Jobs sind besser als ihr Ruf
Der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig macht sich Sorgen über den Zustand unseres Arbeitsmarktes. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Rundschau kritisiert er am 26. Juli: Die „prekäre Beschäftigung“ würde steigen, vor allem die Zahl der Minijobs. All dies diene nur der „Kostenoptimierung“ und führe zur „Entwertung der Arbeit“. Machnigs Misstrauen ist unbegründet. Denn die Zahlen geben das nicht her.
Gerade in diesen Monaten ist zu beobachten: Die Anzahl der Vollzeitbeschäftigten steigt stärker als die der Teilzeit-Arbeitsplätze (IAB, Juli 2011). Und auch in den vergangenen Jahren haben sich die Jobchancen insgesamt deutlich verbessert. Die Zahl der Erwerbstätigen ist während der vergangenen fünf Jahre um beinahe zwei Millionen auf über 41 Millionen gestiegen. Der aktuelle Aufschwung am Arbeitsmarkt wird vor allem getragen durch „sozialversicherungspflichtige“ Arbeitsverhältnisse. Richtig ist, dass mit der Agenda 2010 die Bedeutung flexibler Erwerbsformen relativ zugenommen hat – dazu gehören zum Beispiel befristete Jobs, Halbtags-, Teilzeit- oder Zeitarbeitsstellen. Richtig ist aber ebenso, dass es sich hierbei um zusätzliche Beschäftigung handelt. Für den einzelnen Beschäftigten dienen diese Einstiegsjobs sehr oft als Sprungbrett hin zu höher bezahlten Anstellungen. Es gilt also weniger, die wachsende Bedeutung dieser neuen Arbeitsformen zu bemängeln. Vielmehr ist dies ein Beleg für den arbeitsmarktpolitischen (Agenda 2010-) Erfolg, Geringqualifizierte in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Flexible Beschäftigungsformen haben in den vergangenen Jahren den Arbeitsmarkt ergänzt – und nicht alle dieser neuen Jobs sind im Niedriglohsektor entstanden.
Machnigs größte Sorge sind die Minijobs. Deren Anzahl ist zwar seit dem Jahr 2003 deutlich gestiegen – sie bleibt aber seit 2005 weitgehend konstant. Von einem akuten Problem kann also heute überhaupt keine Rede sein. Und von einer Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse schon gar nicht. Etwa ein Drittel der Betroffenen Personen üben ihren Minijob zusätzlich, neben ihrem Hauptberuf aus.
Weitere Beiträge:
*Prof. Dr. Karl-Heiz Paqué: Arbeit für alle
*Prof. Dr. Thomas Straubhaar: Vollbeschäftigung ist keine Utopie


25,650 Millionen Vollzeitstellen gab es im Jahr 2000. Zum Zenit des Aufschwungs 2007 waren es noch 23,407 Millionen und hier werden die aktuellen 23,530 Millionen gefeiert. Mir erschließt sich das nicht.
“Für den einzelnen Beschäftigten dienen diese Einstiegsjobs sehr oft als Sprungbrett hin zu höher bezahlten Anstellungen.”
So weit ich weiß stimmt das nur für sehr wenige Beschäftigte und die Aussage gehört ins Reich der Mythen.
“sie bleibt aber seit 2005 weitgehend konstant. Von einem akuten Problem kann also heute überhaupt keine Rede sein”
Da wäre die Entwicklung über die Finanzkrise interessant gewesen. Ich denke nämlich, dass die Minijobs gerade wieder ihren Wert vor der Krise erreicht haben.
“Und von einer Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse schon gar nicht.”
–> Ach so, dann gibts plötzlich mehr Arbeit? Interessant.
“Etwa ein Drittel der Betroffenen Personen üben ihren Minijob zusätzlich, neben ihrem Hauptberuf aus.”
–> Welcome, USA. Aber immerhin. Das bedeutet doch, dass dieses eine Drittel das Ziel verfehlt. Minijobs sind doch als Einstieg gedacht, und nicht als Ergänzung. Denn dieses Drittel will gar kein “Sprungbrett”, schliesslich ist es ein zweiter Job. Insofern ist CHRIWIS Aussage schon dadurch weitgehend belegt.
Ach ja, Minijob bedeutet BIS 400 Euro – aber sehr viele bekommen weniger!
“Ach so, dann gibts plötzlich mehr Arbeit? Interessant.”
Es gibt prinzipiell unendlich viel Arbeit. Wenn Sie möchten, können Sie gerne jederzeit bei mir vorbeikommen und mein Auto putzen und meinen Garten umgraben.
Die Frge ist bloß, ob sie zu dem Preis, der in Deutschland bezahlt werden muß, auch nachgefragt wird. Der Glaube, es gäbe eine feste Menge “X” an Arbeit, die dann auf alle Menschen verteilt werden müsse, ist eine *der* großen Irrtümer der Linken. Und wenn man bedenkt, was die Linken sonst noch so alles glauben, will das wirklich etwas heißen. ;-)
@ Christoph
So war es auch gemeint, ich denke das geht auch aus dem Kontext hervor. Die Arbeit, die auch bezahlt wird – wo also Nachfrage nach Arbeitnehmern herrscht zu einem Preis X.
Wenn Sie mir einen angemessenen Stundensatz offerieren, dann putze ich ihr Auto und grabe den Garten um. Ich denke aber nicht, dass Sie sich einen Spezialisten wie mich leisten würden. Denn Ihr Freizeitwert in EURO liegt definitiv unter meinem Stundensatz – also selber putzen! Oder nicht?
Das gesamte System ist falsch, mehr braucht man dazu nicht sagen.
Wenn muss man es komplett ändern und nicht immer nur an den Syntomen herumdoktorn.
Aber eine Aussage ist wahr, was wir Erwerbsarbeit nennen ist zum Großteil Dreck und führt zu einer Entwertung der Arbeit die getan werden muss.
Eine Umverteilung allein über Erwerbsarbeit ist defintiv der falsche Weg, um die Welt in eine lebenswerte und nachhaltige Zukunft zu führen.
Mein lieber Markus. Genau das ist doch mein Punkt. Harz4 ist zu hoch. Deshalb müssen potentielle Arbeitgeber zu hohe Löhne zahlen, wenn sie die schlecht ausgebildeten und daher unproduktivien Arbeitslosen einzustellen wollten. So hohe Löhne lohnen sich für die Arbeitgeber nicht, da sie dann selber nichts mehr verdienen. Daher haben wir Arbeitslosigkeit.
@ Christoph
Ist Hartz4 zu hoch?
Studenten kommen gut mit 364 Euro + Miete aus, da sie überall abartig subventioniert werden, aber leben sie mal länger als 1 Jahr davon, vorallem, da die Inflation im Bereich Energie und Lebensmittel, leider nicht bei 2,4 % liegt.
Ich glaube sie haben keine Ahnung, was mit diesen Menschen passiert. Vorallem da sie häufig kleine Schulden besitzen, 5000 Euro sind plötzlich sowas wie 1 Millionen, denken sie mal darüber nach.
Ich schreibe schon lange mir die Finger wund, dass man eben jeden eien Grundsicherung zukommen lassen sollte und für den Rest ist die Person selbst verantwortlich, das würde endlich diesen geisteskranken Knoten zwischen Arbeit und Nichtarbeit lösen, da jeder der arbeitet (in unseren noch geisteskrankeren Defintionsbereich) hätte mehr als der, der nichts tut.
Aber man will ja nur nach unten treten und niemals die Frage stellen wie man es besser machen kann. Hauptsache ich bin nicht der Letzte in der Kette, der Rest ist jedem egal, daher sind wir so leicht zu manipulieren.
Ich bin doch selber arbeitslos, seit ich mein Studium geschmissen habe. Sonst hätte ich auch kaum die Zeit, mich hier mit irgendwelchen Linken zu streiten.
Na und? Mir geht’s doch gut.
Die Schulden die den armen Arbeitslosen das Leben angeblich so schwer machen, müssen die armen Arbeitslosen übrigens auch irgendwann einmal angehäuft haben.
Und was das Grundeinkommen angeht: Das kann doch gar nicht funktionieren. Wenn ich nicht arbeiten müßte, würde ich mir nie einen Job suchen. Ein gewisser Herr Frédéric Bastiat hat das bereits vor über hundertfünfzig Jahren bemerkt.
L’État, c’est la grande fiction à travers laquelle tout le monde s’efforce de vivre aux dépens de tout le monde .
Vielleicht gelangen ja auch Sie eines Tages einmal zu dieser Erkenntnis. Und können mir erklären, was an Arbeitsleben Geisteskrank sein soll? Sind Sie etwa neidisch, weil andere Leute mehr verdienen als Sie? Vielleicht hätten Sie einen vernünftigen Beruf ergreifen sollen!
@ Christoph
Ich würde zustimmen, wenn es denn so wäre: Aber Hartz IV Empfänger sind eben nicht pauschal ungebildet, faul oder was sonst noch so an den üblichen Vorurteilen kursiert.
Die Frage ist eben auch, ob ein Arbeitgeber dann jemanden einstellen würde: Der Hartz IV Satz ist so niedrig, dass dieser zwar exemplarischen einen Mindestlohn darstellt, praktisch betrachtet jedoch niemand für einen solchen “Stundensatz” – egal welcher Bildung – arbeiten würde. Rechnen Sie mal aus, was der Hartz IV Satz pro Stunde wäre. Und bitte nebenbei bedenken: Wer arbeitet hat auch Kosten: Z.B. die Kleidung, die Anfahrtskosten, ggf. aufwändigere Verpflegung etc. Was dann im Saldo übrig bleibt ist keine Mühen wert.
Die andere Frage ist – und vermutlich meinen Sie das – welche ergänzenden Leistungen noch hinzukommen und ob diese angemessen sind. Aber das ist eben das sog. Lohnabstandsgebot, welches eben vielerlei nicht gegeben ist. Sie arbeiten und haben ungleich mehr in der Tasche (auch wegen den Kosten). Vor Allem haben Sie weniger Freizeit und müssen sich morgens aus dem Bett quälen.
Dennoch, mit Hartz IV kann man nur am unteren Rand leben. Das ist so. EInfach mal ausprobieren und vor Allem die Fingerzeige der Nachbarschaft und die Vorurteile über sich ergehen lassen. Man ist dann zweite Klasse. Und das bekommt man auch zu spüren.
Die Arbeitskosten (Lohn) sind in Deutschland eben nicht zu hoch, sondern die irrsinnige Besteuerung macht den Arbeiter so teuer. Darin sehe ich die Ursache, wodurch viel Arbeitslosigkeit entsteht und viele in die Schattenwirtschaft abwandern – sehr verständlich und nachvollziehbar.
Insofern hat das BGE, welches SURP in fast jedem Beitrag anpreist, im Kern ein Fünkchen Wahrheit. Die Idee als solche ist ja nicht falsch oder schlecht, ich sehe darin aber zu viele aufkommende Probleme, v.A., in der Refinanzierung und als weicher Faktor .das Grunddenken: Leistung für Gegenleistung wird nicht mehr eingehalten.
Mit einem BGE bestätigen wir unseren Wohlstand. Mehr m.E. nicht.
@ Christoph und Markus
Ich bin nicht sonderlich Links, wobei ich defintiv nicht konservativ bin (das lehne ich sogar extrem).
Ich würde mich als sozialliberal oder besser gesagt neoliberal bezeichen. Aber all das spielt keine Rolle, da es latte ist.
Ich bin nicht neidisch, ich überlege, wie man es besser machen kann, dabei profitiere ich von unserem derzeitigen System extrem. Ich kann mir zu Beispiel meine Arbeit danach aussuchen worauf ich gerade Lust habe und nicht nach finanziellen Gesichtspunkten. Daher weiß ich auch sehr genau wie es Hartz4-Empfängern geht und Schulden sind sogaer nur ein kleines Problem.
Das BGE ist eher eine Konsequenz aus meiner Denkweise, ich schau mir unser Land an (gleiches gilt aber fast für fast alle entindustrialisierte Nationen). Wir haben soviel Erwerbsarbeit (ist ein großer Unterschied zu Arbeit) ERFUNDEN/AUFGEZWUNGEN bekommen, dass man endlich umdenken sollte.
Unsere derzeitige Arbeitswelt vernichtet Wohlstand ohne jeglichen Sinn, sie dient nur der Umverteilung (wenn wir bereit sind wie bescheuert umzuverteilen, dann bitte anders). Derzeit findet eine extreme Kapitalkonzentration statt, die sehr gefährlich für unsere Gesellschaft sein kann. Viele Dinge, die wir für normal halten, können sich sehr schnell ändern.
Ich fasse mal in einem Satz zusammen: Alle Probleme die wir haben, haben wir erfunden, die wenigen, die es wirklich gibt nehmen wir zu Großteil nichtmal wahr.
@ Surp
kann es aber auch sein, dass die meisten Menschen die Probleme gar nicht sehen wollen, sondern lediglich einmal im Monat den kurzen Glücksmoment geniessen, wenn das Einkommen auf dem Kontoauszug erscheint? Kann es folglich also sein, dass viele Menschen mit ihrer Situation eigentlich glücklich sind, weil sie Arbeit haben, relativ anständig verdienen, per Gesetz mind. satte 24 Tage Urlaub haben (eigentlich viel zu viel), die Tarifverträge noch mehr Komfort bringen, genug Zeit für Familie und Hobby haben? Warum sollten diese Menschen etwas ändern? Mit Geld kann man jeden locken, aber Sie wollen dass jemand, der arbeitet, plötzlich feststellen muss, dass ein grosser Teil seines Einkommens auch ohne Anstrengung erreicht werden soll und “faule Menschen” plötzlich mehr in der Tasche haben?
Glauben Sie mir, egal wie perfekt Sie ihr BGE halten oder begründen können. Jeder Nicht-Ökonome (bzw mangels Verständnis) wird das ni9cht verstehen oder nicht verstehen wollenn. denn Sie setzen mit dem BGE auf der anderen Seite an. Sie wollen nihct das aktuelle Einkommen im ersten Schritt steigern, sondern zuerst jedem eine Menge Geld in die Hand geben. Und nur das wird gesehen, und damit haben Sie definitiv ein gesamtgesellschaftliches Aktzeptanzproblem.
Das Steuersparmodell von Kirchhoff ist da schon besser vermarktet, weil es bei dem Reiz ansetzt, den jeder anprangert: Die Komplexität. Ob das Modell nun dazu führt, dass man letztlich mehr oder weniger bezahlt – das wissen die Meisten gar nicht. das können Sie mir glauben – auch vermeintliche Ökonomen tappen hier oft im Dunkeln.
Natürlich haben wir ALLE Probleme unseres Daseins erfunden – denn ohne den Menschen gäbe es auch keine menschlichen Probleme. Nur sehe ich, dass wir hauptsächlich Luxusprobleme ahben und dies einfach viele Menschen nicht mehr wahrhaben wollen – sondern Selbstverständlichkeit voraussetzen. Es gibt auch diesen trefflichen Begriff “Erbengeneration”.
Trotzdem Danke für Ihre Beiträge – man lernt nie aus, und das ist der Reiz.
@ Markus
Was ist faul
- etwas zu nicht zu tun, was man eh nicht braucht?
- den ganzen Tag sich besaufen?
- Kinder erziehen?
- seinen Freizeitinteressen nachgehen?
- den ganzen Tag Computer spielen oder Fernseh schauen?
Jeder dieser Dinge schaden unserer Gesellschaft weit weniger als ein Großteil unserer Erwerbsarbeit.
Aber wie gesagt, das was ich denke ist Utopie und wir sind noch lange nicht soweit. Die meisten Menschen verstehen dies nichtmal, da sie anders erzogen wurden, dass sehe ich derzeit bei meinen Kunden. Ich frag manchmal ob es sinnvoll wäre jedem einfach Geld zu geben ohne Gegenleistung, fast alle halten das für falsch, obwohl gerade sie davon profitieren würden.
Ich gehöre zu Erbengenartion, trotzdem sehe ich diese Entwicklung sehr kritisch, da viele Erben sich nicht im klaren sind, dass sie einfach nur Glück gehabt haben.
Ich hoffe, dass wir nur noch Luxusproblme haben, alles andere wäre erschreckend.
“Etwa ein Drittel der Betroffenen Personen üben ihren Minijob zusätzlich, neben ihrem Hauptberuf aus.”
Dadrin sehen Sie kein Problem?
@ Kammerjäger
Kann ein Problem, muss aber nicht. Aber die Entwicklung zeigt: Es ist wird Problem!
Die Frage ist, warum ein Zweitjob: Um einfach mehr zu haben oder um die grundlegende Bedürfnisse mit dem Zusatzeinkommen zu bekommen. Das zeigt nunmal keine Untersuchung. Ich gehe aber davon aus, dass man mit einem Hauptberuf eher ein zusätzliches Einkommen eher ausfstreben will und eben nicht die Grundsicherung bestreiten will.
Aber wie gesagt: Es gibt keine Untersuchung, welche die Einkommensverhältnisse der Minijobber hinreichend untersucht.