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Kapitalgedeckte Altersvorsorge: Demographie- und krisenfest

Lange Zeit wurde er für seinen berühmten Ausspruch von der sicheren Rente belächelt. Heute feiert Norbert Blüm ein strahlendes Comeback. Heilfroh sollten wir sein, dass der Staat im Alter für uns sorgt, so eine der Botschaften, mit denen der ehemalige Bundesarbeitsminister wieder durch die politischen Talkshows tingelt. Man stelle sich vor, wir wären 2008 mit einem kapitalgedeckten Rentensystem in die Krise gegangen. Wie stünden wir dann heute da?

Die Antwort lautet: vermutlich ziemlich gut. Wer etwas über die Stärken und Schwächen von kapitalgedeckten Altersvorsorgesystemen wissen möchte, sollte seine Informationen lieber nicht aus deutschen Talksendungen beziehen. Sinnvoller ist es, einmal ein reales Beispiel für ein solches Verfahren zu betrachten, wie es in Chile seit nunmehr 30 Jahren besteht. In der Andenrepublik muss jeder regulär beschäftigte Arbeitnehmer allmonatlich 10% seines Bruttogehaltes auf ein individuelles Rentensparkonto einzahlen. Den Anbieter kann dabei jeder frei wählen und jederzeit wechseln. Auch die Risikostufe ist frei wählbar.

2008 kam es in diesem System tatsächlich zu einem spektakulären Absturz. Im Mittel lagen die Verluste bei fast 20%, Fonds der höchsten Risikostufe verloren gar ganze 40% ihres Wertes. Kritiker, wie der keynesianische Ökonom Paul Krugman, jubelten bereits über das “Scheitern” des ungeliebten Systems.

Doch 2009 verzeichneten die Vermögenswerte der Rentensparer einen ebenso spektakulären Wiederaufstieg, der sich 2010 fortsetzte. Inzwischen ist das Vorkrisenniveau wieder erreicht bzw. übertroffen. Chiles kapitalgedecktes Rentensystem hat die Krise eindrucksvoll gemeistert.

Was hindert uns also daran, von einem System zu lernen, dass nicht nur demographiefest ist und den Beteiligten Wahlfreiheit, Vermögensbildung und persönliche Autonomie ermöglicht, sondern dass zudem auch noch erstaunlich krisensicher ist? Es liegt wohl vor allem an dem tief verwurzelten Denkfehler, dass wir den Staat automatisch mit Solidarität, den Markt dagegen mit Egoismus verbinden. Dabei ist es doch wirklich keine Seltenheit, dass gut organisierte Gruppen ihre Interessen in der politischen Arena durchsetzen – auf Kosten anderer. Da ist die Rentenpolitik keine Ausnahme. Man denke etwa daran, wie verbissen privilegierte Gruppen in Griechenland oder Frankreich ihre Sonder-Rentenformeln verteidigen.

Und genau darin besteht ein weiterer Vorteil eines privatwirtschaftlichen Systems: Es entpolitisiert den Lebensbereich der Altersvorsorge. Eine höhere Rente lässt sich in Chile nicht durch das Veranstalten von Streiks und Strassenblockaden erzielen, sondern nur durch regelmäßiges Sparen.


Kristian Niemietz ist derzeit Mphil/PhD Student  in  Public  Policy  am  King’s  College  London und arbeitet als Poverty  Research  Fellow  beim  Institute of  Economic  Affairs in London.

17 Kommentare zu “Kapitalgedeckte Altersvorsorge: Demographie- und krisenfest”

  1. Herr Niemitz erklären sie mal wo die Menge an Geld investiert werden soll? Schon heute landet das meiste Spekulativ am Finanzmarkt. Wieviel vom Aufstieg der privaten Rentenfonds in Chile ist den Bankenrettungspaketen in den USA und Europa zu verdanken? Ohne diese wären ettliche ehemals AAA+ Anleihen + die Banken die sie verkauften komplett verschwunden. Da hätte sich der chilenische Sparer aber gefreut.

    “2008 war nicht das erste Jahr, in dem die AFPs Verluste für die Versicherten einfuhren. Auch in weltwirtschaftlich ruhigeren Zeiten war die Rentabilität der Fonds immer wieder in den roten Bereich gesackt. 1995 etwa lag das Minus bei 2,5 Prozent, 1998 bei 1,1 Prozent. Im langjährigen Durchschnitt schafften die Fonds eine Rendite von nur knapp über einem Prozent.”

    Das sind die großen Erfolge des chilenischen Rentensystems. Bei jedem vernünftigen Tagesgeldkonto bekommt man mehr.

    “Nach heutigen Hochrechnungen werden Frauen, die zwischen 2020 und 2025 in Rente gehen, gerade einmal 28 Prozent ihres letzten Lohns bekommen. Männer kommen danach auf 51 Prozent.”

    Schön, dass Altersarmut durch die private Rente so effektiv verhindert wird.

    “Schon jetzt ist sicher, dass 46 Prozent der Männer und 61 Prozent der Frauen der Jahrgänge 1956 bis 1961 zu den Verlierern gehören werden: Als Rentner werden sie von ihrer AFP weniger bekommen als die staatlich garantierte Mindestrente.”

    Ettliche Einzahler bekommen also vom Staat den Rest aufgestockt, weil sie nicht genug sparen konnten.

    “Dabei ist schon das private Vorsorgesystem für den Staat teuer genug. Anders als versprochen hat die Privatisierung der Rentenversicherung den öffentlichen Haushalt nicht entlastet. Im Gegenteil: Bis heute überweist das Finanzministerium Monat für Monat Geld an die AFPs. Denn ältere Arbeitnehmer haben vor der Umstellung 1981 ihre Beiträge in die staatliche Rentenversicherung einbezahlt und daraus Rechte erworben. Gehen sie heute in Rente, muss der Staat einen entsprechenden Kapitalstock an die von ihnen gewählte AFP überweisen. Die 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, mit denen das staatliche Vorsorgesystem den Staatshaushalt belastet hatte, war den „Chicago Boys” zu teuer. Ihr Modell aber kostet die öffentliche Hand das Dreifache, nämlich 4,7 Prozent des Inlandsprodukts.”

    Teuerer ist das System also auch noch. Das nenn ich eine Erfolgsstory Herr Niemitz.

    http://www.welt-sichten.org/artikel/art-04-009/cm/rechenfehler-mit-schweren-folgen.html

  2. Sehr geehrter Herr Niemietz das ist ein sehr guter Kommentar und vor allem der Hinweis auf die entpolitisierende Wirkung privater Altersvorsorge und die Betonung des Zugewinns an individueller Freiheit sind sehr wichtig, denn es sind genau diese beiden Punkte, die verhindern und verhindern werden, dass das marode deutsche Rentensystem verändert wird. Hören Sie nicht auch schon die Solidaritätsposaune von all den Guten Menschen, die den Armen, die nicht viel verdienen, eine “gute” oder überhaupt eine Rente verschaffen wollen und dabei vergessen, dass diejenigen, z.B. die Arbeiter, die gezwungen werden, 40 und mehr Jahre in eine völlig unrentable Rentenkasse einzuzahlen, damit sie dann im Alter von 67 eine karge Rente beziehen, die weit unter dem liegt, was ihnen eine kapitalfinanzierte Rente erbringen würde, die ersten sind (statistisch betrachtet), die das Zeitliche segnen? Ein wenig Information über die Lebenserwartung von z.B. Grubenarbeitern und das Solidarsystem offenbart seine ganze Perversität: ein Leben lang schuften und Rentenbeiträge zahlen, mit Anfang 60 in Rente gehen und sich wenig leisten könnnen, weil die Rente nicht reicht, und gegen 65 oder 67 sterben … alles aus Solidarität mit all denen, die nicht oder nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt haben!

  3. @Michael Klein

    “vor allem der Hinweis auf die entpolitisierende Wirkung privater Altersvorsorge und die Betonung des Zugewinns an individueller Freiheit sind sehr wichtig”

    Wo ist eine private Rente entpolitisiert, wenn das System vom Staat in Notfällen gerettet wird? Auf den Zugewinn an individueller Freiheit würden viele verzichten, wenn sie dafür eine vernünftige Rente beziehen können. Von Freiheit kann man weder Essen, noch Trinken, noch Miete bezahlen.

  4. Eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ist eine wunderbare Ergänzung für eine umlagenfinanzierte Grundsicherung (BGE), aber mehr auch beim besten Willen nicht. Die kapitalgedeckte Altersvorsorge ist derzeit vorallem extrem kostenintensiv für den Einzelnen.

    Unser derzeitiges Renten- und Pensionssystem ist eine riesen Katatstrophe und sehr ungerecht, da sollte man ansetzten.

    Fast unsere gesamte Finanzwirtschaft funktioniert nicht, darüber sollte sich langsam jeder der klar denken kann klar sein, also ist es doch ein Wahnsinn noch mehr Kapital in dieses System zu pumpen. Langsam begreifen auch die dümmsten Ökonomen, dass Infaltion und Geldmenge doch zusammengehören, die Frage ist wann der Bürger dies merken muss (seit ca. 20 Jahren scheint dies nämlich nicht der Fall zu sein).

  5. Markus sagt:

    Wer kann, hilft sich durch privates Zusparen selbst.

    Da das System zwangsläufig kollablierenn muss, sind in ca 30 Jahren alle durchfinanzierten Immobilienbesitzer die Glücklichen.

    Ein Umlagebasiertes Sytsem kann nicht funktionieren, dafür muss man kein Ökonom sein. Ein kapitalgedecktes System muss 100% Sicherheit bieten, und das ist im genannten Besipiel NICHT der Fall. Mit der Argumentation von Herr Niemitz könnte man auch sagen: Wenn ich einmal beim Lotto gewonnen habe, ist das die beste Anlagemöglichkeit. Aber in einem hat er sicherlich recht: Die Demographie zerlegt fast jedes System. Im Grunda gibts nur eine Lösung: Jeder spart für sich selbst. Aber das würde unser Sozialsystem nicht zulassen und ist auch nicht wünschenswert. Ergo: Wir landen immer wieder bei einer Umverteilung, egal über welche Kanäle. Hohe Einkommen werden immer die niedrigen EInkommen stützen (müssen), also haben wir immer das demografische Problem – auch im BGE (oder wie sollte die Finanzierung sonst fiunktionieren, wenn hohe Einkommen nicht durch Konsum die Steuern dafür aufbrungen).

    Wer kann ist sich selbst der Nächste, so läufts in der Realität.

  6. @ Markus

    Ein Umlagenfinanziertes System ist das einzige was relativ sicher ist. Alles andere eben nicht.

    Unser derzeitiges Umlageverfahren bei allen Trasfers, sei es Renten, Pensionen oder alle anderen TRasfers ist eine Katatstrophe, da es ungerecht, verwaltungsintensiv (teuer), ineffizient etc. ist.

    Das Demografie Problem entsteht vorallem dadurch, dass wir nicht bereit sind den Menschen mehr Kaufkraft zur Verfügung zu stellen bzw. nicht bereit sidn die ganzen überflüssigen Arbeitsplätez abzubauen.

    Ich komm mir immer so vor als wenn alte Menschen als wertlos betrachtet werden, nur weil sie nicht irgendeinen Schwachsinn machen, der künstlich erzeugt wird und den eigentlich keiner braucht. Das finde ich sehr bedenklich.

    Das Reiche Arme finanzieren ist logisch, solange unser System so ist wie es ist füttern ca. 5 -7 % unserer Bevölkerung aller anderen durch. Aber das Geld fließt doch immer zurück nach oben (Arme verkonsumieren alles, evtl. kaufen sie ein Eigenheim, das war es dann aber auch), daher ist doch nur die Frage wieviel ihnen gegönnt wird.

  7. Kammerjäger sagt:

    Grau ist alle Theorie. Aber vielleicht noch einmal zu den Volkswirtschaftlichen Tatsachen. In einer Volkswirtschaft kann einer sparen, aber nicht alle. Das ergibt sich zwingend aus der VGR.

    Aber was stören uns schon Tatsachen?

  8. Re Chriwi:
    Alles komplett falsch.
    1: Die langfristige Durchschnittsrendite (1981 bis heute) der chilenischen Fonds betraegt 9,2% – real.
    2: Die niedrigen Lohnersatzraten, die Sie zitieren, kommen lediglich dadurch zustande, dass die im informellen Sektor Beschaeftigten, die keine Rentensparbeitraege zahlen, mit eingerechnet werden. Diese Leute wuerden allerdings auch in einem Umlagesystem keine Ansprueche erwerben. Ueber die Situation eines repraesentativen Rentensparers sagen diese Zahlen nicht das Geringste aus.
    3: Das private System ist fuer den Staat nicht teuer. Die Kosten, die sie zitieren, sind die “Entsorgungskosten” des alten Staatssystems. Ist doch klar, dass die Ansprueche, die in diesem erworben wurden, nicht einfach annulliert werden konnten.

    Re Markus:
    Kein System ist 100%ig sicher. Die Frage muss lauten: Welches System ist relativ sicherer. Und da gewinnt das Kapitaldeckungsverfahren. Klar, in diesem tragen sie das Kapitalmarktrisiko, und das ist nicht unerheblich. Aber im Umlageverfahren kommt zum demografischen auch noch das politische Risiko: Der Staat kann die Rentenformel jederzeit aendern und ihnen effektiv die Rente kuerzen, wenn er ploetzlich andere Prioritaeten hat (z.B. das Buhlen um die Gunst einer anderen Waehlergruppe). Sollte ein privater Rentenfondbetreiber entscheiden, dass er mal eben einen Teil Ihrer Rentenersparnis fuer andere Zwecke abzweigen will, dann kommt er ins Gefaengnis.

  9. @Markus
    “Ein Umlagebasiertes Sytsem kann nicht funktionieren”
    Warum? Letztenendes ist alles eine Frage der Produktivität und des Wachstums. Als im letzten Jahr die Wirtschaft anzog wurden die Sozialkassen auf wunderbare Weise entlastet.

    “Die Demographie zerlegt fast jedes System.”
    Auch hier ein warum? Ist die Demographie daran Schuld, dass die Löhne seit Jahren stagnieren. Auch hier werden konstante Bruttolöhne propagiert. Danach wunder man sich, dass die Einnahmen zu niedrig sind. Die Kosten für die Sozialkassen sind nicht deutlich über der Inflationsrate gestiegen so weit ich weiß. Die Kosten sind also nicht explodiert. Die Einnahmen wurden konstant gehalten. Die Demographie wird erst dann ein Problem, wenn die arbeitende Bevölkerung nicht genug produzieren kann, um die nichtarbeitende zu versorgen. Da wir immer noch 3 Millionen offizielle Arbeitslose und zig Millionen Teilzeitarbeitnehmer haben, welche Vollzeit arbeiten wollen ist das Problem einfach nicht da. Wenn die Löhne steigen, dann steigen automatisch auch die Einnahmen der Sozialkassen.

  10. @ Kris

    Private Altersvorsorge ist für den Einzelnen extrem teuer, wenn sie nicht waissen warum tut es mir leid.

    Selbstverständlich haben sie Recht damit, dass unser derzeitiges Umlageverfahren ein Katastrophe ist, dass muss es aber nicht sein.

    Ein Umlageverfahren ist deshlab sicher, da man theoretisch nur das ausgeben kann was reinkommt.

    Wie hoch ist die Infaltion in Chile, ich meinen sie liegt derzeit bei ca. 5%, das heißt bei einer Rendite von ca. 9,2 % behalte ich im Prinzip ca. den eingezahlten Betrag zurück, dies hieße auf unser System übertragen ich müsste von meinem Gehalt 35 – 40 % in die Altersvorsorge investieren um meinen Lebenstandard halten zu können.

    Die private Altervorsorge ist als Ergänzung sinnvoll, aber als auschließliches System sogar extrem gefährlich, da ich immer mehr Geld in unsere Finanzwirtschaft pumpen muss, die inzwischen hinlänglich bewiesen hat, dass sie damit nicht wirklich umgehen kann. Es gibt doch langsam für die riesen Kapitalmengen überhaupt keine sinnvolle Anlage mehr und es entsteht Blase nach Blase.

    Das letzter Problem der kaptialgedeckten Altersvorsorge ist, dass die es müssten, es nicht können und umgekehrt.

  11. Markus sagt:

    @ chriwi
    geanz einfach: Weil wir eine überproportionale Lohnentwicklung oder Produktivität in Relation zum demografischen Gefälle haben müssten, Und das ist kaum möglich, jedenfalls ist mir dies in Deutschland so noch nicht untergekommen. ergo: Kann nicht funktionieren. Siehe Realität. Die Frage nach dem Warum stellt isch doch gar nicht mehr.
    Wer will denn heute ernsthaft an diesem System festhalten? Das kann man gar nicht glaubhaft vermitteln! Ein Anstieg der Teizeitbeschäftigung ist nur eine Bestätigung hierfür!

  12. “Weil wir eine überproportionale Lohnentwicklung oder Produktivität in Relation zum demografischen Gefälle haben müssten”

    Warum sollte dies nicht möglich sein. Seit knapp 10 Jahren stagniert die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden. Die Teilzeitbeschäftigung ist deutlich gestiegen und wir haben immer noch über 3 Millionen offizielle Arbeitslose. Ein Demographieproblem existiert dann, wenn es nicht mehr genug Menschen zum Arbeiten gibt. Dies ist wohl kaum der Fall. Bringt man die Teilzeitbeschäftigten (die dies wollen) in eine Vollzeitstelle + 1 Millionen weniger Arbeitslose, dann sollte dies mehr als genug ausreichen.

    “Ein Anstieg der Teizeitbeschäftigung ist nur eine Bestätigung hierfür!”
    Dies ist kein Beweis für das Nichtfunktionieren des Sozialsystems. Es ist ein Beleg dafür, dass sich unsere Wirtschaft vollkommen auf den Export fokussiert hat und es zum senken der Kosten notwendig ist Menschen flexibel und mit wenig Lohn zu beschäftigen. Ein Beleg für das Scheitern des Umlagesystems wäre es, wenn Vollbeschäftigung herrscht und man nicht genug Güter für den Bedarf der nichtarbeitenden Bevölkerung produzieren kann. Dies ist bei weitem nicht der Fall. Somit herrscht ein Verteilungsproblem und kein Demographieproblem.

  13. “1: Die langfristige Durchschnittsrendite (1981 bis heute) der chilenischen Fonds betraegt 9,2% – real.”
    Wieso musste dann der chilenische Staat mehrfach eingreifen und den Fond stabulisieren? Gibt es eine Quelle zu den Wachstumsraten? Ich habe sie auf die Schnelle nicht gefunden.

    “Das private System ist fuer den Staat nicht teuer”
    In Deutschland müssen die privaten Rentenversicherer keinerlei Altlasten tragen. Dennoch sind sie deutlich teuerer als das öffentliche System (Werbung, Provisionen, Vertrieb). Dazu kommen noch die Rettungskosten der letzten Finanzkrise (Allianzbeteiligungen an der HRE als Beispiel)

  14. >>Wieso musste dann der chilenische Staat mehrfach eingreifen und den
    >>Fond stabulisieren?
    Hat er kein einziges Mal getan.

    >>Gibt es eine Quelle zu den Wachstumsraten?
    Selbstverstaendlich: http://www.spensiones.cl/safpstats/stats/.sc.php?_cid=46

    >>deutlich teuerer als das öffentliche System (Werbung, Provisionen, Vertrieb)
    Dem stehen die Verwaltungskosten des Staatssystems gegenueber, die Sie natuerlich nicht explizit sehen, weil sie auf der Lohnabrechnung nicht separat ausgewiesen werden.

  15. HPH_CGN sagt:

    Erstaunliche Diskussionsbeiträge. Am meisten erstaunt aber die Ignoranz der Ereignisse und der Fakten.
    Woher sollen Renditen für das gesammelte Kapital kommen, wenn es für dieses Kapital keinen Bezug mehr zur Realwirtschaft gibt? Das weltweite Geldkapital hat bereits das fünffache des benötigten Kapitals für Investitionen erreicht. Längst wandert es ausschließlich in Staatskonsum und damit Staatsverschuldungen. In knapper Übersetzung heißt das: Die nachkommenden Generationen müssen nicht nur unsere Umweltsünden aushalten und beseitigen, sondern auch noch unseren heutigen Konsum und die Renditen erwirtschaften. Es wäre wahrscheinlich preiswerter nur die Umlagen finanzieren zu müssen. Es ist beim besten Willen nicht einsehbar, daß spätere Generationen die heute aufgeblähten Gewinne, Boni und anwachsenden Privatvermögen finanzieren müssen.

    Das größte Übel ist aber, wenn Staaten versuchen, sich als Marktteilnehmer zu generieren. So wie jetzt bei der “Beseitigung” oder sollte man besser sagen “Vertagung” der Schuldenkrisen der öffentlichen Hände im In- und Ausland. Die letzten großen Anstrengungen der Staaten als “Marktteilnehmer” die Fehlwirkungen von Spekulationen in den Griff zu bekommen, waren kurz vor der Währungsreform. Als man einsah, dass die Marktinterventionen nicht wirksam genug sind gegen die riesigen Volumina der Währungsspekulaten zog man die Notbremse und hat die Währungsreform vorgezogen. Das Spekulationsvolumen ist größer als jedes Interventionskapital der Staaten. Wollen wir das Spiel, mit Steuergeldern die Spekulanten zu bereichern nun auf anderen Feldern weiter führen?

    Warum haben die Regierenden so viel Angst davor, die ordnungspolitischen Instrumente zu schärfen und einzusetzten? Warum liefern die Ökonomen keine neuen volkswirtschaftichen Modelle?

  16. Es ist immer wieder erstaunlich, wie der allgemeine Glaube an “Apfelbäumchen” sogar noch im 21. Jahrhundert zu dem Aberglauben verleitet, leistungslose Kapitaleinkommen würden nicht durch die Mehrarbeit anderer, sondern möglicherweise auf Bäumen wachsen.

    Heerscharen von Schweinepriestern haben mit ihrem Geschwätz (“Exegese”) über drei Jahrtausende Verdummungsarbeit geleistet, um diesen kollektiven Wahnsinn entstehen…

    Erde & Himmel = Angebot & Nachfrage
    Garten Eden (Paradies) = freie Marktwirtschaft
    Früchte tragende Bäume = Gewinn bringende Unternehmungen
    Baum des Lebens (ez pri ose pri “Baum, der Frucht ist und Frucht macht”) = Geldkreislauf
    Baum der Erkenntnis (ez ose pri “Baum, der Frucht macht”) = Geldverleih
    Frucht vom Baum der Erkenntnis = Urzins
    Tiere des Feldes = Arbeiter (Untertanen)
    Mann (Adam) = Sachkapital (freier Unternehmer)
    Frau (Eva) = Finanzkapital (Anleger/in)
    Schlange = Sparsamkeit (die Schlange erspart sich Arme und Beine)
    Feigenblätter / Kleidung = Liquidität / Ansehen
    Gott (Jahwe) = künstlicher Archetyp: Investor (lat. vestis = Kleidung)
    Erbsünde = Privatkapitalismus
    Himmel & Hölle = Zinsgewinn & Zinsverlust

    …und fast zwei ganze Jahrtausende über den Zeitpunkt hinaus bestehen zu lassen, an dem der eigentliche Beginn der menschlichen Zivilisation hätte stattfinden können:

    Vater (der Kultur) = Kreditangebot
    Sohn (der Kultur) = Kreditnachfrage
    heiliger Geist = umlaufgesichertes Geld (heilig = gesichert / Geist der Kultur = Geldumlauf)

    Schlimmer als das Eingeständnis, bisher in einem Cargo-Kult gelebt zu haben, ist nur noch der Wahnsinn, es weiterhin zu versuchen:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

  17. Klaus Zajac sagt:

    Wir haben in D,land rund 10 Millionen Menschen, die arbeiten möchten, aber
    nicht können. Rund 3,5 bis 4 Milionen gelten als ” graue Reserve “, die in der
    Arbeitsmarktpolitik nicht in Erscheinung treten, weil sie keinen Anspruch an den Staat stellen können, weil der PartnerIn genug verdient. Hinzu kommen
    die in den Statistiken ausgeblendeten A,losen, die zwar ALG II beziehen, aber
    nicht als arbeitslos gelten, weil sie entweder im Niedriglohnsektor arbeiten,
    oder durch andere statistische Tricks verschwinden ( z.B. Ausbildungsmaßnah
    men, wie unsinnig sie auch immer sein mögen oder Maßnahmen wie 50 – plus
    oder die Behandlung nach § 428 SGB XII etc. ).
    Wir hätten somit einen potentiellen Reservepool von rund 10 Millionen Beitrags
    zahlern, die jede Lücke, die in den nächsten 30 Jahren durch eine Diskrepanz
    zwischen Geburten u. Altersstruktur entstehen könnte, auffangen würden.
    Vieles wird den jungen Generationen verschwiegen, die zumeist keine allzu
    große Ahnung von der Funktionsweise unseres Rentensystems haben. So ist
    nicht klar, dass in der Vergangenheit, als die GRV noch vor der Einführung des
    Umlageverfahrens ein kapitalgedecktes Verfahren war, bei Problemen das Um
    lageverfahren zusätzlich eingeführt wurde, denn ein kapitalgedecktes Verfahr-
    en ist in extremer Weise vom Kapitalmarkt abhängig ( siehe Finanzkrise oder
    die Pleiten kapitalgedeckter Rentensysteme in den USA ). Die klaren Vorteile
    des Umlageverfahrens ( zumindest beim herrschenden Finanzsystem ) werden
    der jungen Generation bewusst verschwiegen. Im Kapitaldeckungsverfahren
    fallen erheblich höhere Verwaltungskosten an, ganz zu schweigen von den An-
    sprüchen der Aktionäre, die Dividende sehen wollen. Die Beiträge im Kapital -
    deckungsverfahren verschwinden im undurchdringlichen Dschungel der Kapital
    märkte u. nur gelegentlich dringt einmal durch, für welche Zwecke dieses Ka -
    pital genutzt wird ( siehe Presseberichte über die Investitionen von Renten -
    fonds in die Rüstungsindustrie ).
    Stattdessen sollte das bewährte Umlagesystem gestärkt werden. Es ist dann
    robust, wenn die A,losigkeit einigermaßen begrenzt werden kann.
    Mit den Beiträgen, die jetzt für die Riester – Förderung eingesetzt werden,ließe
    sich die GRV bei stabilen oder gar sinkenden Beitragssätzen armutsfester
    machen.
    Seit Jahren verkündet die Bundesregierung, die Beschäftigten sollten sich sich
    nicht mehr ausschließlich auf die gesetzliche Sozialversicherung verlassen,
    sondern auch privat für das dritte Drittel ihres Lebens vorsorgen. Viele Men -
    schen investieren deshalb einen Teil ihrer Einkünfte in Aktien u. Aktienfonds
    von Banken. Sogar die staatlich geförderte Riester – Rente ermöglicht die Be -
    teiligung an Aktienfonds privater Banken. Der Wert dieser Aktien u. Fonds
    allerdings schwankt stark – je nach Lage der Weltökonomie steigt oder fällt er.
    Deshalb ist durchaus nicht sicher, welchen Wert die private Vorsorge noch hat,
    wenn das Rentenalter erreicht ist u. die Auszahlung beginnt. Wer Aktien u.
    Fonds kauft, wettet auf steigende Preise. Mein Vertrauen in meine Altersver -
    sorgung lässt deshalb nach. Ich bin beunruhigt. Denn unentwegt denken sich
    die Banken neue, risikoreiche Geschäfte aus. Diese folgen nur einer Logik – der Logik des höchsten Gewinns.
    Oft lösen solche Transaktionen Milliardenverluste aus, bringen die Volkswirt -
    schaften ganzer Länder durcheinander u. gefährden auch die Alterssicherung
    von Millionen Rentnern.

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Der Autor:

Kristian Niemietz

ist derzeit Mphil/PhD Student in Public Policy am King?s College London und arbeitet als Poverty Research Fellow beim Institute of Economic Affairs in London.

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