Das höchste Ziel des Kapitals ist nicht, Geld zu verdienen, sondern der Einsatz von Geld zur Verbesserung des Lebens. Henry Ford, 1863-1947, US-amerikanischer Unternehmer

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Arbeit für alle

Am deutschen Arbeitsmarkt ereignet sich Historisches. Erstmals seit Jahrzehnten ist die Zahl der Arbeitslosen zwischen 2005 und 2010 um gut zwei Millionen zurückgegangen. Auch Problemgruppen haben von dieser Entwicklung erheblich profitiert, allen voran Ältere und Langzeitarbeitslose. Dabei ist die derzeitige Erholung noch lange nicht abgeschlossen, denn das gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau hat den Stand vor der Weltfinanzkrise noch nicht erreicht. Sicherlich haben auch die moderaten Lohnabschlüsse und die betriebliche Flexibilität diese positive Entwicklung befördert. Und auch die Hartz-IV-Reformen haben endlich ihre Wirkung entfaltet.

Im Kern sind aber zwei zentrale Gründe für diesen Trend verantwortlich: die Entwicklung der Demographie und die Renaissance der Industrie. Diese gilt es zu nutzen. Wer als Arbeitgeber weiß, dass die Anzahl der jungen Lehrlinge drastisch sinken wird, der klebt an den Älteren und stellt sogar Arbeitslose ein, die bisher als „nicht integrierbar“ galten. Vielleicht lassen sie sich doch motivieren und qualifizieren, wenn es denn sein muss auf Kosten der Unternehmen selbst. Genau dies muss im Zentrum einer neuen Arbeitsmarktpolitik stehen: Mobilisierung und Motivation der menschlichen Arbeitskraft.

Deutschland hat eine historische Chance auf eine Phase nachhaltigen Wachstums in der die Massenarbeitslosigkeit dauerhaft überwunden werden könnte. Um dieses Ziel zu erreichen, muss aber eine neue Arbeitsmarktpolitik verfolgen. Das heißt: Verlängerung der Lebensarbeitszeit, bessere Bildung, wirtschaftlich sinnvolle Zuwanderung und Tarifstrukturen, die den neuen Knappheiten Rechnung tragen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, zumindest auf längere Sicht.


Ursprung dieses Blogbeitrages ist ein Namensartikel im Handelsblatt.

  • Autor

    Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué

    ist Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Ich schaue mir lieber die aufgeschlüsselten Daten an. Dort sieht man, dass nur 300 tausend Vollzeitstellen geschaffen wurden zwischen 2005 und 2010. Die restlichen Stellen sind Teilzeitstellen. Dies sieht man auch an der durchschnittlichen Arbeitszeit. Sie ist gesunken. Auch das Gesamtvolumen der Stunden ist gesunken. Von Arbeitsmarktwunder kann da nicht die Rede sein. Aus einer Stelle wurden einfach zwei gemacht.

    http://doku.iab.de/grauepap/2011/tab-az10.pdf

  • Surp

    Ich sehe den viel gerühmten Aufschwung XXL nicht und ich arbeite täglich mit Arbeitslosen zusammen.

    Das einzige was ich sehe, ist eine sinkende Kaufkraft bei den Bürgern und viele prekäre Arbeitsverhältnisse sowie sehr gut bezahlte kontraproduktive Arbeitsplätze.

    Was man aber schon sagen kann es ist nicht so schlimm wie es prognostiziert wurde, aber das als Erfolg zu feiern halte ich für fragwürdig.

    Chriwi trifft den Nagel auf den Kopf.

  • Markus

    Stimme euch voll zu.

    Wil auf eines aufmerksam machen: Die Poltik ermöglicht in Kürze die Beschäftigung von Lohndumpern. Nal sehen, ob ann der Autor immer noch seine Blümchen malt…

  • wo bitte schön soll die Arb.-losigkeit gesunken sein? Jeder weiß doch, daß die Statistiken gefälscht werden.

  • Wie soll den Die Arbeitslosigkeit weniger werden??
    Man Lebt von Harz4 also auf dem Existenz Minimum, und verdient nichts mehr man kommt vom Harz4 überhaupt nicht weg.Es wehren viel weniger Arbeitslos wenn sich mal einer um den Stundenlohn kümmern würde,und seine Familie selber ernähren könnte aber das geht ja in Deutschland nicht