Inflationen sind wie Diktaturen. Wenn sie erst einmal an der Macht sind, wird es um so schwieriger, gegen sie anzukämpfen. Hermann Josef Abs, 1901-1994, deutscher Bankier, Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG (1957-1967)

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Große Reformen – erste Früchte

Seit 2000 haben sich die PISA-Ergebnisse der deutschen Schüler deutlich verbessert.

In Deutschland ist in den letzten Jahren viel in Bewegung geraten. Der frühkindliche Bereich wurde ausgebaut, die Sprachförderung beginnt bereits bei den Kleinsten. In den Schulen wurden Bildungsstandards festgelegt, das Abitur nach 12 Schuljahren in vielen Bundesländern beschlossen und das erfolgreiche Zentralabitur von anderen Bundesländern übernommen. Zudem verkündete Bundesbildungsministerin Schavan am ersten Dezember, dass die öffentlichen Bildungsausgaben im Jahre 2010 erstmals über 100 Mrd. Euro liegen. Bei diesen großen Zahlen und der Fülle der Reformen liegt die Frage nach den Ergebnissen nicht allzu fern. Die PISA-Studie 2009 zeigt, dass die nach dem Schock der PISA-Studie 2000 ausgelösten Reformen zu Verbesserungen geführt haben. Bei den Kompetenzen der Schüler liegen die Ergebnisse im guten Mittelfeld der OECD, in Mathematik und Naturwissenschaften wurden dabei die größten Verbesserungen erreicht. Problematisch bleibt aber, dass zu viele Jugendliche massive Leseschwächen aufweisen und damit leider als nicht-ausbildungsfähig bezeichnet werden müssen.

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Es besteht also trotz der positiven Entwicklungen der letzten Jahre weiterhin dringender Verbesserungsbedarf. In zehn Jahren beginnen die geburtenstarken Jahrgänge den Arbeitsmarkt zu verlassen. Zwischen 2020 und 2030 erreichen rund 12,4 Millionen Personen das Renteneintrittsalter. Lediglich 7,9 Millionen junge Menschen rücken im gleichen Zeitraum nach. Daher ist es dringend notwendig, neben der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte alle Potenziale in Deutschland optimal zu fördern und zu qualifizieren.

Schnellere Erfolge werden verhindert, da sich Deutschland besonders im Bildungsbereich weiterhin ein teures und weitgehend wirkungsloses „klein-klein“ der Bundesländer leistet. Daneben verunsichern Strukturentscheidungen an Schulen die dort Handelnden. Sachsen demonstriert hingegen, dass nicht Systemreformen, sondern stabile Rahmenbedingungen für den Erfolg eines Bildungsstandorts entscheidend sind. Innerhalb des stabilen Rahmens gilt es dann, die Qualität zu verbessern. Eine stärkere Zielorientierung der Personalpolitik an Schulen und gezielte Weiterbildung der Lehrer sind wichtige Maßnahmen. Daneben gilt es, die frühkindliche Förderung weiter auszubauen und an den Schulen gezielt an Ganztagsschulen individuell zu fördern. Entscheidend ist es dabei, Effizienzreserven zu bergen, die Entscheidungskompetenzen in den einzelnen Schulen zu stärken, Bürokratie und Verwaltung abzubauen, den Bedarf an teuren und ineffizienten Nachqualifizierungen zu vermeiden und so dafür zu sorgen, dass möglichst viel der öffentlichen Bildungsausgaben auch wirklich bei der individuellen Förderung des einzelnen Schülers ankommen.


Zu den Ergebnissen der PISA-Studie 2009 kommen Sie hier.

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Markus

    Weiss zufällig jemand, ob es einen solchen Test auch für Lehrer gibt?
    Schade eigentlich, denn genau diese Korrealtion zwischen den Ergebnissen der Lehrer und denen der Schüler wäre die wirklich interessante Frage (wie produktiv ist ein land im Sinne der Bildung).
    Soll kein Angriff auf die Lehrkräfte sein! Ergibt sich nur aus der Logik.

    Sachsen scheint es richtig verstanden zu haben:
    ” Eine stärkere Zielorientierung der Personalpolitik an Schulen und gezielte Weiterbildung der Lehrer sind wichtige Maßnahmen. Daneben gilt es, die frühkindliche Förderung weiter auszubauen und an den Schulen gezielt an Ganztagsschulen individuell zu fördern.”

    –> Genau das ist der Knackpunkt.

  • Karl-Heinz

    “Zwischen 2020 und 2030 erreichen rund 12,4 Millionen Personen das Renteneintrittsalter. Lediglich 7,9 Millionen junge Menschen rücken im gleichen Zeitraum nach. Daher ist es dringend notwendig, neben der Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte alle Potenziale in Deutschland optimal zu fördern und zu qualifizieren.”

    Das hört sich alles gut an.
    Fakt ist doch , dass heute 6,55 Millionen im Niedriglohnbereich arbeiten , davon haben 80% eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw eine Hochschul/FH Ausbildung erfolgreich abgeschlossen.
    Von den erwerbsfähigen ALG II Empfängern haben etwa 50% eine
    Berufsausbildung mit Erfolg absolviert.
    Dazu kommen dann noch diejenigen Fachkräfte die sich zur Zeit über das
    ALG I freuen.
    Mit denjenigen Arbeitslosen die weder ALGI noch ALG II bekommen, werden es wohl ingesamt so um die 10 Millionen Menschen sein , die entweder prekäre Arbeitsplätze haben oder zu Hause Däumchen drehen müssen.

    “Problematisch bleibt aber, dass zu viele Jugendliche massive Leseschwächen aufweisen und damit leider als nicht-ausbildungsfähig bezeichnet werden müssen.”

    Diese Ablenkungsmanöver werden immer gerrne mal wieder auf’s Tapet gebracht.

    DGB:
    Situation Stand September 2010:
    Lehrstellenbewerber: 552.168
    Betriebliche Ausbildungsstellen: 425.633
    Fehlende Ausbildungsstellen: 126.535

    Heisst doch für mich , der nur 8 Jahre eine Volkschule besucht hat:
    Auch wenn alle Bewerber die Hochschschulreife besitzen und nur Einsen auf dem Zeugnis hätten, würden 126.535 auf der Strecke bleiben.

    .

  • Markus

    So betrachtet richtig. In der Praxis jedoch eine vollkommen andere Situation: Was hilft es einem Hamburger, wenn in Berlin eine Lehrstelle frei ist? Was hilft es dem Bäckerlehrling, wenn nur Maurerlehrlinge gesucht werden, usw….
    Ähm…und wieviel bewerben sich doppelt? Wieviele haben sich zu dem Erhebungszeitpunkt noch gar nicht beworben?

    –> Vergessen Sie solche Statistiken, diese dienen nur der populistischen Darstellung.