Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens. Henry Ford, 1863-1947, US-amerikanischer Unternehmer

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Fachkräfte: Deutschland verliert

In Deutschland sind zwischen 2005 und 2009 mehr Spitzenkräfte ausgewandert als eingewandert.

Angesichts Millionen Arbeitsloser stand das Thema Fachkräftemangel lange nicht auf der politischen Agenda. Auch dachte niemand darüber nach, was Deutschland für Hochqualifizierte als Wohn– und Arbeitsort interessant machen könnte. Andere Länder waren aktiver – und nun droht das Land der Dichter und Denker im Wettbewerb um die klügsten Köpfe das Spielfeld als Verlierer zu verlassen. Nicht nur, dass weniger Fachkräfte als erwartet den Weg aus dem Ausland nach Deutschland finden. Deutschland erleidet auch einen dramatischen Verlust an Führungskräften und Wissenschaftlern durch Abwanderung in andere Länder, die offenbar bessere Bedingungen bieten. Im Zeitraum 2005 bis 2009 waren es etwa 40.000 gut ausgebildete und vor allem junge Menschen, die ihrer Heimat den Rücken kehrten.

Das ist in doppelter Weise schmerzhaft. Denn die Ausbildung dieser Spitzenkräfte wurde überwiegend vom deutschen Steuerzahler finanziert. Nun profitiert aber das neue Heimatland der Auswanderer von deren Leistungen. Deutschland muss jungen Spitzenkräften wieder bessere Perspektiven bieten. Leistung muss sich in Deutschland lohnen. Ohne eine grundlegende Änderung des deutschen Steuer- und Abgabesystems wird dies nicht gehen. Vor allem eine grundlegende Reform der Sozialsysteme ist dringend notwendig. Passiert dort nichts, drohen die steigenden Beiträge auch die letzten verbliebenen Leistungsträger zu vertreiben.


Hier geht es zur Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung: Einwanderungsland Deutschland? Die Migration Hochqualifizierter im europäischen und internationalen Vergleich, Wiesbaden 2010  

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • “Ohne eine grundlegende Änderung des deutschen Steuer- und Abgabesystems wird dies nicht gehen”
    Dies ist ein sehr interessanter Ansatz. Dann sind also die Steuern und Abgaben daran Schuld, dass die Brutto Löhne seit Jahren stagnieren und sogar schon gesunken sind. Vielleicht sollten sich die Unternehmen, wenn ihnen denn hochqualifizierte Arbeitnehmer wegrennen mal überlegen, dass sie das Arbeitsumfeld verbessern sollten (weniger Arbeit, weniger Druck, mehr Freiraum, bessere Bezahlung).

  • Surp

    @ chriwi

    Naja, die Belastungen auf dem Faktor Arbeit (SV + Steuern) sind abartig, wir bestrafen Leistung und belohnen das Gegenteil davon (wozu in großen Teilen auch Erwerbsarbeit gehört).

    Aber es wird niemals einen wirklichen Fachkräftemangel geben, das bedingt die betriebswirtschaftliche Logik.

  • Keynesianer

    @Chriwi

    Unten und in der Mitte steuerlich entlasten und dafür oben belasten!

    Ich denke aber, daß es dann bei der Lobbyorganisation INSM einen Aufschrei gibt!

    Aber die aktuellen Studien des DIW sind wirklich interessant!
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729202,00.html

    Da bekommt so mancher INSM-“Ökonom” vermutlich auch einen Aufschrei!

  • Markus

    Simples Prinzip: Wer kann, der geht. Und das sind die Hochqualifizieren Fachkräfte.
    Aber sind die monetären Anreize tatsächlich der Grund oder sind es nicht auch die “Vorgaben” mancher Unternehmen: Wer weiterkommen will an die Führungsspitze, “muss” Auslandserfahung vorweisen.
    Schon mal diesen Aspekt bedacht?

    Kenne einige die betriebsintern zur Auslandtochter/ Muttergesellschaft wechselten. Leider lässt sich dies nicht quantifizieren – halte aber die Zahl durchaus für sehr bedeutend!

  • keynscheidiotie

    Holen wir doch ein paar Hochqualifizierte aus den islamisch-arabischen Ländern – mit denen hat man doch kaum Probleme. /ironie aus

  • @Keynesianer

    Scheinbar wird die Studie so angepasst, dass man weiter von Fachkräftemangel sprechen darf. Das nenn ich seriöse Wissenschaft.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,729831,00.html

  • Karl-Heinz

    “Vor allem eine grundlegende Reform der Sozialsysteme ist dringend notwendig. Passiert dort nichts, drohen die steigenden Beiträge auch die letzten verbliebenen Leistungsträger zu vertreiben.”

    Auswanderung von Fachkräften lediglich an steigenden Steuern und Sozialbeiträgen festzumachen, erscheint mir etwas unseriös.

    6,55 Millionen Menschen , davon über 4,5 Millionen mit einer absgeschlossenen Berufsausbildung und über 0,5 Millionen mit abgeschlossener Hochschul- bzw. Fachhocschulausbildung , arbeiten im Niedriglohnbereich.
    Wieviele von denen sind ausgewandert?

    Wieviele arbeitslose Leistungsträger haben Deutschland verlassen?

    Wieviele Menschen in leitenden Funktionen sind ausgewandert?

    Wieviele Leistungsträger bleiben nur für eine bestimmte Zeit im Ausland?

    Wieviele haben aus familiären Gründen Deutschland den Rücken gekehrt?

    Wieviele von denen die hier Artikel verfassen, leben im Ausland oder wollen es demnächst?
    Ich schätze mal , niemand.

    Also , was soll der Quatsch.
    Lobbyarbeit ist ja ok, aber die Fakten sollten schon fair dargestellt werden.
    Sie wollen doch nicht nur Menschen überzeugen die im 5. Schuljahr die Schulausbildung erfolglos beendet haben.

  • Markus

    @ keynscheidiotie
    Interessant, dass Herkunft übr Qualifikation entscheidet und dass Deutsche Fachkräfte “problemlos” sind.

    @ Karl-Heinz
    das ist der Knackpunkt. So eine Statitik lässt sich hübsch interpretieren – wenn man eben nicht ins Detail geht.

    Aber fragen wir mal andersrum: Die Länder, die attraktiv erscheinen, haben diese Länder ein Fachkräftemangel oder geht die deutsche Zuwanderun zu Lasten der einheimischen Fachkräfte? Wie sieht also das Saldo aus?
    Haben wir global zu wenig Fachkräfte oder kann es auch sein, dass so manche Unternehmen für “einfache” Aufgaben ebenfalls Fachkräfte fordern? Ist der NAspruch der Unternehmen gewachsen, weil allgemeinhin davon ausgeht, dass ein Angestelter mit höherer Ausbildung auch produktiver für das Unternehmen ist?

    Diese Statistik weist mehr Lücken und zu beantwortenden Frage auf, als dass diese tatsächlich beantworten kann. Damit ist diese Statistik aufgrund von Scheinkorrelationen m. E. so nicht haltbar, v. A. so nicht zu interpretieren.