Bald müssen die Arbeitgeber streiken, um sich vor Ausbeutung durch maßlos gewordene Gewerkschaftsführer zu schützen, die wider besseres Wissen Arbeitnehmer zum "Tanz auf dem Vulkan" verführen! Joachim Bullermann, *1943, deutscher Verkaufs- und Managementtrainer, Marketingberater

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Glück durch Umverteilung?

In Großbritannien hat das Buch eingeschlagen wie eine Bombe. Auf der Linken erreichte es innerhalb kürzester Zeit Kultstatus, doch auch viele Konservative – allen voran Premierminister David Cameron –  wollten nicht außen vor bleiben und sparten nicht mit Lob. Nun schwappt die Woge der Begeisterung für Richard Wilkinsons und Kate Picketts „The Spirit Level“ (deutscher Titel: „Gleichheit ist Glück“) auch nach Deutschland hinüber.

Die These des Buches ist schnell zusammengefasst: Ungleichheit macht Gesellschaften krank. Psychisch wie physisch. Ganze vierzig Streudiagramme sollen illustrieren: Je weiter der Abstand zwischen Arm und Reich in einem Land, desto schlechter seien so gut wie alle sozialen Indikatoren. Die Regierungen der entwickelten Länder sollten daher vom Ziel des Wirtschaftswachstums abrücken, und den vorhandenen Wohlstand möglichst gleichmäßig verteilen. Eine Botschaft, die in Deutschland natürlich auf besonders fruchtbaren Boden fällt.

Dabei kann „The Spirit Level“ inzwischen als weitgehend widerlegt gelten. Der Publizist Christopher Snowdon etwa zeigt in „The Spirit Level Delusion“, dass Wilkinson und Pickett in mehrerlei Hinsicht Rosinenpickerei betrieben haben. So haben sie beispielsweise einige Länder, die nicht ins gewünschte Bild passen, einfach unter den Teppich gekehrt. Snowdon demonstriert, dass unter Verwendung eines etwas größeren Datensatzes die meisten der sorgfältig zurechtgebastelten Korrelationen in sich zusammenfallen. Auch kommt es stark darauf an, welche sozialen Indikatoren man auswählt. Wilkinson und Pickett haben nur diejenigen einfließen lassen, die ihre These zu bestätigen scheinen, ohne zu erwähnen, dass viele andere einen völlig anderen Eindruck vermitteln.

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Der Soziologe Peter Saunders hat sich dem Buch mit einer anderen Methodik genähert, kam aber zum gleichen Ergebnis wie Snowdon. In „Beware False Prophets“ zeigt er, dass viele der Spirit-Level-Korrelationen durch wenige, manchmal nur durch einen einzigen Ausreißer zustande kommen. Nimmt man diesen heraus, bleibt nichts als eine formlose Punktwolke. Fügt man gar Kontrollvariablen ein, dann erledigt sich das ganze ohnehin.

Was ist also so schlimm an Ungleichheit? Wilkinson und Pickett haben eine Erklärung parat, die die vielen Streudiagramme zu einem in sich stimmigen Gesamtbild verschmelzen sollen. Sie behaupten, in ungleicheren Gesellschaften würde der Statuswettbewerb ausgeprägter, die gesellschaftlichen Hierarchien steiler, und die soziale Schichtung rigider. Ungleichere Gesellschaften seien daher rücksichtsloser, kälter und rauer als gleichere. Vermutlich ist es aber genau diese wenig plausible Gleichsetzung von „Einkommen“ und „Status“, die die Thesen der Spirit Leveller so brüchig machen. Ist etwa Japan, wo die Einkommensungleichheit gering ist, tatsächlich eine weniger stratifizierte Gesellschaft als die USA? War die DDR weniger hierarchisch als die BRD? War das steife Großbritannien der fünfziger Jahre weniger statusbetont als das moderne „Cool Britannia“?

Wohl kaum. Und so erweist sich eine Formel für das staatlich gelenkte Glück beim näheren Hinsehen als Chimäre. Wie schon so oft.


Kristian Niemietz ist derzeit Mphil/PhD Student  in  Public  Policy  am  King’s  College  London und arbeitet als Poverty  Research  Fellow  beim  Institute  of  Economic  Affairs in London.

  • Autor

    Kristian Niemietz

    ist derzeit Mphil/PhD Student in Public Policy am King?s College London und arbeitet als Poverty Research Fellow beim Institute of Economic Affairs in London.

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  • Surp

    Sehr geehrter Herr Niemitz,

    niemand kritisiert Ungleicheit, die größe der Schere macht den Unetrschied.

    Außerdem muss man noch in Betracht ziehen wodurch diese Ungleichehit entsteht, da liegt doch die Wurzel allen Übels, da dies fast nichts mit Leistung zu tun hat.

    In einer Gesellschaft, die behauptet es hätte mit Leistung zu tun, ist das natürlich katatrophal.

    Wer A sagt muss also auch B sagen, das fehlt mir in ihrem Artikel. Ansonsten kann man jede Statistik etc. auseinander nehmen, daher sind sie auch oft so sinnlos.

  • Surp,

    Wilkinson und Pickett kritisieren sehr wohl Ungleichheit per se, unabhaengig davon, wie sie entsteht. Seitenzahl liefere ich bei Bedarf gerne nach. Was die Autoren nicht behaupten, ist, das Ungleichheit moralisch falsch sei, oder dass ihr Zustandekommen nicht auf Leistungsunterschieden basiere. Sie behaupten stattdessen, dass Ungleichheit soziale und gesundheitliche Probleme schaffe.

  • Tim

    Gegen Ungleichheit an sich ist überhaupt nichts einzuwenden. Problematisch ist nur, wenn die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse (wie in Deutschland) von Generation zu Generation vererbt wird, weil das Bildungssystem soziale Schwächeren keine Chance gibt. Das deutsche Bildungssystem vom Kindergarten bis zum Schulabschluß ist eine Schande.

  • Markus

    Gibt es einen Staat, eine Wirtschaft, eine System, indem wirklich alle gleich sind? Ein System, indem es weder Hierchien noch Einkommensunterschiede gibt?

    Setzt 2 Gedanken voraus: Ich muss das Vermögen deckeln und ich muss so manche nach oben bringen, welche es aus eigener Kraft nicht schaffen. Ok, wo ist der Anreiz für die erste Gruppe, die bestmögliche Leistung abzuliefern, und wo ist der Anreiz der zweiten Gruppe, sich wirklich zu engagieren (mit dem Hintergedanke, dass die Gesellschaft für meine Makel aufkommt)?
    Lernt man nciht in den ersten Semestern der Ökonomie die Theorien des Moral Hazard und der Adversen Selektion? Vor Allem Letzteres würde mindestens theoretisch dazu führen, dass sich faktisch niemand mehr ernsthaft bemüht, wirkliches Engagement zu zeigen, auch wesentlich mehr zu arbeiten und zu leisten, mehr zu riskieren und mehr Eigenkapital in ein Start-Up zu investieren. Ich erkenne eich solche totalitäre Gleichstellung als Erstickung jeglicher persönlicher, monetärer und materieller Anreize an.
    Das erinnert mich irgendwie an die üblichen Vorurteile des Beamtenstatus.

    Surp bringts auf den Punkt: nicht die Schere seblst, sondern die Weite des Unterschieds ist das Problem. Damit halte ich solche Thesen des Autors eher für unrealistitisch. Und für all jene interessant, welche in meiner Kausalität eben nach oben gebracht werden. Adverse Selektion.

  • Eric

    Was mich am meisten erstaunt, ist die “Neuheit” mit der hier angepriesen wird.

    Ich habe das Buch schon vor vielen Monaten gelesen, und schon da war es nicht mehr neu. Ich hab auch die Gegendarstellungen der Autoren zu den erwähnten Kritikpunkten gelesen. Für mich klangen die Widerlegungen der Vorwürfe allesamt recht schlüssig.
    Allein schon, dass für viele Zusammenhänge auch Grafiken für sämtliche US-Bundesstaaten geliefert werden, macht den Vorwurf der “Selektion” zahnlos.

    Und natürlich hat jedes Land eine gewisse Ungleichheit. Aber wie surp schon schrieb, auch in der Ungleichheit der Volkswirtschaften gibt es Ungleichheiten.

    Wer immer noch der klassischen ökonomischen Theorie anhängt, dass das menschliche Individium nur für den größtmöglichen Nutzen überhaupt eine Leistung erbringt, der kann z.B. “Mythos Motivation” von Rainhard K. Sprenger lesen, oder einfach mal schauen, welche großartigen Dinge Menschen im Ehrenamt oder auch nur fürs Hobby vollbringen.

  • Markus

    @ Eric
    Dann muss man aber auch klar sagen, dass viele ehrenamtliche Helfer aufgeben, weil wir (die Gesellschaft) als auch der Staat dies oft mit Füße treten und als selbstverständlich voraussetzen. Die Klagen – wenn die Tätigkeit aufgegeben wird – ist sehr groß. Aber Eigeninitiative oft schon zuviel verlangt. Die Anderen machens ja schon…das ist meine jahrelange Erfahrung in Vereinen. Man fragt sich sehr oft: “Wofür eigentlich…?” Gründen Sie mal einen Verein und schauen Sie sich die Gesetze an. Man steht mit einem Fus schon in´m Gefängnis, so stark sind die ANforderungen und Restriktionen. Vom Verwaltungsaufwand ganz abgesehen. Und ein Vorstand hat die Verantwortung, und zwar voll – wie ein Geschäftsführer. Und das im Ehrenamt…

    Wir müssen hier klar unterscheiden zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation (hab ichs richtig geschrieben?). Beim Ehrenamt erwartet der Helfer niemals eine monetäre Auszahlung, im gegensatz zur regulären Arbeit. Diese würde kaum einer vollziehen, wenn kein Einkommen gegenüberstehen würde. Also, hier nciht Äpfel mit Birnen gleichsetzen. Und auch Bedenken: Die Ausnahme bestätigt die Regel ;-)
    Der eigene, maximale Nutzen steht m.E. bei 85% im Vordergrund – bewusst oder unbewusst. Loyalität und Freundschaft hört bekanntlich beim Geld auf.

  • Herr Niemetz, der Hinweis auf Ihre Tätigkeit am Ende dieses Eintrags hat mich überrascht.
    Sie sind Poverty Research Fellow? Und dabei auf diesem Gebiet Ihren Doktor zu machen? Und dann fragen Sie: “Was ist so schlimm an Ungleichheit”? … und schauen nur auf ein paar Länder, die für Sie offenbar den Nabel der Welt darstellen? Sie bemühen den aus vielerlei Gründen unsinnigen DDR-BRD Vergleich (in der DDR waren bekanntlich einige viel gleicher als die anderen wobei in Sachen Grundsicherung dort eben nicht alles im Argen lag. )
    Bitte, bevor Sie Ihren Doktor abschließen, reisen Sie für Ihre Studien mal nach Mexiko, nach Indien, nach Brasilien – oder vielleicht mal für ein paar Wochen in einen Hartz IV Haushalt, bemühen Sie sich einfach, sich nicht nur unter Ihresgleichen aufzuhalten.
    Mit freundlichen Grüßen

  • Frau Helfrich,
    ich halte es fuer ein Problem, dass es in Mexiko, Brasilien, Indien usw. vielen Leuten schlecht geht. Sie halten es offenbar fuer ein Problem, dass es dort ein paar Leuten sehr gut geht. Ihr Problem liesse sich leicht loesen: Die oberen 10% des Landes verweisen, und schon sinkt der Gini-Koeffizient.
    Dadurch werden die Wellblechhuetten in den Slums allerdings auch nicht komfortabler.
    Ansonsten: Wie Sie vielleicht bemerkt haben, handelt mein Beitrag von dem Buch “The Spirit Level”, und in diesem geht es ausschliesslich um entwickelte Laender, nicht um Schwellenlaender. Die Laenderauswahl habe also nicht ich getroffen. Noch nicht einmal der Vergleich DDR-BRD, der Sie offenbar besonders in Rage gebracht hat, stammt von mir. Den habe ich lediglich dem Buch entnommen. Ich leite Ihre Beschwerde allerdings gerne an die Autoren weiter.

  • Linsel

    Autor Kris
    ich halte es fuer ein Problem, dass es in Mexiko, Brasilien, Indien usw. vielen Leuten schlecht geht. Sie halten es offenbar fuer ein Problem, dass es dort ein paar Leuten sehr gut geht. Ihr Problem liesse sich leicht loesen: Die oberen 10% des Landes verweisen, und schon sinkt der Gini-Koeffizient.

    Ich halte es keineswegs nur für ein “Problem” das es vielen Leuten in genannten Ländern schlecht geht.
    Ich halte es für eine Schande . Für Menschen mit Verstand und Gewissen für nicht mehr hinnehmbar! Keinen Tag ,Keine Stunde ,keine Minute, keine Sekunde !Ihr Beispielloser Zynismus mit dem Sie das “Problem” lösen würden zeigt welche Geisteshaltung Sie vertreten. Die Menschen empinden sich also nur als arm weil 10% so reich sind? Eine Veränderung der Statistik und die Armen sind nicht mehr so arm.
    In Ländern mit der schlimmsten Armut sind die Reichen noch reicher als hier.
    Das hat auch eine Ursache. Die Reichen haben diese Armut verursacht!So zu tun als hätte das eine nichts mit dem andern zu tun sollten Sie mal den Eltern eines gerade gestorbenen Kindes erzählen die sich ein dringend benötigtes Medikament nicht leisten konnten,da sie in einer dieser Fabriken der Reichen arbeiteten. Ja und ich halte es nicht nur für ein Problem ,das es 10 % der Bevölkerung eben so gut geht während viele schlichtweg verrecken. Auch wenn die Ungleichheit bei uns in den “entwickelten” Ländern noch nicht so groß ist so entsteht Armut hier wie dort auf die gleiche Weise. Man kann Länder und Regionen nicht isoliert betrachten. Macht man das, sind die Ergebnisse nichts wert. Und wir leben alle in einer Welt.

  • Linsel, wenn es den Ausdruck “fremdschaemen” nicht schon gaebe, dann muesste man ihn fuer Sie erfinden.

  • Linsel

    @ Kris

    wie geistreich!

  • @Kris
    “Mexiko, Brasilien, Indien usw.”
    Die Liste ließe sich noch erweitern. Schauen sie sich bitte an wie die führende Elite zu ihrem Geld gekommen ist. Viele von ihnen sind über die Privatisierung staatlicher Unternehmen zu Geld gekommen. Durch die Erhöhung der Preise und der Arbeitslosigkeit sind ettliche Menschen in die Armut getrieben worden. Gute Beispiele, dass mehr Gleichheit durchaus mehr Wohlstand bedeuten kann sieht man an den skandinavischen Ländern. Ungleichheit ist sicherlich wichtig. Die Frage ist bis zu welchem Maß ist sie das. Es gibt heute in Deutschland ettliche Menschen, welche außerhalb der Gesellschaft stehen. Private Schulen, private Universitäten und dann über Beziehungen bekommen sie gutbezahlte private Spitzenpositionen. Das ist ermöglicht durch zu viel Ungleichheit. Diejenigen die etwas Besitzen sind auch diejenigen, welche die anderen führen und die erfolgreich sind (Das Beispiel Guttenberg ist sehr aktuell. Mittelmäßiger Student, nie wirklich etwas geleistet, aber Beziehungen). Ungleichheit ist also in meinen Augen so lange gut, so lange man eine reelle Chance hat die Spitze zu erreichen. Das ist in Deutschland faktisch nicht gegeben.

  • Surp

    @ Chriwi

    Danke schön beschrieben.

    Erfolg hat in vielen Ländern eben nichts mit Leistung zu tun, sondern beruht allein auf Korruption oder welche freundlicheren Wörter man dafür finden möchte. Dem sollten wir langsam in Deutschland Rechnugn tragen.

    @ Kris

    relative Armut ist etwas womit sich Trottel aufhalten sollten, deutlich genug (bezog sich auf das mit den oberen 10%)?

    Woher wollen sie wissen, wie stark der Einfluss des Ungerechtigkeitsgefühls sich auswirkt, haben sie dazu auch schon eine sinnlose Erhebung gemacht. Sie müssen bedenken, dass oft beiden Seiten bewußt ist wie diese entstanden ist, wir leben nicht mehr im Mittelalter. Daher sehe ich die Auswirkungen ähnlich wie die Autoren.

    Wie gesagt, dass Leistung lohnt ist in westlichen Industrienationen zu über 95% eine Illussion, das merken Menschen immer stärker. Was wir Leistung nennen ist einfach nur gekauft, das kann also jeder der genug Geld hat bzw. in extremerer Form über die entsprechenden Seilschaften verfügt.

  • Chriwi,

    na gut, in einem sind wir uns ja einig: Es kommt darauf an, WIE die Einkommensverteilung zustande kommt. Darauf, ob man durch Korruption und Vetternwirtschaft reich wird, oder durch gute Ideen, Talent und meinetwegen Glueck.

    Aber genau darum geht es in dem oben besprochenen Buch NICHT. Da zaehlt nur die Einkommensverteilung als solche.

    Beim Thema Skandinavien waere ich vorsichtiger. Siehe hier: http://pileusblog.wordpress.com/2011/02/10/fox-news-sweden-and-the-left/

  • Johannes

    @ Author:
    1. Rosinenpickerei? Denken Sie es macht Sinn, für eine Statistik über den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Ungleichheit afrikanische Länder in die Statistik einzubeziehen?

    2. Kontrollvariablen: Ist irgendwo genau beschrieben welche Daten für welche Regressionen benützt wurden? Ich würde nämlich gerne ein paar Kontrollvariablen einführen, die das ganze noch eindeutiger machen. ;) Aber das wäre dann natürlich wieder willkürliche Rosenpickerei.

    3. Es wundert mich nicht, dass man bei so komplexen Zusammenhang kein eindeutiges Ergebnis finden kann. Anderst rum gefragt würde ich aber argumentieren, warum man extreme Ungleichverteilung akzeptieren sollte, wenn es doch offensichtlich keinen Vorteil für die Gesellschaft bringt?

  • @Kris
    “Darauf, ob man durch Korruption und Vetternwirtschaft reich wird, oder durch gute Ideen, Talent und meinetwegen Glueck.”

    Sie haben Privatisierungen vergessen. Gerade in diesem Bereich werden häufig unter Wert Unternehmen verkauft. Dabei gibt es sehr häufig Minderheiten die kräftig verdienen. Privatisierungen in Russland in den 90er Jahren, Privatisierung der DDR, Lateinamerika in den 70ern, Privatisierung des Militärs aktuell in den USA. Die Kosten sind meist viel höher als der Gewinn eines Nutzens. Getarnt wird das ganze hinter dem Friedmannschen Theoriegebäude. Man hat also eine “wissenschaftliche” Begründung für Senkung des Lebensstandards.

  • Johannes,

    “Denken Sie es macht Sinn, für eine Statistik über den
    Zusammenhang zwischen Übergewicht und Ungleichheit
    afrikanische Länder in die Statistik einzubeziehen?”
    Nein, das Kriterium, nur entwickelte Laender einzubeziehen ist voellig in Ordnung. Snowdon macht das nicht anders. Rosinenpickerei ist es, wenn man den eigenen vordefinierten Kriterien nicht folgt. Wenn man “wohlhabend” als “mindestens das BSP von Portugal” definiert, wie es W&P offenbar tun, dann muss man auch die Tschechische Republik, Ungarn, Slowenien, Suedkorea, Singapur, Hongkong und Taiwan mit einbeziehen. Auf die trifft das Kriterium auch zu. Oder man waehlt das Zusatzkriterium “nur Westeuropa und Nordamerika”, das waere OK – dann darf man aber nicht Japan als Paradebeispiel praesentieren. W&P drehen und wenden sich ihre Kriterien, wie es ihnen am besten passt. Selbst bei der Auswahl des Jahres.

    “Kontrollvariablen: Ist irgendwo genau beschrieben
    welche Daten für welche Regressionen benützt wurden?”
    Ja: Peter Saunders, ‘Beware false prophets’, London: Policy Exchange.

    “Ich würde nämlich gerne ein paar Kontrollvariablen einführen,
    die das ganze noch eindeutiger machen. ;) Aber das wäre dann
    natürlich wieder willkürliche Rosenpickerei.”
    Wenn sie das Ergebnis schon so genau kennen, warum wollen Sie sich dann Arbeit machen?

    “Anderst rum gefragt würde ich aber argumentieren, warum man
    extreme Ungleichverteilung akzeptieren sollte, wenn es doch
    offensichtlich keinen Vorteil für die Gesellschaft bringt?”
    Ihre Standardannahme ist also, dass der Staat auf das Eigentum eines jeden nach Belieben zugreifen darf, und dass Ausnahmen von dieser Regel begruendungsbeduerftig sind. Ich dagegen halte die Privatautonomie fuer die Default-Option, und das Abweichen davon fuer begruendungsbeduerftig.