Staatsbürgerliche Freiheit ist solange eine Illusion, als sie nicht auch auf die wirtschaftlichen Grundfreiheiten der Freizügigkeit von Kapital und Arbeit, des Rechtes auf Privateigentum und auf Sicherung ehrlichen Gewinnes gegründet ist. Alfred Müller-Armack, 1901 - 1978, deutscher Nationalökonom, Kultursoziologe

35 ArbeitsmarktSozialesSteuern und Finanzen

Mit Mindestlohn in die Planwirtschaft

Alle Jahre wieder werden auch Forderungen nach Mindestlöhnen von Seiten einzelner Unternehmen laut. 10 Euro für alle fordert Lidl. Lohndumping soll so verhindert werden. Warum eigentlich ausgerechnet 10 Euro? 20 Euro Stundenlohn wäre doch gerade vor Weihnachten für viele ein willkommenes Geschenk.

Man muss wissen: Grundsätzlich unterscheidet sich der Arbeitsmarkt nicht von einem Gütermarkt. Löhne bilden sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Übersteigt die Lohnforderung die Produktivität wird der Arbeitnehmer nicht eingestellt bzw. muss von seiner Forderung abrücken. So einfach ist das. Wird aber ein Mindestlohn vereinbart, übersteigt in vielen Fällen die Mindestzahlung die Produktivität. Der Arbeitnehmer wird nicht eingestellt. So verursachten Mindestlöhne Arbeitslosigkeit.

Wären die Mindestlohn-Befürworter konsequent, müssten sie sich auch für Mindestpreise aussprechen. Denn nur wenn ein planwirtschaftlich vereinbarter Mindestpreis an Produzenten bezahlt wird, können diese auch „ausreichend“ hohe Löhne zahlen. Was dabei allzu gerne übersehen wird: Die Kosten werden immer an den Verbraucher weitergegeben. Die Zeche zahlt so der Konsument.

  • Autor

    Hubertus Pellengahr

    ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Ich denke man sollte Hubertus Pellengahrs Text voller Floskeln und Halbwahrheiten einfach mal auseinander nehmen. Vieles klingt vielleicht logisch Herr Pellengahr ist aber bei näherer Betrachtung einfach zu widerlegen.

    “Grundsätzlich unterscheidet sich der Arbeitsmarkt nicht von einem Gütermarkt.”
    Leider stimmt diese Aussage nicht ganz. Im Gegensatz zum Gütermarkt, wo ich als Konsument “nein” sagen kann, muss ich in Deutschland faktisch jede Arbeit zu jedem Lohn annehmen. Tue ich das nicht, dann bekomme ich keine Sozialleistungen. Wovon ich dann leben und wie ich die Miete bezahlen soll können sie mir gerne erklären.

    “Übersteigt die Lohnforderung die Produktivität wird der Arbeitnehmer nicht eingestellt bzw. muss von seiner Forderung abrücken.”
    Dabei gehen sie davon aus, dass sich Produktivität messen lässt. Sie können mir nicht erklären, dass ein Investmentbanker 30 mal produktiver ist als ein Arzt. Die Löhne werden relativ willkürlich festgelegt. Steigen sie zu hoch, dann steigen die Preise oder es wird versucht über Maschinen die Kosten zu senken.

    “So verursachten Mindestlöhne Arbeitslosigkeit.”
    Es gibt keine Statistik die das belegt. Nur weil es immer wieder geschrieben wird, wird es nicht richtiger.

    “Wären die Mindestlohn-Befürworter konsequent, müssten sie sich auch für Mindestpreise aussprechen.”
    Diesem Schluss kann ich nicht folgen. Die Preise würden sich automatisch anpassen. Sind die Lohnkosten zu hoch gibt es mehrere Möglichkeiten.
    1. die Gewinnspanne wird reduziert
    2. die Preise steigen (ohne Mindestpreise), um die Kosten zu decken
    3. es wird in Maschinen investiert, um die Produktivität zu steigern (dies führt dann dort zu Arbeitsplätzen)
    Wozu braucht man also Mindestpreise?

    “Die Kosten werden immer an den Verbraucher weitergegeben. Die Zeche zahlt so der Konsument.”
    Natürlich zahlt der Konsument am Ende. Aber sie vergessen eines Herr Pellengahr die Konsumenten stehen nicht außerhalb. Sie sind es die diese höheren Löhne erhalten. Die Ausgaben eines Unternehmens sind die Einnahmen eines anderen Unternehmens. Sie sollten einfach mal von ihrem einfachen 1. Semester BWL Denken in die Volkswirtschaft einsteigen. Dann würden sie auch begreifen, dass die Welt nicht so linear ist wie sie sie hier beschreiben.

  • Pyromanic

    Welche Art von Planwirtschaft war denn hier im Spiel?
    Meines Wissens nach ist eine Planwirtschaft eine zentral organisierte Wirtschaft. Sie beschreiben jedoch eher eine nachhaltige Wirtschaft und verkaufen diese als “Planwirtschaft”.
    Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege, aber: Was ist an einer ökologischen, fairen und nachhaltigen Marktwirtschaft denn auszusetzen?

    Andere Frage dazu: Muss denn immer der Staat Preise festsetzen? Muss der Staat denn Löhne festsetzen?
    Meine Antwort ist: Jein; er müsste nicht, wenn die Firmeninhaber auch an soziale Begriffe wie “Menschlichkeit” und “Nachhaltigkeit” denken würden statt an kurzfristigen Profit….

  • Markus

    @ chriwi
    So ist es.

    Wovon ich dann leben und wie ich die Miete bezahlen soll können sie mir gerne erklären.

    –> Hartz IV

  • Surp

    “Was dabei allzu gerne übersehen wird: Die Kosten werden immer an den Verbraucher weitergegeben. Die Zeche zahlt so der Konsument.”

    Das finde ich auch, obwohl wir soviel exportieren, da es den Dienstleistungssektor treffen wird, nicht die Industrie.

    In meinen Augen wird durch den Mindestlohn kein Problem gelöst (evtl. für arbeitende Singles) nur Neue geschaffen. Einfach allen Kaufkraft geben. Sollte schon ne Ecke mehr als Existenzminimum, welches dann auch mal ehrlich berechnet (Festlegung eines eigenen Warenkorbes über den können dann die Parteien jeden Tag streiten, habe die Politiker auch was zu tun^^) und festgelegt sowie in regelmäßigen Abstand an seine “tatsächliche” Inflation angepasst werden sollte, sein.

    In diesem Moment kann man theoretisch für 1 Euro die Stunde arbeiten gehen, weil man immer “mehr” hat. Dies kann dann jeder selbst entscheiden und wir haben plötzlich einen Arbeits”MARKT”.

    In meinen Augen haben Unternehmen keine “direkte” (indirekt sollte man ihren Ressourcenverbrauch zu Finanzierung des Sozialssystems nutzen) soziale Verantwortung, sie müssen Gewinne machen, das ist ihre Aufgabe. Wenn sie glauben ihre Produkte an einen mündigen, da solventen Verbraucher mit entsprechenden Arbeitsbedingungen besser verkaufen zu können, ist dies ein positiver Nebeneffekt.

  • NUB

    Zwar ist die Befürchtung, wegen eines Mindestlohns, den andere Länder auch haben, gehe es gleich in die Planwirtschaft, etwas übertrieben. Doch allgemein ist die Besorgnis darüber, immer weniger Markt und immer mehr Staat zu haben, vollkommen berechtigt. Wer im Detail korrigieren und eingreifen möchte, möchte oftmals in keinem Bereich wirklich den Markt entscheiden lassen. Die Argumente, Unternehmen agierten eher für den schnellen Profit und nicht für Nachhaltigkeit und nicht sozial, stellen Halbwahrheiten dar – die zudem noch mehr auf die Finanzwirtschaft zutreffen; die wiederum mit den Notenbanken und bei den Bailouts vom Staat kaum zu trennen ist. Und selbst DGB-Chef Michael Sommer räumte neulich ein, es gehe nicht darum, dass Unternehmen pauschal zu wenig zahlten, sondern es gebe einen ganz speziellen Niedriglohnbereich, um den es gehe. Gäbe es dafür aber erst mal einen Betrag X, einen definierten Mindestlohn, wäre dies natürlich ein Zankapfel und eine Stellschraube, mit der sich Politiker profilieren; und insofern selbstverständlich ein weiterer Schritt weg von der Marktwirtschaft. Der Unterschied zur Sozialdemokratie ist schließlich darin begründet, dass die soziale Marktwirtschaft erst mal immer den Markt entscheiden lässt und dann ggf. politisch korrigiert und ausgeglichen wird. Tendenziell möchte die Sozialdemokratie von vornherein wirtschaftliche Belange demokratisch reglementiert und kontrolliert sehen. Was eben nicht dem Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft entspricht, weil dann tatsächlich der Markt kaum mehr entscheidet. Die marktwirtschaftliche Welt ginge wegen eines Mindestlohns nicht unter, aber der Schritt wäre so einzuordnen wie es im Artikel geschieht.

  • Markus

    Dem Herrn Pellengahr und den anderen Anhängern der Kartoffelmarkttheorie ist zumindest in der Weihnachtszeit ein Blick ins “Infoportal” zu wünschen:

    http://www.jjahnke.net/index.html

  • Linsel

    Mit Mindestlohn in die Planwirtschaft
    Von Hubertus Pellengahr

    Vielen Dank an das Reichspropagandaministerium für diese tolle
    Überschrift.

    Nein Herr Pellengahr, der Russe steht nicht mehr vor der Tür!!!

    Wie können sie es wagen das Thema Mindestlohn durch das Verbinden mit dem Schlagwort Planwirtschaft zu defamieren?

    Definition für polemisch:
    Die ursprüngliche Bedeutung von Polemik war Streitkunst, ein literarischer oder wissenschaftlicher Streit, eine gelehrte Fehde (griechisch: polemikós = kriegerisch). Mit Polemik bezeichnet man auch den Kampf gegen dogmatische Anschauungen aller Art. Polemisieren heißt, eine Ansicht zu bekämpfen. Polemik sucht nicht den Konsens, sondern will fundamentalistisch niederkämpfen, und dabei unterhalten.

    Wenn sie versuchen mit Polemik ein Thema das die Menschen bewegt zu diskreditieren und ins lächerliche zu ziehen.Dann müssen sie die Antwort vertragen können.

    Zu Ihrem 1. Absatz:
    Diesen Blödsinn muß man nicht kommentieren!

    Zu Ihrem 2.Absatz:
    Grundsätzlich unterscheidet sich der Arbeitsmarkt vom Gütermarkt weil es sich hier um Menschen handelt . Einer Ware ist es egal ob sie verkauft ,herabgesetzt,verramscht verschenkt oder weggeschmissen wird.
    Einem Menschen der seine Arbeitskraft anbieten muß um seinen Lebensunterhalt zu verdienen aber nicht.
    So einfach ist es eben doch nicht wie sie behaupten es sei denn man ist zu oft im cafe Hayek .
    Die Entlohnung richtet sich in den letzten Jahren eben nicht mehr nach der Produktivität oder nach Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt.
    Vielmehr hat die Politik durch die erpresserische Hartz Gesetzgebung
    die Verhandlungsposition des Arbeitssuchenden massiv geschwächt.
    Sie haben die Schmutzkonkurenz gestärkt deren Wettbewerbsvorteil gegenüber anständigen Unternehmen nicht ein besseres Produkt oder bessere Dienstleistung ist sondern einzig und allein niedrigere Kosten durch Lohndumping ! Deshalb gibt es keine faire Preisverhandlung zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen.
    Zusätzlich zwingt es ordentliche Unternehmen sich ebenfalls in diesem Bereich
    unmoralisch zu verhalten um nicht im Preiswettbewerb unterzugehen.
    Dazu fiel mir dieses schöne Zitat ein:

    “Unternehmen, deren Existenz lediglich davon abhängt, ihren Beschäftigten weniger als einen zum Leben ausreichenden Lohn zu zahlen, sollen in diesem Land kein Recht mehr haben, weiter ihre Geschäfte zu betreiben.”

    US-Präsident Franklin D. Roosevelt, 1933

    Zu ihrem 3. Absatz:
    Wenn es einen Mindestlohn gibt so müssen alle diesen in ihere Preise einrechnen. Die Leute werden sich da genauso daran gewöhnen wie an andere Preissteigerungen. Nur mit dem Unterschied ,daß die vorher Unterbezahlten sich diese besser leisten können. Und den bisher ohnehin Besserbezahlten wird das relativ egal sein.
    Und wenn nicht,sollten diese sich einmal fragen wie es wäre,würden sie selbst in solch einer Lage sein.
    Ein paar Unbelehrbare wird es allerdings auch geben.

  • Whitewater

    Leider kennt der Autor nicht einmal die neueste Forschung: http://www.irle.berkeley.edu/workingpapers/157-07.pdf.

  • Karl-Heinz

    “Wird aber ein Mindestlohn vereinbart, übersteigt in vielen Fällen die Mindestzahlung die Produktivität. Der Arbeitnehmer wird nicht eingestellt. So verursachten Mindestlöhne Arbeitslosigkeit.”

    Die Niederlande haben mit den höchsten Mindestlohn.
    Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter 2007 4%, in Deutschland 18%.

    “Was dabei allzu gerne übersehen wird: Die Kosten werden immer an den Verbraucher weitergegeben. Die Zeche zahlt so der Konsument.”

    Ne is klar, die Austockungsbeträge in Höhe von 50 Milliarden die seit dem 1.1.2005 benötigt wurden, zahlt nur der Produzent.
    Ebenso leider nur er darunter , dass weniger Geld in die Sozialkassen fliesst.

    Naja , wie heisst es so schön in dem Ökonomen-Rap von Martim Luther:
    Vom Himmel hoch, da komm’ ich her. Ich bring’ euch gute neue Mär, Der guten Mär
    bring’ ich so viel, Davon ich sing’n und sagen will. …

  • –> Hartz IV
    aber nur wenn es keinen Job gibt. Wird mir ein schlecht bezahlter angeboten, dann muss ich ihn annehmen und zusätzlich Hartz4 beantragen.

    “Wenn es einen Mindestlohn gibt so müssen alle diesen in ihere Preise einrechnen.”

    Mich wundert, dass der Autor die vorgeschlagenen Mehrwertsteuererhöhungen hier im Blog nicht kritisiert. Das entspricht ebenso einer staatlichen geforderten Preiserhöhung auf dem Binnenmarkt. Dies alles ist legitim, nur die Löhne dürfen nicht steigen. Sind sie eigentlich auch so Konsequent bei ihren Lohnforderungen Herr Pellengahr?

  • Keynesianer

    “Grundsätzlich unterscheidet sich der Arbeitsmarkt nicht von einem Gütermarkt.”

    Wenn man den Artikel ließt, dann muß man schon gehässig werden!
    Sicher unterscheidet sich ein Arbeitsmarkt von einem Gütermarkt!

    Ein Stück Fleisch auf dem Gütermarkt kann man eingefrieren, einen Menschen auf dem Arbeitsmarkt nicht!

    Tasächlich betrachtet Herr Pellengahr Ökonomie, im übertragenen Sinn, als wäre die Erde eine Scheibe!

    Das ist ökonomisch vorsintflutlich!

    “Übersteigt die Lohnforderung die Produktivität”

    Die könnte beim Autor dieses Artikels der Fall sein!

  • Surp

    @ Karl-Heinz

    Das Argument würde ich nicht anführen.

    Da der Großteil unser Erwerbsarbeit alles zerstört. Löcher buddeln und andere sie wieder zuschütten zu lasen ist für mich Schwachsinn, sowas ähnliches machen aber die Holländer.

  • Markus

    Ich hab da mal ne ganz simple Frage. Wir (bzw die Autoren) sprechen stetig vom Lohndumping. Es geht also um das sog. Existenzminimum. Dies wir prozentual zum druchschnittlichen Lohn angegeben.
    D.h., je höher der Durchschnittslohn, desto höher das Existenzminimum. Untere Grenze bildet eben Hartz IV. Damit als Mindestlohn gleichzusetzen. Denn jeder Lohn darunter ist eben Lohndumping nach allgemeinverständlicher Definition.

    Warum kommt nun zB Lidl mit einer Forderung von 10 Euro (flächendeckend, alle Branchen)?
    Rein ökonomisch berachtet müssten bzgl. Agebot/ Nachfrage mit einer flächendeckenden Lohnsteigerung auch die Preise steigen. Was wiederum zu einem neutralen Saldo in der Kaufkraft führen würde. Hat der Konsument mehr Geld, kann für die Güter auch mehr verlangt werden – denn der Konsument verfügt über diese Mittel.

    Was bingt also ein Mindestlohn von 10 Euro, wenn man nicht die Preise fixiert? Schöne heile Welt nach ceteris paribus, lässt sich sö hübsch aufrechnen und darstellen. Gleiches gilt für die Darstellung der aufkommenden Arbeitslosigkeit bei Mindestlöhnen.
    Ceteris Paribus – der Ökonom wirds schon richten ;-)

    Ach ja, wenn der höhere Lohn eingeführt werden würde, müsste man auch die steuerlichen Freigrenzen erhöhen – sonst wird eben durch die Einkommenssteuer dies wieder relativiert, und nur der Staat profitiert.

  • “Rein ökonomisch berachtet müssten bzgl. Agebot/ Nachfrage mit einer flächendeckenden Lohnsteigerung auch die Preise steigen. ”

    Müssen sie nicht. Wenn vorher in bestimmten Bereichen nicht alles verkauft wurde, dann kann durch die höheren Löhne der Teil der sonst verschrottet wurde kompensiert werden. Auch bedeutet eine höhere Kaufkraft eine höhere Auslastung der Produktionsstätten. In Deutschland liegt diese nicht bei 100%. Das heißt also die Kausalität Lohn hoch = Preis hoch ist gegeben, aber wird durchaus durch andere Dinge kompensiert.

  • Linsel

    @ alle die es noch nicht verstanden haben

    Harz 4 ist kein Mindestlohn!
    Harz 4 ist die Drohung und die Demütigung.
    Jeder hat mitlerweile mitbekommen was es bedeutet ein Emfänger dieser
    Leistung zu sein.
    Als Drohung dient es dem Beschäftigten sich erst gar nicht zu organisieren
    oder erst gar nicht allzu hohe Forderungen zu stellen. Denn sollte der Chef
    ihm das krumm nehmen ist der Weg in die Armut jetzt sehr kurz.
    Und mit Armut meine ich nicht primär Geld sondern den Verlust der Würde.
    Als Demütigung wirkt es wenn Beschäftigte sich zum Hungerlohn ergänzende Leistungen vom Staat holen müssen. Betteln beim Amt trotz Vollzeitbeschäftigung. So jemand wird wohl kaum ein besonders hohes Selbstwertgefühl entwickeln können.
    Die wirkliche einzig wichtige Frage ist deshalb:
    In welcher Welt wollen Wir zukünftig leben?
    Wollen Wir eine Welt in der Unternehmen die Beschäftigten nach eigenem Ermessen auch unterbezahlen dürfen trotz guter Geschäftsergebnisse?
    oder wollen wir eine Gesellschaft in der es Regeln gibt die den ehrlichen Unternehmer schützen und die Schmutzkonkurenz verbietet.
    Die Rede hier galt nicht Unternehmen welche zeitweilig finanziell angeschlagen sind oder einmal weniger Aufträge haben und deshalb ihr
    Personal zeitlich begrenzt geringer entlohnen müssen.
    Ich würde mich wundern wenn eine Stammbelegschaft dieses im Interesse des Unternehmens und ihrer eigenen Arbeitsplätze nicht mittragen würde.
    Nein!!! Es galt dem Pack, das um schneller reich zu werden die Notlage vieler oder fehlende Gesetze ausnutzt. Das ist zwar nicht die Mehrheit aber es gibt sehr viele davon. Und deren Machenschaften gilt es einen Riegel vorzuschieben!!!

  • @Linsel
    Belege finden sie hier:

    http://www.jjahnke.net/index_files/14849.gif

  • Markus

    @ Linsel
    niemand behauptet, dass Hartz Iv ein Mindestlohn ist, sondern dass es wie ein mindestlohn wirkt!
    und ganz so einfach ist es nicht- wir haben einen wirksamen kündigungsschutz. vielleicht zu wirksam.

    Würde und Hartz IV sind Gegensätze, in jedem Fall. aber warum? Weil es von der Bevölkerung so gekennzeichnet ist – der Hartz IV sei faul, alkoholabhängig, unzuverlässig, etc.

    Darum soll auch dieser Begriff abgeschafft werden, weil dieser – auch dank der Gewerkschaften – einen “Gschmäckle” hat. Man verbindet etwas negatives damit. Und das ist das grundproblem, nicht die Leistung an sich.

    nur als logisches Beispiel: Erhöht man den grundlohn für Arbeit, so wird der Abstand zu Hartz IV grösser -und damit auch Ihre genannte “Entwürdigung”. Der effekt hätte also genau das gegenteil von demm was sie eigentlich erreichen wollen. Hartz IV Empfänger würde´n noch mehr von der Gesellschaft abgehängt weil der Unterschied steigt.

    Naja, 15% aller Deutschen AN haben einen Zweitjob. Aber auch, weil wir die Zeit dazu haben! Wenn ich Verträge sehe, wo zB eine 36 Stunden Woche vereinbart wird, dann ist das nicht ernsthaft viel. Wir jammern auf enorm hohem Niveau – auch dem sollte man sich an dieser Stelle klar sein. Wir sprechen hier nciht über die Grundversorgung. Dies beweisen die ansprüche durch Hartz IV. Selbst mit dieser Leistung geht es einem nicht schlecht (körperlich). Aber eben die gesellschaftliche Stigmatisierung – es gibt keine Akzeptanz. Aber dieses Problem löst man nciht durch eine Lohnerhöhung. Denn der Hartz IV Satz ist nciht das Akzeptanzproblem – sondern der Leistungsbezug an sich!

    Anderseits gut, denn es ist nicht erstrebenswert, also versucht man um fast jeden Preis eine Arbeit zu finden, und das ist effektiv und richtig.

  • “Erhöht man den grundlohn für Arbeit, so wird der Abstand zu Hartz IV grösser -und damit auch Ihre genannte “Entwürdigung”. ”
    Ich habe selten solch komische Gedanken gelesen. Meinen sie einem Hungernden geht es besser, weil sein Nachbar nur wenig zu Essen hat?

    “also versucht man um fast jeden Preis eine Arbeit zu finden”

    Das ist nicht richtig. Man muss um jeden Preis arbeit finden, da man sonst den Leistungsanspruch verliert. Dabei ist es Dank mangelnder Kontrolle egal, wie niedrig der bezahlte Job ist. Schließlich wird ja aufgestockt. Das kann nicht effektiv sein und sorgte dafür, dass in Deutschland die Löhne seit 2000 um 4.5% gesunken sind.

  • Markus

    @ chriwi
    Man verliert nur einen Teil seines Leistungsanspruch – dies ist gestaffelt. Sie werden aber als Hartz IV Empfänger zB nicht ihre Wohnung verlieren weil sie irgendwelche Maßnahmen nicht nachkommen! Sondern max. 2x 30% des Transfergeldes.

    Zu den komischen Gedanken:
    Menschen werden sehr stark nach ihrem sozialen Status beurteilt. Und dieser ist stark abhängig vom Einkommen. Wenn ich also die Unterschiede erhöhe, dann auch die Diffamierung. Das psychologische dahinter ist simpel: man versucht sich mit gleichgesinnten zu umgeben -. auch was den sozialen Status anbelangt. das ist unumstritten. Wenn Sie nun zB einen Mindestlohn einführen, dann wird der Abstand zu den nicht-arbeitenden grösser. Soweit logisch. Aber welche Folge? Arbeit ist höher anreizkompatibel. das ist gut. Wer aber – aus welchen Gründen auch immer – keine Arbeit aufnimmt ist der ganz große Verlierer. Denn der Unterschied im sozialen Status wächst.

    Chriwi – ich gehe davon aus sie gehen eine geregelten Arbeit nach. Mit angenehmenen Einkommen. Wieviele Freunde haben Sie, die Hartz IV beziehen (seit längerer Zeit)? Warum sind es so wenige? Würden Sie dies wollen, einen Freundeskreis der aus Geldmangel am Freitag Abend nicht mit Ihnen mal ins Kino gehen kann?
    –> Erkennen Sie das Problem, das mit dem Vorzug einhergeht? Es lässt sich nicht quanitfizieren. Deshalb taucht so etwas in keine Statistik auf. Ich kenne dies aber aus meinem Alltag! Und dieses Problem ist immens!
    Chriwi, das sind keine komische Gedanken, das sind tägliche Beobachtungen der Realität.

  • Surp

    @ Markus

    erhöhen sie einfach nur zum Spass den Hartz4-Satz auf 500 Euro, dann wissen sie wo das wahre Probleme in unserer Gesellschaft zu suchen ist. Bisher bietet niemand unsere Politiker (evtl. Althaus) für dieses Problem eine sinnvolle Lösung an. Ich denke, da man nicht zugeben will, dass man seit 30 Jahren die falsche Politik gemacht hat.

    Das Grundproblem ist, dass wir Einkommen versuchen über Erwerbsarbeit nach Bildungsgraden zu verteilen. Oder warum haben wir soviele überflüssige und wohlstandsschädigende Arbeitsplätze, die zum Großteil auch noch gut bezahlt sind?

  • Markus

    @ Surp
    Ja, die Verteilung ist nach aktuellem Stand nur nach Bildungsgrad definiert. Das ist eine Sauerei, da gebe ich vollkommen recht.

    Aber das Ziel soll doch eigentlich sein, nicht den Hartz IV Satz zu erhöhen, sondern die Transferbezieher in eine Beschäftigung zu bringen. Kaum ein Politiker traut sich eine radikale Reform anzusprechen – weil er sich im Hinblick auf die Wahlen unbeliebt macht Das lähmt unser System.

  • @Markus

    Sie lösen doch aber das Problem nicht, indem sie die Basis der Armen verbreitern. Anstatt es zum Beispiel einem Hartz 4 Empfänger zu ermöglichen ins Kino zu gehen, sollen lieber die Niedriglöhner nicht ins Kino gehen. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Das eine Erhöhung möglich wäre sieht man daran, dass von den 49 Mrd Euro nicht mal die Hälfte bei den Leistungsempfängern ankommt.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=7892#h08

    Welchen Sinn hat so etwas? Warum kann man mit dem Geld keine Jobs im zum Beispiel im öffentlichen Dienst schaffen? Es gibt massiven Bedarf.

    “Aber das Ziel soll doch eigentlich sein, nicht den Hartz IV Satz zu erhöhen, sondern die Transferbezieher in eine Beschäftigung zu bringen. ”

    Es sollte eine Beschäftigung sein, die nicht durch den Staat subventioniert wird (Aufstocker) und von der man Leben kann. Erst dann macht eine Beschäftigung für den Einzelnen Sinn.

  • Surp

    @ chriwi

    Arbeitsplätze schaffen nur um Einkommen zu rechtfertigen ist dumm (eigentlich sogar saudumm).

    Warum nicht jedem genug zum Leben geben (besser viel mehr, damit eine echter Dienstleistungsbereich entsteht) und den Rest in selbst machen lassen. Dann kann man nämlich auch für 1 – 3 Euro/Std arbeiten gehen und dadurch würde man tatsächliche (nicht volkswirtschaftliche) Vollbeschäftigung erreichen. Außerdem kann man die Schwachen nicht mehr gegen die Schwächsten ausspielen, wenn es sinnvoll finanziert ist, nämlich nicht über den Faktor Arbeit direkt.

    Erwerbsarbeit ist unser Problem, damit mein ich nicht die Menge, sondern den Dreck den wir bezahlen müssen, damit die Menschen eine Rechtfertigung für ihr Einkommen haben.

    @ Markus

    Wenn sie Hartz4 auf 500 Euro erhöhen sind zwischen 15 – 20 % unsere gesamten Bevölkerung plötzlich Aufstocker, das wollte ich damit sagen und 500 Euro ist verdammt nochmal nicht viel Geld um in Deutschland adäquat zu leben.

  • Markus

    @ Surp & chriwi
    Natürlich “produktive” Arbeitsplätze, welche nicht subevntioniert werden müssen. Also müssen wir doch Arbeit billiger machen. Ich will auch nicht, dass die Niedriglöhner ins Kino gehen, da haben Sie was falsch verstanden. Darum gehts doch gar nicht.

    Ich will gar nicht den Hartz IV Satz erhöhen, da ich gar keinen Grund erkennen kann, warum dies notwendig wäre.

    Interessant ist, dass bei den Meisten Diskussionen immer wieder das gleiche Thema thematisiert wird. Es geht immer ums Geld/ Einkommen. Scheint so, als wäre hier der höchste Reformbedarf.

  • Surp

    @ Markus

    “Ich will gar nicht den Hartz IV Satz erhöhen, da ich gar keinen Grund erkennen kann, warum dies notwendig wäre.”

    Das ist dumm, zumindest solange Sie nicht zu den wirklich Bezitzenden gehören, wovon ich mal ausgehe.

    Geht es Ihnen gut, weil es anderen schlechter geht?

    Sie gehören, denke ich mal, zu den Schwachen (sozialversicherungspflichtig Beschäftigten) und wollen den Schwächsten nix gönnen, das ist sehr dumm für Sie selbst.

  • werner hofmann

    Mit der herzlichen Bitte, diese Zeilen an das Sekretariat von Herrn Dombret weiterzuleiten

    Oft scheitert das Wünschenswerte an der Wirklichkeit – an vermeintlichen Sachzwängen, die verhindern, dass man das Gute durchsetzen kann. Genauso verhält es sich mit der Debatte um den Mindestlohn: Viele halten ihn zwar für wünschenswert, aber nicht für sinnvoll, weil er sein Ziel – jeder solle von seiner Arbeit leben können, ohne auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein – verfehle.

    Denn, so die Argumentation, die Einführung eines Mindestlohns vernichte Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor: Unternehmen verzichteten lieber auf Einstellungen, anstatt einen Mindestlohn zu bezahlen, der über der Produktivität des Arbeitnehmers liege. Folglich sei der Schaden, der dadurch entstünde, dass gering qualifizierte Arbeitskräfte ihre Beschäftigung verlören, größer als der Nutzen, der sich durch die bessere Bezahlung der verbleibenden Beschäftigten ergäbe.

    Das scheint zunächst plausibel, weil wir gewohnt sind, in ökonomischen Fragen wie ein (einzelner) Unternehmer zu denken. Gesamtwirtschaftlich gesehen stellt sich die Situation aber ganz anders dar.

    Alle Löhne in einer Marktwirtschaft werden nämlich aus der gesamtwirtschaftlichen Produktivität bezahlt, und die beruht auf der Leistung aller Beschäftigten und Unternehmer zusammen. Wie viel jeder einzelne zur Produktivität beiträgt, lässt sich praktisch nicht feststellen. Nicht einmal in einem einzelnen Unternehmen. Daher ist die obige Behauptung, ein Mindestlohn bedeute automatisch das Aus für viele Arbeitsplätze, durch nichts gedeckt.

    Die Lohnunterschiede ergeben sich gerade nicht aus der individuellen Produktivität, sondern nur aus der Knappheit der jeweiligen Arbeitskraft: Wessen Fähigkeiten besonders gefragt sind und von nur wenigen anderen Menschen angeboten werden, der verdient mehr als jemand, dessen Können weniger gefragt ist und/oder der leicht durch andere ersetzt werden kann.

    Unter „normalen“ konjunkturellen Bedingungen und bei geringer Arbeitslosigkeit orientiert sich das durchschnittliche Lohnniveau an der gesamtwirtschaftlichen Produktivität. Die Entlohnung der geringer Qualifizierten mag zwar immer noch relativ niedrig ausfallen, aber wenn die Produktivität steigt, steigen deren Löhne wie jene der besser Qualifizierten. Zeiten lang andauernder und hoher Arbeitslosigkeit hingegen führen dazu, dass die Löhne vor allem in den unteren Lohngruppen nicht mehr an der (zwar schwankenden, aber immer positiven) gesamtwirtschaftlichen Produktivitätssteigerung teilhaben. Das kann so weit gehen – und das ist in Deutschland in den letzten zehn Jahren tatsächlich passiert –, dass die realen und teilweise sogar die nominalen Einkommen der Geringverdiener sinken.

    Genau das ist das entscheidende Argument für einen flächendeckenden Mindestlohn: Wenn der Staat nicht jederzeit für Vollbeschäftigung sorgt oder sorgen kann, kann nur ein Mindestlohn verhindern, dass sich Arbeitskräfte – unabhängig von ihrer Produktivität – gegenseitig in Grund und Boden konkurrieren und dadurch unfreiwillig eine Rezession zementieren, unter der sie obendrein am meisten leiden. Denn wenn es bei den Löhnen keine Schranke nach unten gibt, entstehen aus den fallenden Löhnen am unteren Einkommensrand eine gesamtwirtschaftliche Deflation und eine Depression, gegen welche die Fiskal- und Geldpolitik praktisch machtlos sind. Das kann man seit zwanzig Jahren am Fall Japans studieren.

    Aus dieser Überlegung folgt auch, dass der Mindestlohn regelmäßig gemäß der langfristigen gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsentwicklung nach oben angepasst werden muss, damit er seine Stabilisierungsfunktion gegen Deflation dauerhaft erfüllen kann. Das hat zusätzlich den Vorteil, dass einem Zurückbleiben der gesamtwirtschaftlichen Löhne hinter der gesamtwirtschaftlichen Produktivität vorgebeugt wird, was etwa für das Funktionieren einer Währungsunion zentral ist. Denn dann kann sich kein Land Preisvorteile durch Lohndumping verschaffen und so Leistungsbilanzüberschüsse aufbauen, gegen die sich die Partnerländer innerhalb eines Währungsraums nur durch eine eigene deflationäre Entwicklung mit all ihren katastrophalen Folgen wehren können. Auch dafür gibt es gerade ja ein schlagendes Beispiel.

    Die gesamtwirtschaftliche Produktivität reicht immer aus, das aus ihr abgeleitete Existenzminimum allen Mitgliedern der Gesellschaft zu garantieren. Menschen Arbeitsplätze unter Androhung staatlichen Transferentzugs aufzuzwingen, die ehrlicher als Sklavenplätze zu bezeichnen sind, ist nicht nur inhuman, sondern auch ökonomisch unsinnig. Die Marktwirtschaft benötigt einen flächendeckenden Mindestlohn, um zu funktionieren.

    Setzen wir ihr diesen ordnungspolitischen Rahmen nicht, steht der Rückkehr zu Sklaverei und einem mittelalterlichen Ständestaat nichts im Wege. Die Arbeitskräftefreizügigkeit in der EU für die osteuropäischen Staaten (ab Mai 2011) wird uns durch den verschärften Druck auf die untersten Lohngruppen in Deutschland einen Vorgeschmack davon geben.

  • Markus

    @ Surp
    Wieso soll das “dumm” sein – dann sagen Sie mir doch mal ein stichhaltiges Argument, warum der Hartz IV Satz erhöht werden soll? (und ich meine den Satz, nicht die zzgl Leistungen).

    Und: Klar geht es mir “besser”, wenn es anderen schlechter geht. Das nennt man Relation. Absolut sicherlich nicht. Unter den Blinden ist der Einäugige König. Das ist einfach so.
    Das hat mit “gönnen” nichts zu tun, ist eine haltlose Unterstellung und hier völlig deplatziert.
    Ich vertrete aber das Prinzip: Lohn durch Leistung. Das ist schon alles. Da sind Sie anderer Meinung, ist mir bekannt – ist auch in Ordnung. Aber Sie hätten in meinem Unternehmen keine Chance.

  • Markus

    @ Surp
    “und 500 Euro ist verdammt nochmal nicht viel Geld um in Deutschland adäquat zu leben.”

    Da bin ich anderer Meinung. Ich führe seit Jahren ein Haushaltsbuch und sehe, welche Gelder ich ausgebe. Und mit 500 Euro kommen Sie in Deutschland wirklich sehr, sehr weit. Natürlich nicht, wenn Sie täglich eine Schachtel rauchen – da fehlen dann ganz klar 130 Euro im Monat.
    Aber um angemessen Essen und Trinken zu können, vielleicht auch mal ins Kino so ale 2 Monate, hier da mal ne Kugel Eis. Das geht. Man nennt das Haushalten. Wenn ich meine Ausgaben (Jahresmittel) mit meinem Luxusausgaben wie Auto, Urlaub, etc. bereinige, komme ich annähernd an den aktuellen Hartz IV Satz. Das möchten Sie glauben oder nicht. Der Beweis liegt in meinem Regal.
    nach meiner Einschätzung iegt ein Grundproblem darin, dass der volle Hartz IV Betrag auf einmal ausbezahlt wird. Besser wäre, 2 oder 3 Auszahlungstermine im Monat zu fixieren. Dann kommt man gar nicht in die Verlegenheit – und wer was “Grösseres” will, mus sparen.
    Glauben Sie mir, mit dieser einfachen Umstellung wären wir viele Probleme los, denn viele können nciht mit Geld umgehen – aber das hat mit Einkommen und Bildung nichts zu tun. Nur dass es bei niedrigem Einkommen höhere Auswirkungen hat.

  • @werner hofmann

    Eine sehr schöne Zusammenfassung.

    @Markus
    “Und mit 500 Euro kommen Sie in Deutschland wirklich sehr, sehr weit.”
    Wehe sie haben Kinder, dann reicht das Geld nicht. Denn ihr Kind bekommt nur einen Teil des Hartz 4 Satzes und das Kindergeld wird angerechnet.

    “Wenn ich meine Ausgaben (Jahresmittel) mit meinem Luxusausgaben wie Auto, Urlaub, etc. bereinige, komme ich annähernd an den aktuellen Hartz IV Satz.”
    Haben sie Anschaffungen wie Küchengeräte, Waschmaschine, etc. mit in ihrer Kalkulation? Sie haben ein Auto. Haben sie die Nahverkehrskosten mit eingerechnet, welche man bezahlen muss, wenn man keines besitzt? Haben sie Kinder? Die laufenden Kosten lassen sich decken. Aber wenn Anschaffungen ins Haus stehen, dann hat man ein Problem. Bei Kindern stehen diese etwas häufiger an.

    “Glauben Sie mir, mit dieser einfachen Umstellung wären wir viele Probleme los, denn viele können nciht mit Geld umgehen”
    Wo sind die Belege für solch dümmliche These? Bei einigen stimmt es, bei der Mehrheit wohl eher nicht. Außerdem reden wir aktuell von 350 Euro.

  • Markus

    @ werner hofmann

    “Löhne in einer Marktwirtschaft werden nämlich aus der gesamtwirtschaftlichen Produktivität bezahlt”
    –> In der Praxis erhalten Sie ihr Einkommen vom Arbeitgeber und dessen Kapital. Ihre These ist richtig, aber eben nur Theorie. Also nur vom Unternehmen und nicht der Gesamtwirtschaft.

    “Wie viel jeder einzelne zur Produktivität beiträgt, lässt sich praktisch nicht feststellen”
    –> Innerhalb eines Unternehmens in jedem Fall, durch die Einrichtung von Kostenstellen. Was glauben Sie, wenn ein Unternehmen ARbeitsplätze abbauen muss, wie man vorgeht?

    Lohnunterschiede: Ergeben sich doch vielfachen Faktoren: Qualifizierung, Produktivität, Individualität, Kreativität, Geografische Lage des Unternehmens, etc. Es ist das “Gesamtpaket” und die die einzelne Charakteristik. Gehen Sie in ein Einstellungsgespräch und überzeugen Sie sich, worauf es ankommt.

    “Die Arbeitskräftefreizügigkeit in der EU für die osteuropäischen Staaten ”
    Und Sie glauben wirklich, dass ein Mindestlohn dies verhindern kann? Berechnen Sie doch bitte auch, welche Arbeitsplätze dann ggf. abwandern könnten. Bedenken Sie doch auch mal den Faktor Schwarzarbeit. Bedenken Sie doch auch, dass theoretisch die Preise steigen würden.
    Wer ab Mai die “neuen” Arbeiter einstellt, handelt rational. Geben Sie ihm doch ienen Anreiz. einen deutschen Arbeiter einzustellen. Der Zoll arbeite doch seit Jahren nach dem Prinzip – am Arbeitsmarkt schaut man dagegen nur zu. Und diese Arbeitskräfte werden dort eingesetzt, wo keine ernsthafte Qualifikation verlangt wird. Also liegt doch eines nahe: Qualifikation erhöhen. Dies muss aber jeder AN selbst in die Hand nehmen.
    Wie es einst L. Ehardt schon umschrieb.

    Ich kann nicht nachvollziehen dass gerade in diesem Sektor der Wettbewerb durch eine Lohnschranke verhindert werden soll. Überall rufen die Ökonomen danach, aber wenn es an die Qualifikation geht – schöne heile Welt herstellen. Das Fehlen von Wettbewerb bei der Grundqualifizierung – also bei den Arbeitsplätzen durch Niedriglöhne – kann doch nicht ernsthaft gefordert werden.

    Dass es keine hinreichende Studie zur Mindestlohn/ Arbeitslosigkeit in Duetschland gibt ist ein Makel. Aber wohr soll diese auch kommen? Das Gegenteil kann auch keiner beweisen. Daher wüsste man es nach 3-5 Jahren, welche Ansäzte richtig sind.

    Das Problem wird zunehmen. Aber die Lösungsansätze laufen immer auf einen Punkt heraus: Staat, hilf uns…. reicht die Kreativität der Unternehmer nicht aus? Wie weit sind manche Ökonomen von der Realität eigentlich schon entfernt?

  • Surp

    @ Markus definieren Sie mit Bitte Leistung.

    Der Großteil unserer Erwerbsarbeit ist das Gegenteil von Leistung. Nach Ihrer Aussage müsste dann ja fast jeder für seinen Arbeitsplatz Geld bezahlen.

    Ich glaub nicht das der Mindestlohn fähig ist ein einziges Problem zu lösen, vorallem in Hinsicht auf die Problematik, dass Arbeit den Bürgern zum Großteil schadet.

    Wir brauchen andere Rechtfertigungen für Einkommen, abseits von den Faktoren Arbeit, Boden, Kapital. Das könnte das menschliche Leben als solches sein etc..

    Solange wir dazu nicht bereit sind, werden wir am Ende an unserern gesamten überflüssigen Arbeit zu Grunde gehen, da sie einfach nicht bezahlbar ist.

  • Markus

    @ Surp
    Einkommen ist das entgelt über die von der Natur gegeben, freien Ressourcen resp. Güter. Das Leben ist keine Berechtigung für diesen zusätzlichen Luxus, sondern die zusätzlich Leistung. Das Recht eines Deutschen ergbt sich aus den Grundgesetzen. Aber hier wird es philosophisch. Und das ist brotlos.

    Die Defintion von Leistung können Sie vielzählig nachschlagen. Hat aber etwas mit dem tatsächlichen Engagement zu tun und hat keinen Zusammenhang mit der Produktivität. Wenn Sie hier lesen hat das auch was mit Leistung zu tun. Dies erzieltaber nciht per se ein Einkommen. Es ist aber in Ihrem Sinne auch nicht produktiv (oder vielleicht doch?).
    Wenn ich mich also engagiere, bspw. eine Beratungsleistung gebe, ein Brot backe, eine Mauer baue, eine Geldanlage verwalte, dann ist das Leistung. Ob diese produktiv ist, hängt vom Ergebnis ab. Aber ich habe Zeit investiert. Und wenn diese produktiv ist, also der Output höher als der Input ist, dann habe ich gute Chancen, damit Gewinn und damit Einkommen zu erzielen. Und dies ist bei jedem Selbständigen so und bei Unternehmen über die ganze Belegschaft hinweg kumuliert zu messen (schliesslich hat der Pförtner keinen Einfluss auf die Poduktqualität, schützt aber vor ungebetenen Gästen,…).
    Wenn unsere Erwerbsarbeit keine Leistung darstellt, dann würden wir auch kein Enkommen erzielen. Da es uns aber in Deutschland sehr gut geht, muss doch irgendwo her Leistung kommen. Und das sind eben die 40 Mio. Erwerbstätigen, welche die Leistung für 80 Mio. Einwohner erarbeiten.

    Würden Sie es nicht als Leistung betrachten, wenn Unternehmer Gewinne erzielen?
    Das menschliche Dasein an sich hat keinen wirtschaftlichen Wert, wenn es nicht eingesetzt wird und Leistung erbringt – wenn wir also nicht als Faktor dienen (vor tausend Jahren wäre man verhungert). Das ist doch wohl unbestritten.

    Ob Mindetslohn oder nicht – das ist dann schon die detaillierte Ausgestaltung der Thematik resp. des Faktor Arbeit. Oben genanntes ist jedoch etwas Grundsätzliches und hat nichts mit Mindestlohn zu tun.

  • Surp

    @ Markus

    Sie reden es sich wie es Ihnen passt.

    Sagen sie mir wie ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, Bergman, die Liste ist unendlich lang, jemals in seinem Leben eine wirkliche Leistung erbringen will. Sie sollten sich auch mal mit der Armutsindustrie in Deutschland oder mit unseren ganzen anderen Bürokratiemonstern (Gesundheitswesen, Staatsapperat) auseinandersetzten, dann wird Ihnen denke ich schnell klar, dass da keine Leistung zu erwarten ist, da werden nur Ressourcen verschwendet für nix und wieder nix.

    Welche Beratungsleistung bei Bank- oder Versicherungsprodukten, die hat es nie gegeben.
    Das einzige was wir haben ist eine Flut an mehr oder weniger ahnungslosen Finanzberatern, sei es in Banken oder auch als Freiberufler. Wenn man da ernsthaft eine Beratungsleistung erwartet, ist man glaube ich sehr einfältig, da sie entweder Quoten erfüllen müssen oder von der Provision ihre Existenz abhängt.

    Die gesamten obengennanten Personen begründen ihre Existenz einzig und allein auf überflüssige Gesetzte und Subventionen.

    Das Investmentbanking funktioniert liegt nur an der Geldmengenerhöhung und an der kranken Kapitalkonzentration. Eine sinnvolle volkswirtschaftliche Leistung ist auch hier nicht zu erwarten.

    Ich habe nichts gegen Unternehmer, da sollten sie mich nicht missverstehen, ich beachet ihre Leistung (falls vorhanden) sehr. Ich habe aber etwas gegen den ganzen überflüssigen Blödsinn, den wir zu Unernehmern zählen.

    Meine Meinung ist folgende, fast die gesamte Ressourcenallokation in unsere Volkswirtschaft ist falsch, da sie nicht den Bürgern dient, sondern in unsinnige Arbeitsplätze und Exportgüter (die dann im Prinzip von uns bezahlt werden) investiert wird, damit wir eine Rechtfertigung für Einkommen haben, das ist doch dumm, oder?

    Solange wir an unserer derzeitigen Erwerbsarbeitswelt festhalten und nicht bereit sind, Einkommen anders zu verteilen, werden immer mehr Menschen, nichts von der unfassbaren Produktivitätssteigerung der letzten Jahrzehnte haben und wir müssen zwangsläufig immer mehr unnötige Arbeitsplätze schaffen, damit wir Einkommen verteilen können.

    Da stimm ich Keynes ausnahmsweise zu, da er davon ausging, dass seine Enkel weit weniger arbeiten müssten als er selbst. Dies haben wir geschickt durch schwachsinnige Gesetzte, Bürokratie etc. verhindert udn das soll nun toll sein?

  • Markus

    “Sie reden es sich wie es Ihnen passt.”
    Ich bin eben kein Politiker und in meiner Meinung frei.

    Glauben Sie mir, wir sind uns im Grunde mehr einig als Sie wollen.

    “Die gesamten obengennanten Personen begründen ihre Existenz einzig und allein auf überflüssige Gesetzte und Subventionen.”
    da haben Sie doch auch recht. Aber weil es eben die Gesetze etc. gibt, sind doch die daraus entstandenen Arbeitsplätze nicht überflüssig oder gar ohne jegliche Leistung. Sie müssen schon da ansetzen, wo das Problem liegt. Nach ihrer Meinung könnte man diese Arbeitsplätze ersatzlos streichen. Das geht aber nicht – weil dann die Gesetze immer noch bestehen. Damit erbringen diese Menschen eine Leistung. Einzig die Grundlage ist überflüssig.
    Und wie schon angesprochen – differenzieren Sie zwischen Leistung und Produktivität. Denn nur letzteres ist tatsächlich Ergebnisbezogen im Sinne einer erfolgreich erbrachten Leistung. Ein unproduktiver Anwalt oder Berater wird nicht lange bestehen, er vernichtet sienen Arbeitsplatz selber.

    Ihr Ansatz – Bürokratie und unnötige Arbeitsplätze – ist durchaus richtig. Aber sehen Sie mal den massiven Widerstand, wenn es darum geht, dies zu bereinigen. Entbürokratisierung ist sicherlich die gewünschte Lösung, und damit auch die Lösung und Freisetzung dieser”unnötigen” Arbeitsplätze. Solange aber die Bürokratie in dieser Form existiert, sind diese Arbeitsplätze nötig.

    Ihr Ansatz müsste demnach nur folgender sein: Massive Entbürokratisierung, ausnahmesloser Wegfall aller Subventionen und Steuererleichterungen (letzteres geht mit erstem einher). Und schon haben Sie ihr erwünschtes Ergebnis, welches auch mein Ziel ist.
    Wir brauchen keine Steuerberater mehr, keine Flut von Anwälten, keinen Beamtenapparat, etc.

    es könnte so einfach sein.
    Keine Partei kommt damit bei der Wahl durch – zu viele Wähler erzielen ihr Einkommen daraus.

    Und kein Beamter wird seinen Arbeitsplatz rationalisieren – siehe Sparpaket und Diskussion in BaWü (starker Widerstand gegen die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 41 auf 42 Stunden bis zum 40. Lebensjahr).

  • Surp

    “Ihr Ansatz müsste demnach nur folgender sein: Massive Entbürokratisierung, ausnahmesloser Wegfall aller Subventionen und Steuererleichterungen (letzteres geht mit erstem einher). Und schon haben Sie ihr erwünschtes Ergebnis, welches auch mein Ziel ist.
    Wir brauchen keine Steuerberater mehr, keine Flut von Anwälten, keinen Beamtenapparat, etc.”

    Die Steuern müssen so hoch sein, dass jeder 2000 Euro erhält, finanziert über Konsum und Finanztransaktion evtl. noch über andere Abagaben wie Pkw-Maut, Ressourcenverbrauch etc.. All dies sollte automatisch stattfinden, was möglich ist.

    Dann muss fast alles privatisiert (Bildung etc. stellen aus Chancengleichheitsaspekten eine Ausnahem dar) werden sowie alle Oligo- und Monopole zerschlagen werden. Es muss ein extrem harter Wettbewerb herschen, der auf nichts Rücksicht nehmen muss, außer den Ressourcenverbrauch und den Verbraucher (der da er mündig und kaufkrätig ist, Unternehmen hart bestrafen kann). Aber niemals auf Arbeitsplätze etc.. Wenn bei den Arbeitsplätzen, so wie es zurzeit der Fall ist, nur nach Beziehungen besetzt wird, muss man hier evtl. einschreiten (da sehe ich ein kleines Problem).