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Vollkasko frisst Freiheit

Nicht nur die machtpolitischen Gewichte verschieben sich in unserer Parteiendemokratie. Grün-Rot gewinnt Umfragen, aber auch Wahlen. Die noch nicht ausgestandene Führungskrise der FDP, hinter der vor allem eine politisch-programmatische Identitätskrise des politischen Liberalismus steckt, beweist zunächst eines: In unserer marktwirtschaftlichen Ordnung hat der Einsatz für Freiheit – in einem umfassenden Sinn – keine parteipolitische Stütze mehr.

Selbst der Liberalismus ist in erster Linie „mitfühlend“, wenn es nach der jungen Garde der FDP geht. Hier kommt nur verbal in anderem Gewand daher, was Grüne, Linke (Linkspartei wie SPD) und Union schon lange hinter der Flagge „soziale Gerechtigkeit“ versammeln.

Das Koordinatensystem unserer Gesellschaft verschiebt sich immer stärker weg von der Freiheit des Bürgers, der auf seinen eigenen Füßen stehen will und kann – nicht nur als homo oeconomicus, sondern auch als couragierter und selbstbewusster Citoyen. Doch medialer wie parteipolitischer Mainstream sorgen für eine gesellschaftspolitische Nivellierung auf dem Niveau, das immer mehr Menschen am besten zu verstehen scheinen: Wer versorgt mich? Immer stärker greift eine Mentalität um sich, die Eigenverantwortung durch Staatsversorgung ersetzt. Die Politik okkupiert zunehmend auch die Lohnfindung, wie immer mehr branchenbezogene Mindestlöhne in Zeiten einer schwarz-gelben Bundesregierung belegen.

Bezahlen sollen die starken Schultern, die Reichen. Erinnern sich einige noch an die Linkspartei-Plakate im letzten Bundestagswahlkampf: „Reichtum für alle!“ Ja, so stellen sich anscheinend immer mehr politische Akteure (und Wähler) die schöne neue marktwirtschaftliche Welt vor. Dass dieses Umverteilungsmuster, das schon viele Jahrzehnte praktiziert wird, immer mehr Leistungsträgern unserer Gesellschaft die Einsatzfreude abgewöhnt, wird ausgeblendet.

Damit wird die Freiheit, aufgrund eigener Leistung auf eigenen Füßen zu stehen, strukturell ausgehöhlt. Niemand lässt sich vom Fiskus fortwährend als Zahlmeister dafür beanspruchen, dass andere ohne eigene Anstrengung dauerhaft vom Staat alimentiert werden. Eine liberale Partei müsste angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung aufschreien. Doch die FDP fühlt ja lieber mit der Mehrheit.

  • Jupp53

    … und die Erde ist eine Scheibe.

    Die massive Subventionierung der großen Konzerne bei weiterer Umverteilung der Einkommen zu ihren Gunsten (z.B. die Enteignung der Arztpraxen zu Gunsten der Krankenhauskonzerne; die Sozialisierung der Kosten der Entwicklung der Kernenergie und später der Lagerungskosten für die Gifte der Kernkraft aka “Entsorgung” für tausende Generationen; die steuerliche Bevorzugung der Einkommen über 200.000 € per Anno – keine Krankenversicherung, keine Rentenversicherung, deutlich höhere Möglichkeiten des Absetzens von “Ausgaben”), d.h. die Umverteilung zu Lasten der Leistungserbringen = mittleren Einkommen ist das Problem.

  • http://against-newspeak.net Michael Klein

    Ein gelungener Beitrag, Herr Metzger, der die Finger in die liberalen Wunden legt. Man könnte sich allerdings fragen, ob sie nicht von einer falschen Prämisse ausgehen, nämlich, dass in Deutschland eine nennenswerte Anzahl von Bürgern vorhanden ist, die Freiheit nachfragt. Nach meiner Beobachtung (zugegebener Maßen seit nunmehr 5 Jahren aus sicherer Entfernung und mit Wasser dazwischen) ist es gerade die staatliche Leitung und Führung, manche würden sagen Gängelung, die Deutsche nachfragen, und damit fühlen sie sich wohl. Wer sich unter den Fittichen seines guten Staates nicht wohlfühlt, wandert aus… Somit scheint mir Ihr Versuch, Bewusstsein für fehlende Freiheit zu schaffen, dem Versuch eines Sperlings zu ähneln, der sich auf unbekannten Wegen in eine Vogelvoliere verirrt hat und nun den dort versammelten Vögeln einen Eindruck von Freiheit zu vermitteln sucht… vom Risiko, sich ausserhalb der Volerie das Futter selbst suchen zu müssen, ganz zu schweigen.

  • Surp

    Ich frag mich immer wer hat denn tatsächlich eien Vollkaoskoversicherung?

    Ich glaube eher Menschen wie sie selbst, die keinen produktiven Beitrag zu unseren Gesellschaft leisten können oder wollen, sind das wirkliche Problem, da Sie wirklich eine relative Vollkaskoversicherung beziehen ohne jemals etwas relevantes beigetragen zu haben.

    Es ist eigentlich nur eine Frage der Sichtweise und ob wir uns endlich weiter entwicklen möchten.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “Ein gelungener Beitrag” ohne jeden Beleg oder Beweis der Thesen. Herr Metzger präsentiert die alten Floskeln. Seit 20 Jahren gibt es einen Rückbau im öffentlichen Dienst, bei Sozialleistungen (mehr Leistungsbezieher, aber Inflationsbereinigt unwestliche Kostensteigerungen) und bei der Staatsquote. Trotzdem trottet ein Herr Metzger (gescheitertet Grüner und Versuchs CDUler) daher und buddelt diese Thesen wieder aus. Wenn er wenigsten sagen würde, dass der Kurs nicht konsequent oder weitreichend genug ist, dann würde ich die ganze Sache noch akzeptieren. Aber er verneint 10-20 Jahre Politik der Privatisierung und des Sozialabbaus.

  • Markus

    Der Bürger ist mündig und klatscht die Regierung ab, siehe Landtagswahlen. Der Bürger will seine Meinug durchsetzen und zeigt dies, siehe Stuttgart21. Der Bürger schaut nciht nur auf die Versorgung, sondern auch auf die externen Faktoren, siehe kernkraft und das steigende Interesse daran.

    Die FDP als Partei hat so ziemlich alles falsch gemachrt, was man falsch machen kann. Nach einer guten Bundestagswahl nun die Klatsche für die “Leistung”. Der Bürger wehrt sich. Das ist gut so!

    Grün_Rot hat keine Wahl gewonnen. Die SPD hat eigentlich, im Sinne der WQähler nicht im Ladtag von BaWü verloren. Oder kann man neuerdings ein Kreuz bei Koalitionen setzen? Die Bürger wollten Grün mit ca 24%, und Schwarz mit ca 38%! Die SPD ist nicht anderes als Niessnutzer, aber keine Partei mit gewähltem Regierungsauftrag.

    Reichtum: Niedrige Einkommen stehen eben im krassen gegensatz zu den vollen Taschen von vielen. Es geht um die gerechte Verteilung, und nciht um die Enteignung der “Reichen”.

    Was ist “reich”, bitte mal um eine Zahl, wieviel Euro? Einkommen oder Guthaben?

    Leistungsträger müssen nicht unbedingt auch die hohen Einkommen beziehen…klare Fehlannahme abgehobener Akademiker.

  • Johannes

    “Das Koordinatensystem unserer Gesellschaft verschiebt sich immer stärker weg von der Freiheit des Bürgers…”

    Das ist auch meine Wahrnehmung und es betrifft – so weit ich sehe – alle sozialen Schichten. Es scheint auch keine Frage des Einkommens zu sein, mehr eine Frage der Erwartungen. Erwartungen prägen mehr und mehr das Denken und Handeln. Erwartungen an die Sozialsysteme (bei Einkommensschwachen), die Solidargemeinschaft (sehr beliebt bei Gewerkschaften), den Aufschwung (bei Arbeitgebern mit ihrer Forderung nach niedrigen Löhnen) usw. usw..

    In Vergessenheit gerät zunehemd die Tatsache, das Freiheit die Essenz ist, aus der ein selbstbestimmtes Leben gelebt werden kann. Diese Freiheit ist nicht mit einer Einkommenszahl gekoppelt, sie hat ihren Ursprung in der Unabhängigkeit des Denkens. Diese Unabhängigkeit des Denkens gilt es wieder zu entdecken.

  • Markus

    @ Johannes
    Schon richtig. Aber in der Kosumgesellschaft kann man sich für freies Denken eben nichts kaufen.

    Wieviele Menschen definieren sich und andere durch Güter? Durch Konsum? Durch Besitz?

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    “selbstbestimmtes Leben”
    “Diese Freiheit ist nicht mit einer Einkommenszahl gekoppelt”
    Ein selbstbestimmtes Leben ist nicht an die Einkommenszahl gekoppelt. Wenn ihr Einkommen 400 Euro monatlich beträgt, wie oft können sie selbstbestimmt in ferne Länder reisen? Wie oft können sie selbstbestimmt sagen ich arbeite heute mal einen Tag nicht, weil ich lieber die Ruhe genießen will. Natürlich ist ein freies und selbstbestimmtes Leben vom Einkommen abhängig. Wie soll man sich eine unabhängige Meinung bilden, wenn man vor lauter Arbeit und Abstiegsangst keine Zeit dafür hat? Ich würde behaupten, dass 50% der Menschen die Freiheit mehr oder weniger egal ist, wenn sie dafür ein sicheres, Leben im Wohlstand haben können. Erst dann, wenn sie während des genießens des Wohlstandes Zeit haben vermissen sie so etwas wie Freiheit vielleicht.

  • http://against-newspeak.net Michael Klein

    “Ich würde behaupten, dass 50% der Menschen die Freiheit mehr oder weniger egal ist, wenn sie dafür ein sicheres, Leben im Wohlstand haben können. Erst dann, wenn sie während des genießens des Wohlstandes Zeit haben vermissen sie so etwas wie Freiheit vielleicht.”

    Damit haben Sie einmal eben alle Freiheitsbewegungen, die es je gab, vom Tisch gekippt. Das, was Sie hier beschreiben, ist eine Sattheit und eine Aussage, die den Eindruck verstärkt, den ich schon länger habe… Viele Deutsche wissen gar nicht, was Freiheit ist, sonst wären sie nicht bereit, sich jede Form der Gängelung durch ihren Staat bieten zu lassen und nicht in der Lage, sich dabei noch gut zu fühlen…

    Auch wenn es einem Vertreter der Mittelschicht schwer zu vermitteln ist, es gibt eine Freiheit jenseits den 600qm Bankeigentum, das er bewohnt und jenseits der beiden Kinder und der obligatorischen Frau, die dieses triste Dasein mit ihm teilen. Life is out there…!

  • Surp

    Was ist Freiheit, wohl eine der schwierigsten Fragen überhaupt.

    Ich persönlich finde die Definition von Jean-Jacques Rousseau ziemlich gelungen:

    “Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern das er nicht tun muß, was er nicht will.”

    In einem Land (Welt) in der alles jemandem gehört (ich kann nicht einfach sagen, dass ist jetzt mein Boden, ich verorge mich hier selbst) und niemand mehr für sich selbst sorgt (alle werden durch andere versorgt), ist Freiheit ohne ein Einkommen nur eine leere Floskel, damit sich die Abgehängten schuldig fühlen.

  • Markus

    Maslow – Bedürfnispyramide.

    Sicherheit – auch finanziell – geht vor. Auch zu beobachten in afrikanischen Ländern. Lieber enorm harte Arbeit als volle Freiheit und nichts zu essen. Nur ein voller Magen wird rebellieren. Auch das als Argument. Siehe Maslow.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    @Michael Klein
    Sie machen dies an Deutschland fest. Ich halte das für ein wenig kurzsichtig. Ich würde dieses Phänomen als weltweit vorkommend betrachten. Für mich ist dies auch vollkommen logisch. Wenn ich mich nur um meine eigenen Probleme kümmern muss (Miete, Arbeit, Kinder) ist es mir herrzlich egal, ob so etwas wie Freiheit existiert. Für einen Arbeiter macht es kaum einen Unterschied, ob der Staat in gängelt oder ein Unternehmen es tut. Eine Einschränkung der Freiheit kann eben über verschiedene Wege erfolgen. Wenn man im gewissen Maße finanziell unabhängig ist, dann kann man auf dem Unternehmenssektor wählen. Erst dann ist der Staat der Einzige der die Freiheit einschränkt. (Wobei sich dann immer noch die Frage stellt, was ist Freiheit eigentlich)

  • Johannes

    @ chriwi

    Kann es sein, das Sie Selbstbestimmtheit auf die Fähigkeit zu konsumieren (reisen, früher frei machen etc) reduzieren?

    Da tendiere ich – sicher im idealistischen Sinn – mehr zu Jean-Jacques Rousseau (s.O.).

  • http://against-newspeak.net Michael Klein

    @chriwi
    wie kommen Sie darauf, dass ich “dies” an Deutschland fest mache? Das ist mir nicht nachvollziehbar…. Aber, anyway, ich bleibe dabei, Deutsche sind materialist psychics und denken aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen, dass Freiheit mit Konsum und Geld zusammenhängt. Bei all ihren Beispielen steht an erster Stelle die individuelle Entscheidung sich von finanziellen Erwartungen gängeln zu lassen. Wenn Sie jemals z.B. in Ägypten ihren Taxifahrer, der Ihnen gerade noch erzählt hat, dass Allah Sie geschickt hat, weil er ansonsten nicht wüsste, wie er die morgen fällige Miete zahlen soll, dabei beobachtet hätten, wie er sich, nachdem er Sie abgeliefert hat und Sie ihm gesagt haben, er könne sich jetzt bis in fünf Stunden um anderen Fahrgäste kümmern, unter eine Palme legt, um die fünf Stunden zu verdösen und dennoch auf Sie zu warten, dann hoffe ich doch, dass Ihnen dieses Beispiel die Macht individueller Entscheidung gezeigt hätte. So wenig wie jemand gezwungen wird, in ein geliehenes Eigenheim zu ziehen und dort genau zwei Kinder aufzuziehen, so wenig wird jemand dazu gezwungen, von 400 Euro Hartz-wasauchimmer zu leben. Selbst im Gängelstaat Deutschland hat man doch zumindest die FREIHEIT, auszuwandern. … Was mich zur Freiheit bringt, in ihrer Hobbesschen Variante als “Recht auf alles” oder in der Kantschen Variante, die darin besteht, den Gesetzen zu folgen, die die eigene Vernunft aufgestellt hat und in beiden Fällen ist Freiheit eine WILLENSFREIHEIT, d.h. sie setzt das, was in Deutschland so selten vorkommt und O. Metzger hier beklagt hat, voraus, die EIGENE ENTSCHEIDUNG.

  • http://endlessgoodnews.blogspot.com/ chriwi

    @Johannes
    Philosophie ist etwas sehr feines. Leider werden dort häufig weltfremde Ideen verfolgt. Der Kommunismus ist solch ein Ideal. Der funktionierende Liberalismus ist ebenso ein Ideal. Beide sind in meinen Augen nicht wirklich erreichbar.

    @Michael Klein

    Ich komme wegen “viele Deutsche wissen gar nicht, was Freiheit ist” darauf. Ihr Beispiel ist interessant zeigt aber dennoch, dass der Taxifahrer sich den ökonomischen Zwängen hingibt. Er sieht nur eine größere Chance Geld dort zu verdienen wo er wartet, als wo anders hinzufahren. Also doch keine freie Wahl, mehr eine Einschätzung der Lage. Das Geld braucht er dennoch. Frei wäre seine Entscheidung, wenn er sich entschließen könnte nicht zu arbeiten, also nur zu fahren wenn es ihm passt.

    “die EIGENE ENTSCHEIDUNG.”
    Damit sprechen sie den Menschen hier eine ganze Menge ab. Belegen kann man dies nicht. Ich glaube kaum, dass ein Hartz 4 Haushalt seine Lage gewählt hat. Auswandern, wenn man keine Möglichkeiten hat (kaum Sprachkenntnisse, keinen Beruf der benötigt wird, etc.). Es gibt Zwänge die sich nich durch die freie Wahl und eigenen Entscheidungen lösen lassen. Sie haben einen Unfall, können ihren Beruf nicht mehr ausüben, verlieren ihren Job, haben eine Familie die versorgt werden muss, welche freie Entscheidung haben sie in dieser Situation? Sie haben keine. Sie müssen ihre Familie ernähren. Das heißt sie müssen einen Hilfsjob annehmen. Die liberalen Theorien setzen vorraus, dass alle die gleichen Chancen haben. Das ist in meinen Augen irreal. An Oswald Metzger sieht man dies deutlich. Er hatte keine Chance bei den Grünen, wechselte zur CDU und konnte dort auch nicht Punkten. Nun schreibt er hier. Fragen sie ihn, ob dies seine freie Entscheidung war.

  • Surp

    @ Michale Klein

    Freiheit ohne Einkommen gibt es in unserer Gesellschaft nicht, es sei denn sie heben “alle” Gesetze etc. (nennt sich Anarchie) auf, aber ich glaube damit sind die derzeitigen Besitzenden nicht einverstanden und wenn ich ehrlich bin, ich auch nicht.

    Ich frag mich was sie für einen Begriff von Freiheit haben. Irgendwie erinnert er mich sehr stark an den Laissez-faire Liberalismus, der eigentlich nur dem Schutz einer reichen Minderheit diente.

  • http://against-newspeak.net Michael Klein

    @Surp
    “Ich frag mich was sie für einen Begriff von Freiheit haben. Irgendwie erinnert er mich sehr stark an den Laissez-faire Liberalismus, der eigentlich nur dem Schutz einer reichen Minderheit diente.”

    Wie sie meinem letzten Post entnehmen können, ist mein Freiheitsbegriff von Hobbes und Kant entliehen, von Philosophen also, die noch wussten, dass es eine Freiheit NUR ohne den Staat geben kann. Ihr Hinweis auf den Laissez-faire Liberalismus lässt mich schaudern, wo haben Sie den diesen ideologischen Senf her? Ohne den laissez-faire Liberalismus hätten Sozialisten heutzutage nichts zu verteilen und diesen Quatsch mit den Reichen kann ich langsam nicht mehr hören. Wenn Linke so sehr an Gleichheit und Gerechtigkeit interessiert sind, dann frage ich mich, warum sie nicht das Erben verbieten, das im Wesentlichen für die Dauerhaftigkeit von sozialer Stratifizierung verantwortlich ist und warum sie eine einheitliche Besteuerung befürworten und insbesondere die Mittelschicht mit staatlicher Alimentierung beglücken. Mir scheint, hier stimmt was nicht…, fast als käme der gleiche Sozialismus einer breiten Mittelschicht auf Kosten der Unterschicht und der Oberschicht zu Gute. Da bleib’ ich lieber im laissez-faire Liberalismus.

    @Chriwi
    Sie haben das Beispiel nicht verstanden: Er hat sich entschlossen jetzt NICHT zu arbeiten. Das genau ist der Witz. Und Sie werden ja wohl kaum das Recht auf Nichtstun hier propagieren, wenn Sie das tun, dann ist jeder Mensch schon deshalb unfrei, weil er für seinen Unterhalt (Nahrung) sorgen muss.

    Die Zwänge, die Sie anführen, sind alle bedingt. Da war immer schon was davor. Wer keine gute Bildung hat, hat bei der Schulbildung geschlampt oder er wurde von gutmeinenden LehrerInnen auf die Sonderschule abgeschoben (staatliche Diskriminierung). Wer Hartz XY bezieht, kann jederzeit, ich sage es noch einmal, auswandern. Wenn Sie in England unterwegs sind, treffen sie früher oder später auf Polen, die nach England gekommen sind, um z.B. anderer Leute Auto zu waschen, mehr können sie derzeit nicht tun, denn sie sprechen kein Englisch und haben meist keine Bildung zu mehr. Dennoch sind sie hier. was eindeutig belegt, dass man keinen Uniabschluss braucht, um auszuwandern. Dieser ganze Quack mit der Entmündigung mangels finanzieller Mittel ist ein ausgemachter Schmarn, den man in der Mittelschicht gerne denkt, weil man die Unterschicht für blöd hält und sie zudem braucht, um sich gut fühlen zu können, qua caring. Mit der Realität hat das Ganze herzlich wenig zu tun.

  • Markus

    @ Michael Klein
    Also das mit dem Auswandern bestätige ich nicht. Vielleicht innerhalb der EU. Aber gehen Sie doch mal ohne Job in die Schweiz und bitten um die Anerkennung. Sie werden die Schweizer bis Deutschland lachen hören.
    Gleiches gilt für andere Länder. Entweder müssen Sie eine Arbeitsstelle nachweisen oder entsprechendes Eigenkapital.
    Also: ohne Geld auch nur eingeschränkte Freiheit, womit ihre These widerlegt ist.

  • Surp

    @ Michale Klein

    Also eigentlich sind sie Anarchist, richtig?

    Laissez-faire Liberalismus war menschenverachtend und diente nur einer kleinen Minderheit, eigentlich war er einem Feudalsystem sehr ähnlich, wenn sie das bestreiten, möchte ich sie doch bitten sich diese Zeit mal genau anzuschauen.

    Der Sozialismus war eine Antwort auf diese nicht tragbare Entwicklung, aber in seiner umgesetzen Form defintiv die falsche.
    Ich bin auch kein Freund des Sozialismus, ich bin überzeugte Kapitalist, aber mit einer sehr hohen sozialen Komponente, die im Prinzip inzwischen sogar langfristig gesehen der einzige gehbare Weg ist, ohne das unsere Systeme nur noch Verlierer produzieren.

    Das sollten sie aber glaublich inzwischen verstanden haben. Mich würde mal intressieren in welchem Land diese Freiheit, die sie propagandieren, gegeben sein soll.
    GB, wo die Finanzwirtschaft und die parasitäre Dienstleistungsgesellschaft das gesamte System vor die Wand gefahren hat?
    Schweiz, dass sich auf Kosten anderer bereichert?
    Irland, siehe GB und Schweiz.
    Ich kenne kein Land.

    Die Finanzwirtschaft ist für mich ein riesen Parasit, der inzwischen keinen Nutzen (außer für die, die in ihr arbeiten) erbringt und nur noch Schaden anrichtet, inzwischen merken dies sogar die meisten amerikanischen Ökonomen. Sie kann den Wohlstand einer Gesellschaft nicht wirklich erhöhen, sie kann nur umverteilen, das macht sie natürlich perfekt.

    Unsere gesamten Wohlstandsmesser sind überholt in in großen Teilen falsch, genau wie die Modelle auf die sie beruhen, aber ich glaube, das verstehen sie noch nicht. Das erste Erlebnis was mich sehr nachdenklich in diesem Bereich gestimmt hat, war der Nobelpreis für Mikrokredite, die derzeitige Entwicklung gibt mir recht.

    Sie müssen sie mal von ihren Modellvorstellungen lösen und versuchen zu sehen was möglich ist, dann verstehen sie vielleicht meine Haltung.

  • http://against-newspeak.net Michael Klein

    @Surp … typisch deutsche Antwort, sorry, aber ich lebe zu lange in GB, kann mir daher diesen Kommentar nicht verkneifen.

    Wenn es Sie glücklich macht, wenn Sie mich einordnen können, ich würde mich als Liberalen bezeichnen, der in den Fußstapfen von Mises, von Hayeks und Popper unterwegs ist.

    Ansonsten darf ich anmerken, dass ich Emigrant bin und deshalb aus erster Hand schreibe. Migriert bin ich OBWOHL ich damals nicht die funds hatte, um ein lockeres und angenehmes Leben in GB zu führen, ich musste mir aufbauen, wovon ich heute zehre. @Markus, es geht auch ohne Geld…

    Seither beobachte ich Deutschland aus der Ferne (mit einem schützenden Teich dazwischen) und finde zunehmend alles, was ich beobachte, skurril. Deshalb kann ich auch mit @surp Ihrer post nicht viel anfangen. Von welchen Modellen reden Sie? Ich rede von meinen persönlichen Erfahrungen und denen einer wachsenden Community von Emigranten in England.

    Ich vermute, mit Ihrem Hinweis auf Mikrokredite spielen Sie auch Mohammad Yunus und seine Grameen Bank an… Ehrlich gesagt kenne ich weniger, was kapitalistischer wäre als die Grameen Bank, eine Gewinnmarge von 20% und mehr (Zinsen in gleicher Höhe) und sozialer Druck als Mittel, damit die Zinsen auch bedient werden, … eigentlich nichts, was einen Nobelpreis verdient hat. Aber was wundere ich mich, selbst Krugmann hat einen Nobelpreis…

    Da Sie hier vollmundige Empfehlungen aussprechen an Menschen gerichtet, die Sie nicht kennen, will ich mich Ihrer Usus anschließen und Ihnen meinerseits empfehlen, sich von Ihrem schwarz-weiß-Denken zu lösen… es soll trotz Auswüchsen in manchen Bereichen zuweilen ein funktionierendes Finanzsystem geben und wenn Sie sich etwas näher (um nicht zu sagen intensiver) mit dem britischen Finanzsystem beschäftigen, dann werden Sie vielleicht feststellen, dass es unglaublich flexibel ist, weshalb man es einfach umschichten kann, was derzeit auch passiert (zu meinem Leidwesen, denn ich bin Aktionäre bei Lloyds), aber auf lange Sicht wird sich die Umstruktuerierung bezahlt machen, denn dieses “parasitäre Finanzsystem”, wie Sie es nennen, trägt im UK einen großen Teil zum BIP bei …aber das ist ja, wie ich gelernt habe, ein falscher Wohlstandsmesser … Nur komisch, dass Wohlstand und Wachstum so eng miteinander zusammenhängen, wahrscheinlich eine Scheinkorrelation…:)

  • Surp

    @ Michale Klein

    “wie Sie es nennen, trägt im UK einen großen Teil zum BIP bei …aber das ist ja, wie ich gelernt habe, ein falscher Wohlstandsmesser … Nur komisch, dass Wohlstand und Wachstum so eng miteinander zusammenhängen, wahrscheinlich eine Scheinkorrelation…:)”

    Das belegt doch genau was ich sage, wie kann etwas zur Wohlstandserhöhung (was ist überhaupt Wohlstand und wie misst man ihn sinnvoll) beitragen was äußerst uneffektiv eigentlich nur umverteilt?

    Da kann man noch so viele Theorien aufstellen und von Wachstum faseln, wenn ich von jemand Geld nehme und es wem anders gebe und dafür eine Prämie nehme ist das Umverteilung mit einem großen Bonus für mich. Aus der reinen Umverteilung kann kein Wachstum entstehen, dies wird aber suggeriert.

    Grundsätzlich bin ich nicht gegen Umverteilung, sie ist elementar für einen nachhaltigen Kapitalismus, aber diese Art ist ungerecht, ineffizient und überflüssig. Ich sag mal ganz ehrlich die meisten Ökonomen, die etwas anderes behaupten sind Trottel oder Lügner.

    Wie lange geben sie GB noch, bis es sich vor die Wand gefahren hat? Würde mich über eine Schätzung freuen, ich glaube weniger als 1 Jahr.

Der Autor:

Oswald Metzger

ist Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Er ist Geschäftsführer des Konvent für Deutschland.

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