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Energiewirtschaftliche Vollbremsung

Innerhalb eines halben Jahres hat die Bundesregierung gestern zum zweiten Mal ein Energiekonzept für die Zukunft vorgelegt. Gleichzeitig hat die von der Bundesregierung eingesetzte Ethikkommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Klar ist nun auch offiziell: Die Bundesregierung will raus aus der Kernenergie, und das so schnell wie möglich. Nachdem im Herbst noch die Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke beschlossen wurde, wurde nun nach dem Reaktorunglück von Japan eine hundertprozentige Kehrtwendung vorgenommen.

Trotz des radikalen Kurswechsels bleiben die Ziele der Politik gleich: Strom soll auch weiter sicher, bezahlbar und umweltfreundlich sein. Das dies nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch wirtschaftlich riskant. Wenn billiger Strom aus Kernkraftwerken durch teure Gaskraftwerke erzeugt werden soll, bedeutet das Kosten in hoher Milliardenhöhe:

- Energieintensive Industrien müssen mit einem um gut 10 Prozent erhöhten Strompreis rechnen, was es einigen unmöglich machen kann, in Deutschland weiter wettbewerbsfähig zu arbeiten.

- Private Haushalte zahlen ebenfalls mehr für den Strom, dies wird aber in vertretbaren Dimensionen bleiben.

- Der Staat wird niedrigere Steuereinnahmen haben – Brennelementesteuer, Gewinnabführungen und  Gewinnsteuern von Energieerzeugern und -verbrauchern fallen niedriger aus oder ganz weg.

Die wirklichen Kosten der energiewirtschaftlichen Vollbremsung liegen auch mit den neuen Beschlüssen noch nicht auf dem Tisch. Klar ist nur: Es wird teurer. Gleichzeitig wird die Sicherheit der Stromversorgung gefährdet, weil die Netze überlastet sind. Umweltfreundlicher wird es auch nicht, weil mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird. All dies muss in eine gesellschaftliche Risikobewertung einbezogen werden.

12 Kommentare zu “Energiewirtschaftliche Vollbremsung”

  1. Markus sagt:

    “Wenn billiger Strom aus Kernkraftwerken durch teure Gaskraftwerke erzeugt werden soll, bedeutet das Kosten in hoher Milliardenhöhe:”
    –> Ich stelle fest, der Autor hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

    “Der Staat wird niedrigere Steuereinnahmen haben ”
    –> Und dafür weniger Kosten in der Zukunft für anfällige Lagerung/ Entsorgung. Und wieder hat der Autor seine Hausaufgaben nicht gemacht.

    Industrie: was hält die Industrie davon ab, bei Stromerhöhungen in Duetschland künftig die Energie zB aus Frankreich zu beziehen – ich erinnere an die über 50 AKWs im benachbarten Ausland…

    “. Klar ist nur: Es wird teurer”
    Das sagt die Lobby. Aber die Lobby sagt nciht warum das so ist ;-) warum wohl?

    Fazit: Ein oberflächlicher Artikel ohne jedwede kritische Anmerkung und vor Allem ohne Beachtung externer Einflüsse. Könnte direkt von den Konzernen als Pressemitteilung kommen. Die Grünen würden beim lesen eines solchen Artikels wohl die Fassung verlieren (diemsla sogar zurecht).

  2. “Umweltfreundlicher wird es auch nicht, weil mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird”
    und im Gegenzug weniger Atommüll produziert wird. Wie wollen sie das Gegenrechnen?

    “Ein oberflächlicher Artikel ohne jedwede kritische Anmerkung und vor Allem ohne Beachtung externer Einflüsse. ”
    Er reiht sich damit wunderbar in die Artikel dieses Blogs ein.

  3. Keine Ahnung, Doktortitel sind scheinbar wirklich zu einfach zu haben.

    Aber das was Herr Dr. Bardt schreibt zeugt doch von absoluter Technologieverweigerung. Es gibt soviele Möglichkeiten, die genutzt werden können.

    Aber naja, damit lässt sich in großen Teilen nicht das Geld verdienen wie jetzt, da es zu autark ist.

  4. Seit wann geht es bei diesem Thema denn om wirtschaftliche Zusammenhänge, Logik o.ä. ? Bei diesem Thema geht es ausschließlich um Politik, Wählerstimmen, den Mainstream. Das Politik schon seit längerer Zeit der Beliebigkeit anheim fällt ist bekannt. JEDER der auch nur ein Mindestmaß an wirtschaftlichem und kulturellem Sachverstand hat wird folgendes wissen: 1. technologische Umstellungen kosten IMMER GELD – die Höhe wird oft nur “über den Daumen ” geschätzt. 2. Es ist NIEMALS am Beginn sicher dass das was man erreichen will auch so funktioniert wie es geplant ist. 3. Veränderungen erzeugen IMMER auch Ablehnung, Angst,Unwohlsein. Also – worüber wird denn nun wirklich sachlich gestritten? Das es Geld kostet – ist klar……das man nicht weiß ob es so funktioniert – ist auch klar. Es geht doch nur gegen die Regierungsfraktion, gegen das Hin und Her (ich selbst bin ganz fest überzeugt davon – und habs auch schon erlebt – dass es immer mal Ereignisse geben kann, die eine gegenteilige Entscheidung notwendig werden lassen) Dann will man den Grünen keinen Raum geben, sich die SPD “warm halten” – man weiss ja nicht wie es mit der FDP weiter geht……

  5. Markus sagt:

    “1. technologische Umstellungen kosten IMMER GELD – die Höhe wird oft nur “über den Daumen ” geschätzt.”

    In der Wirtschaft nennt man dies Investition und berechnet dies zB mit dem ROI.

    In der Politik lassen sich damit wunderbar Ängste schüren, a la “wer soll das alles bezahlen…alles wird teurer,…etc.”

    Liest eigentlich niemand diese Artikel, bevor diese hier veröffentlicht werden? bei manchen liest man diese “Veröffentlichung” sogar als Referenz. Na da lach ich mich doch fast kaputt – wenn man es schon so nötig hat.
    Ich finde es einfach nur schade, dass solche (wie auch andere) Beiträge, ohne jedweden ökonomischen Hintergrund, mit einer derartigen Oberflächlichkeit und Ungenauigkeit, mit dem Fehlen einer kritischen Komponente (Vorausseztung wissenschaftl Arbeiten), ohne hinreichende Argumentationskette oder gar Kausalitätsszenarien hier zur “Diskussion” freigegeben werden.
    das Niveau sollte doch schon gewahrt werden. Mindestens wäre jedoch wünschenswert, dass sich die Autoren an der Diskussion beteiligen und auch Rede und Antwort zu ihren Beiträgen leisten. Oder ist man schon zu weit abgehoben? Dann wäre die Politik das richtige…schön von oben herab und immer im recht, sei es auch noch so widerlegbar.

  6. @ Markus…..vielen Dank für Ihren Hinweis auf den ROI….wenn Sie nun noch erklären wie Sie die Umsatzrendite und den Kapitalumschlag VOR Investition verlässlich und unveränderlich beziffern und Ihre praktischen Erfahrungen so ganz anders sind, dann ist es doch sinnvoll entsprechendes bei der entscheidenden Stelle oder den beauftragten Kommissionen vorzutragen. Ich treffe seit ca. 15 Jahren u.a. Investitionsentscheidungen und sehe das nun einmal ganz anders – meine Erfahrungen gehen z.T in eine ganz andere Richtung. Mit Ihrem letzten Absatz gebe ich Ihnen absolut Recht – ich würde mir auch eher einen Dialog wünschen. Aber auch diese Verfahrensweise ist nicht neu: Ich schieß erstmal nen Beitrag los, sehe wie die Leute reagieren, ziehe meine Schlüsse und kann dann mit neuen Weisheiten aufwarten. Nun ja, ebenfalls in der Praxis ne bewährte Methode – genau wie das negieren und angreifen anderer Ansichten. In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Beiträge.

  7. Markus sagt:

    @ Silvio
    Sie missverstehen – ich meine die finazielle Entscheidung für oder gegen eine Investition wird in der Privatwirtschaft anders behandelt als in der Politik. Die Politik erlaubt sich sehr oft ein überdurchschnittliches Risiko.
    Und natürlich ist auch mir bekannt, dass der grundlegende Satz eines jeden Unternehmers die Ungewissheit über künftige erträge ist, da haben sie doch auch recht. Auch kann man eine Vielzahl von Entscheidungstheoretischen Regeln anwenden, Szenarien entwickeln, usw. hinterher ist man immer schlauer.
    Aber immer müssen realistischen Zahlenwerke zugrunde gelegt werden. “Über den Daumen” werden Sie hoffentlich keine Investition getätigt haben. Darum diese Kritik.

    Ach ja, Umsatzrendite und Kapitalumschläge künftiger Geschäftsereignisse lassen sich durchaus berechnen – anhand statistischer Instrumente. Und mit zunehmendem zeitbezug können diese entsprechende konkretisiert werden. In der Wirtschaft funktioniert dies, auch in meinem Unternehmen. Ich kann also heute sagen, wie hoch der Umsatz in 10 Monaten sein wird. Und je näher wir den 10 Monaten kommen, desto präziser. Aber alle zugrundeliegenden Daten sind nachvollziehbar und halten stand. Das ist der Unterschied.
    ohne diese Methodik könnte man unsere Unternehmung wohl schliessen, und so manch andere ebenfalls. Natürlcih vermeidet man dadurch keine Fehlentscheidungen, aber man kann durchaus das Risiko minimieren und lenken, aber auch zu gegebener zeit eine Revision druchführen.
    Das wird im politischen Jargon eben nicht gemacht. Das beginnt schon damit, dass gar nciht alle Kosten im obigen Fall einbezogen werden und damit die Errechnung bspw. des ROI unmöglich ist.

  8. @ Markus

    Die Wahrheit ist “Niemand weiß was morgen ist”, das Herdenverhalten ist eine Konsequenz daraus.

    Deshalb brauch man keine Prognosen, its a game lets paly it, dieser Satz beschreibt es ziemlich gut.

  9. Markus sagt:

    @ Surp
    im Grundsatz ist das sicherlich so. Wenn wir aber unsere heutigen Entscheidungen nicht auf Vermutungen zukünftiger Entwicklungen basieren, werden wir nie erfolgreich sein. zB:

    Abkehr von der Atomenergie
    Ausbau Kitas
    Kauf einer Immobilie
    Studium
    Ernährungsplan
    etc.

    Und nun überlegen Sie, warum wir diese Entscheidung heute treffen – nicht weil diese Handlungen uns heute weiterbringen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit erst morgen!

    In ALLEN Lebensbereichen entscheiden wir mit Blick auf die Zukunft und versuchen unsere heutiges Verhalten so optimal anzupassen. Nach iherer “Laissez-faire”, ich leb in den Tag hinein Devise würde unser gesamtes System (privat und unternehmerisch) nicht funktionieren.
    Selbst ein Eichhörnchen sammelt Vorräte für den Winter obgleich es nicht sicher weiss, wie kalt und wie lange dieser Winter wird. Hat das Eichhörnchen Ihnen was voraus?
    da gibts übrigens auch Märchen bzw. Kindergeschichten zu dem Thema…

    Das Herdenverhalten ist aber ein anderes Phänomen und kommt auch in anderen Lebensbereichen vor. Aber ich gebe Ihnen recht, auchd ies spielt eine gewisse Rolle.

  10. @ Markus

    Ich wollte eigentlich nur die Lächerlichkeit von Prognosen unterstreichen.

    In meinen Auggen wird es Zeit an der wahren Problemen der Welt zu arbeiten und uns weniger auf Blödsinn zu konzentrieren, der uns tagtäglich in einer nicht mehr zu verarbeiteten Flut an Informationen geliefert wird.

    Ich sag es mal ziemlich simpel: Es ist total egal, ob Griechenland oder Amerika, Pleite sind, die wahren Probleme liegen ganz woanders.

    Wichtig ist nur, wie bekommen wir es hin:

    - Die Armut zu beseitigen
    - Ressourcen zu schonen, am besten zu 100% wiederzuverwerten
    - Die Ungleichheit auf ein erträgliches Maß zu mindern, sonst implodiert unsere Gesellschaft in nicht all zu langer Zeit.

    Für all diese Probleme gibt es interssante Ansätze und wir beschäftigen uns mit Dreck und Problemen, die keiner hätte, wenn wir sie nicht selbst gemacht hätten.

  11. @ Markus…..vielen Dank für die Reaktion auf meinen Beitrag. Ja…..ich habe das “über den Daumen”….zugespitzt! Das war auch ganz bewusst – u.a. habe ich an die Unsicherheiten während des Entstehens einer Finanzkrise gedacht und anderer Einflüsse die nicht unbedingt Unternehmensgesteuert sind. Ja, Sie richtig ist auch: einen gewissen Anhaltspunkt hat man an Hand statistischer Werte – man darf nur eines bei Investitionsentscheidungen nicht vergessen: Statistiken zeigen IMMER nur das Ergebnis aus der Vergangenheit verlässlich. Für die Sicherheit in der Zukunft sind sie aber IMMER nur bedingt tauglich. Man hat sich bei Managemententscheidungen in Bezug auf Investitionen viel zu lang an Statistiken orientiert – die Ergebnisse sind bekannt. Man spielt sich eine Sicherheit vor die schlicht nicht existiert. Und das lernt man und weiß man inzwischen zum Teil eben auch in den Managementetagen großer Unternehmen. Das die Politik hier viel weniger weiss und sich selbst (und den Wähler) nicht ehrlich gegenüber ist, ist bedauerlich – es kostet ja auch unmengen Geld. Schade ist hier dass die Berater der Politik größtenteils JA-Sager sind und nur wenig realistisch beraten. Ich denke hier müsste die Beraterhaftung greifen.

  12. Frank Körnig sagt:

    http://www.deweles.de

    „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die
    ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu
    vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen
    versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“
    Zitat: Gustave Le Bon, 1895

    Man muß keine neuen Thesen aufstellen, die fehler sind schon lange bekannt, werden aber ignoriert, beachten Sie bitte die Jahreszahl unter dem Zitat.

    Danke

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Der Autor:

Dr. Hubertus Bardt

ist Stellv. Leiter des Wissenschaftsbereiches II und Leiter der Forschungsstelle Umwelt- und Energieökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

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