Der Griff in die Staatskasse entspricht nicht den Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns, des redlichen Bürgers. Paul Kirchhof, *1943, ehem. Bundesverfassungsrichter

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Finanzkrise: Retten mit System!

Griechenland finanziell unter die Arme zu greifen war alternativlos – darin sind sich die europäischen Spitzenpolitiker einig. Eine Pleite Griechenlands könnte systemrelevante Finanzinstitute in ganz Europa ins Wanken bringen. Ein Übergreifen der Krise auf andere europäische Staaten wäre dann die Folge.

Allerdings fehlt bis heute eine valide Methode, um systemische Risiken im Bankensektor aufzudecken, sodass eine Rettungsaktion unter Umständen auch dort greift, wo es eigentlich nicht dringend notwendig gewesen wäre.

Erste Ansätze, wie beispielsweise der ESS Indikator, beobachten unter anderem CDS-Spreads und Aktienkurse von börsennotierten Banken, was schließlich zu Rückschlüssen darauf führt, inwiefern der Markt eine Pleite des jeweiligen Instituts erwartet. Politisch finden solche Konzepte aber noch so gut wie keine Berücksichtigung.

Vergleicht man anhand des ESS Indikators die Euroländer miteinander, so wird schnell klar, dass französische Banken mit Abstand den größten Risikofaktor darstellen. Vor diesem Hintergrund sollten  auch die französischen Vorschläge zur Euro-Stabilisierung betrachtet werden. Grundsätzlich besteht aber Handlungsbedarf, das zeigen die Börsen mehr als deutlich. Zu einer Stabilisierung Europas gehören aber valide Datengrundlagen für  Entscheidungen. Sonst besteht weiterhin die Gefahr einer Geiselhaft seitens der Finanzmärkte.

  • Autor

    Prof. Dr. Christoph Kaserer

    ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München.

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  • Wie valide ist denn die Methode? Man kann immer viele Parameter einführen und sie scheitern dennoch. Aus diesem Grund sind die Rating Agenturen ja auch so im Verruf. Sie dachten auch, dass ihre Parameter die Besten seien. Man kann das Risiko nur bedingt abschätzen. Wer etwas anderes behauptet lügt. Einfacher wäre es, bestimmte Finanzprodukte gar nicht erst zuzulassen und/oder nur mit 100% Eigenkapitalquote. Dann würde es manch heutiges Problem nicht geben. Ein neuer Index wird die Probleme sicher nicht lösen.

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  • Kammerjäger

    Bisher haben sich die Risikoabschätzungsmodelle allesamt als unbrauchbar erwiesen. Wozu brauchen wir ein weiteres Modell, das niemand in seiner Komplexität durchschaut, das manipulierbar ist, das vor allem dem Schönrechnen der eigenen Sitaution dient, und möglicherweise sich als unzureichend heraustellt, wenn es dann hart auf hart kommt, weil einige Eingangsprämissen sich als falsch herausstellen?

    Wie wäre es, wenn man den Banken den Eigenhandel mit Kundengeldern verbietet, und/oder einfach eine höhere Eigenkapitalquote (nicht: Kernkapitalquote) vorschreibt, als die 3%, die die Deutsche Bank für “normal” hält? Mir scheint dieses Konzept einfacher und sicherer. Es würde den Euro und die europäische Wirtschaft sicherer und nachhaltiger stabilisieren, als eine weiteres theoretisches Modell.

  • Surp

    Ich denke auch, mit Modellen wird man wenig ändern und im Prinzip das Spiel so weiter spielen wie es seit Jahren läuft, die Konsequenzen solltem jedem klar sein.

    Aber eine Lösung für diese Probleme habe ich auch keine wirklichen. Ich glaube das gesamte derzeitige Finanzsystem muss zusammenbrechen, auch wenn dabei Billionen vernichtet werden, sie waren ja eigentlich nie da.

    Solange die Finanzwirtschaft nur sehr sehr wenigen überhaupt dient, kann man sie nicht verbessern, zumindest solange diese Menschen die Macht besitzen und das tun sie.

  • @Surp
    Ich finde die Idee einer Positivliste gar nicht schlecht. Auf dieser steht was erlaubt ist am Finanzmarkt und der Rest ist eben verboten. Eine Vielzahl der Finanzprodukte werden nicht benötigt. Innovationen und Investitionen werden nicht gefördert. Warum also solch einen Moloch finanzieren?

  • Surp

    @ Chriwi

    Das sehe ich genauso, aber das wird erst gehen, wenn das alte System kollabiert ist. Vorher sind die Profiteure des jetzigen Finanzsystems zu mächtig, man denke nur an “too big to fail” aber auch alle weiteren Anstregungen Vermögen zu schützen, anstatt die Marktwirtschaft ihren Dienst tun zu lassen. Der wichtigeste Grundstz ist gebrochen worden,

    wer Mist macht muss dafür haften

    , solange dies nicht gilt, ist alles andere nur Makulatur.

    Ähnlich sollte unser Rechtssystem sein, man sollte Gesetze nur auf Zeit festlegen, wenn sie für sinnvoll erachtet werden, kann man sie verlängern.

    Auch hier ist ein riesen Moloch entstanden, das sehr viel Schaden anrichtet und äußerst korrumpierbar ist.

  • Mit System so in der Art Lotto System Wetten?
    Und wieder wird es kurios mit den “richtigen” Zahlen werden automatisch die “richtigen” Entscheidungen getroffen…..

    Wie oft wurde das schon widerlegt?