Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens. Henry Ford, 1863-1947, US-amerikanischer Unternehmer

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Liquidität ohne Ende?

Um Banken und Staaten zu retten stellt die Europäische Zentralbank (EZB) Liquidität in unbegrenztem Umfang zur Verfügung. Das schürt Inflation.
Vielfältig sind die Rettungsmaßnahmen der EZB seit Ausbruch der Wirtschaftskrise und doch lassen sie sich mit einem Wort zusammenfassen: Liquidität! Zunächst versorgte die Notenbank die europäischen Banken mit selbiger indem sie ihnen günstige und im unbegrenztem Umfang Kredite zur Verfügung stellte. Der Zins dafür liegt momentan bei einem Prozent, mit der Konsequenz, dass auch die Zinsen auf dem Interbankenmarkt mit 0,7 Prozent einen Tiefstand erreicht haben. Darüber hinaus veranlasste die Wucht der Krise die EZB zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen. Bereits ab Mitte 2009 kaufte die Notenbank Schuldverschreibungen, um die Volatilität zu reduzieren. Als dann die Griechenlandkrise losbrach, intervenierte sie auch auf dem Markt für staatliche Anleihen, in dem sie diese Papiere den Banken abkaufte. Für Investoren löst das ein Kaufsignal für staatliche Anleihen aus – denn diese können notfalls bei der Zentralbank wieder abgeladen werden. Indirekt unterstützt die EZB damit Verschulden der betroffenen Länder. Die Krux: Direkt ist ihr das aus gutem Grund verboten.

Möglicherweise ist der Aufkauf von Staatsanleihen in der Krise alternativlos. Dennoch: Keinesfalls darf dies ein Dauerzustand bleiben. Denn mittelfristig schürt das Inflation. Für die EZB wäre es ratsam, mittelfristig ein Ende der Zukäufe zu planen und ein Ausstiegsszenario klar zu signalisieren.

  • “Direkt ist ihr das aus gutem Grund verboten.”
    Es ist ihr verboten, aber aus gutem Grund? Das wird immer wieder behauptet entspricht aber nicht den Tatsachen. Was würde passieren, wenn sich Griechenland direkt bei der EZB verschulden dürfte? Die Griechen würden 9% weniger Zinsen zahlen. Die Garantie, dass der Euro etwas Wert ist liegt bei der Staatengemeinschaft. Das heißt doch aber, dass sie den Umweg über Privatbanken gar nicht gehen müssten. Diese leihen Geld für 1% und verleihen es wieder für 3% in Deutschland. Die Garantie liegt beim deutschen Staat. Wieso sollte dieses System besser sein als das direkte leihen? Es macht faktisch keinen Unterschied. Heiner Flassbeck meinte dazu bei einem Vortrag, dass dieser Zusammenhang für Ökonomen ein Tabu ist. Sie erkennen schnell das es wahr ist, wollen es aber nicht wahr haben.

  • Realist

    Der Aufkauf von Staatsanleihen in der Krise folgt aus der Fehlkonstruktion der Eurozone. Entweder bildet man einen Währungsraum unter Gleichen oder aber man benötigt eine koordinierte Wirtschaftspolitik und/oder Transferzahlungen zwischen den Staaten. Dieses Problem ist bisher nicht gelöst worden und wird bestenfalls für kurze Zeit totzuschweigen sein.
    Wenn der Autor das mittelfristige Auslaufen des Staatsanleihenkaufs fordert muss er Antworten darauf geben, wie die Balance in der Eurozone gehalten werden kann.
    In der akutellen Phase vor Inflation zu warnen ist in etwa so, als würde ich an einem warmen Sommertag hysterisch herumlaufen und unbedingt dicke Stiefel kaufen wollen. Gewiss, der Winter wird kommen aber bis dahin gibt es noch genügend Möglichkeiten ein Geschäft aufzusuchen. Auf die Geldpolitik übertragen bedeutet dies: Die EZB soll restriktive Maßnahmen ergreifen, wenn die Inflationsraten zu stark steigen. In der Vergangenheit wurde oft genug bewiesen, dass Zentralbanken in der Lage sind Inflation kurzfristig und nachhaltig zu bekämpfen.
    Weiterhin unerwähnt in diesem Artikel bleiben die hohen Arbeitslosenzahlen in mehreren Ländern der Eurozone. Spanien bildet mit über 20 Prozent das Schlusslicht. Erhöht die EZB die Zinsen, gestaltet sich die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit noch schwieriger. Oder um um mit Krugman zu sagen: “Wenn ein Land eine hohe Arbeitslosigkeit und geringe Inflation hat ist das Nichtnutzen der geldpolitischen Möglichkeiten ein Versagen der Institutionen.”

  • @Realist

    Der Hinweis zu den Arbeitslosenzahlen ist richtig und wichtig. Was nütz es Arbeitslosen, wenn die Preise stabil sind? Sie haben kein Geld für den Konsum. Wenn sie eine leichte Inflation und einen Job hätten, dann wären die meisten deutlich zufriedener. Inflation ist nicht per se schlecht. Es kommt auf die Höhe an.

  • Keynesianer

    Euro-Anleihen und direkte Kreditvergabe durch die EZB an die betreffenden Länder.

    Alles andere ist aus meiner Sicht grob fahrlässige Veruntreuung von Steuergeldern, wenn ein potentiell möglicher Vorsatz einmal nicht angenommen werden soll. Es könnte natürlich auch darum gehen, daß man günstig Geschäftsbanken über die EZB Krediteund somit Geld zuspielt, welches die Geschäftsbanken dann zu satten Zinsen weiterverleihen dürfen. Das ist sehr lukrativ insoweit man ja “systemrelevante” Banken nicht PLEITE gehen lassen kann und man deren faulende Papiere vermutlich weiter stützen wird.

  • Johannes

    Schieben wir einmal den Wortschleier beisseite: Wenn die EZB Liquidität schafft, dann tut sie nichts anderes als “Geld zu schaffen” und dies ohne realwirtschaftlichen Hintergrund. Statt Geld schaffen könnte auch – etwas antiquiert – Geld drucken gesagt werden. Das sagt aber heute keiner mehr. Statt dessen werden Euphemismen bemüht, die der Normalbürger nicht mehr durchschaut. Wohlfeile Worte werden gesetzt – nur leider zu dem unseligen Zweck die bittere Wahrheit zu verschleiern: Es droht die ultimate Pleite, aufgrund einer ausufernden Verschuldung! Wie wirklich Liquidität geschaffen wird, stellt die FED derweil unter Beweis. Aber vielleicht auch bald Europas Politiker, wenn die Staatsanleihen der europäischen Lander keine Käufer mehr finden.

  • Surp

    Es ist absolut egal, am Ende zählt nicht wie man manipuliert, sondern was tatsächlich erschaffen wird. Die einzige Frage ist für wen.

    P.S.: In meinen Augen leben wir im Paradies, aber wir sehen es nicht.

  • @Johannes
    Laut Heiner Flassbeck ist die für die Inflation relevante Geldmenge gar nicht gestiegen. Die Schöpfung ist nur von den Privatbanken hin zur EZB verlagert. Man müsste die Gesamtbilanz anschauen, um zu sehen ob es wirklich so Expansiv ist wie behauptet wird. Das ist aber nicht im Interesse der Inflationsbeschreier, weil sie sonst nicht mehr schreien könnten.