Marktwirtschaftliche Klimapolitik
Beim Umweltschutz besteht ein Kernproblem: Die Kosten der Umweltbelastung werden in der privaten Preiskalkulation nicht ausreichend berücksichtigt. Der Preis für die Umweltnutzung ist zu gering. Das rechtfertigt einen Eingriff in das Preissystem. Doch statt die marktwirtschaftlichen Kräfte zu nutzen, setzt die Umweltpolitik sie weitgehend außer Kraft.
Die Umweltpolitik bevorzugt Subventionen und Anweisungen. Doch Subventionen sind teuer und beheben nicht die Preisverzerrungen, die aus der fehlenden Berücksichtigung der Kosten für Umweltbelastung resultieren. Im Gegenteil: Solche staatlichen Eingriffe und die allgemeine Steuerung der Wirtschaft über Preise vertragen sich nicht. Durch unmittelbare staatliche Eingriffe durch Subventionen und ordnungsrechtliche Vorgaben droht eine Interventionsspirale, weil die falschen Anreize zur Verschwendung von Ressourcen führen. In der Wissenschaft ist dieser Vorgang als Ölfleckentheorem bekannt.
Im Interesse eines wirksamen und effizienten Klimaschutzes ist es dringend erforderlich, den Irrweg aus Subventionen, Anweisungen, Kontrollen und Strafen zu verlassen. Nur wenn die Kosten der Umweltschädigung direkt in das Preissystem einfließen, kann die Effizienz der Märkte voll genutzt werden. Geeignete marktkonforme Instrumente sind Steuern und Abgaben auf Emissionen sowie der Verkauf von handelbaren Zertifikation für Emissionsrechte. Konsumenten und Produzenten werden sich bemühen, diese Kosten zu verringern, indem sie weniger Produkte kaufen und herstellen, die mit Emissionen verbunden sind. Darüber hinaus können so staatliche Einnahmen erzielt werden, die keinen negativen Einfluss auf die Beschäftigung haben, sondern eine gesellschaftlich wünschenswerte Wirkung auslösen.
Dem Beitrag liegt ein Namensartikel in der Süddeutschen Zeitung vom 05.04.2011 zugrunde.


Solch ein Artikel kann nur aus dem wissenschaftlichen Elfenbeinturm kommen.
“Nur wenn die Kosten der Umweltschädigung direkt in das Preissystem einfließen”
Wer legt diese Kosten fest? Irgendwer muss es machen. Wie viel Schaden entsteht bei einer Tonne CO2, Feinstaub, Müll, …? Vor allem müssen diese Kosten weltweit identisch sein. Es nützt nichts, wenn eine Tonne CO2 in Deutschland etwas kostet in China aber nicht. Ein Markt kann diese Kosten nur bepreisen, wenn die Gesellschaft weiß was es sie kostet. Wer weiß schon wie viel Schaden in 100 Jahren durch Fukoshima entstanden sein wird? Vielleicht sehr viel, vielleicht sehr wenig, dennoch soll es im Preis enthalten sein. Eine schöne Modellwelt Herr Professor.
@ chriwi
Man kann doch ressourcenverbrauch besteuern, wo ist das Problem? Das dann immernoch nicht unbedingt ein fairer Marktpreis entsteht ist richtig, aber Subventionen finde ich aus vielen Gründen die schlechtere Wahl.
Atomkraft ist doch das beste Beispiel, dass Subventionen (direkte und indirekte) eine sehr teure Technologie extrem günstig machen.
Beim Ressourcenverbrauch steht die Atomkraft aber nicht schlecht da. Erst wenn man die Lagerungszeit mit einrechnet (als Ressource) würden sich höhere Kosten ergeben. Da die Lagerzeit spekulativ ist, bleiben es die Kosten auch.
@ chriwi
Wenn nun die negativen Folgen der eingelagerten Materialien nun auch andere Ressourcenverbrauchen durch Verstrahlung, dann sollte dies doch berechnet werden. Jetzt bin ich mal abartig: Sind verstrahlte Menschen nicht auch Ressourcenverbrauch?
Es ist aber nicht der Ressourcenverbrauch der hier wichtig ist, sondern der NUTZEN. (bzw Negativnutzen)
Was bringt ein relativ hoher Nutzen wenn das Risiko unkalkulierbar bei einem GAU ist? Und die Auswirkungen derart enorm, dass man schon fast Angst bekommen kann?
Wollen Sie ernsthaft hier mit Kosten argumentieren? Ein Unglück reicht doch um zu beweisen, dass es zu gefährlich ist – weil wir die Kernenergie nicht bis ins letzte Detail beherrschen. Unglücke sind selten, ok, aber dann drastisch. Und solange die Frage der Entsorgung nicht beantwortet ist, ist die Kernenergie Schwachsinn. Egal wie “billig” diese ist. das ist das falsche Argument. Unsere Verantwortung geht weit darüber hinaus.
Also: Ich fordere, dass Kernenergie endlich als demeritorisches Gut betrachtet wird und damit auch alle Konsequenzen gezogen werden. Wer Kernenergie haben will, soll dafür auch alle Kosten tragen. Ausnahmenslos.