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Börsenbeben: Keine neue Weltwirtschaftskrise in Sicht

Nach drastischen Kursstürzen ist sie wieder da, die Angst vor einer neuen Weltwirtschaftskrise. Doch vieles spricht dafür, dass ein solches Szenario wenig plausibel ist. Zum ersten gibt es keinen schockartigen Event wie im Falle der Lehman Insolvenz und alle Staaten packen mehr oder weniger angemessen ihr Schuldenproblem an. Zweitens hat sich in den Jahren 2009 und 2010 gezeigt, wie wenig die Industrie in ihrer Finanzierung durch Finanzmärkte und Banken beschränkt wurde. Die oftmals befürchtete Kreditklemme blieb aus. Schließlich zeichnet sich gegenwärtig auch nicht ab, dass das Bankensystem in gleicher Weise wie vor drei Jahren destabilisiert werden könnte.

Was aber kann die Politik in der gegenwärtigen Situation machen? Wenig hilfreich ist der Versuch von Barroso, den Märkten hinterherzulaufen. Dies könnte als ein Eingeständnis bewertet werden, dass die Politik ihre eigenen Beschlüsse von Ende Juli als unzureichend bewertet. Vielmehr sollte konsequent an den Sanierungsmaßnahmen der öffentlichen Haushalte festgehalten werden und dies auch ausreichend kommuniziert werden. Dahingegen erscheint es zweifelhaft, ob eine Marktintervention durch die Zentralbanken etwas zur Lösung des Problems beitragen kann.


Dieser Beitrag ist zuerst als längere Fassung auf handelsblatt.com erschienen.

8 Kommentare zu “Börsenbeben: Keine neue Weltwirtschaftskrise in Sicht”

  1. Naja, bisschen zu optimisstisch, oder?

    Wer soll denn, den ganzen produzierten Quatsch kaufen, wenn keiner mehr Geld hat?

    Die zweite Frage für mich ist, war die Krise jemals vorbei, alles was wir bisher gesehen haben waren Strohfeuer mit viel Geld erkauft.

    Außerdem wäre es doch schön für die Durchschnittsbevölkerung, wenn die Finanzwirtschaft endlich zusammenbricht, dann verstehen zumindest die Meisten wo sie wirklich stehen und lassen sich nicht mehr so leicht belügen (hoffentlich).

  2. Es stimmt schon es ist keine neue Wirtschaftskrise in Sicht. Wir sind ja noch in der Alten. Die USA sparen, die EU spart, China schwächelt leicht, Japan liegt in Trümmern. Wo sollen die Impulse für eine exportoriente Wirtschaft wie die Unsere herkommen? Wo sollen die Impulse für ein vernünftiges globales Wachstum herkommen. Brasilien, Indien, etc. sind auch vom Weltmarkt abhängig. Ich sehe nicht, dass alles gut läuft.

  3. naja, wenn ich mir die Börsen anschaue, dann gilt eben die bekannte Regel, dass die Weltmärkte, besonders die Finanzmärkte eben nicht nach ökonomischen Grundlagen arbeiten. Der Faktor Mensch ist zu stark – insofern wäre ich mir mit diesen Aussagen nicht so sicher.

    Und eine Sanierung der öffentlichen Haushalte ist bei bestem Willen nur sehr marginal ztu erkennen. Gelder werden auch weiterhin massiv verschwendet. Und was die Zentralbanken anbelangt: Die Auswirkungen sind leider erst mittelfristig erkennbar, so dass eine Intervention und deren Auswirkungen eher ein Blick in die Glaskugel darstellen.

    Fakt ist aber: Vielen Unternehmen geht es wieder gut und die Wirtschaft, zumindest in Deutschland schaut doch eher optimistisch (mit dem üblichen deutschen Pessimismus geprägt) in die Zukunft. Die Basis stimmt – nur die Medien suchen wieder die ultimative Krise.

  4. “und die Wirtschaft, zumindest in Deutschland schaut doch eher optimistisch (mit dem üblichen deutschen Pessimismus geprägt) in die Zukunft.”

    Es mag sein, dass die Wirtschaft das so sieht. Nur ich sehe, dass Deutschland ettliche Exportmärkte wegbrechen. Wieso sollte man da optimistisch sein?

  5. Ich habe eine Idee warum Unternehmen optimistisch in die Zukunft schauen:

    1. Unsere Währung ist stark unterbewertet
    2. Durch die faktische Transferunion, bezahlen wir die exportierten Produkte eigentlich selbst
    3. Amerika wird Geld drucken, Europa auch

    Nur das Problem an der ganzen Sache ist, eigentlich verschenken wir so unsere Produkte und das nur für den Wahnsinn der Vollbeschäftigung.

    Erwerbsarbeit macht den Durchschnittsbürger “realtiv” arm und das wird sich leider so schnell nicht ändern.

  6. @ chriwi
    wir können optimistisch sein weil: wir in Relation zu vielen anderen Staaten eine recht solide Basis haben: Gute Unternehmen mit guten Produkten und gute Fachkräfte, viel Kapital.
    Auch wenn es bergab geht – wir fallenb nicht so tief wie andere. Deshalb. Die Unternehmen sidn derzeit massiv unterbewertet – Vergleich Quartalszahlen/ Monatsanalysen und Aktienkurse. Auch: Das Image der deutschen Produkte.

    Aus praktischer Erfahrung: da müssen – egal was die Zahlen sagen – andere Unternehmen im Ausland wesentlich mehr Angst vor der Zukunft haben, das garantiere ich.
    Export: Ist Ihnen vielleicht auch mal aufgefallen, dass wir einen wesentlichen Teil unserer Produkte auch importieren, hier zusammensetzen und dann exportieren? Was denn, wenn die Zwischenstufe “Zusammensetzen” wegfällt, der Import/ Export wegfällt, die Gewinne aber trotzdem bleiben. Haben Sie auch mal über diese industrielle Entwicklungen nachgedacht? Das halte ich für die Zukunft! Wir arbeiten schon seit Jahren so.

  7. “wesentlich mehr Angst vor der Zukunft haben, das garantiere ich.”

    Das glaube ich gerne. Aber was nützt ein guter Ruf, wenn man sich das gute Produkt nicht leisten kann?
    Ich gebe zu, dass ich mich gerne irre im Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung in der näheren Zukunft. Ich denke es wird das folgende passieren. Aufgrund der geringeren Kaufkraft auf der anderen Länder wird des Export in Deutschland einbrechen. Das Rezept um gegenzusteuern wird nicht etwa eine Stärkung des Binnenmarktes sein, sondern eine weitere Prosuktionskostensenkung. Im Grund sieht man an diesem Artikel schon die Richtung. Lohnnebenkosten, Sozialleistungen, stärkere Druckmaßnahmen bei Arbeitslosen und Steuersenkungen werden auf der Agenda stehen. Damit wird man den Export stabilisieren und in ein paar Jahren an der gleichen Stelle stehen. So schätze ich unsere Politik und ihre selbstlosen, gekauften Berater ein.

  8. @ chriwi
    sehe ich ähnlich. Warte aber noch auf einen wesentlichen Faktor: Die Entwicklung des Dollar/Euro. Warum? Weil dies für viele Standort entscheidend sein kann. Darauf will ich hinaus: Nicht nur die Senkung der innländischen Produktionskosten ist eine Folge, sondern auch die weitere Verlagerung der Produktionen bzw. Stufen. Was in Deutschland noch recht anständig funktioniert sind Dienstleistungen. Es ist m.E. nur eine Frage der Zeit, bis sich das Ausland auch diesen Wirtschaftszweig aneignet. Noch haben wir differenzen bzgl. Sprache und Kulturverständnis. Aber die Sprache sehe ich eher als formales Hindernis. Noch. Und wenn dies sowiet ist, verliert Deutschland noch mehr an Wirtschaftskraft. Denn andere können einfach billiger. Und dann dreht sich die Schraube immer weiter nach unten…und wir werden von vielen überholt (was grundsätzlich kein Problem darstellen muss, aber stark an Image und unserem Ego kratzt).

    Man bedenke auch: Unsere Bevölkerung mindert sich – ist daher ein niedrigeres Wachstum des BIP nicht die logische Folge –> Wird dies eigentlich beachtet in irgendeiner Berechnung…?

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Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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