Die Berechnung der Einkommensteuer ist für einen Mathematiker zu schwierig, dazu muss man Philosoph sein. Albert Einstein, 1879-1955, dt. Physiker

2 FinanzmarktSteuern und Finanzen

Euro-Bond: Prinzipieller Fehlanreiz

Deutschland, Portugal, Spanien und Italien brauchen im kommenden Jahr frisches Geld von den Kapitalmärkten. Irland und Griechenland können sich zinsgünstig aus dem Rettungstopf bedienen.
Es ist eine Binsenweisheit: Wer die Musik bestellt, muss die Kapelle bezahlen. Eine oft benannte Regel, die leider regelmäßig nicht beachtet wird.

Ein kurzer Rückblick: Die Finanzkrise war auch deshalb so schlimm, weil Investoren unvorsichtig Kredite vergaben und dabei hofften, dass zahlungsunfähigen Schuldnern von Dritten geholfen wird. So ist es zur Schuldenkrise in Griechenland gekommen, wo internationale Investoren viel zu lange Kredite mit viel zu niedrigen Zinsen vergeben haben. Die Investoren spekulierten auf die Solidarität und ignorierten die No-Bail-Out Klausel – und behielten Recht.

Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Schuldenkrise fordern jetzt einige Europäer Anleihen, für die alle Euroländer gemeinsam haften. Den Nutzen hätten die klammen Staaten und Verantwortung müssten ausgerechnet jene Länder übernehmen, die solide gewirtschaftet haben. Fehlanreize würden zum Prinzip erhoben und die Bedingungen für die Einführung des Euro auf den Kopf gestellt.

Zu Recht weist die Bundesregierung darauf hin, dass Länder mit souveräner Wirtschaftspolitik auch souverän genug sein müssen, ihre Schulden selbst zu verantworten. Denn Binsenweisheiten gelten auch für Staaten.

  • Johannes

    In indirekter Form wurden Euro-Bonds bereits Wirklichkeit – nämlich mit der Einführung des Euros. Länder, die in den 90er Jahren zweistellige Zinssätze als normal ansahen, partizipierten mit Einführung des Euro´s von dem Vertrauen, das die Märkte in den Euro setzten. Für die Märkte war der Euro zunächst eine andere Bezeichnung für DM. Insbesondere die Südländer erfreuten sich mit einem Mal an Zinssätzten, die sich in ihren kühnsten Phantasien nicht ausgemalt hatten. Was aber taten sie mit diesem Geschenk? Im wesentlichen den Konsum und die Bauwirtschaft befeuern. Das die Gehälter stiegen, war ein willkommener Nebeneffekt.

    Heute knapp 10 Jahre später, erleben wir live, wohin dies geführt hat. Die Märkte verlangen wieder realistischere Zinsen, die die Südländer aber nicht mehr schultern können. Sie sind im Kern bankrott.

    Die Erfahrung der letzten 10 Jahre sollte daher lehrreich sein – Euro-Bonds würden das Problem nur verschärfen. Persönlich denke ich nicht, dass sich die Mentalität der Menschen in den Südländern geändert hat. Die eingeleiteten Sparmaßnahmen geschahen nur durch äußeren Druck. Fällt dieser weg, wird buiseness as usual betrieben, aber dann mit Vollkaskomentalität.

  • Jonathan

    “Der Euro ist nicht nur eine Währungsgemeinschaft, sondern auch eine Solidargeminschaft. Wenn es die inner-europäische Solidarität erfordert, dass Länder durch die Einführung von Euro-Bonds gerettet werden, dann muss auch Deutschland seine “Wohlstandswolke” verlassen und die Euro-Bonds solidarisch unterstützen” – so ein mir heute vorgetragenes Argument.

    Falsch. Solidarisch wäre es wenn Krisen-Länder ihre Sozial- und Haushaltspolitik umgehend an die Realitäten der Gegenwart anpassen, und sich somit mit denjenigen in Europa solidarisch zeigen, die in der vergangenen Dekade teils harte Reformen schultern mussten. Gleichsam ist das Projekt Euro ein alternativloses, sodass niemand in der Währungszone an einem Zerfall interessiert sein kann.
    Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik wird mittelfristig unausweichlich sein, aber die Euro-Bonds stellen momentan kein adäquates Mittel dar. Nichts anderes würde passieren, als dass das oben dargestellte Anreizproblem dringend nötige Reformprozesse vertagt oder gar gänzlich vernichtet. Auch wenn für betroffene Politiker in einigen Ländern eine Wiederwahl dadurch in weite Ferne rückt. Nachfolgende Generationen werden es dankbar honorieren.

    So keep up the pressure…!