INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

(Un-)Heimliche Steuererhöhungen verhindern

Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr. Die überwiegende Zahl der Beschäftigten partizipiert an dem Aufschwung und hat mehr Geld im Portemonnaie. Die Zunahme des Nettolohns würde jedoch viel höher ausfallen, wenn der Staat nicht verhältnismäßig viel von den Lohnsteigerungen abschöpfen würde. Während die Bruttolöhne dieses Jahr wahrscheinlich um 2,1 Prozent steigen werden, wird sich die Lohnsteuer durchschnittlich um 3,8 Prozent erhöhen. Dies liegt schlicht daran, dass parallel mit der Lohnerhöhung keine Anpassung der Steuersätze erfolgt. In der Konsequenz wachsen die Steuerpflichtigen in eine höhere Stufe der Steuerprogression hinein.

Für den Staat ist dies äußerst lukrativ: Im Jahr 2010 verzeichnete der Fiskus aufgrund der gestiegenen Löhne ein zusätzliches Einnahmeplus von 2,9 Milliarden Euro. Für dieses Jahr geht das Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW) von zusätzlichen Steuereinnahmen in Höhe von 3,1 Milliarden Euro aus. Aufgrund dieser heimlichen Steuererhöhung wird der Staat somit in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt mehr als 6 Milliarden Euro mehr einnehmen. Mit anderen Worten: Die Beschäftigten müssen auf 6 Milliarden Euro von ihrem Lohnplus verzichten. Die Lösung liegt auf der Hand: Um diese heimliche (oder besser: unheimliche) Steuererhöhung zu verhindern, müsste der Steuertarif jährlich an die Lohnentwicklung angepasst werden.

9 Kommentare zu “(Un-)Heimliche Steuererhöhungen verhindern”

  1. “Die Beschäftigten müssen auf 6 Milliarden Euro von ihrem Lohnplus verzichten.”
    In was haben sie promoviert? Ein Teil 6 Milliarden werden also nicht auch an die Menschen im öffentlichen Dienst bezahlt? Verschulden darf sich der Staat laut INSM am besten nicht. Von höherem Wachstum und besseren Einnahmen darf er aber auch nichts abbekommen?! Interessant an ihrer dargestellten Statistik ist, dass die Löhne trotz das “Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr” die Löhne gesunken sind. Da sie sich nicht die Mühe gemacht haben die Steigerungen inflationsbereinigt darzustellen und das Kurzarbeitsgeld auch nicht auftaucht (scheinbar sind das die vertraglich vereinbarten Löhne) sieht die Statistik deutlich besser aus als sie in Wirklichkeit ist. Sehr wissenschaftlich dargestellt.

  2. Karl-Heinz sagt:

    “Aufgrund dieser heimlichen Steuererhöhung wird der Staat somit in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt mehr als 6 Milliarden Euro mehr einnehmen.”

    Aufgrund der unheimlich intelligenten Arbeit von Banken wird dieser Staat in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt wohl mehr als 6 Milliarden Euro mehr benötigen.

  3. Autor:
    Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr. Die überwiegende Zahl der Beschäftigten partizipiert an dem Aufschwung und hat mehr Geld im Portemonnaie.

    Ups- ist mir da etwas entgangen ?

    Meine letzte Lohnerhöhung liegt jetzt 9 Jahre zurück.
    Ich habe vom letzten ,vom vorletzten und vom vor-vor letzten Aufschwung nichts gehabt. Wenn es so kommt wie angekündigt wird sich das auch in den nächsten Jahren nicht ändern.
    Und ich kenne viele denen es genauso geht.
    Derartige Jubelbotschaften gehören in die runde Ablage!

  4. Zitat: Karl-Heinz
    Aufgrund der unheimlich intelligenten Arbeit von Banken wird dieser Staat in den Jahren 2010 und 2011 insgesamt wohl mehr als 6 Milliarden Euro mehr benötigen.

    Diesen Fakt kann man nicht oft genug erwähnen.

  5. Kammerjäger sagt:

    Und wie viel Geld verliert der Bürger durch die heimlichen Preiserhöhungen durch Verkleinerung der Verpackungsgrößen?

  6. Johannes sagt:

    Das die Steuereinnahmen steigen liegt nicht nur an der kalten Progression. Es liegt auch daran das die Einkommen vor allem in den hohen Steuerklassen steigen während sie in den niedrigen sogar sinken. Der Grund für einen Teil der Steuererhöhung liegt als auch in immer ungleicher verteilten Einkommen, die dann auch eine Umverteilung nötigt machen. (Aber nicht ausgleichen kann)

  7. “Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr. Die überwiegende Zahl der Beschäftigten partizipiert an dem Aufschwung und hat mehr Geld im Portemonnaie.”
    Diese Aussage wird vom Autor selbst widerlegt. Der Bruttolohn ist 2010 gesunken. Darauf haben Steuern wohl keinen Einfluss.

  8. Johannes sagt:

    @chriwi
    Das hab ich ja gar nicht bedacht. Ist schon traurig, das trotz sinkender nominaler Durchschnittslöhnen die Steuereinnahmen steigen. Das kann man dann ja schlecht mit kalter Progression erklären. Nur wenn man dazu sagt, das für die Masse die Löhne gesunken sind, aber bei ner kleinen Gruppe so stark gestiegen sind, dass die Steuereinnahmen dadurch steigen. Da bleibt dann doch nicht soviel Mitleid für die Spitzenverdiener übrig, die dank Einkommenssteigerungen jetzt auch noch von der kalten Progression gestraft werden. :(

  9. Johannes sagt:

    “Die Lösung liegt auf der Hand: Um diese heimliche (oder besser: unheimliche) Steuererhöhung zu verhindern, müsste der Steuertarif jährlich an die Lohnentwicklung angepasst werden.”

    Wenn dann muss der Steuertarif an die Inflation angepasst werden. Oder will der Autor, dass die öffentlich Beschäftigten nicht am steigenden Wohlstand partizipieren?

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Dr. Alfred Boss

ist Mitarbeiter im Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Öffentliche Haushalte, Sozialversicherung, Steuerpolitik, Subventionswesen und Sozialpolitik.

Alle Beiträge von