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Lehrerbesoldung: Leistung muss sich lohnen

Seit die OECD in regelmäßigen Abständen die PISA-Untersuchungen veröffentlicht, steht das Abschneiden der Schüler im Zentrum der Aufmerksamkeit: effektive Lehrpläne, sinnvolle Bildungsetats und ganze Schulsysteme werden seitdem untersucht.

Nun hat sich erstmals eine amerikanische Studie mit der Effektivität der Lehrer beschäftigt. Demnach hat die Qualität des Lehrpersonals drastische Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Schüler und damit auf deren spätere Einkommenschancen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahlen der amerikanischen Wissenschaftler sind gravierend: Ob ein Lehrer qualitativ guten Unterricht anbietet, beeinflusst das Lebenseinkommen seiner Schüler positiv im Wert von mehreren Hunderttausend Dollar. Damit rückt erstmals der materielle Wert eines Lehrers für seine Schüler – und letztendlich für die gesamte Gesellschaft – in den Fokus.

Leider werden – auch in Deutschland – Lehrer noch fast ausschließlich nach ihrem formalen Bildungsabschluss und ihrer Berufserfahrung bezahlt. Dahingegen wird die pädagogische Leistung kaum honoriert. Für die Lehrer gibt es insofern kaum Anreize, den Schülern den bestmöglichen Unterricht zu gewährleisten. Die Schlussfolgerung der Studie liegt auf der Hand: Die Besoldung der Lehrer sollte sich viel stärker an der pädagogischen Leistung der Lehrer orientieren. Denn Leistung muss sich lohnen – auch für Lehrer.


Zur Grafik: Obwohl Lehrer in Deutschland im internationalen Vergleich zu den Spitzenverdienern gehören, schneiden deutsche Schüler bei den PISA-Untersuchungen nur mittelmäßig ab. Ihre Finischen Kollegen verdienen weniger, gleichwohl gehören finnische Schüler stets zu den PISA-Siegern. Bildungsexperten sehen die Erklärung dafür, in der stärkeren Motivation der finnischen Lehrer durch eine leistungsorientierte Vergütung.
 

7 Kommentare zu “Lehrerbesoldung: Leistung muss sich lohnen”

  1. Karl-Heinz sagt:

    “Die Besoldung der Lehrer sollte sich viel stärker an der pädagogischen Leistung der Lehrer orientieren. Denn Leistung muss sich lohnen – auch für Lehrer.”

    So einfach kann man das aber nicht sehen. Ihr Vorschlag wäre nur dann fair , wenn alle Lehrer die gleichen Vorraussetzungen hinsichtlich Klassenstärke , Bildungsstand der Schüler , Ganztagsbetreuung usw. haben.
    Dort wo überwiegend die Schüler aus der Mittelschicht kommen, führt ein befriedigend zum Einkommensverlust , während dort wo die Schüler überwiegend aus bildungsfernen Schichten kommen, kann diese Note dann das Einkommen steigern , oder wie?

  2. @ Karl-Heinz
    Im Momet werden doch alle Lehrer gleich bezahlt – obwohl Unterschiede in den Anforderungen (wie von Ihnen benannt) vorherrschen. Dies trifft auch anderer Beamtengruppen. Finden Sie das fair?
    nein, das System muss wie in der freien Wirtschaft sein. Nach Leistung – und keine Unkündbarkeit. Daran kann man bspw. Fortbildungen, Unterichtsausfall, Bewertungen (Arbeitszeugnis), Qualitätsprüfungen, etc. fordern.

    Es gibt enorm viele hervorragende Lehrkräfte, eine gernige Anzahl jedoch zieht den Ruf dieser Pädagogen nach unten (wie bei Hartz IV Empfängern). Die Mehrzahl der Pädagogen macht einen guten Job.
    Die Frage ist doch – brauchen wir wirklich ein Leistungsbezogenes System? Ist die Qualität des aktuellen wirklich so schlecht? Wären dann die PISA Ergebnisse besser?
    Pädagogik kann man nicht messen – es ist eine immatrielle Qualität.

  3. Die vergebenen Noten als Maßstab für die Qualität des Lehrers kann es nicht sein. Das setzt Anreize, um zur Steigerung des eigenen Einkommens die Noten heraufzusetzen. Die Messung müsste also irgendwie anders erfolgen, bspw. durch externe, schulübergreifende Leistungstests.

    Dass leistungsbezogene Bezahlung zu Leistungssteigerung führt braucht wohl nicht diskutiert zu werden. Für meine Begriffe stellt sich hier nur die Frage nach einem praktikablen und halbwegs fairen Verfahren der Beurteilung.

  4. Kammerjäger sagt:

    Niemand, der halbwegs intelligent ist, würde überhaupt jemals Lehrer werden wollen. Die Gehälter hängen in Deutschland ja in keinem Bereich von der Leistung ab, sondern im Wesentlichen zu der organisatorischen Nähe und der sozialen Ähnlichkeit zu den Leuten, die über die Gehälter entscheiden können.

    Wer bekommt denn mehr Geld? Der technische Projektleiter, studierter Ingenieur, der ein multikulturelles Team von mehreren hundert Leuten (natürlich auf Englisch) managet, “und die Verantwortung trägt, in Budget und Time” ein Kraftwerk zu bauen, oder der Vertriebschef, der den Kunden die Anlage vertickt hat, und sein CEO und sein CFO? (Und der Vorgänger des CEOs, der eine siebenstellige Ruhestandsvergütung hat).

    Es werden ja auch nicht die Arbeiten am besten bezahlt, die am unangenehmsten (z.B. Stadtreinigung) oder gefährlichsten (Bergbau oder Bau) sind, hohe fachliche Kompetenz erfordern (Ingenieure) oder am sozial wichtigstem sind (Kranken und Altenpflege), sondern diejenigen, die am meisten Spaß machen (Chef sein), keinen volkswirtschaftliche Wertschöpfung erzeugen (Makler oder Investmentbanker), oder keine spezielle Ausbildung oder fachliche Kompetenzen erfordern (Politiker).

    Schlagen Sie doch alternativ einmal eine leistungsabhängige Bezahlung für Manager oder Politiker vor!

    @Klaus Blömke: “Dass leistungsbezogene Bezahlung zu Leistungssteigerung führt braucht wohl nicht diskutiert zu werden.”

    Doch, ich müsste das noch einmal heraussuchen, aber eigentlich belegen die meisten wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema das Gegenteil. Findet man bestimmt irgendwo auch im Googleverse,

  5. Die Frage ist wie man die Leistung eines Lehrers messen will. Wenn er besonders viel arbeitet? Wenn er besonders gute Noten gibt? Wenn die Schüler besonders viel lernen? Wie will man das viel lernen messen? In Deutschland sind schon Zentralabiture verpönt. Des Weiteren hat die Ausbildung der Kollegen auch massiv Einfluss auf die eigenen Möglichkeiten. Ist der Mathematiklehrer schlecht, dann hat das Einfluss auf den Physiklehrer. Davon abgesehen, wer wird denn in Deutschland wirklich nach Leistung bezahlt?

  6. Karl-Heinz sagt:

    @ Markus

    “Die Frage ist doch – brauchen wir wirklich ein Leistungsbezogenes System? Ist die Qualität des aktuellen wirklich so schlecht? Wären dann die PISA Ergebnisse besser?”

    Ich glaube nicht.
    Wenn z.Bsp wie in Bayern die Hürde für den Besuch eines Gymnasiums höher liegt , ist ja nicht nur auf dem Gymnasium das Niveau höher , sondern auch in den anderen Schulen. Deshalb funktioniert dort die Hauptschule wohl noch ganz gut.
    In den Bundesländern mit einem sehr niedrigen Anteil nichtdeutscher Schüler wird es die Lehrerschaft im Fach Deutsch sicherlich einfacher haben ein gutes Pisa Ergebnis zu erzielen.
    Baden-Württemberg schneidet ja auch immer ganz gut beim Pisa Test ab.
    Nur wird dort auch mit das meiste Geld für Nachhilfe ausgegeben.
    Laut Bertelsmann Stiftung waren es dort im Jahr 2007 bezogen auf alle Schüler, 131 Euro pro Schüler, in Mecklenburg-Vorpommern waren es lediglich 74 Euro.
    Ich glaube , dass in einem leistungsbezogenen System soviele Parameter berücksichtigt werden müssten , die letztendlich dazu führen , dass viele Lehrer gegen ihre Lohneinstufung vor Gericht klagen würden.

  7. @ Karl-Heinz
    so glaube ich es ebenfalls.
    Aber dei Studie besagt doch nur, dass die Nachhilfe im Süden teurer ist, nicht unbedingt dass mehr Nachhilfestunden gegeben werden.

    Der Grundfehler, welcher hier gemacht wird: Es wird eine positive Korrelation zwischen Lehrer und Schüler hergestellt, und zwar eine zwingende. Aber es gibt einen zweiten Faktor. Der Schüler.
    Wenn der Schüler “keine Lust” hat, kann der Lehrer noch so gut sein. Er wird “versagen”.
    Weiterhin müssen Lehrer zwingend den gegebenen /teils veralteten) Lehrplan einhalten. Auch hier haben wir ein massives Problem. Viele wollen, dass diese Vorgabe eingehalten wird – aber bei bester Qualität. Leider scheint dies ein Widerspruch zu sein.

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Der Autor:

Dominique Döttling

ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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