Eine punktuelle, hier und dort in den Marktzusammenhang eingreifende Wirtschaftspolitik führt, sobald sich diese Eingriffe summieren, zu einer Verwirrung des Ganzen. Alfred Müller-Armack, 1901 - 1978, deutscher Nationalökonom, Kultursoziologe

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Schuldenschnitt wird teuer – aber es lohnt sich

Die öffentliche Debatte über die Verschuldungskrise im Euro-Raum wird rauer – und verliert dabei teilweise auch ihre Seriosität. Zu hoch verschuldete Länder aus der Währungsunion zu werfen, scheint in Deutschland populär zu sein – das würde die Probleme der Überschuldung aber nicht lösen. Nach den Europäischen Verträgen wäre der Ausschluss eines Landes aus dem Euro rechtlich unzulässig. Es sind aber vor allem die politischen und wirtschaftlichen Kosten eines solchen Schrittes, die uns davon verschonen sollten. Denn ein Austritt wäre der teurere Weg. Wenn ein Land die Euro-Zone verlässt, werden sich die Märkte auf den Austritt des nächsten Landes vorbereiten, auf Portugal, Italien oder Spanien. Es wird vermutlich zu Bank-Runs in diesen Staaten kommen, wenn damit gerechnet wird, dass die alten, schwachen Währungen wieder eingeführt werden. Sparer und Investoren werden versuchen, ihr Geld in Sicherheit bringen. Am Ende müssten wir genau das tun, was die Euro-Kritiker verhindern wollen: Weiter Banken und Staaten retten, ohne dass wir die Vorteile einer großen Währungsunion hätten.

Was wir in Europa jetzt brauchen ist ein Schuldenschnitt. Zuerst in Griechenland, dann womöglich in anderen Staaten. Dabei gilt es, das rechte Maß finden: Die Griechen müssen einen Anteil leisten, ebenso die Gläubiger. Aber man muss dem Land auch eine Perspektive bieten. Um eine Kettenreaktion zu verhindern, sollte sich die Politik dabei zunächst auf ein Land konzentrieren – und dabei ganz klar signalisieren: alle anderen Länder und ihre Bankensysteme werden stabilisiert. Tiefgreifende Sparprogramme in Italien und Spanien müssten im gleichen Atemzug durchgesetzt werden. Das alles wird teuer werden, aber immer noch billiger als ein Auseinanderbrechen der Währungsunion. Das sollte es uns wert sein – denn es geht auch um unsere Arbeitsplätze und unseren Wohlstand.


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DIE ZEIT vom 12. September 2011: Die Politik täuscht die Bürger, wenn sie über einen Austritt Griechenlands aus Euroland spekuliert, sagt der Ökonom Clemens Fuest. Er wirbt für einen Schuldenschnitt.

  • Autor

    Prof. Dr. Clemens Fuest

    ist Präsident des Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium der Finanzen.

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  • Surp

    Naja, der Schuldenschnitt kommt ein bisschen spät inzwischen ist die EZB, die Bad-Bank Europas. Man hätte damals in der Finanzkrise die gesamte Finanzwirtschaft nicht retten sollen und nur die Bürger mit Liquidität verogen sollen, das wäre glaube ich besser gewesen. Aber es ist wie immer, wenn, hätte, könnte, zu spät ist zu spät.

    Arbeitsplätze sind total egal, solange man anders umverteilt. Arbeitsplatzabbau durch Streichung von Subventionen, Gesetzten, Zukunftsversprechen etc. vorallem im tertiären Bereich, wäre eigentlich zur Sanierung in allen EU-Staaten, der Weg aus dieser unsäglichen Spirale.

    Welchen Wohlstand? Die meisten Menschen haben von diesem Wohlstand sehr wenig, außerdem ist der zum Großteil nur auf dem Papier vorhanden.

    Aber grundsätzlich bin ich sowohl für Eurobonds als auch für einen Schuldenschnitt.

  • Kammerjäger

    Das Versagen liegt gleichsam in der Politik und bei den Banken. Die Banken wurden dereguliert, und es wurde ihnen erlaubt gleichzeitig bis zur Systemrelvanz anzuwachsen und ihre Eigenkapitalquoten auf 3% nach unten zu schrauben. Anstatt diese Fehlentwicklung nach der letzten Finanzkrise zu korrigieren, erlaubt man den Banken jetzt, mit ihrer Systemrelvanz die Regierungen und die Steuerzahler zu erpressen.

    Wo ist hier der Gesetzgeber? Die politische Kaste versagt in diesem Punkt gemeinschaftlich, wiederholt und fortgesetzt!

    Wäre man dieses Probelm bei Zeiten angegangen, könnte man den Schuldenschnitt für Griechenland durchführen. Die Entscheidung, ob Greichenland danach im Euro verbleibt, kann man dann den Griechen selbst überlassen.

  • Surp

    @ Kammerjäger

    gab es jemals einen Unterschied zwischen Unternehmen und Politik.

    Das Spiel das wir spielen ist leider immernoch das gleiche wie es zur Zeiten des Feudalismus war, unterbrochen durch eine kurze Auszeit des Wiederaufbaus.

    Ich persönlich empfinde mein Leben dem eines Sklaven senr ähnlich, dabei eröffnet unsere Zeit soviele Möglichkeiten, sehr schade das alles ist^^

  • Tim

    @ Surp

    Ich persönlich empfinde mein Leben dem eines Sklaven senr ähnlich,

    Ehrlich gesagt hatte ich aus Ihren bisherigen Kommentaren in diesem Forum exakt diese Schlußfolgerung gezogen.

    Mein Vorschlag: Werden Sie Unternehmer, dann wird alles gut. Niemand hindert sie daran, die Sklaverei zu verlassen. Die Politik liest Ihnen jeden Wunsch von den Lippen hat und ist immer auf Ihrer Seite. Sie können mit den verdammten Kostenstellen (vulgo Arbeitnehmern) machen, was Sie wollen. Feudalherrschaft pur! Das einzige, was dabei stört: Das alles sind bloß Hirngespinste von Leuten, die niemals selbst Unternehmer waren.