Finger weg von der Steuerschraube
Im Verlauf der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist Deutschland vom Pfad der soliden Staatsfinanzen abgekommen und fand nicht mehr auf den Weg der Tugend zurück. Seither wurde stets mehr ausgegeben als eingenommen. Die Folge: Eine exorbitante Staatsverschuldung. Anstatt seine über die Jahre hinweg ausufernden Tätigkeiten einmal auf den Prüfstand zu stellen, ist der Staat lieber auf der immerwährenden Suche nach neuen Einnahmequellen: Nun steht mal wieder die Einkommensteuer auf der politischen Agenda.
Die Forderung nach einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes geht vereinfacht gesprochen meistens mit der Behauptung einher, die „Reichen“ würden zurzeit keinen ausreichenden Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwohls leisten. Die Fakten hingegen sprechen eine andere Sprache: 2008 hat die Gruppe der obersten 10 Prozent der Steuerpflichtigen gut 54 Prozent der gesamten Einnahmen der Einkommensteuer aufgebracht.
Aber auch über die aktuelle Einkommensteuerbelastung der Top?Verdiener scheint zuweilen Unklarheit zu herrschen. Einschließlich des Solidaritätszuschlags liegt der aktuelle Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer bereits bei 47,48 Prozent. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf einem der vorderen Ränge – und nur als Denkanstoß liegen wir damit deutlich über dem „Zehnten“ des Mittelalters. Anstatt also weiter an der Steuerschraube zu drehen und damit möglicherweise Handwerker, Freiberufler oder andere Selbständige aus dem Land zu treiben, sollte der Staat seinen Blick lieber auf ohnehin vorhandene Einsparspielräume – vor allem bzgl. Subventionen und der Effizienzsteigerung staatlicher Verwalter – lenken. Doch im Spiel der Interessen scheint es schwer solche Vorstöße zu wagen – obwohl die Steuerzahler sich sicher an deutliche Worte und Taten an der Wahlurne erinnern.


“2008 hat die Gruppe der obersten 10 Prozent der Steuerpflichtigen gut 54 Prozent der gesamten Einnahmen der Einkommensteuer aufgebracht.”
Bei 60% der Einkommen ist das auch nicht verwunderlich, oder? Außerdem ist die Einkommenssteuer nur ein Teil des Steueraufkommens. Gerade die obersten 10% profitieren massiv von der Kapitalertragsteuer. Kapitalerträge sind zwar Einkommen, werden aber als solches nicht gewertet. Also Herr Knipping alle Steuerarten betrachten und dann jammern, dass die Steuern zu hoch seien. Vor allem sind die Ausgaben eher stagniert oder gesunken und nicht gestiegen. Was ebenfalls beständig sinkt sind die Steuern für Vermögende. Denn eine Vermögenssteuer gibt es gar nicht und die Erbschaftssteuer ist ein Witz. Worin haben sie ihren Doktor, wenn sie Informationen nur selektiv und ihrer Propaganda dienlich verarbeiten?
@ chriwi
mal so gefragt: Die Kapitalertragssteuer geht zulasten der Erträge des Kapitals resp. der Verzinsung. Wie würden Sie denn dieses Kapital, zB auf in Form von wertpapieren oder anderen Spareinlagen nennen, wenn cniht “Vermögen”. Ist also die Kapitalertragssteuer nicht eine heimliche Form der Vermögenssteuer? Denn nur wer Vermögen hat, kann dieses Geld auch anlegen.
Aber kommen Sie mir jetzt bitte nicht damit, dass ein Vermögen erst ab der Summe X zu defnieren ist. Denn woher nehmen Sie diese Summenhöhe wenn nciht durch willkür?
Auch wenn es nicht oft der Fall ist, aber ich gebe dem Autor in diesem Sinne durchaus recht: Die “Oberen” leisten einen sehr hohen Beitrag. Und da die Steuersätze bekanntlich in Prozent abgerechnet werden, ist dies nur fair. So, und nun schauen Sie sich doch mal an, was ein “Spitzenverdiener” in absoluten Euro jedes Jahr an den Staat überweisen muss. Und dann rechnen Sie mal nach, wie lange Sie für solche Summen Steuern zahlen müssen. Das rechtfertigt zwar nichts, soll aber mal dei Augen öffnen, über was hier eigentlich so großspurig immer geklagt wird.
Und mit welchem recht wird eine Steuer für “grosse” Vermögen verlangt? Wer ist legitimiert zu sagen, jeder der mehr als XY Euro verdient, soll zusätzlich bezahlen. Ist das Gerechtigkeit?
Und kommen Sie mir nun nicht mit der Grundsatzdiskussion, die Gehälter/ Vermögen sind zu hoch, denn das hat damit nichts zu tun. Die Gehälter sind so – aber dies rechtfertigt keine faktische Enteignung. Denn genau das ist eine Vermögenssteuer. Und der weitere Witz ist doch, dass diese Steuer gar keinen Zweck erfüllt, ausser in die gesamte staatliche Misswirtschaft einzufliessen. Ergo: Was hat denn der “Arme” in Deutschland wirklich von einer “Vermögenssteuer” – wer garantiert, dass die Umverteilung auch tatsächlich stattfindet? Niemand? Na dann, Willkür.
Aber Genugtuung. Und der neid ttreibt uns dazu. Weil ökonomisch können sie das doch gar nicht mehr begründen. Niedere Beweggründe nenne ich das.
Also ist das keine Propaganda. Sondern es ist einfach so. Sie interpretieren nur anders – was durchaus auch zulässig ist. Aber auch in der Opposition sollte man fair bleiben (was Sie eigentlich auch immer sind)
@Markus
Warum sollen Zinsen keine Einkünfte sein? Jeder Investor, welcher eine Maschine kauft und hinterher mehr verdient muss diesen Mehrverdienst versteuern. Lege ich mein Geld an (auch eine Form der Investition) wird dies anders bewertet.
“Die “Oberen” leisten einen sehr hohen Beitrag.”
Wenn 10% der Personen 100% der Einkommen hätten, dann würden sie auch 100% der Einkommenssteuer zahlen. Leisten sie dadurch mehr? Die oberen 10% haben 60% der Einkommen und leisten 56% der Einkommenssteuer. Somit sind sie nicht überlastet und tragen in diesem Bereich so viel bei wie alle anderen auch. Des Weiteren ist dies nur eine von vielen Steuern und hat am Gesamtsteuereinkommen nur einen Anteil von 25%.
“Und mit welchem recht wird eine Steuer für “grosse” Vermögen verlangt?”
Mit welchem Recht werden Kinder von wohlhabenden Menschen stärker gefördert als arme Kinder? Mit welchem Recht kommen Steuerhinterzieher faktisch straffrei davon?
“Also ist das keine Propaganda”
Propaganda fängt da an, wo man bestimmte Dinge weglässt. Herr Knipping meint, dass die obersten 10% zu stark geschröpft werden. In der Vermögen- und Einkommensentwicklung der letzten 10 Jahren gehören sie und nur sie zu den Gewinnern. Alle anderen haben verloren. Das wurde unter anderem durch Senkungen der Steuern erreicht.
Des Weiteren blendet er aus, dass diese Gruppe von der Euro- und Bankenrettung massiv profitiert. Wer besitzt denn Staatsanleihen, Aktien, etc.? Nur jemand der Geld hat, kann solche Dinge besitzen. Der Rest zahlt dafür. Nun denkt man an eine Beteiligung und es wird auf die “Überbelastung” hingewiesen. Für diesen Nachweis muss Knipping die Gesamteinnahmen dieser Personengruppe gegen die Steuern + Sozialabgaben an den Staat darstellen. Dann wird er sich wundern wie wenig das prozentual gesehen ist. Nicht Umsonst kann Waren Buffett behaupten, dass er prozentual weniger Steuern zahlt als seine Sekräterin. Das wird in Deutschland nicht anders sein.
Natürlich ist der Artikel Propaganda, schließlich ist das INSM alles andere als unabhängig.
Und natürlich sind Kapitalerträge Einkommen. Warum ausgerechnet diese Einkommensform niedriger besteuert wird, ist völlig unklar. In Deutschland herrscht kein ein Mangel an Kapital. Eher hat ausgerechnet die selbsternannte Leistungselite sich vom Todreden des Standortes Deutschland beeindrucken lassen und hat transitiv über die Banken ihr Kapital nach USA und Griechenland verliehen, anstatt in Deutschland zu investieren. Auch das, und damit die heutige Krise, ist ein Erfolg der falschen Incentives, die dieser zu niedrige Steuersatz setzt.
Es ist auch keine Frage der Gerechtigkeit, diese ist ohnehin subjektiv, sondern das dieses falsche Incentive die Wirtschaft nachhaltig schädigt. Nicht nur in fehlenden Wachstum, sondern in einer dauerhaften Fehlallokation, und in einer Manifestierung von wirtschaftlichen Ungleichgewichten wie dauerhaften Leistungsbilanzüberschüssen und -defizten.
Noch ein Wort zu der Vermögenssteuer: Auch hier wäre von der Einführung einer Vermögenssteuer von positiven Effekten auszugehen, sofern diese nur auf Kapitalvermögen veranlagt wird, und damit den Charakter einer Sollkonsumsteuer hat. Bereits konsumiertes Vermögen in Immobilien, Autos und Segelyachten bliebe unbetrachtet, ein Freibetrag könnte in Höhe eine sinnvollen Altersabsicherung (etwa 500k) liegen.
Spätestens in wahrscheinliche Fall einer Deflation wäre die Maßnahmen effektiver als das Erhöhen der Zentralbankgeldmenge, deren Multiplikator in den letzten Jahren sich bereits bei 1 oder darunter gezeigt hat. Entscheidend für eine Deflationsbekämpfung ist aber die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit, und das würde man am besten erhalten, wenn die Cost of Carry für Vermögen hoch wäre.
Die Abwesenheit einer Vermögens- und Erbschaftssteuer ist makroökonmisch schädlich.
@ chriwi
Investitionen können durch Abschreibungen in der Steuerbelastung gemindert werden. Zinsen nicht. Aber ich habe auch nie behauptet, dass Zinsen keine Erträge sind.
Die “Oberen”
Sie missverstehen. Ich habe nicht gesagt, dass diese Gruppe viel leistet. Sondern dass diese Gruppe einen sehr hohen Beitrag leistet. Das ist ein Unterschied. Und wenn es 100% wären dann wäre es immer noch ein sehr hoher Beitrag, oder etwa nicht? Ich sage doch nur, dass 56% von 10% ein überproportionaler Beitrag ist. Von der Belastung habe ich doch gar nicht gesprochen, Wenn Sie zB 35% Steuersatz entrichten, fragen Sie sich doch sicherlich auch immer: Für was? Und wenn Sie auf ihre Steuererklärung schauen, sehen sie die absoluten Zahlen. Also Ihr entgangenes Einkommen. Und wenn jemand zB 200.000 TEuro im Jahr an Steuern entrichtet, ist das doch absolut betrachtet viel. Oder sehen Sie das nicht?
Steuer für “grosse” Vermögen:
Sie rechtfertigen dies nicht, indem Sie dies in relation mit anderen Ungleichheiten setzen. Oder sagen Sie auch: Wenn mein Nachbar falsch parkt, darf ich auch zu schnell fahren? Nein, das käme Ihnen nie in den Sinn. Aber genau dies wenden Sie hier an und das hat mnit Rechtsstaatlichkeit nichts mehr zu tun. Das wäre dann eher ein Fall von Willkür. Denn wenn der Eine eine Ungerechtigkeit begeht legitimiert mich das. Das ist völliger Quatsch und die Argumentation hinfällig. Liegt aber daran, dass man die Reichensteuer nicht rational begründen kann.
Propaganda: Ich gebe ihn Recht, dass die Spitzenverdiener überdruchschnittlich viel Einsprpotential erlanght haben. Dies halte auch ich, gelinde gesagt, für eine Sauerei und eine Frechheit gegenüber dem Durchschnittsverdiener (welcher eben diese Möglichkeiten nicht hat). Aber wenn Sie mit ihrem Argument der Bankenrettung kommen, nehmen Sie sich doch selbst den Wind auds dem Segel, denn hier definieren Sie die Aktien schon so wie ich als Vermögen. Und das widerspricht ihrer gesamten Auffassung. Denn jeder, der auch nur einen Cent in zB Wertpapiere investiert hat, ist demnach vermögend und sollte daher auch Vermögenssteuer bezahlen. Aber wer ein Einfamilienhaus besitzt, ist nicht vermögend (weil er nicht von der Bankenrettung direkt profitiert). Naja, da muss aber noch dringend an der Definition gearbeitet werden…
Sie müssen es ebenfalls so machen, wie Sie es Herr Knipping vorschlagen: Nämlich alles betrachtet. Und da beginnt die eigentliche Unmöglichkeit der Dinge.
Ist jemand vermögend:
wenn er für 5000.000 TEUR Aktien besitzt?
er für 500.000 TEuro ein Haus und weiter Güter besitzt?
was ist der Unterschied zwischen beiden Gruppen? Wollen Sie Menschen bestrafen, weil Sie vielleicht im Laufe der Jahrzehnte ein Vermögen aufgebaut haben? Vielleicht auch durch massiven Verzicht wie 3mal Urlaub, das neue Auto, etc.?
Ach so: Macht es für Sie einen Unterschied, ob jemand 2 Mio. Euro in der Schweiz gebunkert hat oder jemand bei der Kilomterangabe um 3km “mogelt”? Sind nicht beide Steuerhinterzieher?
Gesamtsteueraufkommen: na dann fragen Sie sich mal, woher die restlichen 75% kommen…zB Grunderewerbssteuer, 5 Mrd pro Jahr. Alles von “Vermögenden”…Sie müssen wirklich alles betrachten, bevor Sie nur einen Faktro hinstellen und kritisieren.
@ Kammerjäger
Niemand ist unabhängig. Absolut niemand.
Aber Sie machen einen interessanten Unterschied: Hat jemand Geld in eine Aktie investiert, ist es als Vermögen zusätzlich zu versteuern. Investiert jemand das Geld in eine Immobilie und kassiert hierfür Mieten und kann die Kosten gegenrechnen, passiert nichts. Ein Immobilienguru ist also nicht “vermögend”, der Aktionät aber schon.
nun sagen Sie mir mal bitteschön den Unterschied?
Vermögen ist doch die Summe aller Eigentümer einer Person, also vom Barvermögen bis hin zum Joghurt im Kühlschrank. Eben ausnahmeslos alles, was in dessen Eigentum ist. nun beginnt wieder die grosse Selektion, und kein mensche vermag dies zu definieren. Aber Geld am Kapitalmarkt, das schreit doch nach Ungerechtigkeit und muss doch unbedingt zusätzlich besteuert werden.
Ich weiss nciht, wie praxisnah Sie sind. Aber was machen Sie denn mit den vermeintlich kleinen Unternehmen, die auf Unternehmenskosten Luxusgüter kaufen, zB teure Firmenwagen, Geschäftsreisen, etc. Machen Sie hier keinen Unterschied?
Die Vermögenssteuer ist weder gerecht noch realistisch. Führen Sie das Instrument ein, gibt es für die “Betroffenen” nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C, D, E,….denn die Lücken werden sehr groß sein…größer als heute!
Aus diesem Grund halte ich dies stets für eine Neiddebatte, weil imme rnur ein Aspekt betrachtet wird, und nicht die externen Faktoren. Da legt man eine Hand voll Zahlen vor und behauptet, man dreht an dieser und jener Schraube und alles wird gut.
“Die Abwesenheit einer Vermögens- und Erbschaftssteuer ist makroökonmisch schädlich.”
Wie wollen Sie diese These belegen? Ceteris Paribus? Das mag eine Annahme sein. Aber mehr nicht. Ist es doch nicht so, siehe oben, dass wir faktisch schon eine Vermögenssetteur haben (zB Kapitalertrag, Grunderwerb, etc), welche eben nur nicht so benannt sind?
chriwis Behauptung die reichsten 10% hätten auch 60% der Einkommen stimmt auch schon nicht. Er hat das mit Vermögen verwechselt. Die Top 10% kommen auf 25% der Einkommen. Und wieviel verdienen die Top 10%? Je nach Auswertung sind das durchschnittlich 3.500 (netto) bis 11.000. Mit Verlaub, ich würde das kaum als reich bezeichnen. Das ist maximal vllt. das 3fache des Durchschnittseinkommens.
@Markus:
Vorab: Meine Argumentation ist ökonomisch, ihre momentan leider von so unklaren Begriffen wie “ungerecht” und “Neiddebatte” geprägt.
Ich hatte gehofft, aus den gesagten wäre die Argumentationslinie bereits deutlich geworden.
Die Grunderwerbssteuer ist die reduzierte Umsatzsteuer auf Grunderwerb, die Kapitalertragssteuer ist die reduzierte Einkommenssteuer auf eine bestimmte Einkommensart. Kapitalertrag und Grunderwerbssteuer sind zudem Steuern, die auf einen Geldfluss beruhen, sind damit also keine Vermögenssteuern (die auf einen Stichtagsbestand abstellt).
Warum und wann ist eine Vermögenssteuer ökonomisch sinnvoll? Zunächst: Jede Steuer hat eine Wirkung auf das Verhalten der Wirtschaftsteilnehmer. Das kann man jeder Steuer entgegen halten, aber im Idealfall wird dieses steuernd eingesetzt.
(1) Ohne auf die Einzelheiten der Ausgestaltung einzugehen sollte die Vermögenssteuer den Charakter eine Sollkonsumsteuer haben, und auf diese Weise die binnenwirtschaftliche Nachfrage erhöhen. Die Konsumnachfrage ist seit Jahrzehnten der Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft und hat uns in eine unangenehme Exportabhängigkeit gebracht.
Vermögen in Konsumgütern (in diesem Sinne: eigengenutzte Immobilien) sollten daher nicht besteuert werden. Aktienvermögen ist grunddsätzlich Kapitalvermögen, sofern es den Buchwert der Aktie übersteigt.
(2) Deutschland erzeugt seit Jahrzehnten einen Kapitalüberschuss (siehe Zahlungsblianzdaten der letzten 40 Jahre). Das dieser in Ausland schlecht angelegt ist, kann man an der nicht synchronlaufenden Entwicklung der NIPA (Net Investment Position Abroad) der Deutschen sehen, oder exemplarisch an dem Abschreibungsbedarf des deutschen Bankensektors (der durch Hebelung des eingesetzten Kapital die Kapitalvernichtung noch richtig angefeuert hat). Hier entstehen durch die laufende Fehlallokation des Kapitals hohe Wohlstandverluste.
(3) In der resultierenden Kreditkontraktion sinkt die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes und führt zur Deflation und birgt final das Risiko einer deflationären Krise (übrigens ursächlich mitausgelöst durch oben beschriebenen Prozess). Die Expansion der Zentralbankmenge bleibt wirkungslos, der Multiplikator wird immer kleiner die Volkswirtschaft steckt in der Liquiditätsfalle. Die einzige Möglichkeit die resultierende deflationäre Depression zu verhindern wird sein, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu erhöhen, was am besten (oder womöglich nur) durch hohe Cost of Carry entsprechenden Vermögens möglich ist.
Wenn Betroffene einen “Plan B oder C” besitzen, muss der Staat durch eine entsprechende Gesetzgebung verdeutlichen, das Steuergesetze keine reinen Vorschläge an den mündigen Bürger zur Steuerzahlung sind, sondern im Zweifel auch durchgesetzt werden.
@ Kammerjäger
Ökonomie lebt aber nicht davon, dass ich nur die Einnahmenseite betrachte, sondern auch alle weiteren Faktoren. Ökonomie ist also nicht Zweidimensional.
Aber den kern meiner Argumentation lassen Sie aussen vor: Wer ist vermögend bzw. was ist also das “Vermögen”? Welche Werte möchten Sie gerne besteuern?
“Die Konsumnachfrage ist seit Jahrzehnten der Schwachpunkt der deutschen Wirtschaft und hat uns in eine unangenehme Exportabhängigkeit gebracht.”
Ist ein klassisches Scheinargument, welches öfters hier lese. Denn dies ist nicht dem Barvermögen geschuldet. Der Ökonom möchte natürlcih immer, dass das gesamte Einkommen in den Konsum geht, soweit logisch. Aber das war noch nie so, bzw. das wird nie so sein. Es sei denn, dass Sie die Einkommen auf das Existenszminimum mindern.
Und Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass jemand eher sein Geld in den Konsum gibt, um Steuern zu sparen? Was wäre die Folge bei einer solchen Nachfrageerhöhung? ….
Ach ja, und mit welcher Legitimation? Ich frage mal, da wir in einem Rechtsstaat leben…
eines sollte mal klargestellt werden. die sogenannten “Reichen” von denen die Poliker reden sind nicht die selben Personen, welche die Masse der Bevölkerung als die “Reichen” versteht.
die “Reichen” in politischer Hinsicht sind diejenigen die 24stunden am tag, 7 tage in der woche arbeiten, damit die deutsche Wirtschaft am Laufen halten und daher einen gerechtfertigten Lohn von zb 10.000 erhalten. das sind diejenigen welche die Politiker bis zum Erbrechen besteuern.
die “Superreichen” (ich nenne die jetz mal so), welche durch Lug und Trug & Co Milliarden scheffeln und eine zerstörerische Wirkung auf Deutschlands Writschaft haben und Arbeitslosigkeit mitverursachen, zahlen doch ihre Steuern gar nicht in Deutschland sondern in irgendwelchen Steueroasen. diese Superreichen sind natürlich von der Einkommensteuer ausgenommen.
das die Politiker den Schwarzen Peter mal wieder auf die hart arbeitenden Menschen schieben sollte doch niemand verwundern :p
“Aber den kern meiner Argumentation lassen Sie aussen vor: Wer ist vermögend bzw. was ist also das “Vermögen”? Welche Werte möchten Sie gerne besteuern?”
Weil die Frage irrelevant ist. Es geht ja nicht darum, die Vermögenden zu besteuern, sondern das Vermögen (übrigens ein interessantes Wortspiel :-).
“Ist ein klassisches Scheinargument, welches öfters hier lese. Denn dies ist nicht dem Barvermögen geschuldet”
Hatt ich da ja auch nicht behauptet. Ich hatte geschrieben, dass die schwache Konsumnachfrage ein Problem ist. Das Barvermögen eine Folge dieses Prozesses, erklärt an der VGR (I mal als konstant angenommen):
Y=C+S=C+I+Ex-Im ==> S=I+Ex-Im
Die Exportabhängigkeit bringt Deutschland in die Falle: Lohnsteigerungen sind nur schwer möglich, weil dann die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet ist. Das ist um so schlimmer, je stärker die Exportabhängikeit ist. Damit kann dann aber C nicht mehr gesteigert werden, das Ergebnis sind Wohlfahrtsverluste. Sogar im Gegenteil, je größer Ex-Im wird, desto geringer ist der Konsum in Deutschland!
Es sei denn S wird kleiner, dann kann auch C größer werden. Wie macht man das? In dem man Sparen über ein bestimmtes Maß hinaus unattraktiv macht (Da ist sie wieder: Die Vermögenssteuer). Die daraus resultierende Inlandsnachfrage würde einen Wachstumsimpuls erzeugen, die im Idealfall die Spirale nach unten bei Löhnen und Gehältern durchbrechen könnte.
Versuchen Sie besser nicht mit betriebswirtschaftlicher Logik volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Die beiden Dinge sind nur entfernt miteinander verwandt und der Versuch führt zu jeder Menge falschen Schlüssen. Siehe auch die Beiträge von Oswald Metzger, die genau unter diesem Verständnisproblem leiden.
Das Problem ist ganz einfach das 80% des Vermögens bei 20% der Bevölkerung liegt.
Das reichste 1% besitzt 38% des Vermögens.
Das ist für eine demokratische Gesellschaft, die auf der anderen Seite die “working poors” enorm verbreiterter, mittelfristig wohl nicht tragbar.
Vermögenssteuern und höhere Einkommensstuern beheben aber das eigentliche Problem nicht wirklich, da sie sehr schwer zu erheben sind (teuer) und die Ungleichheit wohl nicht mindern, da viele perverse Zukunftsversprechen nicht miteinberechnt werden, nehmen wir als Beispiel Pensionen.
Außerdem ist Vermögen extrem relativ, wenn ich Autos baue und sie gut verkaufen kann ist alles gut, jetzt erfindet wer das beamwen und ich bin arm (mal als simpelstes Beispiel). Oder die Bevölkerung bekommt plötzlich enorme Kaufkraft und kauft nur noch “slow food” Aldi etc. ist nichts mehr wert etc..
@ Surp
aber das ist doch die Volatilität des Wettbewerbs. Eben der ganz normale Wahnsinn vom Auf- und Abstieg.
Demokratie hat per se nichts mit Vermögen zu tun, das ist doch der Grundgedanke. Der Kern ist doch, dass man mit Geld alles und jeden kaufen kann. Man sieht es an den “Karrieren” der Ex-Politiker und an den Verteilungen der Aufsichtsräte in den DAX 30 Konzernen. Das ist eine kleine Elite, und heir muss man doch eher ansetzen, als das Vermögen anzugreifen. Die Demokratie ist ein hohes Gut, welches jedoch untergraben werden kann. Und da die Meisten menschen auf Geld fixiert sind, kann man sehr viele Menschen sehr billig erkaufen und damit auch lenken. In Deutschland weniger dramatisch als in anderen Ländern.
@ Kammerjäger
1. Wenn Sie das Vermögen besteuern wollen, müssen Sie dies auch benennen. Genau das habe ich Sie gefragt. Und die Antwort bleiben Sie mir schuldig.
2. BWL & VWL, der Unterschied ust signifikant. Diesen erkenne ich durchaus. nur müssen hier beachten, dass Sie versuchen über volkswirtschftliche Zusammenhänge die betriebswirtschaftlichen Eigenheiten auszuhebeln. Das ist als solches kein Verständnisproblem sondern erfordert vielmehr die Kenntnis der absoluten Zusammenhänge resp. der Auswirkungen. Das bedeutet nichts anderes, dass Sie zwar auf der VWL Seite die Argumentation schlüssig und durchaus verständliche darstellen, jedoch den externen Faktor nicht beachten. In genau dieser Folge wird ihr Modell nicht aufgehen, sondern scheitern.
Aber wie schon erwähnt, m.E. ist das eine typische Kausalkette eines VWL Ökonomen.
Bei solchen Themen halte ich es für notwendig, dass sich die VWLer und BWLer an einen Tisch setzen. Leider scheinen beide sich in der Praxis nicht zu mögen und jeder glaubt der wahre Kenner der Ökonomie zu sein.
“I mal als konstant angenommen”
Eine unzulässige Annahme. Die Barvermögen liegen nicht in einem “Geldspeicher” vergraben, sie stehen den Unternehmen für Investitionen zur Verfügung. S = I.
Sinken die Vermögen durch eine zu restriktive Steuer, sinkt die Möglichkeit der Unternehmen, Investitionen über die Banken und Finanzmärkte zur finanzieren.
Auch wenn sich der Konsum durch diese Steuer erhöhen sollte, fehlt eben dann im Kreislauf genau der an den Staat geflossene Teil.
Der Staat könnte zwar seine Steuereinnahmen (statt nach Griechenland) in Form von Transfers direkt an die Haushalte, oder in Form von Subventionen an die Unternehmen zurückzahlen, aber dann fragt sich der aufmerksame Beobachter zurecht, welchen Sinn und Zweck die Vermögenssteuer haben soll, ausser einen Umweg im Wirtschaftskreislauf zu schaffen ?
“Sinken die Vermögen durch eine zu restriktive Steuer, sinkt die Möglichkeit der Unternehmen, Investitionen über die Banken und Finanzmärkte zur finanzieren.”
Das muss nicht sein, Unternhemen, können auch ohne Schulden investieren, wenn sie genug erwirtschaften.
Außerdem haben die Finanzmärkte zum wiederholten Male unter Beweis gestellt, dass sie eben nicht fähig sind eine gute Kapitalallokation zu gewährleisten.
Daher wäre es doch klug das Geld direkt den Bürgern zur Verfügung zu stellen, mal sehen, ob diese eine bessere Allokation schaffen.
Trotzdem halte ich wie gesagt wenig von höheren Einkommensteuern oder auch einer Vermögenssteuer, da gibt es bessere Möglichkeiten unsere Probleme zu beseitigen.
Die einfachste Möglichkeit wäre ein gewaltiger Gesetzes-, Subventions- etc. abbau. Die Arbeitslosigkeit die dadurch entsteht ist unproblematisch, eigentlich sogar äußerst begrüßenswert, solange man diesen Menschen ein Einkommen gewährleistet.
Ich glaube, dass fast ausschließlich Erwerbsarbeit für all unsere Probleme verantwortlich ist, da sie inzwischen sehr selten wirklich einen Wert erschafft. Der größte Teil ist ein Dienstleistungssektor, der nur Werte vernichtet bzw. das entstehen verhindert.
Griechenland ist doch das beste Beispiel dafür, aber Deutschland ist da auch nicht viel besser. Solange wir nicht bereit sind anders als über Erwerbsarbeit umzuverteilen, wird es immer schlimmer für den Großteil der Bevölkerung.
Genau was ich die ganze Zeit versuche mitzuteilen, nur dass ich die Mathematik hier aussen vor lasse, und auch zurecht.
“Das muss nicht sein, Unternhemen, können auch ohne Schulden investieren, wenn sie genug erwirtschaften”
Ach, und auf die Rücklagen der Unternehmen soll dann keine Vermögenssteuer erhoben werden ? Was glaubst Du wie schnell das BVG diese Steuer dann wieder kippen würde :-)
@ travis
ich bin gegen Vermögenssteuern, sie bringen im Verhätnis zum Aufwand fast nichts ein, evtl. leisten sie soagr einen negativen Betrag (Bewertungsproblem von Vermögen), aber es gibt andere Möglichkeiten.
Außerdem bin ich gegen Unternehemenssteuren im allgemeinen, die sind totaler Blödsinn genau wie es der AG-Anteil zur SV ist. Untermehen werden niemals wirklich SV oder Steuern zahlen, warum soll ma nsie besteuern? Man kann theoretisch die Eigentümer besteuern, aber niemals das Unternehmen.
Ich seh das alles einwenig anders. In meinen Augen reichen 2 – 3 Steuern/Gebühren, um alles zu finanzieren, was einen guten Sozialstaat auszeichnet.
Auch ist es so, dass ich Arbeitslosigkeit in unsere Defintion sehr begrüße, vorallem im tertiären Bereich. Dieser dient uns in den seltensten Fällen. Außnahmen stellen nur bestimmte soziale Berufe wie Ärzte, Krankenschwestern, Polizei etc. dar, der Rest macht das Gegenteil davon, er nervt uns mit überflüssigen Dingen, die irgendwie bezahlt werden müssen, obwohl wir sie garnicht benötigen würden, wenn wir wollten.
Meine Theorie: Je höher die Steuern sind, desto mehr wird getrickst, getäuscht und versteckt. Deshalb: Absenken der Steuersätze. Und schafft all die merkwürdigen Ausnahmen ab. Warum wurden die Hoteliers in Deutschland von der FDP bevorzugt behandelt? SO EIN WAHNSINN. Je mehr Ausnahmen wir schaffen, desto unfairer wird das ganze System.
Wer blickt denn überhaupt noch bei seiner Steuererklärung durch? Es ist ein Dschungel geworden. Es hilft den wirklich Reichen. Die können sich Heerscharen von Anwälten leisten, die dabei helfen, Schlupflöcher zu finden.
Knuffig find ich den U2-Sänger und Multimillionär Bono: Der nutzt Steuertricks ohne Ende und ruft gleichzeitig zum Spenden für die Armen in Afrika auf. http://www.slate.com/id/2152580/