INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Die FED muss auf die Bremse treten

Schon seit Jahren importiert die USA mehr Waren als sie exportiert. Die Folge: Ein massives Handelsbilanzdefizit. 840 Milliarden Dollar betrug dieses 2008 – also im Jahr vor der Weltwirtschaftskrise. Dabei besteht das größte Ungleichgewicht im bilateralen Handel mit China. Der Wert der von den Amerikanern aus dem Reich der Mitte importierten Waren lag 2008 um 268 Milliarden Dollar über dem Wert der dorthin exportierten Güter. Von den USA ertönt seit Jahren der Vorwurf, dass die chinesische Regierung ihre Währung künstlich niedrig halte und sich auf diese Weise Wettbewerbsvorteile im Exportgeschäft verschaffe.

Ganz von der Hand zu  weisen, ist dieser Vorwurf sicherlich nicht. Und China hat im vergangenen Sommer auch schon darauf reagiert. Die Landeswährung wurde maßvoll aufgewertet. Allerdings hat dies die Preise für chinesische Exportprodukte kaum beeinflusst. Was nicht zuletzt mit der begrenzten Fertigungstiefe der Güter zusammenhängt, die oft unter Einsatz von importierten Vorleistungen hergestellt werden. Aber auch ohne diese chinesischen Billigprodukte ist das Handelsbilanzdefizit der USA immens.

Insofern kann man das amerikanische Handels- und Leistungsbilanzdefizit nicht allein den Ländern anlasten, die mit den USA Handel treiben. Ein wesentlicher Grund für das große Minus in der Bilanz und die entsprechenden Kapitalflüsse ist die seit Jahren praktizierte expansive Geld- und Fiskalpolitik der USA. Die niedrigen Leitzinsen führten dazu, dass vor allem der Wohnungsbau und der private Konsum erheblich stiegen, und zwar in solchem Ausmaß, dass ausländische Finanziers benötigt wurden. Amerika hat über seine Verhältnisse gelebt. Eine weniger expansive Geld- und Fiskalpolitik der USA dürften helfen, das Ungleichgewicht zu reduzieren.

5 Kommentare zu “Die FED muss auf die Bremse treten”

  1. “Die niedrigen Leitzinsen führten dazu, dass vor allem der Wohnungsbau und der private Konsum erheblich stiegen, und zwar in solchem Ausmaß, dass ausländische Finanziers benötigt wurden. Amerika hat über seine Verhältnisse gelebt. Eine weniger expansive Geld- und Fiskalpolitik der USA dürften helfen, das Ungleichgewicht zu reduzieren.”

    Das ist richtig, dass die niedrigen Zinsen die Wirtschaft angekurbelt haben. Wenn das Ungleichgewicht zu groß wird, dann wird der Dollar abgewertet.
    Zumindest behaupten sie das der Markt dies macht.

    http://www.insm-oekonomenblog.de/allgemein/schuldendisziplin-der-markt-macht%E2%80%98s/

    Das führt automatisch dazu, dass das Ungleichgewicht abgebaut wird. Wieso sollte die FED dies durch Zinserhöhungen erzwingen wollen? Das würde die Währung nur stabilisieren und die Möglichkeiten die Exporte zu erhöhen erschweren. Wenn sie nun die FED auffordern ihre Zinsen zu ändern widersprechen sie ihrem Vertrauen in die Märkte.

  2. Johannes sagt:

    @ chriwi

    Die Märkte werden das schon bald regeln und die USA gar nicht mehr finanzieren. Das ist aber auch nicht nötig, weil die USA sich per FED “selbst” finanzieren ;-).

    Die USA brauchen die Märkte nicht mehr! Das ist da ganze Geheimnis! Sie machen es einfach selbst – Vorbild war da wohl Deutschland in 1923. Da brummte die Wirtschaft und es herrschte Vollbeschäftigung (haben die USA zwar nicht), nur waren die Reparationsforderungen zu hoch. Also druckte die junge Weimarer Repuplik einfach das Geld, mit bekanntem Ergebniss…

    Was damals die Reparationsforderungen waren, ist in den USA heute das Miltitär, das Militär und noch mal das Militär und ach ja, die Entindustrialisierung dieses Landes zu Gunsten der Dienstleistungen.

    Eine weniger expansive Geld- und fiskalwirtschaft geht in den USA schon gar nicht mehr (so sehr ich das begrüßen würde), weil die dort direkt und umgehend pleite wären. Deshalb, die USA brauchen den markt gegenwärtig nicht!

  3. @ johannes

    die meisten “wirklichen” Innovatioen kommen immernoch aus Amerika und außerdem könnten, sie, wenn sie es wollten, die gesamten Produktion zurückholen.

    Das Problem der USA ist nicht ihre wirtschaftliche Lage, sondern ihre Grundhaltung zu vielen Dingen.

  4. @Johannes
    Im internationalen Handel wird es der USA aber nichts helfen. Der Dollar würde dann massiv abgewertet. Da die Märkte dies nicht tun, kann die USA munter weiter drucken.

    “Das Problem der USA ist nicht ihre wirtschaftliche Lage, sondern ihre Grundhaltung zu vielen Dingen.”
    Da gebe ich ihnen Recht.

  5. Johannes sagt:

    “Der Dollar würde dann massiv abgewertet. Da die Märkte dies nicht tun, kann die USA munter weiter drucken.”

    Die Wirklichkeit – nicht die “Martix-Wirklichkeit” der schön geredeten Wirtschaftsprognosen zeigt wohin die Reise geht: US-Bonds werden massiv abverkauft (siehe PIMCO z.B.), die amerikanischen “Munis” sind schon länger auf talfahrt. Es bleibt nur das FED und der Rest der Welt hat Hoffnung, dass es auch diesesmal (wieder) gutgeht. DAfür sehe ich aber eine nur sehr geringe Wahrscheinlichkeit – es wird etwas Einschneidendes passieren.

    Aber bis dahin brauchen die USA die Märkte nicht mehr.

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Alle Beiträge von