Kann sich irgendwer erinnern, daß die Zeiten einmal nicht hart waren und das Geld nicht knapp? Ralph Waldo Emerson, 1803-1882, US-amerikanischer Schriftsteller, Philosoph

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Elterngeld gehört auf den Prüfstand

Von dem 2007 eingeführten Elterngeld erhofften sich die Befürworter eine deutlich positive Auswirkung auf die Geburten in Deutschland. Im Vergleich zu 2007 ist die durchschnittliche Kinderzahl je Frau (Geburtenziffer) 2010 von 1,37 auf 1,39 gestiegen. Betrachtet man die Entwicklung der letzten 10 Jahre, so pendelte die Geburtenziffer zwischen 1,39 im Jahr 2010 und 1,33 im Jahre 2006. Dieses geringe Auf und Ab hat sich auch nach der Einführung des Elterngeldes fortgesetzt. Ein signifikant positiver Einfluss des Elterngeldes lässt sich hier beim besten Willen nicht konstatieren.

Daher sind die politischen Forderungen nach einer grundlegenden Prüfung der Wirksamkeit des Elterngelds in zwei Jahren mehr als berechtigt. Grundsätzlich sollte die Politik eingeführte Instrumentarien viel stärker auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Im Zweifelsfall bedeutet dies, dass die Politik eingestehen muss, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Andererseits bedeutet das Festhalten an nicht zielführenden Instrumentarien nichts anderes als eine Verschwendung von Steuergeldern. Und dies kann sich Deutschland bei der angespannten Lage der öffentlichen Haushalte mit Sicherheit nicht leisten.

Dies muss natürlich auch für das Elterngeld gelten. Sollte es sich – so wie es derzeit aussieht – als falscher Weg erweisen, muss die Politik nach Alternativen suchen. Schweden setzt beispielsweise konsequent auf ein umfassendes Betreuungsangebot für Kinder. Mit einer Geburtenziffer von 1,98 im Jahre 2009 sind die Schweden mit ihrem Ansatz deutlich erfolgreicher als Deutschland mit dem Elterngeld.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Das Elterngeld war nie dafür gedacht eine höhere Geburtenrate zu erreichen. Es war dazu gedacht Akademiker zu motivieren Kinder zu bekommen. Denn gerade die niedrigen Einkommen haben durch das Elterngeld weniger bekommen. Ein wesentlicher Fakt der bei solchen Dingen leicht vergessen wird ist die Arbeitsplatzsicherheit und Kinderbetreuung. Diese sind in Schweden einfach besser. Somit können Beruf und Kinder besser vereinbart werden. Da in Deutschland die Löhne seit Jahren stagnieren braucht man häufig ein zweites Einkommen, um über die Runden zu kommen. Wie soll dies funktionieren in unserer kinderfeindlichen Republik?

  • Der einzige Erfolg, auf den die Bundesregierung mit all ihren verschiedenen Formen der Subventionierung des Kinderbesitzes verweisen kann, besteht darin, dass die Anzahl der Eltern, die beide nicht erwerbstätig sind bzw. beide Transferempfänger sind, in den letzten 10 Jahren zugenommen hat.

    Die Daten des Statistischen Bundesamts sind ein beeindruckender Beleg dafür, dass auf der gesamt-gesellschaftlichen Ebene, der Versuch, die Bevölkerung durch staatliche Alimentierung zur erhöhten Nachwuchsproduktion anzuhalten, gescheitert ist, dass der Versuch aber in den Bevölkerungsgruppen erfolgreich war, die sich Kinder ausschließlich aufgrund staatlicher Transferleistungen leisten können und für die staatliche Transferleistungen wegen Kinderbesitz möglicherweise einen Einkommenszugewinn darstellen.

    Wie einfach man diesen Zusammenhang aus den Daten des Statistischen Bundesamts ableiten kann, habe ich hier gezeigt:

    http://sciencefiles.org/2011/08/04/ein-dokument-vollstandig-gescheiterter-politik/

  • Markus

    Frau Döttling hat wie immer bei diesem Thema die Zusammenhänge missverstanden – obgelich von vielen älteren Beiträgen sie gelernt haben müsste.
    CHRIWI hat es in wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht.

    Mal weiter gedacht: Das Kindergeld deckt NICHT die Kosten, die durch Kinder entstehen. Sondern die Ausgaben der Eltern werden etwas gesenkt. Kinder zu haben ist keine Frage des Kindergeldes, sondern eine püersönliche Frage nach den eigenen Vorstellungen und der Lebensplanung. Wenn Sie, Frau Dötting, unbedingt einen monetären Zusammenhang herstellen wollen. Bitte. Aber sie liegen falsch.

    Knackpunkt ist und bleibt die Kindererziehung, Kitas, Ganztagesschulen, etc. . das Kindergeld ist nur ein Teil des Systems und sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Das nenne ich eine Scheinkorrelation. Denn das Kindergeld ist keine Verschwendung, sondern die politische Absolution für die verherende Poltik.

    Schweden: Glauben sie ernstahft, dass die Schweden mehr Kinder haben, weil dort die Betreuung um vieles besser ist? Glauben sie nciht, dass es weitere Faktoren gibt?
    Wer Kinder hat, merkt ganz schnell, wie Kinderfeindlich viele liebe Mitbütger sind. Vielleicht haben wir auch ein gesellschaftliches Akzeptanzproblem. Suchen Sie ein Hotel, sagen Sie dass sie 2 Kinder im Alter 2-6 haben und dann schauen wir mal im schönen Deutschland.

    Akademiker haben einfach eher karriereorientierte Lebensziele, da ist wenig Platz für Kinder. Und je mehr studieren, destoi weniger Kinder wird es geben. Weil: Egoismus. Darin erkläre ich die Entwicklung. Es ist “in” sich selbst zu verwirklichen. Kinder und Familie sind “out”. Siehe Scheidungsrate, etc. Trends ändern sich, manchmal.

  • @Markus
    “Wer Kinder hat, merkt ganz schnell, wie Kinderfeindlich viele liebe Mitbütger sind. Vielleicht haben wir auch ein gesellschaftliches Akzeptanzproblem. Suchen Sie ein Hotel, sagen Sie dass sie 2 Kinder im Alter 2-6 haben und dann schauen wir mal im schönen Deutschland”

    Möglicherweise ist das kein Indikator für Kinderfeindlichkeit, sondern eine Rückmeldung an Eltern, dass nicht jeder ihre Form der Nichterziehung Ihrer Kinder teilt. Wer schon einmal in einem Restaurant sass, in dem Kinder unbedingt zwischen den Tischen auf und ab rennen mussten, weiß, wovon ich rede. Ich würde die Akzeptanzprobleme daher zum Anlass nehmen, um mir zu überlegen, ob vielleicht mit der Erziehung von Kindern etwas nicht stimmt … denn es sind nicht immer die anderen schuld.

  • Surp

    Der Erfolg des Elterngeldes blieb bisher aus, das ist Fakt.

    Auch scheint es so zu sein, dass Menschen die wenig haben/erwarten (können) dazu neigen durch Kinder ihre Situation zu verbessern bzw. in Teilen auch zu rechtfertigen.

    Ob man dieses Problem wirklich lösen kann, wage ich zu bezweifeln. Das einzige was man sicher machen kann ist, die Bildung etc. der armen Kinder erheblich zu verbessern. Aber dies scheint gesellschaftlich nicht gewollt zu sein (siehe Hamburg).

    Die Erziehung der Kinder wird niemals angemessen für die vorherige Generation sein, dies ist glaube ich so, seit es Menschen gibt.

    Ich persönlich würde auf Elterngeld verzichten.

  • Kammerjäger

    Das Thema Kinder- und Famillienunfreundlichkeit ist kein spezielles Problem von privaten charakterlichen Schwächen. Viel mehr kommt hier auch das sich wiederholende Thema durch, das sich ein Unternehmen nicht mit solchen Dingen rumplagen möchte. Wenn ich in meinem Bekanntenkreis mal Revue passieren lasse, haben von gefühlt 10 Müttern zumindest 4 von mir nachprüfbar bekannt ihren Job just in dem Moment verloren, als sie aus der Elternzeit zurückkehren wollten.

    Wir sind selber Eltern eines Kleinkindes, beide akademisch gebildet und berufstätig, aber bei beiden Arbeitgebern ist das Verständnis minimal, wenn man abwechselnd spätestens um 17 Uhr aus dem Büro muss, um das Kind aus der Tagesbetreuung abzuholen. Die üblichen mehrtägigen Dienstreisen zu den ausgelagerten Standorten werden auch ohne Kompromis erwartet. Kinderbetreuung bei Krankheit wird auch ganz ungern gesehen, aber die Kita nimmt halt kranke Kinder nicht auf.

    Das Ökosystem an Tagesbetreuung und Babysittern um diese diese Fälle abzufangen kostet uns einen vierstelligen Betarg im Monat, und ist natürlich nur beschränkt absetzbar. Kindergeld? Lächerlich! Aber Probleme liegen nicht nur im finanziellen Bereich, man kann sich auch nicht freikaufen.

    Ich habe selber in Skandinavien gearbeitet, und habe gesehen, wie das gesellschaftlichen Bewusstsein, die Eltern mit der Megaaufgabe Kindererziehung nicht alleine zu lassen, höher entwickelt ist wie in Deutschland. Der Nachwuchs wird als gesamtgesellschaftliche Problem gesehen, an dem Kinderlose genauso wie die Unternehmen aus eigenem Antrieb positiv mitwirken.

    In Deutschland hingegen sind seit der damaligen “geistig-moralischen Wende” unter der ersten Regierung Kohl die Unternehmen von jeder moralischen oder sittlichen Verantwortung für ihre Mitarbeiter freigestellt worden. Im Gegenteil wird dieses heute als unzumutbare Belastung empfunden. Die Ergebnisse dieser Haltung sieht man dann auch in der demographischen Entwicklung.

    Mein Verständnis für Unternehmen, die heute über fehlenden qualifizierten Nachwuchs jammern, nachdem sie ihren Mitarbeiten quasi das Kinderkriegen verboten haben, hält sich in Grenzen.

  • Surp

    @ Kammerjäger

    Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen was Sie schreiben, daher werde ich niemals reinen Gewissens Kinder in diese Welt setzten können.

    Aber ich finde man sollte nicht Unternehmen die Schuld daran geben, sondern fragen, warum Mütter nicht angemessen bezahlt werden, Möglichkeiten hierfür gibt es genug.

    Außerdem werden Unternehmen gezwungen bessere Arbeitsbedingungen zu liefern, wenn sie nicht jede Person mehr oder weniger belibieg ersetzten können. Dies ist derzeit, trotz allen “Fachkräftmangelgelabers” der Fall.

    Die einzigen Unternehmen die anders handeln sind keinem echten Wettbewerb ausgesetzt (Konzerne etc.) oder was sehr positiv ist, machen dies für ihr Image beim Verbraucher (die Idee ich zahle mehr für dieses Produkt, da mir die Haltung dahinter wichtig ist).

    Der qualifizierte Nachwuchs ist vorhanden, die Ansprüche sind inzischen nur utopisch bzw. werden künstlich hochgehalten.

  • Markus

    @ Michael Klein
    Vielleicht lernen Sie mal jetzt etwas: Kinder können nciht ruhig sitzen. Wenn sie es doch machen, dann zweifle ich an der Erziehung der Eltern. Kinder sind keine Maschinen und können nicht funktionieren. Normale Kinder rennen im Restaurant zwischen den Tischen hin und her.

    Das, was Sie beschreiben, ist genau das, was ich als kinderfeindlich beschreibe. Sicher, es gibt Grenzen. Aber Kinder sind keine Erwachsene, und man darf es auch nicht von ihnen erwarten -so wie sie es machen.

  • Markus

    @ Kammerjäger
    Kann ich so ebenfalls bestätigen, ähnliche Situation. Da es jedoch auch Unternehmen gibt, welche genau dies fördern und entsprechende Modalitäten zulassen, werden diese Mütter UND Väter ggf. wechseln. Ich kenne einige Unternehmen, die so hervorragende Fachkräfte bekommen haben – und die Motivation ist toll, die Stimmung im Unternehmen sehr gut. Denn die Väter und Mütter sind z.T sehr gut ausgebildet – dieses Potential haben einige wneige Unternehmen erkannt und nutzen dies. Interessanterweise sind die CEO/ Geschäftsführer zu 90% selbst in ähnlicher Situation/ gewesen/.

    jeder ruft nach mehr Kindern – aber niemand ist sich der Verantwortung und der Aufgabe bewusst, bevor man nicht selbst die Erfahrung gemacht hat. Kinder sind keine Produkte und ich warne davor, dies hier ständig so zu behandeln. Das ist unangemessen. Und wer Kinder hat, weiss auch, mit wieviel Arbeit dies verbunden ist. Ein 24h Stunden Fulltime Job – ohne Lohn und Dank.

  • Surp

    @ Markus

    außer unserem Psydosozialsystem ruft glaube inzwischen kein Mensch mehr auf der Welt mehr nach Kindern, aber gut.

    Wofür sind Kinder da?

    Die Eltern im Alter zu versorgen, danke an alle für diesen Egotrip.

  • Markus

    Tja, Kinder sind kein ökonomisches Instrument. Völlig Banane, wieviele Modelle auch immer darauf bezogen werden. Ein Ökonom kann mit seinem Werkzeug eben nicht alles erklären, denn hier sit der Tellerand zu Ende. Die Diskussion, ob Elterngeld angemessen ist, oder ob die bösen Hartz IV Bezieher sich durch Kinder monetär bereichern wollen…

    Schafft das Kindergeld komplett ab. Bietet dafür:

    Eine kostenfreien Ganztagesbetreuung ab 1.5 Jahre an. Und zwar von 07.00 Uhr – 17.00 Uhr inkl. Mittagessen
    Verdopplung des Kinderfreibetrages

    Diese zwei kleinen Aänderungen hätten massive Auswirkungen. Wer arbeitet und Kinder hat wird belohnt. Wer Kider hat und nicht arbeitet – geht weitgehend leer aus (weil Freibetrag ohne Einkommen ist sinnlos). Und Arbeit wird durch die Betreuung ermöglicht!
    Der Staat muss endlich die Rahmenbedingungen bundesweit durchsetzen, um Die Eltern zu unterstützen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, einen Anreiz für die Kinderproduktion zu geben (um es wie oben mal ökonomisch auszudrücken). Denn nur dann wären die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft auch eingehalten. Alles andere ist Quatsch – wie auch das Elterngeld. Jedoch dient dies imm Moment dem Ausgleich der unfähigen Politik. Wie oben schon gesagt – eine Arte Alibitransfer für Mütter und Väter.

  • Ab einem Jahreseinkommen von mehr als 250000 Euro soll es ab 2011 kein Elterngeld mehr geben. Bisher hatten Union und FDP bereits beschlossen dass das Elterngeld von monatlich 300 Euro fur Hartz-IV-Empfanger gestrichen wird.

  • @Markus
    “Vielleicht lernen Sie mal jetzt etwas: Kinder können nciht ruhig sitzen. Wenn sie es doch machen, dann zweifle ich an der Erziehung der Eltern. Kinder sind keine Maschinen und können nicht funktionieren. Normale Kinder rennen im Restaurant zwischen den Tischen hin und her.”

    Das war mir bereits bekannt, denn das ist die Ursache dafür, dass man Kinder erziehen muss – Glauben Sie mir, Kinder können ruhig sitzen, manchmal sogar stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computer – das ist nicht unmöglich. Wenn Kinder in der Öffentlichkeit nicht ruhig sitzen können, dann weil Ihre Eltern versuchen, Sie zum Mittel dafür zu machen, Aufmerksamkeit zu erreichen oder sich um deren Erziehung schlicht nicht kümmern. Mein Vater hat mich als Kind vor die Wahl gestellt, entweder in der Kneipe ruhig am Tisch zu sitzen oder zu Hause zu bleiben. Und angesichts der Alternative konnte ich tatsächlich ruhig sitzen.

  • Markus

    @ Michael Klein
    Sicherlich, das geht – ab einem bestimmten Alter. TV/ Computer ebenfalls, aber was hat das mit Erziehung zu tun? Schande, sein Kind vor den fernseher zu setzen, damit es ruhig gestellt wird.
    Wenn meine Kinder irgendwo umherlaufen, dann nicht weil ich nach Aufmerksamkeit suche – denn mir ist das völlig egal – sondern weil die entdecken wollen. Auch diese Freiheit gehört zur Erziehung.
    Ich sehe ab und zu, wie Kinder, so um die 3-5 Jahre, ganz still am Tisch sitzen. Ganz ehrlich das ist nicht normal. Das ist krank – denn diesen Kindern wird verboten, das Kindsein zu leben. Aber dies ist notwendig für die Entwicklung. Arme Kinder! Aber die Eltern findens toll, wie hörig die Äffchen am Tisch sitzen. Naja, Sie und ich, wir leben in einer anderen Welt.
    Und: bei mir gibts kein TV/ Computernachmittag, da spielt man Fussball oder sonst was. Aber das liegt eher am Programm, oder wollen Sie Kinder mit den Teletubbies erziehen – das ist doch Volksverdummung.

    Aber ich gebe Ihnen recht: Viele haben keine Erziehung, und die Kinder machen was sie wollen und hören überhaupt nciht auf die Eltern. Das stimmt und das regt mich genauso auf wie sie.

  • Surp

    @ Markus und Michael Klein

    Wer Kinder nur nach den frühern Idealen erzieht, erhält am Ende angepasste und intolerante Systemsklaven.

    Alle Menschen, die diese Welt wirklich zum positiven beinflusst haben waren dies nicht.

    Wobei ich in manchmal gerade von intellektuellen und gutsituierten Eltern genau dies erlebe:
    “weil Ihre Eltern versuchen, Sie zum Mittel dafür zu machen, Aufmerksamkeit zu erreichen”

    Erinnert mich son bischen an die Ursula mit ihrer instrumentalisierten Großfamilie.

    Und abschließend möchte ich mal eine ehrliche Frage stellen, brauchen wir wirklich “soviele” Kinder, wofür?
    – damit wir nicht weniger werden und Mieten etc. hoch bleiben?
    – damit Landstriche nicht aussterben, warum eigentlich nicht?
    – damit unser (A)sozialsystem nicht geändert werden muss?
    – um Arbeitsplätze zu besetzen, die es besser niemals gegeben hätte?

    Ich meine die Frage sehr Ernst, warum müssen wir mehr werden, immerhin sind wir 82 Millionen, reichen nicht auch 50 Millionen. Bei Kanada oder Australien oder Amerika kann ich das ja verstehen. Aber eigentlich wäre es für Europa doch schön, wenn wir weniger werden würden.

  • Markus

    @ Surp
    der Ruf nach mehr Kindern kommt nur durch das Umlagesystem, also rein rechnerisch betrachtet. Anderweitig gibt es keinen rationalen/ ökonomischen Grund.
    Vielleicht noch diesen, moralischen: Es ist doch auch üblich, dass Familien einander helfen. Bedeutet, dass sich auch Angehörige um die Älteren der Familie kümmern, das entlastet die Altenpflege. Ausserdem machht dies das Altwerden schöner, wenn Enkel unherhuschen.
    Es entspricht eigentlich auch nicht den Grundwerten der Deutschen, so wenige Kinder zu haben. Aber wie Sie schon sagten, diese Werte gilt es etwaig zu überdenken und diese Entscheidung doch dem Individuum zu überlassen.

    Auch der Markt, sei es Handel oder sonst wer, will natürlich in 30 Jahren mehr Kunde haben. In aktueller Entwicklung wird der Kuchen kleiner, die Umsätze verschieben sich, Marktkonzentration, etc. Dieser Prozess muss natürlich ncihts negatives sein -. aber ein Anwachsen der Bevölkerung wäre schon wünschenswerter, weil der Markt grösser wird – wenn diese Menschen auch über EInkommen verfügen ;-)

    Aber sonst haben sie vollkommen recht!

  • “der Ruf nach mehr Kindern kommt nur durch das Umlagesystem, also rein rechnerisch betrachtet. Anderweitig gibt es keinen rationalen/ ökonomischen Grund.”

    Das ist aber falsch. Denn so lange die Produktivität stimmt ist die Zahl der Kinder egal. Es sollte halt nur genügend geben, um die ältere Generation zu versorgen. Wenn die reine Anzahl wichtig wäre, dann müssten in den Ländern Afrikas oder Südamerikas die längsten Rentenzeiten vorherrschen. So ist es aber nicht, da die Produktivität dort deutlich niedriger liegt.

  • Kammerjäger

    @Markus:

    “der Ruf nach mehr Kindern kommt nur durch das Umlagesystem, also rein rechnerisch betrachtet. Anderweitig gibt es keinen rationalen/ ökonomischen Grund.”

    Rein Volkswirtschaftlich spielt es überhaupt keine Rolle, ob man ein Umlagesystem oder ein kapitalgedecktes System in der Rentenversicherung nutzt. Im kapitalgedeckten System müssen die nachfolgenden Generationen den Kapitaldienst erwirtschaften, Oder anders formuliert: Es spielt nur eine Rolle, wie hoch der Anteil der erwerbstätigen zu der nichterwerbstätigen Bevölkerung ist. (In einer offenen Volkswirtschaft kann man natürlich mit seinem Sparkapital ins Ausland gehen. Dann muss man aber zwangsweise Kredite in Defizitländer wie Griechenland vergeben, und darauf hoffen, dass bis zum Zeitpunkt der eigenen Verrentung Griechenland Zahlungsbilanzüberschüsse, und Deutschland Zahlungsbilanzdefizite erwirtschaftet).

    Der Unterschied zwischen Kapitaldeckung und Umlagesystem ist, außer wer daran mitverdient, nur aus welchen Anspruchstiteln sich die Verteilung ergibt. Die Einführung eines kapitalgedeckten Systems führt dazu, dass die Bevölkerungsgruppen, die keine eigenen Sparleistungen aus ihren Einkommen erbringen können, keine Ansprüche mehr erwerben und keine Altersversorgung besitzen. Das ist aus heutiger Sicht natürlich optisch billiger, als durch ein Umlagesystem, dass jeden einbezieht.

  • Markus

    @ chriwi & Kammerjäger
    eben nicht! Denn ohne Nachkommen kann die Produktivität nicht langfristig steigen – denn es sind keine Arbeitskräfte mehr vorhanden. So einfach ist das. Sicher ist das Systemn nicht relevent, aber eines ist grundsätzlich wichtig: Das “Humankapital”. Und das hat nichts mit Afrika zu tun. Das ist Birne wie Apfel und deshalb völlig Banane solch ein Vergleich.
    Ich spreche von Deutschland und den Begebenheiten.

    Mich langweilen solche Diskoussionen, in denen so derart instrumentalisiert wird. Deshalb halte ich auchb unsere Politiker für solche Fragen für derart unfähig. Eine einfache Frage: Wieviel Euro/ Stunde muss man heute verdienen, bei 45 Jahren Arbeit, um NICHT zu einem Rentenaufstocker zu gehören?

    Wenn Sie fähig sind, diese Frage zu beantworten, analysieren sie, ob dieser Stundensatz so in Deutschland “normal” ist. Und Sie erkennen das Problem.

  • Kammerjäger

    @Markus:

    Vielleicht nur zur Klarstellung: Nachwuchs brauchen wir auch mit der kapitalgedeckten Rentenversicherung. Es kann in Deutschland in einer Periode genausoviel konsumiert werden, wie produziert wird (minus dem Exportüberschuss), und das wird zwischen Rentnern und Arbeitskräften aufgeteilt. Egal, ob man das durch ein Umlagesystem oder durch Zinszahlungen der Arbeitskräfte organisiert.

    Um das Problem zu lösen hilft die Kapitaldeckung nichts. Helfen würden entweder mehr Kinder, wozu das Elterngeld, wie Frau Döttings Grafik zeigt, offensichtlich nicht ausreichend ist, oder/und die Umstellung der Deutschen Wirtschaft in eine, die Importüberschüsse hat.

  • Surp

    Das Problem ist egal welches System man nutzt (Kapital oder auch Umlage), beide sind immer Umlageverfahren, da hatte der Blüm mal recht.

    Wenn man jetzt einmal annimmt, dass wir aussterben (also im Prinzip es keine Vermehrung gibt), müssen wir soviel Kapital im Ausland angesammelt haben, dass wir daraus versogt werden können.

    Sonst ist das bei der derzeitigen Produktivität total egal. Maschinen erbringen die relevante Dienstleistung, sogar bei der Altenpflege, dazu muss man nur mal nach Japan schauen, oder nach Österreich wo Demente in ihre Jugend zurückversetzt werden und plötzlich klar kommen.
    Die wirklich wenige produktive Arbeit, die man nicht automatisieren kann ist verschindend gering.

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