Die soziale Marktwirtschaft funktioniert nur, wenn Eigentum geschützt und Verträge eingehalten werden. Otto Graf Lambsdorff, (1926 - 2009), deutscher Politiker, Bundesminister für Wirtschaft, Bundesvorsitzender der FDP

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Vollbeschäftigung ist keine Utopie!

Nach Jahrzehnten der Arbeitslosigkeit schien Vollbeschäftigung in Deutschland nur noch eine Utopie zu sein. Publikationen wurden zu Beststellern, die das Ende der Arbeit prophezeiten. Dieser Pessimismus hat sich als haltlos erwiesen. Im Frühjahr 2011 hat die Zahl der Arbeitslosen erneut die Schwelle von drei Millionen unterschritten. Mit 41 Millionen erreicht die Erwerbstätigenzahl einen historischen Rekord. Nicht die Arbeit geht den Deutschen aus, sogar das Gegenteil ist der Fall: Mittlerweile bremst Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft.

Vollbeschäftigung ist ab 2015 in Reichweite. Das ist erfreulich – aber Vollbeschäftigung ist kein Selbstläufer. Jetzt geht es darum, die Einstiegshürden für Problemgruppen wie Ältere, Geringqualifizierte und Alleinerziehende abzubauen. Um die Einstellungschancen von älteren Arbeitsnehmern zu erhöhen, sollten die Tarifpartner eine anhaltende berufsbegleitende Weiterqualifizierung anbieten. Zudem sollte die Politik den älteren Arbeitnehmern nicht durch gut gemeinte Privilegien den Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren. So muss beispielsweise die Entlohnung grundsätzlich nach dem Leistungs- und nicht nach dem Senioritätsprinzip erfolgen.

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Unter den Langzeitarbeitslosen gibt es viele Geringqualifizierte, deren Leistung oftmals nur Löhne erlaubt, die nur knapp über oder sogar unter unterhalb dessen liegen, was die Gesellschaft als sozial akzeptabel empfindet. Hier helfen keine Mindestlöhne, weil sie die Arbeit zu teuer machen, sondern staatliche Zuschüsse zu den Löhnen. Auch Alleinerziehende sind besonders von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht, obwohl sie im Schnitt besser qualifiziert sind als Langzeitarbeitslose. Sie sind ein großes ungenutztes Potential, um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, müssen jedoch das Angebot an Kinderbetreuung weiter ausgebaut und mehr sowohl zeitlich wie räumlich flexiblere Beschäftigungsverhältnisse angeboten werden.


Dr. Thomas Straubhaar ist Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Professor an der Universität Hamburg.

Der BlogBeitrag stellt eine kurze Zusammenfassung des von Prof. Dr. Thomas Straubhaar (u.a.) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erstellten Gutachtens des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts HWWI „Wege zur Vollbeschäftigung, Hamburg 2011“ dar.

  • Autor

    Prof. Dr. Thomas Straubhaar

    früherer Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) und Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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  • Herr Straubhaar sie sind ein Meister in der Verbreitung von Teilinformation. Erklären sie diesen Zusammenhang:

    Jahr Arbeitsstunden Beschäftigte
    2000 48.866 Mio. 35.229 Mio.
    2010 48.319 Mio. 36.067 Mio.

    Die Gesamtarbeitszeit sinkt, aber die Zahl der Beschäftigten steigt. Wie geht das? Indem man mehr Teilzeitstellen hat. Dies ist die Entwicklung in Deutschland. Die Zahl der Vollzeitstellen sank von 25.650 (2000) auf 23.528 Mio. (2010). Die Zahl der Teilzeitstellen nahm zu. Jetzt von Fachkräftemangel und Vollbeschäftigung zu reden ist ein Witz. Vollbeschäftigung heißt, dass nicht mehr als 7 Millionen Menschen nach Arbeit oder Mehrarbeit suchen, weil ihnen eine Teilzeitstelle nicht ausreicht. Wenn man nur einseitig, wie sie, auf die Beschäftigungsquote schaut ist die Welt rosarot. Detailierter betrachtet sieht es deutlich schlechter aus.
    Auch
    “Hier helfen keine Mindestlöhne, weil sie die Arbeit zu teuer machen” würde bedeuten, dass Mindestlöhne Arbeitsplätze kosten. Dies ist Unsinn. Es gibt keine Studie die dies eindeutig belegen oder widerlegen kann. Die neuesten Studien zeigen zumindest keinerlei negativen Einfluss eines Mindestlohnes. Wenn die Wissenschaft so gespalten ist, wie können sie dann solche eindeutige Aussage treffen?
    Bei solch oberflächlichen Artikel frage ich mich, wie man einen Professor Titel erhalten kann. Für mich sollte ein Wissenschaftler deutlich differenzierter Werten. Aber dann dürfte er hier nicht schreiben.

  • Surp

    MIch langweilt dieses Gefasel von Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel langsam auch.

    Man sollte man die Zahlen von chriwi mit 1980 vergleichen (ist schwierig, wegen Mauerfall), aber ich glaube dann würden einige endlich bemerken was wirklich Sache ist.

    Des Weiteren sollte man mal die Zusammensetzung der verschiedenen Bereiche anschauen. Wirklich produktive (wie de Name schon sagt) Leistungen werden ausschließlich im primären und sekundären Sektor erzielt, der tertiäre verursacht eigentlich nur Kosten, auch wenn er natürlich indirekt Einfluss auf die Erstgenannten hat.

    Einige Ansätze in dem Artikel finde ich gut:
    1. Hier helfen keine Mindestlöhne, weil sie die Arbeit zu teuer machen. Außerdem sind sie ein widerliches Placebo um die dummen Massen ruhigzustellen
    2. Zudem sollte die Politik den älteren Arbeitnehmern nicht durch gut gemeinte Privilegien den Zugang zum Arbeitsmarkt erschweren.
    3. So muss beispielsweise die Entlohnung grundsätzlich nach dem Leistungs- und nicht nach dem Senioritätsprinzip erfolgen.

    Die Arbeit geht nie aus, die produktive Erwerbsarbeit schon, daher sind revolutionärer Reformen nötig als son bischen pseudorumgedoktor an den Syntomen.

  • michael hamm

    1. “Mindestlöhne sind ein widerliches Placebo um die dummen Massen ruhig zu stellen.”
    Wer solche Texte schreibt kennzeichnet seine eigene Dämlichkeit. Macht die FDP sich das zu eigen, dann schafft sie es auch noch unter 3%.
    2. Zudem sollte…
    Das Alter kommt schneller als man denkt. Straubhaar wünsche ich ein sehr hohes Alter und dann die jetzige CDU/FDP-Politik an den Hals.

  • Es ist schon seltsam: Vollbeschäftigung ist möglich so die These……nach den Zahlen vielleicht. Sieht man sich aber die Lebenswirklichkeit an, dann stellt man schnell fest, dass dann aber niemand mehr wirklich davon leben kann. Selbst wenn – und ich bezweifle das das wirklich so ist – die Vollbeschäftigung einmal erreicht werden sollte, dann wird das auf Kosten der Allgemeinheit gehen. Wir hatten schon einmal Vollbeschäftigung – das war im 2. Weltkrieg auf Grund der Aufrüstung. Finanziell ging das aber auch nur weil man plante von den Eroberungen dahingehend zu partizipieren, als das die Verschuldung nicht zurückgeführt werden musste. Im Endeffekt hängt die Möglichkeit der Vollbeschäftigung zum einen von der demographischen Entwicklung genauso ab wie von der Geldwertstabilität. Beides hat soviele Variable, dass man das heute bei weitem noch nicht sicher voraussagen kann. Nun ja, aber medienwirksam ist das allemal. Und Träumen ist ja auch erlaubt.

  • Surp

    @ Michael Hamm

    Sie verstehen meien Sichtweise nicht, oder.

    Ich möchte alle unproduktiven Arbeitsplätze (Arbeitsplätze die durch Bürokratie, Verordnungen, Überwachung etc. entstehen) soweit wie möglich abbauen und das Geld direkt an die Bürger geben (ist schwer zu kalkulieren, da man das BIP nicht zur Berechnung heranziehen kann, aber ich denke eine derzeitige effektive Kaufkraft von ca. 1500 Euro pro Bürger wäre das Minimum mögliche).

    In diesem System braucht man weder Gewerkschaften, Mindestlöhne Kündigungsschutz etc., da Arbeit Zuverdienst ist und wem die Arbeit nicht gefällt der kann kündigen, ganz einfach.

  • Daniel R.

    Natürlich werden mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten. Wer Heute uner dem Mindestlohn arbeitet, wird wenn es einen mindestlohn gibt, arbeitslos werden, und die arbeit auf alle anderen, die sowieso mehr haben verteilt. oder die Schwarzarbeit wächst. So oder so…das Mindestlöhne arbeitsplätze vernichten werden erfordert m.E. keine Studie, sondern lässt sich ganz einfach logisch nachvollziehen.

  • Markus

    @ Daniel R.
    Dann stellt isch die Frage: Wie hoch darf ein Mindestlohn angesetzt werden? Und wie hoch ist genau dieser Effekt, dass alle “unterbezahlten” auch tatsächlich ihren job verlieren und wieviele werden künftig etwas mehr verdienen?

    Ich glaube auch, dass ein Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet. Aber bei weitem nciht in dem statischen Ausmaß, wie es oft propagiert wird. Sondern ich glaube eher, dass sich Preise ändern werden und dass eben auch sehr viele unterbezahlt sind. Im Saldo kann hierdurch eine positive Entwicklung entstehen.

    Aber um genau das herauszufinden, müsste eine Studie her. Man würde es aber faktisch erst nach Einführung wissen, auch Studien sind mit Spekulationen verbunden.
    Einen Vorteil hätten wir: Keine Konkurrenz durch “Billiglöhner” innerhalb der BRD (Ostöffnung seit 1. mai).

    Schwarzarbeit: Auch ich glaube, dass dies ein problem werden wird. Ich konnte nur zu gut beobachten, wie während der “Krise” und bei Kurzarbeit sehr viele Arbeitnehmer an ihren freien tagen hier und da “ausgeholfen” haben. Konnte ich in unserem neubaugebiet sehr gut sehen…aber alles unbezahlte Freundschaftsdienste und daher legitim. Unterstelle ich mal.

    @ Surp:
    “…da Arbeit Zuverdienst ist und wem die Arbeit nicht gefällt der kann kündigen, ganz einfach.”
    Arbeit ist kein Hobby oder ein Zeitvertreib, sondern eine notwendige Tätigkeit. Soll also ich beim BGE alle bezahlen, die keine Lust zu arbeiten haben? Ein Transferempfäönger hat eine Leistungspflicht gegenüber der Gesellschaft, da diese durch ihre Tätigkeit und zusätzliche Abgaben weniger zu Verfügung hat. Nun wollen Sie dies auch noch so kommunizieren.
    Wer keine Lust mehr hat, kann einfach gehen und bekommt noch 1500 Euro in die Hand. Na dann mach ich auch nix mehr und gehe in die Schattenwirtschaft, weil das lohnt dann mal richtig! Ich sehe als Subvention der Schwarzarbeit und nehme dies daher nicht ganz ernst.

  • Surp

    @ Markus

    Jeder bekommt 1500 Euro.

    Schwarzarbeit entsteht durch Besteuerung von Arbeit sowie Sozialabgaben, eigentlich gibt es keine Schwarzarbeit. Wie gesagt in meinem System gibt es keine direkten Steuern auf den Faktor Arbeit.

    Was ist schlimmer eine Erwerbsarbeit auszuüben, die der wohlstandserhöhenden Arbeit schadet oder nichts zu tun?

    Mindestlöhne vernichten defintiv Arbeitsplätze, einfaches Beispiel, derzeit zahle ich 20 Euro für einen Frisörbesuch, obwohl ich es selbst machen könnte bzw. jemanden kenne der meien Haare umsonst schneidet. Wenn der Preis über 30 Euro steigt nehme ich diese Möglichkeit eben wahr.

    Mindestlöhne sind ein Placebo, sie bringen uns nicht wirklich weiter.

  • Markus

    @ Surp
    Na dann schneiden Sie sich doch die Haare selbst. Und senden mir anschliessend ein Foto.
    Warum gehen Menschen in ein restaurant? Weil sie nicht kochen können? Es ist doch etwas komplexer als diese lapidaren Darstellungen und Spekulationen. nach dieser Theorie könnte nur der Friseur überleben, welcher den absolut günstigsten preis am Markt anbietet. Naja, so ist es aber eben nciht, denn es spielen wesentlich mehr Faktoren mit. Darum kann niemand sagen, wie hoch der allgemeine Reservationspreis für irgendeine Leistung ist. Und dieser preis ist bei jedem Anbieter und auch Nachfrager verschieden. Das ist Ökonomie in der Spitze der Statistik.

  • Surp

    @ Markus

    Was bringt ein Mindestlohn von 10 Euro, die Einzigen die sich freuen sind Singles.

    Wie gesagt ein Mindestlohn ist ein Placebo, mit einem BGE wäre dies ganze Diskussion endlich obsolet und man könnte sich wichtigeren Dingen zuwenden.

  • Realist

    Was soll denn die lächerliche Graphik? Bis 2020 gibt es also keine Rezession? Keine Schocks? Alles geht so weiter wie in den letzten zwei Jahren?

  • Markus

    @ Surp
    so, nun rechnen Sie mal. Wieviel muss ein Angestellter pro Stunde verdienen, 45 jahre lang, damit er die Mindestrente bekommt und keine staatliche Aufstockung?

    Vielleicht dient der Mindestlohn auch nur der Einsparung dieser Kosten? Die Wirtschaft soll das entrichten, was sonst bei den renten der Staat aufstocken müsste. Schon mal so gedacht?

    Ausserdem: Habe ich etwas von einer Mindestlohnforderung mneinerseits geschrieben? Ich bin gegen diesen. Ich glaube, die Wirtschaft muss sich hier selbst regeln.

    Das BGE ist nicht umsetzbar, sollten Ökonomen eigentlich wissen. Oder wie wollen Sie diesen Spass langfristig finanzieren, und gleichzeitig den Status Quo halten?
    Wissen die BGE Vertreter eigentlich, was Moral und Werte sind? Geld fürs Anwesenheit widerspricht in höchstem Maße dem deutschen Grundgedanken der Leistung. Und das wollen Sie aushebeln und Geld verteilen. Bravo! Und dann wundert man sich über die “verblödete” Jugend (sorry, trifft nicht auf alle zu) und andere Klischees. Sie fördern genau dies, und das ist sicherlich nicht gesellschaftlicher Sinn.

  • Bei der weiteren Verwendung eines a priori fehlerhaften Geldes ist Vollbeschäftigung eine Utopie:

    http://www.swupload.com//data/Mathematik.pdf

  • Surp

    @ Markus

    Ein BGE ist glaube ich das einzige finanzierbare Sozialsystem (wenn man denn überhaupt eines will), darüber sollten sie mal nachdenken.

    Was wir uns nicht leisten können ist noch mehr Verwaltung, Bürokratie, Subventionen etc..

    Aber ist einfach müßig darüber zu schreiben, wenn Menschen es nicht denken wollen, weil sie dem Anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnen.

    Ich sage Ihnen ganz ehrlich und ich meine das nicht böse, solange man glaubt wer “nicht arbeitet soll auch nicht essen”, wird unsere extrem geisteskranke Erwerbsarbeitswelt den Wohlstandszuwachs für die Masse dahin raffen.
    Die Fianzwirtschaft macht das schon seit Jahrzehnten, aber das ist ein anderes Thema.

  • Markus

    “weil sie dem Anderen nicht die Butter auf dem Brot gönnen.”
    So ist es auch nciht gemeint. Ich meine die Selbstverständlichkeit der Versorgung ohne Leistung soll nicht dass Alltagsbild darstellen. Ich sage nicht, dass man ohne Arbeit keine Rechte mehr besitzt. Sondern es muss selbstverständlich sein, dass man arbeitet. Scheuen Sie doich mal, wieviele die Hand aufhalten und Ansprüche erheben, die gar nicht zustehen. Das kritisiere ich, nicht das Sozialprinzip – das unterstütze ich.
    Essen soll jeder – aber vom eigenen Teller!