Nichts entzweit ein Volk so sehr wie Steuern und Orden. Von den einen nimmt man an, dass sie zu Unrecht verlangt, von den andern, dass sie zu Unrecht gegeben werden. Terence Frisby, *1932, englischer Schriftsteller

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Mittelschicht schrumpft nicht

„Statuspanik“ und die Angst vor dem sozialen Abstieg sitzen den Deutschen tief in den Knochen. Düstere Szenarien einer zerfallenden Mittelschicht erregen die Gemüter. Mit der Wirklichkeit hat dies jedoch wenig zu tun, wie eine kürzlich im Auftrag des Roman Herzog Instituts erschienene Studie zeigt. Demnach ist der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtgesellschaft in Deutschland seit 1993 relativ konstant: Er pendelte zwischen 60 und 67 Prozent. Im internationalen Vergleich ein beachtlicher Wert.

Und im Krisenjahr 2009 kam es sogar zu einer gegensätzlichen Entwicklung: Während der Anteil der Haushalte mit hohen Einkommen abnahm, schütze der gut ausgebaute deutsche Sozialstaat die unteren Einkommensschichten weitgehend vor den negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Insgesamt führte dies zu einer Zunahme der Mittelschicht um 0,6 Prozent. Eine Zukunftsprognose, nach der die Mittelschicht langsam erodiert, lässt sich mit diesen Fakten kaum belegen.

  • Autor

    Prof. Dr. Dominik H. Enste

    leitet das Kompetenzfeld „Institutionenökonomik“ am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Karl-Heinz

    Wie wir alle wissen sind die Löhne von 2000 – 2009 preisbereinigt um 4,5 % gesunken.
    Und in dieser Zeit haben laut Grafik die mittleren Einkommen 5% eingebüsst und die unteren Einkommen haben um 3,9 zugelegt.

    Was da mal 1994 oder 1958 war, ist in diesem Zusammenhang relativ uninteressant.

    Der Roman Herzog hat auch mal vir einigen Jahren eine Gesundheitsprämie ins Spiel gebracht , mit der man heute unter Berücksichtigung der Inflationrate auch noch die Oma mit versichern könnte.

  • Surp

    Ich musste lachen als ich die Grafik sah:

    Wie hoch ist ein hohes Einkommen?
    Wie hoch ein Mittleres?
    Wie hoch ein Kleines?

    Ich mein bitte, das beleidigt doch die Intelligenz eines Förderschülers.

    Außerdem sollte man immer fragen, wie geht mehr? Antworte habe ich (naja, ich habe sie geklaut, zumindest zum Teil) in diesem Bereich schon einige gegeben.

  • Markus

    1. Untere EInkommensschichten waren nur partiell oder sekundär von der “Finanzkrise” betroffen. Warum sollte es sich also dort auswirken?

    2. Dass die Mittelschicht seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt schrumpft, kann man wohl sehr gut erkennen. Nur, weil nun in einem Jahr ein minimaler Anstieg zu sehen ist, kann man doch nicht die gesamte Entwicklung infrage stellen.

    3. Es geht um Einkommen (egal durch was erzielt). Nicht um Löhne.

    4. Und nun legen Sie an diese Grafik die Entwicklung der Steuerbelastung an. Das ist der springende Punkt!

    FAZIT: Ihre These ist sehr wacklig, weil m.E. etwas zu vorschnell und ohne Berücksichtigung weiterer Faktoren zur Prognose. Dennoch erwarte ich selbiges – jedoch ohne emoirischen Hintergrund.

  • Keynesianer

    Möchte die Lobbyorganisation INSM die Mittelschicht weiter schrumpfen.
    Über die Methoden und Verstrickungen der INSM kann man nur noch schmunzeln.
    Mit den Zahlen des DIW läßt sich ein ähnliches Bildchen machen. Das Bildchen sieht dann nur anders aus.
    http://www.fr-online.de/wirtschaft/arbeit—soziales/die-mittelschicht-schrumpft/-/1473632/4440642/-/index.html

  • Surp

    Das erschreckende für mich ist, dass man ab 1331 Euro zur Mittelschicht gehören soll, das ist für mich klare Unterschicht, da man weder ein Haus bauen, ein mittelklasse Pkw fahren, noch regelmäßig Urlaub machen kann, geschweige denn adäquat am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, wenn man eines der obengenannten Dinge versucht.

    Daher ist diese Statistik wieder nur rausgeschmissenes Geld, die einzigen die sich freuen sind dumme Menschen, die 1500 netto verdienen und sagen “Cool ich gehöre zu Mittelschicht”.

    Die wirkliche Problematik in unserem Land ist nicht nur bei den Einkommen zu suchen, sondern bei der extremen Kapitalkonzentration, die inzwischen extrem destruktiv wirkt.

  • “Die wirkliche Problematik in unserem Land ist nicht nur bei den Einkommen zu suchen, sondern bei der extremen Kapitalkonzentration, die inzwischen extrem destruktiv wirkt.”

    Diese Gruppe finanziert solch absurde Studien, um sich selbst zu legitmieren.

  • Markus

    “da man weder ein Haus bauen, ein mittelklasse Pkw fahren, noch regelmäßig Urlaub machen kann, geschweige denn adäquat am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann”

    und mit welchem Selbstverständnis immer wieder dieser Luxus gefordert wird. Mal ganz davon abgesehen, dass die regionalen Preise für diese genannten Güter enorm differnziert sind.
    Ein Haus ist ein absolutes Luxusgut. Damit eigentlich Merkmal der Oberschicht.
    Ein Mitteklasse PKW ebenfalls. Der Unterhalt ist derart teuer, dass dies nur ein Oberschichtprodukt sein kann. Im Übrigen ist ein eigener PKW bei den Jugendlichen nicht mehr in Trend.
    Urlaub? Naja, für relativ wenig Geld gibts gute Angebote. Wenn es aber was besonderes sein muss…und warum ist das Selbstverständnis da, mehrfach im Jahr zu verreisen?
    Und wer dies alles zusammen haben möchte, ist definitz Oberschicht.

    Und wer 1500 netto verdient, kann doch gar nicht “dumm” sein. Das widerspricht sich doch! Irgendetwas haben diese Menschen doch schlau umgesetzt, damit dieses Einkommen bezahlt wird – und sei es nur die eigen Unfähigkeit zu verbergen. Aber auch das fordert ein Mindestmaß an Intelligenz.

    Ihr Ansatz mit der Kapitalkonzentration trifft es – aber nicht die Bewertung der Güter als Statussymbol.
    Und wenn ich mit 1331 Euro nicht “adäquat” am Leben teilnehmen kann, dann habe ich ein ernsthaftes Problem. Denn das geht auch mit weniger Geld. Es sei denn, Sie reduzieren die Geselschaft auf das Einkommen. Dann leben Sie in bescheidener Gesellschaft.

  • Surp

    @ Markus

    Es geht hier um den Begriff der Mittelschicht, für mich ist Mittelsschicht von der Begrifflichkeit mit einem gewissen Kapitalvermögen als auch Einkommen verbunden, wenn sie das abstreiten ist natürlich ihr Argument richtig, aber damit ist niemanden geholfen.

    Das Wort Oberschicht würde ich ausschließlich für Menschen benutzen die über hohe Kapitalvermögen verfügen, sonst ist der Begriff absolut unangemessen.

    Wenn man es ganz nüchtern sieht, besteht unsere Gesellschaft aus einer sehr großen Unterschicht und einer mittelgroßen Mittelschicht sowie ein sehr kleinen Oberschicht. Dies ist selbstverständlich auf die Verhältnisse der Vermögen und Einkünfte in BRD bezogen, wobei sie bei Vermögen sogar mit afrikanischen Verhältnissen vergleichbar ist.

    “mit welchem Selbstverständnis immer wieder dieser Luxus gefordert”
    Wir bezahlen lauter Dreck, vorallem überflüssige Arbeit und alles was als riesen Rattenschwanz daran hängt, den können wir uns ja auch “scheinbar” leisten, wieso geht dann für unsere Bürger nicht mehr, indem wir einfach die ganze überflüssige Arbeit abbauen und das eingesparrte Einkommen gerecht aufteilen? Die Konsequenz daraus wäre, dass es keien Unterschicht mehr gäbe, zumindest wenn man nicht bescheurte Durchschnittstátistiken zum Vergleich heranziehen würde, sondern die Kaufkraft der Menschen.

    Ist unser abartige Neidgesellchaft (der Neid kommt bei uns nicht von unten, sondern von oben) sowie die jahrelange Indoktrination mit flaschen Wahrheiten wirklich der einzige Grund für so ein Verhalten, wenn ja ist dies erschreckend und stimmt mich sehr nachdenklich.

    “Es sei denn sie reduzieren die Gesellschaft auf das Einkommen”
    Nichts anderes tun wir, oder sehen sie etwas anderes, würde mich wundern.
    Keiner stellt die Frage, wer die Person eigentlich bezahlt.
    Keiner hinterfragt woher das vorhandene Vermögen kommt.
    Hauptsache er hat ein hohes Einkommen bzw. Vermögen, schon ist er ein Leistungsträger und wird so behandelt, dabei entspricht das inzwischen eher selten der Wahrheit.

    Er ist dumm, weil er sich darüber freut 1500 Euro zu verdienen, anstatt zu fragen wie erheblich mehr gehen würde, deshalb isser dumm.

    Die größte Angst der Menschen ist es zur Unterschicht zu gehören, dabei gehören eigentlich mindestens 30 % der derzeitigen Mittelschicht (die Mittelschicht dieser Statistik) zur Unterschicht. Nur würde das unsere Gesellschaft kippen. Es würde eine eine ganz andere Solidarität zwischen den Schwachen und Schwächsten geben, die ist für die ganzen Parasiten, die sich an unserem System laben sehr gefährlich, mit solchen Statistiken werden sie schön verarscht und suchen die Schuld bei den falschen.

  • Markus

    @ Surp
    Klar ist es nciht erwünscht zur Unterschicht zu gehören – dies hat einen ngativen Beigeschmack. Ich selbst habe mich noch nie darum geschert, zu welcher dieser 3 Kategorien ich gehöre, es interessiert mich auch nicht. 80 Millionen Menschen in 3 Kategorien einzuteilen ist schon recht einfach. Und was bringt uns diese Einteilung? Nichts.
    Und wenn wir ein BGE einführen, dann verschieben sich die Grenzen – aber eine Unterschicht wirtd es per Definition immer noch geben. Absolut betrachtet hat diese dann zwar mehr Euro in der Tasche – aber auch die Güter werden teurer und damit bleibt die Kaufkraft weitgehend im Saldo.
    Die Schichten sind eine Sache der Definition. Mehr aber auch nicht.

    Wir haben genug Kosten für die genannte “überflüssige” Arbeit. Das ist richtig. Berechtigt aber nicht zum Mittelklasse PKW. Schauen wir doch den Status Quo an und nicht das “wäre wenn”.
    Da werden Güter auf Kredit gekauft, Autos im Leasing angeboten, etc. So viele Produkte, die sich ein Arbeitnehmer faktisch nicht leisten kann aber dennoch kauft. Geht zu Lasten der Sparquote und führt zu einer Erhöhung der Verschuldung der privaten Haushalte. Wie derzeit in USA deutlich zu sehen – so wächst auch die private Verschuldung in Deutschland. Weil man es als angemessen betrachtet, einen TV für 1000 Euro zu haben, 2 mal im Jahr in Urlaub zu fliegen und einen Jahreswagen zu besitzen.
    Bei uns krankt es vor Allem am Anspruch der Gesellschaft. Ich kenne genug Menschen, welche ihre 40 Stunden Woche absitzen, 30 tage Urlaub, etc. aber den Anspruch auf all diese Güter haben wollen. “Kann ich mir nicht leisten” gibts da nicht. Dann wird eben die Altervorsorge nicht finanziert, Hauptsache eine Playstation für die Kinder zu Weihnachten. Für mich eher ein grundsätzlich psychologisches Problem.
    Die aktuelle Generation kann in grossen Teilen nicht mit Geld umgehen. Das sehe ich als Kernproblem.
    Und warum? Weil die Unternehmen uns locken und weil im Zweifelsfall der Staat zur Seite steht (Privatinsolvenz, Hartz IV – beides nicht schön aber gibt Sicherheit).

  • Surp

    “Absolut betrachtet hat diese dann zwar mehr Euro in der Tasche – aber auch die Güter werden teurer und damit bleibt die Kaufkraft weitgehend im Saldo.
    Die Schichten sind eine Sache der Definition. Mehr aber auch nicht.”

    Bitte was? Wodurch entsteht Inflation?

    “Die Schichten sind eine Sache der Definition. Mehr aber auch nicht.”

    Selbstverständlich, nur sind die Durchschnittsstatistiken absolut nichtssagend und man kann sie manipulieren wie man will.

    Die Sparquote ist ein riesen Problem in Deutschland, das Problem kommt aber nicht aus der Mittelschicht, sondern aus der Oberschicht.

    Die Förderung der privaten Altersvorsoge ist einer der größten politischen Fehlendscheidungen der letzten Jahre. Eines sollte man doch gelernt haben aus der Krise, die Finanzwirtschaft ist nicht fähig sinnvolle Kapitalallokation zu betreiben. Wie auch, wenn man bei einer relativ risikolosen Geldanlage maximal 5% Rendite zu erzielen sind, davon gehen 2% für Inflation und mindestens 2 – 15 % für Verwaltung etc. drauf.

    Es spielt keine Rolle, ob man mit Geld umgehen kann oder nicht (wenn nix mehr da ist, ist nix mehr da), nur in Systemen, wo jeder für sich selbst vorsorgen muss, ist dies evtl. wichtig, aber eigentlich sogar in diesen Schwachsinn, dafür ändert sich viel zu schnell und viel zu oft etwas.

    Ich halte die Privatinsolvenz für richtig und wichtig, sehe in anderen Bereichen eher das Problem der nichtvorhandenen Haftung.

    Das entscheidende für mich ist, das Leistung lohnen muss und man alles behalten darf, was man jemals erreicht hat, das ist motivierend, unser System ist das Gegenteil.

  • Markus

    Privatinsolvenzen nehmen die Haftung für fehlerhaftes wirtschaften. Ich kann mich “bereinigen”. Die zunehmende Zahl der Privatinsolvenzen zeigt, dass mit Geld nicht umgegangen werden kann. Diese Geld ist weg, die Gläubiger gehen leer aus. das ist das Problem. Es geht eben darum, dass noch etwas da ist.

    “Absolut betrachtet hat diese dann zwar mehr Euro in der Tasche – aber auch die Güter werden teurer und damit bleibt die Kaufkraft weitgehend im Saldo.
    Die Schichten sind eine Sache der Definition. Mehr aber auch nicht.”

    –> Weil die Konsumsteuern (MwSt.) steigen wird.

    Die Sparquote (absulte Euro) ist ein Problem. Aber mal ehrlich: Wenn Sie 10 Millionen aiuf dem Konto haben, dann müssen Sie schon enorm intensiv konsumieren, um das geld auszugeben. Und jeden Quatsch wollen Sie dann auch nicht kaufen. Alleine schon die Ertragszinsen hierfür sind enorm. Das ist ein ernsthaftes Luxusproblem, aber realistisch.

  • Surp

    @ Markus

    sie haben einen Denkfehler bei ihrer Infaltionstheorie, die Preise dürfeten sich zumindest tehoretisch fast nicht verändern.

    Infaltion kommt durch Geldmengenerhöhung, nicht durch ein BGE.

    Zum Multimillonär:
    Joa, deshalb gibs ja ne Finanztransaktionsstuer, da auch Kapitalanlage etc. besteuert werden sollte, sollte viele Probleme, die wir haben lösen und man brauch keien Blödsinnig Überwachungsintsitutionen für die Finanzwirtschaft.

  • Markus

    @ Surp
    so hab ich es auch nciht gemeint, sondern durch das BGE wird die Mwst erhöht um diese zu finanzieren. Also werden doch die Güter teurer, nicht durch Inflation, sondern druch Steuern. Missverständnis.

    Naja, die Finanztransaktionssteuer greift hier aber nur sehr, sehr begrenzt.