Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren. Andre Kostolany, 1906-1999, US-amerikanischer Finanzexperte

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Breitbandausbau: Keine ordnungspolitische Rolle rückwärts!

Erst waren es „Regulierungsferien“, dann die Breitband AG und nun tritt das renommierte Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste in Bonn mit einem Finanzierungsmodell für den Breitbandausbau an die Öffentlichkeit. Jeder Handy- und Festnetzanschlusskunde soll, so der Vorschlag, 1 Euro mehr berappen, gewissermaßen als Sonderabgabe „Breitbandausbau“. So sollen die hochpolitisch ambitionierten Ziele einer flächendeckenden Versorgung mit schnellen 50-Megabitt-Anschlüssen erreicht werden.

Die Gründe für die fehlenden privaten Investitionen in den Breitbandausbau sind einfach. Es fehlt schlicht an der Zahlungsbereitschaft der Endkunden vor allem außerhalb der Ballungszentren. Nach dem kleinen Einmaleins der Ökonomie müssten für politische Interventionen Gründe für Marktversagen vorliegen. Diese können auf volkswirtschaftlich relevanten positiven Externalitäten beruhen, also auf Vorteilen einer Telekommunikationsstruktur, die über den privaten Nutzen hinausgehen. Belastbare Belege hierfür gibt es aber bislang nicht.

Mit der Privatisierung des Telekommunikationssektors haben  wir uns aus der staatlichen Versorgungsplanung aus guten Gründen verabschiedet. So wie im Markt rasch deutlich wurde, dass der Nutzer mehr als vier Farben für sein Telefon wünscht, wird jetzt deutlich, dass (noch) keine Nachfrage nach einer breitbandigen Internetversorgung besteht. Bevor knappe Steuergelder in großem Stil in die Verwirklichung von „Turboträume“ fließen, sollten die Bürger zur Selbstinitiative aufgefordert werden. Auch wenn diese darin besteht, sich selbst flächendeckend vorhandene und durchaus finanzierbare satellitäre Breitbandanschlüsse zu besorgen. Und kommt es doch zu einem plötzlichen Nachfrageanstieg, werden neue Angebote am Markt von selbst entstehen.


Eine ausführliche Fassung dieses Beitrags ist am 06. April in der F.A.Z erschienen.

  • Autor

    Prof. Dr. Justus Haucap

    Direktor des Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und früherer Vorsitzender der Monopolkommission.

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  • Markus

    Herr Haucap, davon träumen Sie doch. Sie gehen davon aus, dass dei Anbieter also aufgrund einer Nachfrage ländliche Ortschaften mit 2000 Einwohnern ans Breitbandnetz mit 50 MB anschliessen? Schauen Sie dochg die weissen Flecken im Ländlichen an, wenn es um doppelte ISDN Geschwindigkeit geht. Da werden Ortschaften und Höfe abgeschnitten, weil ein kostendeckender Preis nicht druchgesetzt werden kann. Nicht, weil die Bürger dieser Gebiete so preissensibel sind, sondern weil ein kostendeckender preis hier ganz schnell 80 Euro pro Monat erreicht. Und das bezahlt niemand – weil das Familienbudget vielleicht auch zu knapp ist. Die Nachfrage besteht trotzdem. Allerdings ist der Angebotspreis zu hoch. Das ist das Problem.

    Satellit als Alternative? Schonmal bei schlechtem Wetter probiert?

    der Staat muss eingreifen, da sonst die Landflucht gefördert wird. Das gilt für die dort ansässigen Unternehmen, Selbstständige und natürlich auch für die Attraktivität einer Gemeinde bei Baugebieten, usw.

    Der Markt wird sich hier nicht selbst regeln – dafür gibt es zu wenige Anbieter! Die Selbstkräfte des Marktes gelten bei Quasimonopolen eben nur eingeschränkt. Aber das wissen Sie sicherlich.

    Werter Herr Haucap, ihre Argumentation ist doch sehr kurzsichtig.

  • @Markus
    Herr Haucap ist Professor und als solcher seiner Theorie verpflichtet. Wenn Staaten seinen Gedanken gefolgt wären, dann könnte er das Argument des Satellitenanschlusses gar nicht bringen. Satelliten gäbe es wahrscheinlich noch gar nicht. Die Kosten für die Grundlagenforschung waren enorm hoch und wurden durch Staaten getragen. Vielleicht schafft eine staatliche Intervention nicht die optimale Allokation der Ressourcen, ein Markt schafft diese aber auch nicht. Also geht es im Endeffekt darum, ob es der Gesellschaft Vorteile bringt oder nicht. Bei schnellen digitalen Anschlüssen kann man sich vielleicht streiten. Allerdings entstehen durch die Einführung jede Menge neuer Märkte und Absatzmöglichkeiten an technischen Geräten.

  • Surp

    Ich finde die Argumentation schlüssig. Es ist schon wahr, dass inzwischen andere Möglichkeiten eines schnellen Internetzugangs außerhalb von Breitbandnetzen bestehen und da sie schon vorhanden sind, sind sie auch realtiv kostengünstig.

    Das Problem am Satelliteninternet ist die Reaktionszeit, aber das sollte den normalen user wenig stören.

    Was spricht gegen Landflucht?
    Es ist doch nicht klug alles mit sinnlosen Einfamilienhäusern zuzuflastern, die in 30 Jahren in großen Teilen eh leerstehen, zumindest, wenn die demografische Entwicklung so eintritt, wie prognostiziert.

  • Markus

    @ surp
    Schlüssig weil keine ernsthafte Alternative genannt wird. Das ist für mich cniht schlüssig, sondern eher eine Ausrede

    Zur Landflucht:
    schon mal was von Lebensqualität gehört?
    Dann lassen wir doch die Alten auf dem Land und die sollen auch sehen wie sie zurecht kommen. Hauptsache uns “jungen” gehts gut. Sehr netter Ansatz. Vielleicht wollen viele nicht in einer Stadt wohnen? Tja, muss man eben die Versorgung ändern, dann muss man irgendwann umziehen. Jawoll, zwingen wir die Menschen vom Land in die Stadt.

    Ist es sinnvoll, Städte mit Betonburger zu verschandeln, nur weil dies “effizient” erscheint? Sind wir alle Roboter?

    Ist es nicht die Aufgabe des Staates, ALLE Bürger zu fördern? Sind Städter also was Besseres?

    Wieso sollen in 30 Jahren so viele Häuser leerstehen? Sterben Menschen nur auf dem Land? Es stehen gleichermaßen auch Wohnungen in Städten leer…

  • Surp

    @ Markus

    Ich spreche von dem was ich sehe. Ich kenne Gemeinden, die geben neue Baugebiete frei, obwohl in einem Ort mit nichtmal 10.000 Einwohnern 300 bis 400 Häuser zum Verkauf stehen, da sollte man sich schon nach dem Sinn fragen. Das findet nicht nur in Ostdeutschland statt.

    Ich zwinge niemanden, aber solange die Entwicklung ist wie sie ist, wird das eintreten was ich sage. Es gibt auch Städte die dieses Schicksal teilen, vorallem mittelgroße ehemalige Industriestandorte.

    Grundsätzlich lässt sich eine effiziente Infrastruktur viel leichter in einen urbanen Umgebung unsetzten als in einer ländlichen. Veränderungen wären evtl. möglich durch das, was ich schon solange propagandiere (BGE, Abbau unproduktiver Arbeitsplätze), da im ländlichen Raum zum Beispiel eine autarke Energieversorgung sowie Mobilität (Wasserstoff) viel leichter umsetzbar ist als in einer urbanen.

    Trotzdem bin ich grundsätzlich der Meinung, man sollte nicht den einzigen Rohstoff den wir “wirklich besitzen” (hochproduktive landwirtschaftliche Flächen) unnütz verschwenden.

  • Markus

    Da gebe ich auch recht. Die Gemeinden verdienen schliesslich am Verkauf eines Bauplatzes und stehen damit sogar im Wettbewerb zum Hausverkäufer. Dies ist, wie sie sagen, unsinnig. Zweifellos.
    Ich sehe aber auch, dass in sehr vielen ländlichen Gebieten sehr leistungsstarke Unternehmen sind. Schauen SIe mal WÜRTH an, der sitzt in einem kleinen Dorf. Wollen Sie all diese Unternehmen in die Stadt zwingen?
    menschen wohnen dort, wo es Arbeitsplätze gibt. Oft jedenfalls. Deshalb auch die Landflucht-

    Ich denke aber, dass die effiziente Nutzung der Flächen nicht das Problem einer Bebauung ist, sondern eher der des “falschen” Anbaus, Raps und solche Geschichten…

  • Johannes

    @Surp
    Das Infrastruktur in Ballungsgebieten günstiger ist als auf dem Land habe ich auch immer gedacht. In Wahrheit werden die Städte aber extrem subventioniert. U-Bahnen, S-Bahnen und Busse alle paar Minuten sind ein teuers System. Der Bus, der alle Stunde (wenn überhaupt und nur tagsüber) im Dorf hält ist deutlich günstiger.

    Theoretisch ist es in Ballungsgebieten schon günstiger zu organisieren, aber der Service auf dem Land ist halt extrem eingeschränkt und daher billiger.

  • Markus

    ok, ab wann sprechen wir hier von “Land”??? Bei mir bis 5000 Einwohner.

  • Surp

    @ Johannes

    Was nicht vorhanden ist, erzeugt keine Kosten, macht irgendwie Sinn^^.

    Mir geht es vorallem um andere Dinge wie gesundheitliche Versorgung etc. (Städte werden mit Ärtzen geflutet und auf dem Land sieht es anders aus).

    @ Markus

    Land ist für mich etwas was kleiner 10k Einwohner ist. Diese Ort sind ländlich strukturiert und durch Einfamlienhäuser etc. geprägt.

  • Markus

    @ Surp
    Starke Unternehmen zeichnen sich nicht durch große Prestigebauten aus. Viele Selbständige arbeiten im “Eiunfamilienhaus”, deshalb würde ich auch meinen Augen nicht trauen – was eine solche Beurteilung anbelangt.
    Und ganz ehrlich – es ist mitunter schon fantastisch, was manche im heimischen Büro leisten…da steckt sehr viel Unternehmertum und Innovationskraft.

    So, nun stellt sich folgende statistische Frage:
    Wieviele Einwohner leben in Städten mit über 10.000 Einwohnern und wieviele dann im “ländlichen” Bereich? Gleiche Frage für Unternehmen…?
    Diese Zahl wäre eine recht spannende Erkenntnis.

  • Surp

    @ Markus

    Unser gesamte Reichtum wird in ländlichen Bereichen erarbeitet. In Städten finden sich eigentlich nur parasitäre Strukturen, aber das ist ein anderes Thema. Der Vorteil von Städten sind einfach ihre relativ kurzen Wege.

  • Markus

    @ Surp
    da gebe ich vollkommen recht. Kurze Wege (aber nicht zwingend schnellere Wege !!). mehr kann ich persönlich auch nicht als Vorteil erkennen – für mich selbst.