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Die Fed kriegt ihr Fett weg

Buchkritik: Peter D. Schiff, Wie eine Volkswirtschaft wächst … und warum sie abstürzt, Kulmbach 2011

Ein selbstbewusster Autor ist dieser Peter D. Schiff. Zwar gibt er geradezu kokett bescheiden zu, nicht klüger zu sein, als die meisten Volkswirte, ist sich aber doch sicher, „ein fundamentales Verständnis für die Grundprinzipien der Volkswirtschaft“ zu besitzen. Es könnte möglich sein. An der von seinem Vater Irwing, selbst Ökonom und Buchautor, übernommenen Allegorie „Die Fischergeschichte“, in der drei Fischer eine Insel in eine prosperierende Nation verwandeln, erklärt er mit seinem Bruder Andrew als Co-Autor und dem Comiczeichner Brendan Leach als Illustrator lust- und humorvoll die Mechanismen, Fallstricke und Abstürze einer modernen Volkswirtschaft.

Die Perspektive ist rein amerikanisch. Für den europäischen Leser bleibt dennoch genug Reflexionsmaterial. Denn Schiff hält insbesondere der US-Notenbank Fed recht ungeschminkt ihre Fehler der vergangenen drei Jahre vor. Er will zeigen, „dass das Modell der Keynesianer, wonach Regierungen folgenlos Geld ausgeben können in dem Glauben, wertloses Geld könnte ein wirksames wirtschaftliches Schmiermittel sein, falsch und gefährlich ist“.

So prangert Schiff an, dass moderne Volkswirte davon ausgehen, dass Ausgaben das Wachstum antreiben und Deflation Menschen dazu bringt, Anschaffungen aufzuschieben. Er hält diese These für absurd, da es nicht auf die Ausgaben ankomme, sondern auf die Produktion. Wenn Menschen nicht kaufen, tauge entweder das Produkt nichts oder der Verbraucher könne es sich einfach nicht leisten.

Dass die Deflation Wirtschaftsfeind Nummer Eins darstelle, liege letztlich aber daran, dass die Inflation „der beste Freund aller Politiker“ sei. Die Fed, die doch ursprünglich den Auftrag gehabt hätte, eine „elastische Grundversorgung“ einzurichten, sei mit ihrem Job, umlaufende Geldmenge passend zur Wirtschaftsaktivität zu vergrößern oder zu verkleinern, „kläglich gescheitert“. Abgesehen davon, dass der Dollar in den letzten 100 Jahren 95 Prozent seines Wertes verloren habe, existiere die Fed heute nur noch zu einem Zweck – „um die Inflation zu gewährleisten, die nötig ist, damit der Staat mehr ausgeben kann, als er in Form von Steuern einnimmt“.

Schiff warnt die USA vor Hyperinflation. Zwar würde der Dollar allgemein immer noch akzeptiert, verliere er jedoch seinen „Reservestatus“, ginge es bergab. Dass er durch den Euro abgelöst wird, sagt Schiff nicht. Es wäre wohl auch gefährlich, denn bisher hat er mit seiner Ahnungen fast immer recht behalten. Auch die Finanzmarktkrise 2008 hatte er zeitig vorausgesagt.

7 Kommentare zu “Die Fed kriegt ihr Fett weg”

  1. “Wenn Menschen nicht kaufen, tauge entweder das Produkt nichts oder der Verbraucher könne es sich einfach nicht leisten.”

    Oder sie sparen, weil sie billigere Preise erwarten. In einer Deflation ist dies der Fall. Wieso sollte ich teuer kaufen, wenn es morgen billiger sein wird. Die Psychologie des Menschen wird von Peter D. Schiff scheinbar vollkommen ausgeblendet.

    “Er will zeigen, „dass das Modell der Keynesianer, wonach Regierungen folgenlos Geld ausgeben können in dem Glauben, wertloses Geld könnte ein wirksames wirtschaftliches Schmiermittel sein, falsch und gefährlich ist“.”

    Das haben viele versucht und keinem ist der Nachweis eindeutig gelungen. Das ist so, weil die Wirtschaftssysteme einfach zu komplex sind. Im Vergleich zur letzten großen Weltwirtschaftskrise in den 30ern und dieser sieht man, dass diese deutlich glimpflicher abgelaufen ist. Somit hat die expansive Geldpolitik zumindest die Probleme abgefedert.

  2. Markus sagt:

    @ chriwi
    naja, weil kein ökonomisches Modell die menschliche Psyche beachten kann. Das ist der faktor der Unsicherheit M-), es menschelt eben.
    Musst aber auch sehen (wie beim Sprit): Auf sinkende Preise zu warten ist Spekulation – und damit Risiko. Die Frage ist auch, ob man auf niedrigere Preise warten kann, bei Lebensmittel eben nicht. Siehe Preiselastizität.

  3. @Markus
    Das Deflation durchaus ein Problem darstellt zeigte sich in Deutschland in den 30er Jahren. Moderate Inflation war immer besser.

  4. @ chriwi

    Deflation ist ein Problem, aus den von ihren genannten Gründen.

    Trotzdem ist die Politik der FED eine Katastrophe, sie macht Reiche reicher und Arme ärmer (beides selbstverständlich nur auf dem Papier).

    Ich glaube wir brauchen einen kompletten Zusammenbruch der gesamten Finanzwirtschaft, damit man mal wieder anfägt logisch zu überlegen.

    Der Ansatz von Schiff, dass ein Staat sich nicht verschulden sollte, finde ich absolut sinvoll, er sollte mit seinen Einkommen auskommen, genauso wie es jede natürliche Person sollte. “Wachstum” (das wir darunter verstehen) schadet in meinen Augen nur noch den Durchschnittsbürger, wobei ich in Entwicklungsländern und Schwellenländern es befürworte.

  5. Markus sagt:

    @chriwi
    Stimmt vollkommen – aber kann man die Situation der 30er auf heute so umlegen?

  6. @Surp
    Das die FED eine vernünftige Politik betreibt behaupte ich nicht. Anstatt Ramsch zu kaufen und Zinsen niedrig zu halten sollten sie lieber in Infrastruktur, Bildung, etc. investieren. Das zahlt sich dann wenigstens irgendwann aus. Auch ist nicht zu verstehen warum ein Mensch aus seinem Haus gejagt wird, weil er Schulden hat und die Bank der das Haus gehört und die auch Schulden hat Milliarden Dollar kassiert. Eigentlich hat doch der Staat damit das Haus gekauft und könnte die Menschen darin wohnen lassen.

    @Markus
    “Stimmt vollkommen – aber kann man die Situation der 30er auf heute so umlegen?”
    Sicher nicht zu 100%. Man sollte aber aus den Fehlern von damals lernen. Blindes Sparen führte zu noch mehr Unheil.

  7. Markus sagt:

    “Blindes Sparen führte zu noch mehr Unheil.”
    wie immer eben…das ist leider richtig.

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Der Autor:

Dr. Martin Roos

ist freiberuflicher Journalist. Er arbeitet als Autor, Ghostwriter und Redenschreiber für Unternehmen und Topmanager.

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