Die soziale Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn Eigentum geschützt und Verträge eingehalten werden. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

2 FinanzmarktSteuern und Finanzen

Verstaatlichung ist kein Geschäftsmodell

In den kommenden drei Monaten will die Commerzbank rund 14 Milliarden der während der Finanzkrise erhaltenen staatlichen Hilfen zurückzahlen. Und als kleines Dankeschön erhält der Steuerzahler rund eine Milliarde oben drauf. Ende gut alles gut?

Wir dürfen nicht vergessen: Die Rettung der Commerzbank war für den Steuerzahler mit erheblichen Risiken verbunden. Was wäre geschehen, wenn das Institut den Turnaround nicht geschafft hätte? Ob die jetzt erfolgten Rückzahlungen einen angemessenen Ausgleich für das ex-ante eingegangene Risiko darstellen, ist mehr als fraglich. Und außerdem ist der Bund nach wie vor zu 25% an dem Institut beteiligt. Niemand weiß, zu welchem Preis er diese Beteiligung wird verkaufen können.

Zur Erinnerung: Neben der Commerzbank mussten auch andere Banken mit Steuergeldern gerettet werden. Die Rettung der Hypo Real Estate und der Landesbanken werden viele Milliarden verschlingen. Und dennoch: All diese Institute haben trotz Hilfen ihre massiven Probleme nicht in den Griff bekommen. Die Krise hat gezeigt, dass vor allem Banken mit staatlicher Beteiligung die größten Risiken eingegangen sind und die größten Verluste verbucht haben. Nach unseren Schätzungen werden rund 80 Prozent der Krisenkosten für den Steuerzahler durch Institute verursacht werden, bei denen der Staat schon vor der Krise kräftig mitgemischt hat. Der Staat ist nicht der bessere Banker. Selbst wenn die Rettung im Fall der Commerzbank am Ende für den Bund noch Gewinn einbringen sollte, staatliche Bankenrettungen sind kein lohnendes Geschäftsmodell. Auf die nächste Krise müssen wir daher besser vorbereitet sein.

  • Autor

    Prof. Dr. Christoph Kaserer

    ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München.

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  • Markus

    Herr Prof. Kaserer, nicht wir, also der Staat, muss besser vorbereitet sein, sondern die Banken!
    Oder wollen Sie unbedingt die “staaliche Rettung” als Grundprinzip der Bankenwirtschaft auch für die Zukunft verstehen, sozusagen als Universalversicherung?
    Eine Bankenrettung soll letztlich auch kein Geschäftsmodell sein mit Renditen, sondern ein Chaos verhindern.

  • “Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der zur Barbarei zurückführt. …Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen.”

    Silvio Gesell

    Warum sind insbesondere “Spitzenpolitiker” und studierte “Wirtschaftsexperten” unfähig, die “Finanzkrise” zu verstehen? Weil in einer Gesellschaft, die seit jeher auf einer fehlerhaften Geld- und Bodenordnung basiert, das Streben nach einer “gesellschaftlichen Position” und Erkenntnis sich gegenseitig ausschließen. Am Ende (“Hurra, ich bin Bundeskanzler!”) ertrinkt man (oder Frau) in einem Ozean naiver Vorurteile, aus dem ein Auftauchen aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist:

    http://www.swupload.com//data/Mathematik.pdf