Diejenigen, die mit Blick auf die Finanzkrise voreilig von Licht am Ende des Tunnels gesprochen haben, müssen nun feststellen, dass das in Wirklichkeit der entgegenkommende Zug war. Peer Steinbrück, *1947, dt. Politiker

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Flexiblerer Arbeitsmarkt = Niedrigere Jugendarbeitslosigkeit

In vielen Staaten Europas kam es in den letzten Monaten zu Jugendprotesten oder gar Krawallen. Es waren vor allem die schlechten Aussichten auf den Arbeitsmärkten, die die Jugend mobilisierten. Besonders fatal sieht die Lage in den südeuropäischen Ländern aus. Die Arbeitslosenquoten der Jugendlichen sind dort regelrecht explodiert. In Spanien ist mit 45,1 Prozent fast jeder zweite unter 25-Jährige ohne Beschäftigung. In Griechenland liegt die Quote bei immerhin noch 38,5 Prozent. Kein Wunder also, dass in diesen Ländern viel von einer „verlorenen Generation“ gesprochen wird.

Ganz anders die Lage in Deutschland. Mit einer Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen von 9,3 Prozent erscheint Deutschland im internationalen Vergleich als eine Insel der Seligen.  Dass die Chancen für die Jugend in den Arbeitsmarkt einzusteigen trotz Krise so gut sind, liegt vor allem an den Arbeitsmarktreformen des letzten Jahrzehnts. Der Arbeitsmarkt wurde flexibilisiert – beispielsweise durch befristete Arbeitsverhältnisse. So wurden die Einstiegshürden in den Arbeitsmarkt gesenkt. Insofern wäre es fatal, den immer wieder aufkommenden Forderungen nach einer Rücknahme der Reformen nachzugeben, aber auch Mindestlöhne wären in diesem Zusammenhang kontraproduktiv. Ein befristeter Arbeitsplatz ist allemal besser als Arbeitslosigkeit.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Surp

    @ smava

    Bei uns werden viele Jugendliche geparkt. Die Statistik ist nicht sonderlich ehrlich.

    Außerdem gibt es nur sowenig Arbeitslosigkeit, da wir soviele überflüssige Erwerbsarbeitsplätze erfunden haben, die eigentlich keiner braucht.

  • Das muss ich Surp leider zustimmen. Die deutschen Statistiken wurden in den letzten Jahren immer weiter nach unten gedrückt, um eine besonders niedrige Arbeitslosenquote zu erreichen. Die Harz IV-Zahlungen sind deshalb nicht weniger geworden; im Gegenteil: sie sind sogar noch gestiegen.

    Irgendwann wird man sich auch in Deutschland fragen: “Wozu arbeite ich eigentlich, wenn ich sowiso nix verdiene?!”. Die Arbeit mag vielleicht mehr geworden sein, doch die Qualität sagt darüber leider gar nichts aus.

  • ab0032

    Die Kommentare sind schon bezeichnend fuer die Lage in Deutschland und letztlich auch ganz Europa. Leider klaert dieser Beitrag auch nicht weiter auf.

    `Irgendwann wird man sich auch in Deutschland fragen: “Wozu arbeite ich eigentlich, wenn ich sowiso nix verdiene?!”.’ Weil so viel in die Umverteilung geht? Weil ich nichts gelernt habe und sowieso nix kann?

    Natuerlich wird die Zahl der HartzIV-Empfaenger immer hoeher, aber doch nur weil HartzIV die Unterschicht und die tuerkischen Migranten motiviert viele Kinder zu haben, doch nicht weil jemand der was kann und Arbeit hat abrutscht. Solange kein Umdenken stattfindet, werden es auch immer weiter noch mehr HartzIV-Empfaenger werden, bis das System kollabiert. Ich wuensch euch viel Spass dabei, aber ich werde dann nicht mehr dabei sein.

  • Surp

    @ ab0032

    Arbeit ist Umverteilung, wir könnten uns soviele Arbeitsplätze sparen, vorallem im tertiären Bereich, dann wäre das System weit ehrlicher.

    Sie müssen, in meinen Augen sogar extrem umverteilen, damit der Kapitalismus funktioniert. Sonst gibt es am Ende niemanden mehr, der Produkte kaufen kann, oder?

    Wir haben etwas Sonderbares erfunden, damlas war ein linker Spruch: Maschinen kaufen keine Maschinen.

    Aber Dienstleistungen kaufen Dienstleistungen, da ist in meien Augen sehr dumm. Es verschwendet Ressourcen und hat weit schlimmere Nebenerscheinungen als man im ersten Moment sieht.

    Ich sag mal einen Spruch: “Erwerbsaerbeit zerstört Wohlstand wie es kein Krieg könnte”, darüber sollte man mal nachdenken.

  • @Surp

    “Bei uns werden viele Jugendliche geparkt. Die Statistik ist nicht sonderlich ehrlich.”
    Nicht nur das. In Deutschland hat man schlicht und einfach auch weniger Jugendliche. Das heißt, dass sich die Jugenarbeitslosigkeit ein wenig verwachsen hat.

  • Surp

    @ Chriwi

    Richtig, außerdem haben wir ein duales Ausbildungssystem was die Statistik auch erheblich nach unten drückt.

    Ich mag diese ganzen Arbeitslosenstatistiken überhaupt nicht, ich halte das für komplett verschendetes Gelld. Wichtig ist doch eher zu wissen wieviel Kaufkraft die Menschen besitzen.

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  • Markus

    Also wäre doch die Lösung:

    Aufhebung sämtlichger Kündigungsschutzgesetze.

    Damit wre dann auch der Anspruch der Autorin gerecht.

    So, und schauen Sie sich alle bitte mal die Realität an: 9,3%, klingt nach viel. Doch nehmen Sie mal 10 Jugendliche und machen Sie ein Einstellungsgespräch. Fragen Sie alle 10 nach dem Namen der Bundeskanzlerin. Nicht alle sind doof oder uninteressiert, aber hier pauschal alle Jugendliche jedweder Bildungsrichtung gleichzusetzen macht es nicht ehrlicher.
    Die Probleme sind nicht nur bei der Flexibiliät der Jobs zu suchen. Es mangelt vielfach an Motivation und grundlegender Verhaltensregeln, sprich Dinge wie Höflichkeit. Da können Sie ihre Statistiken zigmal bewerten, ein Personalchef wird Ihnen die Geschichte realitätsnach berichten. Und ich warne davor, hier die üblichen Argumente wie zB Migratiuon etc. anzuführen. Das ist kein reines Migrantenproblem mehr! Die deutsche Sprache ist sicherlich ein Hindernis, klar, die Kultur ggf auch. Aber dass ich pünktlich bei einem Einstellungsgespräch erscheine, ist doch in jedem Industrieland gleichermaßen angemessen. Wenn aber solch grundlegende Werte wie Püntlichkeit, Höflichkeit, Leistungsbereitschaft, etc. nichts mehr wert sind, na dann können Sie die Gesetze ändern wie Sie wollen. Denn diesen Arbeitssuchenden will niemand!

    Also, fragen Sie doch mal nachh den Gründen und der absoluten Häufigkeit, warum es 9,3% sind. In Deutschland. Ganz ehrlich, was hilft es zu wissen wie hoch die Quote in zB Spanien ist? Ändert diese Quote irgendetwas inner Deutschlands oder wird dies nur wieder als Entschuldigung benutzt bzw. als Referenz, wie gut wir doch sind? Der internationale Vergleich nationaler Probleme ist höchster Unfug und nur ein Ablasshandel der missratenen Politik und eine Entschuldigung unseres Schulsystems.

  • “Ändert diese Quote irgendetwas inner Deutschlands oder wird dies nur wieder als Entschuldigung benutzt bzw. als Referenz, wie gut wir doch sind? ”

    Genau das wird getan. Dann braucht man wenigstens nichts ändern.

  • Markus

    @ chriwi
    und dann vergleichen Sie zusätzlich dei Länder, die in der Grafik aufgeführt sind. Wo ist der Rest von Europa? Ups, die sind “besser”…