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Superreiche helfen zielgerichtet

Buchkritik: Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam, Sarah Schilliger: «Wie Reiche denken und lenken – Reichtum in der Schweiz: Geschichte, Fakten, Gespräche», Zürich 2010

Das jährliche Erscheinen der Forbes-Liste der Superreichen trägt in sich Züge des Hollywoodtesken. Von den Medien werden die Milliardäre spektakulär in Szene gesetzt, vom armen Publikum mit Staunen beklatscht, mit Respekt verehrt oder mit Neid niedergemacht. Wie Filmstars faszinieren reiche Menschen – ihr Einfluss, ihre Machtfülle, ihr Leben voller scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten. Die Wissenschaftler Ueli Mäder, Ganga Jey Aratnam und Sarah Schilliger haben sich in ihrer detailreichen Studie „Wie Reiche denken und lenken“ die Mühe gemacht, mehr als nur die Einkommensverhältnisse von Millionären und Milliardären offen zulegen. Es geht darum, was Reiche motiviert, wie sie sich selbst sehen, welche Verantwortung sie empfinden und was sie mit ihrem Geld machen.

Zwar befragten die Autoren in ihrem Buch ausschließlich Schweizer Superreiche, doch da auch bei den Eidgenossen die oberen Zehntausend keine homogene Gruppe sind, lassen die Ergebnisse der Studie problemlos Schlüsse auf die Mentalität der Reichen weltweit zu. Aus Hunderten von Interviews haben die Autoren viele und sehr persönliche Statements zusammengetragen, die das Lesen des Buches zu einem anekdotischen Vergnügen machen. Doch es geht vor allem um Ergebnisse: Viele Reiche verfügen zwar über ein Selbstvertrauen, das auf eine gut ausgestattete Grundsicherheit deutet. Aber der Schein trügt. Die Sonderstellung birgt viele Schwierigkeiten – mit Geld muss man umgehen können; die Gefahr, ausgenutzt zu werden ist groß. Erbschaften erhöhen das Konfliktpotenzial.

Über allem steht bei Reichen das Primat der Wirtschaft. Auch wenn die Finanzkrise das Vertrauen in die Marktkräfte relativiert hat, setzen Reiche auf die ökonomische Selbstorganisation und auf neue Eliten. Dem Staat billigen sie primär eine ergänzende korrektive Ordnungsfunktion zu. Sozialpolitisch tendieren Reiche eher zu wertkonservativen Haltungen, selbst wenn sie sich global orientieren und in die neuen Technologien investieren. Reichtum verpflichtet, aber nur beschränkt und auf freiwilliger Basis. Reiche wollen selbst darüber bestimmen, wen und was sie unterstützen.

14 Kommentare zu “Superreiche helfen zielgerichtet”

  1. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob es gerecht ist in einer Welt, in der es lange keine Kriege etc. gab, dass jemand sein Vermögen vererben darf.

    Unter Chancengleichheitsaspekten bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dies extrem ungerecht ist, da folgende Generationen überhaupt keinen Einfluss darauf haben. Daher sollte man entweder den Vermögenden klar mitteilen, vorallem der Erbengeneration, dass sie den anderen extrem verpflichtet sind, dies scheint aber in unserer Welt nicht gegebn zu sein. Wenn dies nicht möglich ist, muss man einen Automatismus einführen, der alle anderen auch teilhaben lässt.

    Reich zu werden ist eine tolle Leistung, Reich zu sterben eine Schande. Dieser Grundsatz galt mal in Amerika, ein interessanter Ansatz.

  2. @ Surp
    das nennt man faktisch Enteignung und es mit Dank achten, dass dieser fatale Weg nicht legitim ist. Denn warum ist die “Masse” plötzlich berechtigt, das Vermögen eines Einzelnen unter isch aufzuteilen? –> In keinem Maße!
    Ob ein Vermögender sein Geld vor seinem wissentlichen und nicht plötzlichem Ableben geplant verteilt ist eigens dessen freie und ungezwungene Entscheidung. Dieses Privileg des Eigentums darf in keinster Weise angegriffen werden und muss sogar deutlich verteidigt werden!
    Surp, das hat nihcts mit Gerechtigkeit zu tun. Also nochmals lange nachdenken und das Gesetz lesen!

  3. @Markus:
    Ich muss Ihnen hier wiedersprechen. Enteignung liegt meines Erachtens dann vor, wenn der Staat einer Person zu Lebzeiten den Besitz entzieht. Surps Vorschlag besteht darin, das Vermögen einer toten Person zu vergesellschaften. Dies ist meines Erachtens die einzige Möglichkeit, das Prinpzip der fairen Chancengerechtigkeit(Rawls) umzusetzen.
    Betrachten wir doch Ihre Welt Markus. Kinder erben riesige Summen. Sie haben keinen Anreiz zu arbeiten, das Geld vermehrt sich von alleine. Menschen die hart arbeiten verdienen Löhne von 5 Euro die Stunde. Trotzdem erreichen diese Menschen nicht mal ansatzweise so etwas wie Wohlstand.
    Eine Erbschaftssteuer von 100% würde endlich wieder richtige Leistungsanreize setzen. Jeder Mensch möchte ein materiell gutes Leben führen und strengt sich dafür an. Aber eben in jeder Generation aufs neue.
    Ungerechtigkeiten lassen sich natürlich auch hier nicht vermeiden. So erhalten Kinder von erfolgreichen Menschen eine bessere Gesundheit, eine bessere Erziehung und bessere Bildung.
    Nochmals zu Ihnen Markus: Ihr Verweis auf das Gesetz impliziert, das hier immer die richtige Antwort zu finden ist. In der Tat entwickelt sich die BRD zu einem immer ungerechteren Staat. Das Attribut “sozial” verliert mehr und mehr seine Bedeutung und verkommt zu einer hohlen Phrase. Aus diesem Grund wäre es richtig, die Gesetze so zu ändern, dass Deutschland eine soziale Marktwirtschaft bleibt und hierfür ist der gemachte Vorschlag geeignet.

  4. Ich möchte keine Erbschaftssteuer einführen, aus verschiedensten Gründen.

    Aber ich möchte, dass den Erben bewußt ist, welche Verpflichtung sie gegenüber den Anderen durch das Erbe eingegangen sind.

  5. @surp:
    “Wenn dies nicht möglich ist, muss man einen Automatismus einführen, der alle anderen auch teilhaben lässt.”
    Was für ein Automatismus soll dies denn sein, wenn keine Erbschaftssteuer?

  6. @ Realist
    Bei einer Erbschaftssteuer von 100% würden die Vermögen dann eben zu Lebzeiten transferiert. Sie können nicht verhindern, dass grosse Vermögen innerhalb einer Familie bleiben. Das geht auch hervorragend mit Stiftungen.

    beantwortet aber nicht die Frage, warum die Gesellschaft Anspruch auf das Vermögen eines Verstorbenen hat und damit faktisch auch der letzet Wille ausser Kraft gesetzt werden würde. Warum darf ein Nachkomme nicht von den Leistungen seiner Eltern/ Großeltern profitieren? Ist es ungerecht, wenn Vermögen, welche zu irgendeiner zeit sicherlich durch Arbeit entstanden sind, auch in der Familie bleiben? Ganz ehrlich, ich würde Wege suchen, dass dies nicht passiert. mein Vermögen – meine Entscheidung. Privaterbrecht und Freiheit im Erbe. Das ist gerecht.
    Denn Sie würden auch das geld an all diejenigen verteilen, welche ohne Leistung und voller Neid auf diese Menschen trachten. Und das ist ebenfalls ungerecht. es gibt keinerlei Veranlassung, dass die privaten Vermögen – egal welcher Höhe – der Allgemeinheit zugute kommen. Das können Sie niemandem, der betroffen ist, rationell erklären.
    Das fördert die Abwanderung der Vermögen.
    Das ist, sorry, vollkommene Enteignung, post mortem. Zweifellos.

    Es wird immer Unterschiede im Vermögen geben, sei es materiell oder immateriell. Das wird kein Mensch der Erde jemals ändern können.

  7. @ Realist
    VIelleicht zu ihrem anderen Argument: Wenn ein Erbe keinen Anreiz mehr hat zu rabeiten, dann wird dieser Arbeitsplatz für jemanden frei gehalten, der tatsächlichen diesen benötigt. Und diue Erben beschäftigen sich fortan, das gerebte Geld auszugeben und irgendwelche überflüssigen Güter zu konsumieren. Ist das schlecht? Nein, ganz im Gegenteil. es ist nur sozialverträglich, wenn diejenigen, welche ein gewisses Vermögen haben, nicht mehr arbeiten, um denjenigen, welche ein Einkommen brauchen, zur Verfügung stellen. Sie erkennen den Effekt.

    Ihr Kerngedanke ist jedoch klar verständlich. Dmenach müssen Sie aber tiefer ansetzen, nämlich bereits bei der Anhäufung von Vermögen. Es wäre nciht richtig, nun im Nachtrag Privatvermögen in die Gesellschaft zu transferieren. Der Staat (Politik) muss es sich zur Aufgabe machen, dass die sozialen Ungleichgewichte, bereits bei der schulischen Chancengleichheit, gewährleistet ist. Dass also, egal aus welchem Hause jemand stammt, die Chance gleich sind. Mindestens objektiv. Das Gesetz bietet keine Antworten, sondern verbindliche Regeln, die JEDER einzuhalten hat.
    Weil es aber im Berufsleben immer um Beziehungen gehen wird, und weil sich Gleiches gerne mit Gleichem gesellt, haben Kinder vermögender Eltern (wie schon immer) andere Chancen. Dies ist jeodch sicherlich kein Freibrief bzw. Garant. Aber Geld wird immer bei der Chancengleichheit eine Rolle spielen – das kann man nicht ändern. Jedenfalls nicht in einer Demokratie.

    @ Surp
    Würde voraussetzen, dass die Erben gelernt haben, dass Geld nicht auf Bäumen wächst und dass für manche 5 Euro eine Menge Geld ist. Das ist eine Frage der elterlichen Erziehung. Es gibt viele positive aber genau soviele negative Beispiele. Die Medien zeigen gerne die wild konsumierenden und hemmungsloses Yuppis. das ist aber nciht die Wirklichkeit – genausowenig wie dass alle Hartz IV Empfänger faul sind und ein Alkoholproblem haben und auf Mallorce leben. Das ist ebenfalls ein gern zitiertes Bild der Medien. Aber vollkommen überzogen.
    Sie haben recht.

  8. @ Realist

    Mir würde es reichen, wenn man die Armut beseitig. Wie gesagt jeder Bürger sollte ein weit über dem Existenzminimum liegendes Einkommen beziehen, ohne Verpflichtung, das nicht über den Faktor Arbeit direkt finanziert wird. Da Arme nur Arbeit haben um dieses zu verbessern. Ich habe nichts gegen Reichtum, dafür muss man aber keine Erbschaftssteuer oder Vermögenssteuer (allein die Berechnug der Bemessungsgrundlage und die Überwachung ist reine Verschwendung von Ressourcen) einführen, da gibt es elegantere Methoden.
    Zum Beispiel Konsum- und Finanztransaktionsteuern, diese Steuern belasten jeden nach seiner Leistungsfähigkeit. Sie ändern aber nicht die Vermögensverteilung, da haben sie schon Recht, ich halte dies auch nicht für unbedingt notwendig.

    Mich stört, dass Erben glauben sie hätten sich das Erbe verdient, das ist nur durch unser Rechtssystem begründet, sonst in keisterweise und unsere Rechtssystem schützt “sonderbarerweise” immer die Vermögenden.

  9. @Markus
    “Es wäre nciht richtig, nun im Nachtrag Privatvermögen in die Gesellschaft zu transferieren.”

    Der gleiche Staat (Gesellschaft) dem du dies absprichst schützt dieses Vermögen.

    @Surp

    “Mich stört, dass Erben glauben sie hätten sich das Erbe verdient, das ist nur durch unser Rechtssystem begründet, sonst in keisterweise und unsere Rechtssystem schützt “sonderbarerweise” immer die Vermögenden.”

    Das bringt es auf den Punkt. Nur weil die Gesellschaft ein Erbe zulässt gibt es dieses überhaupt erst.

  10. “Nur weil die Gesellschaft ein Erbe zulässt gibt es dieses überhaupt erst.”

    Ist das eine Neid Diskussion? Wer viel hat muss viel geben?

  11. @ Markus

    Bitte, erben hat nichts mit Leistung zu tun, daher ist es doch keine Neiddiskussion.

    Erben ist ungerecht, zumindest in einer Leistungsgesellschaft, aber trotzdem gönne ich Erben ihr unverdientes Vermögen, sie müssen sich in meinen Augen nur darüber bewußt sein, dass es unverdient ist und sie einfach nur Glück gehabt haben, das fehlt mir.

  12. Das rezensierte/kommentierte Buch befasst ja mit Reichen aus der Schweiz, da werden ja auch die verschiedensten Einkommensarten mit Sozialabgaben belegt, nicht nur wie in D das Einkommen als abhängig Beschäftigter.

    Andererseits gilt wohl auch hier ein Zitat von Goethe:
    “Was du ererbt von deinen Vätern hast, // erwirb es, um es zu besitzen. // Was man nicht nützt, ist eine schwere Last; // Nur was der Augenblick erschafft, das kann er nützen.” – Faust I, Vers 682 ff. / Faust (zitiert aus de.wikiquote.org)
    Ich habe keinerlei Problem damit, wenn Menschen reich sind, die dafür gearbeitet haben oder mit ihrem Reichtum im staatsbürgerlich moralischen Kontext arbeiten, d.h. wenn der Reichtum das Betriebsvermögen ist, das im Wirtschaftskreislauf arbeitet. Das Problem sind doch die Reichen, die auf Bergen von Geld und Sachwerten sitzen, diese ziemlich risikolos beleihen, von staatlichen Niedrigzinsen profitieren, die Steuern auf den britischen Caymaninseln entrichten (lol) und mit dem geliehenen Geld in Rohstoffen spekulieren, so dass ich diesen verkommenen Subjekten via überhöhten Preisen und den Steuern darauf das auch noch finanzieren darf.
    Hier muss die Frage erlaubt sein, wo ist der Ursprung des Vermögens ?
    Da wird man in Old Europe sehr oft auf Beschaffungsarten für den Reichtum stoßen, die mit Raub, Mord, Plünderung, Sklaverei und Kriegsverbrechen noch nett umschrieben sind. Der alte Adel z.B., im Ursprung waren das doch die größten Räuber, die sich gegenüber den anderen Nachbarn am besten durchsetzten konnten und dafür vom Fürsten ein Lehen bekamen… usw. die Details sind den gängigen historischen Werken zu entnehmen.
    Es ist in Deuschland leider versäumt worden, dort einmal aufzuräumen, was die weitere Geltung bestimmter Privilegien und die Nutzung unrechtmässig erworbener Vermögenwerte betraf hätte man wenn schon nicht 1949, so doch wenigsten 1991 mal einen Schnitt machen können.

    Mfg

  13. “Superreiche helfen zielgerichtet”

    Vielen Dank ihr Superreichen!

    Stellen wir uns eine Situation im Krieg vor.Es ist Nacht. Zwei Passagierschiffe fahren aneinander vorbei. In dem Moment wird eines der beiden Schiffe torpediert und sinkt sofort.
    Ein Superreicher hilfsbereiter Mann an Bord des anderen Schiffes hat die einzige Taschenlampe an Bord. Er leuchtet ins dunkle. Diejenigen auf die der Lichtkegel fällt werden gesehen und man kann sie retten. Die anderen ertrinken.Für die Geretteten ist er der Held der Stunde.
    Es stellt sich heraus das die Fabriken in der das U-Boot und der Torpedo hergestellt wurden eben diesem Superreichen gehörten.
    Für diejenigen die es bis jetzt nicht begriffen haben:
    Was ist schon eben jene Hilfe wert die nur die im Lichtkegel(Zielgerichtet) retten Konnte wenn man bedenkt das eben jener Superreiche das Unglück maßgeblich verursacht hat?
    In die Gegenwart zurück fällt die Maske der Wohltätigkeit der Reichen wenn man fragt woher ihr vieles Geld kommt.

  14. Interessant wie viele hier mit grünem Gesicht herumschreiben….

    Es ist also gerecht wenn ich aussehe wie Adonis und Geld mit meinem Aussehen schaufele? Es ist gerecht wenn ich als Politiker ein Leben wie die Made im Speck führe und allen anderen noch nicht einmal die Brotkrumen lassen.

    Und offensichtlich ist es auch gut, wenn die Menschen nicht sparen sondern alles auf den Kopf hauen. Und es ist wirklich entmutigend zu lesen wie einem Staat hier etwas gutes zugetraut wird.

    Nur mal ganz grob zur Orientierung. Wer setzt Zwangsabgaben fest? Und wer hat die höchsten Schulden?

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Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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