den führenden Exportnationen, weil es schlicht global eine große Nachfrage nach deutschen Produkten gibt. Der Ruf nach einer Exportbremse ist nicht weniger als das Eingeständnis, nicht ausreichend wettbewerbsfähig zu sein. Die Lösung für dieses Problem liegt nicht in der Quotierung der Importe oder andere protektionistischer Instrumente, sondern in der Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Es hat zwar einige Tage gedauert, aber dann hat der Us-amerikanische Finanzminister diese offensichtlich erkannt und sich von seinem Vorstoß distanziert. Das ist begrüßenswert. Man kann nur hoffen, dass dieser Vorschlag zur Begrenzung von Exporten nicht doch noch auf dem G-20-Gipfel auf die Agenda gehoben wird. Denn eins ist klar: Protektionismus schadet am Ende allen.

  • Autor

    Dr. Oliver Knipping

    ist Gründer & stellvertretender Vorsitzender des Instituts für Unternehmerische Freiheit in Berlin sowie Mitglied der Mont Pelerin Society.

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  • Keynesianer

    Hätten wir die DM statt den Euro, dann wäre diese vermutlich bereits mehrfach aufgewertet worden. Zusätzlich kommt eine Vernachlässigung der Binnenkaufkraft um exzessiv exportabhängig zu sein.

    Kein Land kann useren autistischen Ausblutungskurs auf Dauer ertragen wenn wir ihm damit Defizite verpassen. Das nimmt dem Land die Chance auf Entwicklung und uns die Chance zukünftig gesund mit einem Handelspartner auf Augenhöhe als Win-Win-Situation Handel zu betreiben. Klar bekommen die Lobbyorganisation INSM und ihre Freunde in Politik und Medien jetzt nasse Füße!

    Wir können ja weiter fleißig sehr sehr gute Panzer und wunderbare U-Boote (Wunderwerke unserer Leistungsfähigkeit) nach Griechenland exportieren. Unseren Exporten geben wir bereits Kredite mit und nehmen faule Papiere entgegen. Droht es zu knallen, dann müssen wir unser Banken und Wirtschaft wieder retten (“Griechenlandhilfe”). Die Griechen können nicht einmal ihre Währung abwerten die nicht ihrer Wettbewerbsfähigkeit entspricht. Ja wir exportieren fleißig, machen überspitzt gesagt, zu wenig Urlaub in Griechenland und essen zu wenig griechischen Schafskäse und verbrauchen zu wenig griechisches Olivenöl!

    Aber der Kurs der INSM ist wirklich lustig! Plötzlich paßt das Vorbild USA nicht mehr, wo doch die Reaganomics etc. bei der INSM so gefragt waren und immer noch sind!

    Die USA merken halt, daß es nicht so weiter geht!

    Eventuell schaut ja auch einmal die INSM über ihre einzelunternehmerische Sicht und deren Tellerrand hinaus?!

    Wäre doch einmal eine Idee, oder?