Jede Ausgabe des Staates beruht auf einem Verzicht des Volkes. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

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Mehr Gerechtigkeit, mehr Wachstum

Für die Wachstumsperspektiven des Geschäftsmodells Deutschland hat das Qualifikationsniveau der Beschäftigten eine herausgehobene Bedeutung. Deutschland weist komparative Vorteile in den Hochtechnologiebranchen wie Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Chemische Industrie aus. In diesen Branchen haben 60 bis 80 Prozent der beschäftigten Akademiker einen MINT?Abschluss (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Aber bereits heute gibt es bei den MINT-Akademikern Fachkräfteengpässe, die in den kommenden Jahren aus demografischen Gründen steigen werden. Um günstige Wachstumsperspektiven zu erhalten, ist es folglich entscheidend, das Qualifikationspotenzial in Deutschland zu stärken. Besonders erfolgversprechend ist es in diesem Zusammenhang, durch ein Mehr an Bildungsgerechtigkeit mehr Bildungsaufstiege zu ermöglichen.

Der Bildungsmonitor 2011 zeigt: Auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit konnten in den Bundesländern erhebliche Fortschritte erzielt werden. Die Voraussetzungen für eine individuelle Förderung haben sich verbessert, das Angebot an Ganztagsgrundschulen ist gestiegen und die Schüler-Lehrer-Relationen haben sich günstig entwickelt. Auch die Ergebnisse haben sich verbessert: Der Anteil der Schulabbrecher ist seit dem Jahr 2000 gesunken.  Die Erfolgsquoten in der beruflichen Bildung haben sich deutlich erhöht. So gab es im Jahr 2000 nur ein Bundesland, in dem mehr als 90 Prozent der Prüflinge die Prüfung der dualen Ausbildung bestanden. Heute wird diese Schwelle von der Hälfte der Bundesländer erreicht.

Schließlich gibt es auch von den Universitäten viel Positives zu vermelden: Im Jahr 2000 betrug der Anteil der Hochschulabsolventen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter rund 16,9 Prozent. Bis zu den aktuellsten Daten aus dem Jahr 2009 stieg die Hochschulabsolventenquote auf einen Wert von 29,2 Prozent an. Die letzten Jahre können damit wie die 70er Jahre als Jahrzehnt der Bildungsexpansion bezeichnet werden. Dies hat sich in der Wertschöpfung in Deutschland niedergeschlagen: Allein durch die seit dem Jahr 2000 erfasste Zunahme an Hochschulabsolventen ist sie um 6,8 Milliarden Euro gestiegen.

Trotz aller Fortschritte bleibt die weitere Reduzierung von Bildungsarmut die zentrale Aufgabe für die Politik. Denn Bildung entscheidet stärker denn je über die Perspektiven jedes Einzelnen in der Gesellschaft. Bildung ist der entscheidende Faktor, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern. Analysen zeigen, dass das MINT-Fachkräfteangebot ein zunehmend relevanter Engpassfaktor für die Wachstumsperspektiven am Standort Deutschland wird. In diesem Zusammenhang ist auch der MINT-Anteil an den Hochschulabsolventen zu erhöhen. Insbesondere das Potential der Kinder mit Migrationshintergrund muss durch eine bessere Förderung umfassender erschlossen werden.


Hier finden Sie alle Informationen zum Bildungsmonitor 2011.

  • Autor

    Prof. Dr. Axel Plünnecke

    ist stellvertretender Leiter des Wissenschaftsbereichs Bildungspolitik und Arbeitsmarktpolitik und Leiter des Kompetenzfelds Humankapital und Innovationen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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  • Surp

    Ich frag mich manchmal, da wir ein duales Ausbildungsystem besitzen, wieso nicht jeder Techniker/Meister gleichzeitig ein Bachelor of Science sein kann, die Qualifikation sind in etwa gleichwertig.

    Dies ließe sich auf viele andere Berufe übertragen.

    Es würde unseren vermeintlichen Fachkräftemangel beheben.

    Ich glaube inzwischen, es sollen nur alle studieren, damit die Unternehmen keine Kosten für die Ausbildung ihrer Mitarbeiter haben und man sich schön Bildung kaufen kann. Außerdem gelten diese Menschen nicht als arbeitslos, obwohl sie es eigentlich oft sind.

    Was ich auch nicht verstehe ist, warum man soviele Mathematiker braucht. Wofür, um noch mehr schwachsinnige Statistiken zu verbreiten oder für irgendwelche Prognosen, die jede Kartenlegerin genauso gut liefern kann oder für Finanzprodukte, die man eigentlich garnicht benötigen würde?

    Ich weiß nicht, irgendwie ist das alles totaler Schwachsinn.

    Was ist eigentlich Bildungsarmut? Wenn man keine 3 Sprachen spricht, wenn man nur Prozentrechnen beherrscht, wenn man keine 3 deutschen Dichter kennt?

    Wie sollten uns eher fragen, was ist eine relevante Bildung und wie ist diese vermittelbar. Bildung sollte sich viel stärker an den wirklichen Problemen unsere Zeit orientieren, anstatt uns mit unnützen Wissen zu belasten.

    Die meisten Dinge sind eigentlich einfach zu verstehen, wir haben sie nur kompliziert gemacht, so dass der “logische” Verstand sie nicht mehr greifen kann.

  • “Was ist eigentlich Bildungsarmut?”

    Bildungsarm sind genau diejenigen, welche sich nicht am Arbeitsmarkt behaupten können. Das Ideal, lernen um des Lernen willens, ist doch schon lange veraltet. Heute heißt es lernen, um der Wirtschaft willens. Bildung wird also immer mit Ausbildung gleichgesetzt.

  • Markus

    Sehr hübsch, Herr Prof. Plünnecke. Wäre gut, wenn Sie mal ihre heile Uniwelt verlassen und eine Grundschule besuchen, oder eine Realschule. VeralteteBücher, überforderte Lehrer, willenlose und respektlose Schüler. Soe sprechen von positiven Entwicklungen?
    Stetig klagen Unternehmen, dass insbesondere bei “einfachen” Berufen die Bewerber nciht mal die Grundregeln des Verhaltens beherrschen. Sie suchen Fachkräfte? Woe wäre es denn, wenn man zu erst den Kern der Bildung betrachtet, nämlich die Grundschulen – und dann die weiterführenden Schulen.
    Sie machen es sich bequem und suchen die Perlen heraus, nachdem unser Schulsystem die “Schlechten” bereits ausgesondert hat – und keine Zukunft gegben kann.

    nein, wir haben kein Fachkräfteproblem, wir haben ein grundlegendes Bildungsproblem. Schauen Sie tiefer in die Materie als sog. Experte. was denken sie, wieviel Potential auf der Strecke bleibt, weil die Grund- und Hauptschulen kapitulieren müssen – weil Bidlungsgelder dort nciht ankommen – weil man lieber noch mehr überflüssige Fachkräfte ausbilden möchte?
    ist Ihnen aufgefallen, dass Studenten mehr gefördert werden als Grundschüler? Und wenn die Basis versagt, dann kann nur noch die elterliche Finanzstärke diesen Mangel ausgleichen. Und da haben wir nicht nur Ungerechtigkeit sondern auch Selektion.

    Aber danke, dass sie sich einseitig beschäftigen können. die Zahlen können Sie in die Tonne klopfen. Oder habe Sie mal hinterfragt, warum plötzlich alles so positiv ist? Weil die Schüler & Studenten besser geworden sind? Oder weil die Noten einfach nur angehoben wurden – damit eine Schule keinen schlechten Ruf erhält? Haben Sie das untersucht, bevor Sie soetwas realitätsfremdes verbreiten?

    nein, haben Sie nicht. Geht jedenfalls nicht aus ihrem Bericht hervor. Damit erhalten Sie ein mangelhaft. denn ihr letzter Abschnitt weist zwar kurz darauf hin, aber eben nicht auf das Warum.

  • Surp

    @ Markus

    Ein sinnvolles Bildungssystem setzt eigentlich Ganztagsgesamtschulen voraus und eine Schulpflicht bis 20 Jahre. Die gesamte Elitenförderung ist totaler Blödsinn.

    Wobei man viel stärker versuchen sollte, die individuellen Fähigkeiten von Personen zu fördern. Dazu gehört eher ein Intressen fördernder Unterricht als ein strafender. Ich sehe Noten inzwischen sehr skeptisch, sie dienen nur der Selektion und sind indirekt käuflich.

    Mir fehlen vorallem so Fächer wie Wirtschaftspolitik (wegen unglaublichen Defiziten in unserer Bevölkerung) Hauswirtschaft, Handwerk etc.. Man sollte relativ früh beginnen längers Praxisphasen in die Schulbildung einfließen zu lassen. Auch ist es hilfreich wenn Schüler den Zusammenhang von Lehrstoff und Praxis verstehen. Außerdem muss viel weniger reinses Wissen vermnittelt werden, sondern hauptsächlich die Fähigkeit Transferleistungen zu erbringen.

    Unsere Gymnasien fördern eigentlich nur Reproduzenten und Sprachbegabte, nicht unbedingt Menschen von denen man Innovationen etc. erwarten kann. Typische Bürokraten halt.
    Das was unsere Gesellschaft braucht sind Unternehmer und keine Manager oder Beamte.

    Auch viele Studiengänge tun dies inzwischen, allen voran WiWis und Juristen, in meine Augen der Personenkreis, der fast alle Probleme unserer Zeit zu verantworten hat, da ihr einziges Ziel ist, sich eine lukrativen Einkommensplatz zu sichern (eigentlich künstlich zu erschaffen). Gilt natürlich für viele weitere Berufsbilder schön zu sehen an Ärtzen und Psychologen.

    Aber so ein Bildungssystem wird eine Utopie bleiben, da das wichtigeste was unser Bildungssystem bieten soll für die typische Mittelstandfamilie ist, ihre Kinder besser zu stellen als die der anderen (Hamburg hat dies sehr schön gezeigt).

    Das Porblem ist, umso mehr Menschen wir ausschließen um so stärker wird ihre Wut und irgendwann bricht sie sich ihre Bahnen.
    Dann brauchen wir mehr Gefängnisse etc.. Ich hoffe ich werde diese Entwicklung nicht mehr erleben, aber ich befürchte schon.

  • Markus

    @ Surp
    ich bin absolut ihrer Meinung. Im studentischen Bereich gibt es jedoch schon die Verknüpfung zur Praxis: Die Duale Hochschule Baden Württemberg. 3 Monate Theorie von Praktikern und Profs, 3 Monate im Unternehmen, und das Ganze 3 Jahre lang. Die DHs haben stetigen Zulauf, die Reputation ist hervorragend und viel grosse Unternehmen (zB Aldi und Lidl) nutzen diese Art der Ausbildung seit Jahren.
    Die DHs halte ich im Moment für die beste Option für angehende Studenten – zumindest in den WiWis.

  • Surp

    @ Markus

    Gerade Wiwis werden für den mainstream erzogen, ich habe es selbst erlebt, daher produzieren sie” selbsterfüllende Prophezeihungen”, dies gilt vorallem für den Fianzsektor. Dies lässt sich aber auch auf realwirtschaftliche Unternehmen übertragen.

    Der Einfluss der Wiwis ist gravierend und führt zu extremen Fehlallokationen, dies beginnt z.B. in den sozialen Berufen, die wirklich eine gesellschaftliche Relevanz besitzen. Allein was Krankenschwesten inzwischen an Dokumentation leisten müssen ist absolut kontraproduktiv.

    Auch die ganzen Controller, produzieren inzwischen einen negativen volkswirtschaftlichen Beitrag.

    Der schlimmste Bereich sind aber derzeit die Personaler.”Battle for the best” ist glaube ich eine der geisteskrankesten Entwicklung unsere Zeit.
    Man sollte einfach wen einstellen, wenn es nicht klappt, schmeiß man ihn halt raus.
    Derzeit ist es so, dass bis ich wen einstelle er schon ein Bruttojahresgehalt gekostet hat (ACs, VG etc.), daher ist das mit dem rausscheißen nicht so einfach.

    Ich könnte noch viele Beispiele nennen, aber das sprengt den Rahmen.

  • Surp

    passt zwar nicht wirklich hier hin, aber ich sehe es sehr ähnlich:

    http://www.zeitpunkt.ch/fileadmin/download/ZP_107/ZP_107_11-13_muessiggang.pdf

    Auch wird es langsam Zeit, zu fragen wohin wir wachsen wollen, vieleicht die Frage zu stellen, ob man überhaupt wachsen will.

    Ich persönlich würde gerne wachsen aber qualitativ, also mehr Teilhabe etc.. Das quantitaive Wachstumsdogma führt uns mittelfristig in eine Katastrophe.

  • Markus

    @ Surp
    Dass man stetig wachsen muss, ist eine grundlegende Theorie der Ökonomen. Habe ich mich schon im Studium gewundert, wie man so engstirnig sein kann. Naja. Jedem das seine, und weniher ist eben manchmal mehr.

    WiWis: Ist sehr pauschal beschrieben, kann ich aber bestätigen. Jedoch gibt es mind. genau soviele Beispiele, die das gegenteil zeigen – wo also die Daseinsberechtigung gegeben ist. Halte das für eine sehr unternehmens-individuelle Geschichte. Im Kern trifft es aber den Nagel auf den Kopf.

  • Surp

    @ Markus

    Ärzte und Psychologen brauchen Kranke
    Juristen brauchen Gesetze

    diese Liste kann man endlos fortführen

    Unsere gesamte Dienstleistungsgesellschaft ist eine Katastrophe, sie ist bis auf sehr wenige Ausnahmen parasitär.

    Das schlimmste daran ist, wir sind sehenden Auges bereit unseren Plaeten zu zerstören, für im Prinzip NICHTS.

    P.S.: Ich bin sehr polemisch, aber langsam reicht es wirklich.

  • Markus

    Gut, dann schaffen Sie alle Krankheiten ab und wir brauchen keine Ärzte mehr, und auch keine Psychologen (denn dies sind spezialisierte Ärzte).

    Ohne Gesetze keine Juristen. Ohne Gesetze herrscht Anarchie. Diese Welt vermag ich mir nicht vorzustellen.

    Die Liste lässt sich eben nicht fortführen, denn manche Errungenschaften sind die Basis unseres Systems und ermöglichen überhaupt erst den Fortschritt. Sicherlich ist man teils über das Ziel hinausgeschossen, aber gleich alles in Frage zu stellen erscheint doch ein wenig too much…

  • “Entwicklung eines piezoelektrischen isogeometrischen finiten Elementes”
    Das ist aber per se kein Problem. Die Physik geht auch davon aus, dass die Entropie niemals kleiner wird. Die Frage ist, was als Wachstum begriffen wird. Auch das Aufforsten eines Waldes ist Wachstum.

  • Axel mende

    Bildung darf nicht dazu dienen sich auf Kosten schwächerer Vorteile zu verschaffen.
    Bildung ohne Moral ist asozial.
    Das Ergebnis sehen wir bei unserer Akademischen Elite. Es zählt nur noch Profit und wer nicht mithalten kann wird kalt beiseite gestellt.
    Meine Konsequenz war Auswandern. Man kann Bildung auch für ein faires Miteinander nutzen. In Deutschland wird das mit Sozialmobbing gestraft.

  • Surp

    @ Markus

    Die einzigen Errungenschaften unseres Systems, sind die eines Feudalsystems nur weit aus perfider.

    Das wofür Demokratie eigentlich steht wird ad absurdum geführt.

    Aber die ganze Diskussion bringt nichts, da Sie dies alles für in großen Teilen richtig und gerecht halten. Anarchie (ich interprediere es mal als Recht des Stärkeren, wobei dies nicht den wirklichen Gedanken fasst) ist da sogar noch weit gerechter und fairer.

    @ Axel Mende

    Unser Bildungssystem (Abi, Studium) bildet zu 80% Versager aus, ich glaube man sollte eher streiten was “Bildung” eigentlich ist.

  • Markus

    @ Surp
    ich finde es kommt einem richtigen und gerechten System ziemlich nahe. Aber können Sie mir ein land nennen, wo es anders und auch besser ist? Welches die Vorteile unseres Systems beinhaltet aber nicht die Nachteile aufweist?

  • Surp

    @ Markus

    nein, dies wissen die Elite der jeweiligen Länder auch sehr gut zu verhindern. Menschen sidn für eien gutes System auch noch nicht bereit. Das Grundproblem sind 2 Dinge:

    1. Kein Mensch traut dem anderen das Leben zu (daher die riesige Überwachung etc.)
    2. Menschen gönnen ihren Mitmenschen, die sich nicht kennen, nicht die Butter auf dem Brot

    solange diese beiden Dinge sich nicht ändern, wird man nur schlechte Systme schaffen können.

    Ich finde unser System kam in der Wirtschaftswunderzeit vielleicht einem guten System nahe, aber seit 1980 bewegt es sich zurück in eine Oligarchie oder einem Feudalsystem, je nachdem wie man es definieren will. Aber schon im Wirtschaftswunder war diese Enticklung absehbar, da die parlamentarische Deomkratie sehr wenig mit einer echten Demokratie zu tun hat.

    Das wirkliche krasse dabei ist, in diesen System werden die Schwächen des Kapitalismus und des Sozialismus dazu benutzt die Reichen und Mächtigen zu schützen.