Den Arbeitslosen geht es in Europa besser als den Vollbeschäftigten in Asien. Ich bin aber optimistisch, daß sich Europa aus dem System der letzten 50 Jahre lösen kann. Dr. Helmut Sohmen, *1939, Vorstandsvorsitzender der ?World-wide-Shipping-Group?

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Betreuungsgeld kostet Wachstum

Zunehmend gefährdet die galoppierende Verschuldung die zukünftigen Wachstumsaussichten in Deutschland. Eine beherzte Sanierung der Staatshaushalte ist daher das Gebot der Stunde. Alle bestehenden und derzeit in der Debatte befindlichen Staatsausgaben sollten insofern einem Kosten-Nutzen-Kalkül unterzogen werden. Dies gilt auch für das ab 2013 geplante Betreuungsgeld. Dieses soll in Höhe von 150 Euro pro Monat an Familien mit Kindern unter drei Jahre gezahlt werden, die keine öffentlich finanzierte Betreuungseinrichtung besuchen.

Die Fürsprecher des Betreuungsgeldes argumentieren vor dem Hintergrund des bis 2013 geplanten Ausbaus der öffentlichen Kinderbetreuung, dass die Einführung nur gerecht wäre: Denn Eltern, die ihre Kinder zu Haus erziehen zu wollen, sollten vom Staat in gleicher Weise unterstützt werden, wie Eltern, die ihre Kinder in öffentlichen Einrichtungen betreuen lassen wollen. Unberücksichtigt bleiben bei dieser Argumentation aber, dass der deutsche Staat das Alleinverdienermodel bereits heute stark fördert. So ist beispielsweise der nicht erwerbstätige Teil der Familie kostenlos in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung mit versichert.

Darüber hinaus setzt das Betreuungsgeld den Anreiz, sich aus der Erwerbstätigkeit zurückzuziehen. Im Regefall wird dies bedeuten, dass sich Frauen vom Arbeitsmarkt zurückziehen. Daher wird die ohnehin schon im Vergleich zu ausgewählten OECD-Ländern geringe Quote der erwerbsfähigen Frauen sinken. Vor dem Hintergrund eines bereits heute einsetzenden und sich künftig noch verschärfenden Fachkräftemangels würde sich dieses zweifelsohne negative auf das Wachstum in Deutschland auswirken.


Der Beitrag ist eine Zusammenfassung der Kurzstudie von Tatjana Kleineberg und Prof. Dr. Axel Plünnecke: Zum ökonomischen Nutzen des Betreuungsgeldes vor dem Hintergrund der Haushaltskonsolidierung, Köln 2011. (pdf-Download)

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Hin oder her ob man für das Betreuungsgeld ist oder nicht, die Argumente des Herrn Professors kann man kaum folgen. 150 Euro sollen also ein Anreiz sein zu hause zu bleiben? Das ist wohl ein wenig unrealistisch meinen sie nicht Herr Plünnecke. In welchem Beruf kriegen sie denn nur 150 Euro? Die einzigen für die sich das etwas lohnen könnte wären die Niedriglöhner. Eine Verknappung der Arbeitskräfte in diesem Bereich wäre den Löhnen dort sehr zuträglich.

    “Vor dem Hintergrund eines bereits heute einsetzenden und sich künftig noch verschärfenden Fachkräftemangels würde sich dieses zweifelsohne negative auf das Wachstum in Deutschland auswirken.”
    Dann müssen die Unternehmen eben attraktiver werden für Familien. Wenn sie eine Frau mit jungen Kindern sind haben sie es deutlich schwerer einen Beruf zu bekommen. Da sind die Unternehmen in der Pflicht. Wenn ein Mangel an Fachkräften herrscht ebenso. Wo sind denn die Weiterbildungen, die höheren Löhne?

  • Markus

    1. Es bleiben immer mehr Väter zu Hause
    2. mit 150 Euro können SIe auch kein Kind zu Hause erziehen
    3. Nicht jede Mutter ist eine Fachkraft (Hochqualifizierte haben nach Statistik die wenigsten Kinder – Sie sprechen also eher über die Ausnahme)
    4. Gibt es einen nachweislichen Effekt des Betreuungsgeldes (Argumentation siehe Beitrag oben von chriwi)?

    Lösung:
    Kostenfreie Ganzstagsbetreuung. Flächendeckende Ganztagsschulen. Staatlich finanziert. Ja, inklusive Mittagessen und Sportbetreuung oder andere Freizeitbeschäftigungen.

    Setzen Sie bei der Sanierung der Haushalte dort an, wo es Sinn macht. Aber nicht bei unserem zukünftigen “Humankapital”! Dort graben Sie nur das Wasser ab.

  • Kammerjäger

    Haben die Autoren hier im Blog alle in ihrer Mikroökonomievorlesúng geschlafen? Oder gilt Wettbewerb und “freier Markt” immer nur für die anderen?

    Einen Fachkräftemangel gibt es nicht. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es wie auf allen Märkten eine Markträumung zum Gleichgewichtspreis. Wer zu niedrige Löhne zahlt, bekommt halt keine Mitarbeiter, genauso wie ich für 2 Euro 30 den Liter keinen Champagner bekomme. Und wer die Gehälter nicht zahlen “kann”, hat halt im Wettbewerb verloren und sollte dicht machen, anstatt nach Subventionen zu schreien. So funktioniert der Wettbewerb. Herr Brüderle, übernehmen sie!

    Man könnte sich natürlich auch mal Gedanken machen, ob die Lohnstrukturen in Deutschland die jungen Leute wirklich dazu animieren, die Ausbildungen für Berufe zu machen, die wirklich gebraucht werden.

    Ich würde mich einmal freuen, in diesem Blog zu diesem Thema eine Beitrag zu lesen!

  • Markus

    @ Kammerjäger
    klingt logisch,ist es aber nicht. Denn es ist nicht nur der Lohn, welcher eine Arbeitsstelle attraktiv macht. Bedenken Sie mal zB den Standort, die Transfereistungen, das Image, das Umfeld, etc.
    Geld alleine lockt keine Fachkraft (welche es sich aussuchen kann). Und ich warne ausdücklich von ihrer Logik: Dies führt definitiv zu einer Konzentration, gar Monopolisierung!

  • Zuerst einmal eine schallende Ohrfeige für den Stuss, den der Autor hier verbreitet. Er müsste doch wissen, dass es noch nie eine “beitragsfreie Mitversicherung” gab. Sollen denn Familienmitglieder, die nichts verdienen, Beiträge zahlen? Der Alleinverdiener muss sein Bruttogehalt mit Frau und Kindern teilen. Also bleibt ihm bei drei Kindern nur 1/5 seines Bruttolohnes. Dem entsprechend zahlen die 4 erwerbslosen Familienmitglieder 4/5 der Beiträge selbst.

    Mit dem Ehegattensplitting sollen nicht die Kinder gefördert werden, sondern die Eheleute, weil sie füreinander Unterhalt und Pflege leisten, ebenso wie für die Großeltern. Damit sparen sie der Sozialkasse immense Kosten.

    Hier wird der sattsam bekannte Versuch unternommen, als Familientransfer zu verkaufen, was mit Förderung rein gar nichts zu tun hat. Semantische Verschleierung.

    Es ist unerträglich wie inkompetent manche Schreiberlinge sich zu Wort melden und ihren Schrott selbst bei einer seriösen Zeitung abliefern dürfen.

    Meine Meinung zum Betreuungsgeld: abzulehnen, weil lächerliche Almosen für einen anspruchsvollen Fulltime-Job. Statt dessen Erziehungsgehalt nach ÖDP-Modell, sozialversicherungspflichtig, angemessen, gerecht!

  • Markus

    @ irgendwas
    für manche sind diese “lächerliche Almosen” schon viel Geld. Bisschen zurück auf den Teppich kommen. Ich würde mich über 150 Euro nicht beschweren!