Nicht alle Reformen kosten Geld, und nicht alles, was Geld kostet, ist deshalb schon eine Reform. Helmut Schmidt, 1918-2015, dt. Politiker

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Studiengebühren adé

Beim Bildungsstreik 2010 demonstrierten zahlreiche Studenten für die Abschaffung der Studiengebühren. Auch Bei der Wahl in Hamburg war dieses Thema ein zentraler Punkt im Wahlprogramm der SPD, die dort die absolute Mehrheit holte.

Aber ist die Abschaffung der Studiengebühren wirklich im Sinne der Allgemeinheit? Mit dieser Frage setzt sich Marc Beise, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, kritisch in seinem Videoblog auseinander.

  • Die Logik von Marc Beise ist schon merkwürdig. Er sagt zu Recht, dass Kindergärten etwas Kosten, das Studium aber kostenlos ist. Dies sei nicht gerecht. Anstatt nun kostenlose Kindergärten (Frühförderung, etc.) zu fordern, sollen lieber die Studenten zahlen. Frei nach dem Motto wenn einer krank und einer gesund ist, dann stecken wir den Gesunden an, damit es beiden gleich schlecht geht. Das Argument der Bezahlung widerlegt er selbst. Wenn man als Akademiker hinterher so viel mehr verdient, dann zahlt man auch mehr Steuern und stellt somit eine Investition des Staates dar. Ist dies nicht der Fall, dann ist die Investitionssicht des Herrn Beise falsch. Wenn ich später keine höhere Rendite erhalte, warum sollte ich dann als Privatperson investieren?
    Das Argument, dass 1000 Euro nicht viel Geld seien ist auch flach. Denn ein Student aus einem armen Haushalt muss auch seinen restlichen Unterhalt bezahlen. Dazu kommen noch die Gebühren. Wenn Herr Beise meint, dass ein Studium bezahlt gehört, dann kann er dem Staat ja nachträglich Geld überweisen.

  • Surp

    @ chriwi

    ich halte Studiengebühren für richtig, da ein kostenloses Studium eine Subvention von Arm zu Reich ist. Der Großteil der Studenten kommt aus bessergestellten Haushalten.

    Der Sozialtransfer muss ein andere Stelle erfolgen.

  • Markus

    Im Grundstz gebe ich Herr Beise durchaus recht. ABER:
    Ich sehe das wesentlich kritischer: Natürlich stellen die 500 Euro eine Schranke dar. Klar gibt es Finanzierungsmöglichkeiten – aber sind diese auch realistisch? Sucht mal einen Job für Zwischendurch. Da siehts recht schwach aus. Und dann? Kein Job kein Studium? Mama fragen? Wenn nichts da ist? Ist es zweckmäßig, einen Studenten mit Schulden in Form eines Kredits ins Berufsleben zu lassen? Welch Motivation. Ich nenns Selektion.

    Meine These wäre folgende: Anstelle der Vorleistung des Studenten durch die Gebühren, hat der Staat die Aufgabe, die Bildung für jeden zu ermöglichen. Ergo: Keine Studiengebühren. Infolge dessen muss jedoch der Staat die Vorleistung geben – nämlich genau diese Finanzierung. Warum wird dann nicht einfach bei jedem ausgebildeten Akademiker bei erlangen eines Berufs mit einem Gehalt von zB 3000 Euro brutto diese staatiche Vorleistung in Form von einer Zusatzsteuer wieder zurückverlangt? Die 500 Euro pro Semester bleiben faktisch erhalten. Der Staat vergibt den zinsfreien Kredit.
    Das hat 2 Vorteile: Jeder kann studieren und niemand muss sich verschulden. Die Gebühren werden nachträglich abverlangt wenn ein entsprechender Beruf (Einkommensklasse) erzielt wird. D.h., erst wenn der Student tatsächlich von seinem Studium in Form eines “besseren” Berufs profitiert.

    Nachteil: Jeder kann studieren – egal mit welcher persönlichen Motivation bzw. Erfolgsaussicht und schiebt die nachgelagerten Gebühren ggf. lebenslang vor sich her.

    So wäre eine Alternative, welche vielleicht auch einmal zu diskutieren wäre. nicht perfekt, m.E. jedoch die Bessere, weil fair!

    Und – was hat ein Studium mit einem Kaffee oder Kindergarten zu tun? In der Praxis doch wohl wirklich gar nichts! Dann müssten wird in der Logik zB auch alle Strassen mit Maut versehen. Und vieles Weitere natürlich….Denn was kostenlos ist kann auch nix sein (selten einen solchen Quatsch von einem Wissenschaftler gehört. Das ist Stammtisch oder Bildzeitung, aber kein ernsthaftes Resümee eines Akademikers – dafür macht man eine solche Ausbildung doch).

  • @Surp
    In meinen Augen sollten alle Bildungsebenen kostenlos sein. Sicherlich studieren mehr Kinder aus wohlhabenden Familien. Daran wrüde sich auch mit Studiengebühren nichts ändern. Man würde den Kindern aus ärmeren Familien diesen Weg aber verbauen.

  • Surp

    @ chriwi

    nicht unbedingt indem man zum Beispiel das Bafög verändert etc., oder gleich ein BGE einführt.

  • @Surp

    Beim Bafög streiten sich die Politiker um jede noch so kleine Erhöhung und das ein Grundeinkommen mittelfristig kommt sehe ich auch nicht. Mit einem Grundeinkommen würde die Sache für mich auch anders aussehen, das gebe ich zu. Denn dann ist die Chancengleichheit gewahrt.

  • Surp

    @ chriwi

    wir leben in einer Gesellschaft in der die “Reichen” (oft ist es nur gefühlter Reihtum) alles bestimmen können, da die Abgehängten sich schuldig fühlen und weil wir immernoch glauben, dass dann extrem viel für die Anderen abfällt (die Entwicklung der letzten 20 Jahre widerlegt dies).

    Ich glaube wir werden am Ende dieses Jahrzehntes eine andere Welt vorfinden, die weit beser ist , als das was wir jetzt kennen. Wir leben in einem relativen Pradies, wir müssen dies nur endlich wahrnehmen und akzeptieren. dass jeder davon profitieren sollte.

    P.S.: In der gesamten menschlichen Geschichte war Mangel das Problem, wir leben in einem fast unfassbaren Überfluss, damit muss man erstmal zurechtkommen.

  • @Surp
    Ich gebe ihnen Recht. Das sich so bald an den Umständen etwas ändern wird glaube ich allerdings nicht. Viele Menschen glauben an die bunten Bilder der Medien. Nicht umsonst wurde ein Guttenberg von einigen verteidigt obwohl er ein Betrüger ist. Selbst nach der schlimmsten Wirtschaftskrise wurden keinerlei Änderungen vorgenommen. Wer reich und mächtig ist der versucht dies zu verteidigen (Maischmeier,etc.). Das sich in 10 Jahren daran etwas geändert haben soll glaube ich nicht. Aber es wäre ein Punkt in dem ich mich sehr gerne irre.

  • Surp

    @ chriwi

    ein Mensch wie Maschmeier ist nur gefühlt reich, dass meinte ich mit gefühltem Reichtum, wenn alles schiefeght besitzt er so gut wie nichts.

    Und ich möchte einmal sagen, dass ich glaube, dass er wirklich dachte er tut etwas sinnvolles und das meine ich sehr ernst.

    Zumindest hat er es geschafft die Sparkassen und Volksbanken aus ihren Dornröschenschlaf zu erwecken und gezeigt, dass jeder eine Finanzexperte sein kann. Für mich ist er ähnlich wie Guttenberg, der gezeigt hat wie lächerlich ein Doktortitel ist bzw. wie man ihn leicht bekommen kann.

    Wenn ich ehrlich bin mag ich diese Menschen, da sie extrem zeigen wie krank unsere Leistungsdefinition ist.

  • Markus

    @ Surp
    ganz am Rande…ich würde vom Fall Guttenberg nicht auf die Allgemeinheit schliessen. Und selbst beim Abschreiben gehört ein gewisses Geschick dazu. Auch das kann nicht jeder ;-)