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Der Fehler beginnt beim CEO

Buchkritik: Hermann Simon, Die Wirtschaftstrends der Zukunft, Frankfurt Main 2011

„Glauben Sie nicht an Trends.” Das ist eigentlich der beste Satz, den Hermann Simon zum Ende seines Buches „Die Wirtschaftstrends der Zukunft“ dem Leser mit auf den Weg gibt. Zuvor müht er sich auf rund zweihundert Seiten zu erklären, was in Deutschlands Unternehmen in und was out ist. Sechs große so genannte Trends hat der Chef der Beratungsfirma Simon Kucher & Partners ausgemacht. Von Trends kann jedoch nicht wirklich die Rede sein – eher von grundsätzlichen Entwicklungen, die jedem bekannt sein dürften, der ab und an einen Blick in den Wirtschaftsteil von Zeitungen wirft.

Simon zählt auf: beschleunigte Globalisierung, stärkere Einflussnahme der Politik auf  die Wirtschaft, engere Verzahnung von Management und Kapital, tektonische Verschiebungen in der Produktwelt, nachhaltig verändertes Kundenverhalten und die totale Vernetzung.

Das ist nun wirklich nicht neu. Doch Simon war wohl nach dem unfassbaren Egomanentrip Tausender von selbsternannter Wirtschaftsgurus und Managern, die sich zu Recht als Mitschuldige der Finanzkrise verantwortlich zeigen mussten, nicht nach weiteren Spekulationen zumute. Ihm schwebte bei der Planung seines Werkes vermutlich eher ein Plädoyer für die Renaissance guten unternehmerischen Handelns vor. Wer sich also nach einem lesbaren Überblick über Zustand und zukünftige Entwicklung deutscher Managementschwächen und -stärken sehnt, liegt mit Simons Sachbuch nicht falsch.

So wie der Autor Deutschlands starken Mittelstand und seine grundsoliden Unternehmer tüchtig preist, so geht er mit den pokerfreudigen Managern großer Konzerne schonungslos ins Gericht. Die fehlende Verschränkung von Kapital und Management sei eine wesentliche Ursache der Krise gewesen. Manager spielten mit Geld, für das andere geradestehen mussten. Simon fordert daher, sämtliche angestellten Manager sollten Aktionäre ihres Unternehmens werden. Nur dadurch trügen auch sie endlich persönlich Risiko.

Die Krise, so schlimm sie war, habe letztlich zu einer Reinigung geführt – in den diversen Branchen ebenso wie in den vielen Managerhirnen. Doch Simon ist sich sicher: Die nächsten Managementfehler kommen bestimmt. Wer sich besser schützen will, dem rät er, auf übertriebenes Leveraging und gewagte Finanzkonstruktionen zu verzichten.

Auch warnt der Autor vor übermäßigem und lang anhaltendem Erfolg. Dieser bilde den idealen Nährboden für die Entwicklung von Größenwahn. „Große Fehler werden eher von Typen begangen, deren herausragende Charaktermerkmale nicht in Integrität und Bescheidenheit liegen“, schreibt Simon. Nicht selten beginne die Katastrophe also schon in der Auswahl des Vorstandsvorsitzenden.

3 Kommentare zu “Der Fehler beginnt beim CEO”

  1. Sensationelle Erkenntnisse. Ein großer Berater!

  2. Die Bewertungen bei Amazon zeigen ein anderes Bild.

    Der Autor beschreibt anscheinend doch mehr, als der Kritiker hier darstellt. Naja, mein Thema ist so eine StatusQuo Aufnahme nicht, dafür nehme ich mir keine Zeit, denn ich lese Zeitung. Da steht so was täglich und aktuell drin.

  3. Viel zu einseitig!!! Blicken wir zurück, dann erkennen wir unschwer: An den Business Schools wurden Manager ausgebildet deren Schwerpunkt auf die monetären Werte des Unternehmens trainiert wurden. Shareholder Value degradierten die Manager zu bloßen Dienstleistern für die Anteilseigner. Die Politik, die Öffentlichkeit wirkten entsprechend mit – die Einführung verschiedener “Volksaktien” sind bekannt. Und dann – dann trieben die Manager ihre Unternehmensentscheidungen in die entsprechenden Richtungen. Hmmmm ich bin eher enttäuscht über diese Einseitigkeit die ausschließlich die allgemeine Öffentlichkeit bedient und mit “Expertensiegel” versehen. Damit wirds aber auch nur für den Unkundigen glaubhafter.

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Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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