Staatsverschuldung: Alle haben gesündigt
Morgen wird im Bundestag über die Ausweitung des europäischen Rettungsschirms (EFSF) abgestimmt. Sollte die Mehrheit der Parlamentarier dem Antrag zustimmen, dann wird Deutschlands Anteil an den Staatsgarantien von derzeit 123 Milliarden Euro auf künftig 211 Milliarden Euro ansteigen. Politiker aber auch die öffentliche Berichtserstattung in Deutschland nutzten in den letzten Tagen den gegebenen Anlass, um Griechenland abermals aufgrund seiner ausufernden Haushaltsverschuldung an den Pranger zu stellen. Zuweilen entsteht dabei der Eindruck, dass die Empörung über Griechenland auch dazu genutzt wurde, um von eigenen Verfehlungen abzulenken. Die Eurozone lässt sich nicht in unsolide und solide wirtschaftende Staaten teilen.
Das entspricht schlicht nicht der Realität. Natürlich ist es richtig, dass die öffentliche Haushaltslage in Deutschland besser ist als in Griechenland. Aber auch Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten immense Schulden aufgetürmt. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes beliefen sich die Verbindlichkeiten des deutschen Staates Ende 2010 auf insgesamt 2035 Milliarden Euro. Mit 1311 Milliarden Euro entfiel der größte Teil davon auf den Bund. Viel war in den letzten Jahren in Deutschland vom Schuldenabbau die Rede. Aber den wechselnden Regierungen fehlte letztlich der Mut, eine nachhaltige Wende einzuleiten und tatsächlich Schulden abzubauen. Im besten Fall wurde „lediglich“ die Neuverschuldung gesenkt: Es wurden also weniger neue Schulden gemacht, so dass der Schuldenberg zwar langsamer, aber trotzdem weiter angestiegen ist.
Kurz: So berechtigt die Kritik an der noch schlechteren Lage der öffentlichen Haushalte insbesondere in den südlichen Staaten der Eurozone auch ist, zum Eigenlob besteht wahrlich kein Grund. Die vermeintlich starken Eurostaaten wie Deutschland sind am Ende gar nicht so stark: Auch Deutschland muss schon heute eine enorme Schuldenlast tragen. Und eine echte Trendumkehr ist weiterhin nicht erkennbar.


Peter Morici, Ökonomieprof. an der University of Maryland, stellt in einer Reihe von Beiträgen einen Zusammenhang zwischen einem “gold plated” Sozialsystem (Basis aller Staatsverschuldung), deutschem Wirtschaftsimperialismus und der Eurokrise her, den man dahingehend zusammenfassen kann, dass sich die unbezahlbaren staatlichen Systeme die Hand geben und die Griechen deshalb den kürzeren ziehen, weil sie in ein Eurosystem gegangen sind, das für sie nie finanzierbar war (Folge: Kreditaufnahme bei Banken reicher EU-Staaten) und von dem Deutschland profitiert, weil der Euro im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland unterbewertet ist (Griechenlands Krise ist das Ergebnis der Überbewertung des Euro relativ zur Griechischen Wettbewerbsfähigkeit). Entsprechend ist Deutschland für Morici ein Eurokrisengewinnler und wenn man ihm folgt, dann stellt sich die Frage, wo die öffentlichen Finanzen in Deutschland wären, wenn Deutschland nicht auf Kosten seiner ärmeren Nachbarn leben würde…
Näheres zu Moricis Thesen:
http://sciencefiles.org/2011/09/27/eurokrisen-gewinnler-deutschland-nutzt-seine-armeren-nachbarn-aus/
@ Michael Klein
Sind Staatschulden nicht eher der Illusion unserer Erwerbsarbeitswelt geschuldet. Damit mein ich die unfassbare Menge an künstlichen geschaffenen Jobs, die sehr viel Wohlstand für die Bürger kosten. Die wenigsten Menschen in unserem Land arbeiten doch noch produktiv, das ist aber der einzige Bereich in dem tatsächlicher Wohlstand entsteht.
Das schlimme daran ist, dass man so die Probleme auf die nächste Genartion verschiebt.
Wenn Staatsschulden garnicht möglich wären, dann würde denke ich die Verteilung des Wohlstandes besser funktionieren, da sich 60% der Bevölkung wohl nicht ganz so leicht veralbern lassen würden.
Die deutschen “Eliten” gehören defintiv zu den mit Abstand größten Euro-Gewinnern überhaupt, der Rest zu den Verlierern.
[...] Die Eurozone lässt sich nicht in unsolide und solide wirtschaftende Staaten teilen." http://www.insm-oekonomenblog.de/allgemein/staatsverschuldung-alle-haben-gesundigt/tmaonline: Air Berlin erweitert Sparprogramm http://www.tma-online.at/index.php?id=5492 [...]
@Michael Klein
“von dem Deutschland profitiert, weil der Euro im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit für Deutschland unterbewertet ist (Griechenlands Krise ist das Ergebnis der Überbewertung des Euro relativ zur Griechischen Wettbewerbsfähigkeit)”
Dieser Aussage stimme ich zu. Die Schlussfolgerung, dass die unbezahlbaren staatlichen Systeme daran Schuld seien ist Unsinn. Diese sind doch internationla betrachtet eher ein Wettbewerbsnachteil (wenn man nur die Kosten betrachtet). Wenn die Deutschen, wie Morici fordert, ihren staatlichen Sektor zusammenstreicht, dann wird Deutschland noch effizienter, an der Eurobewertung ändert sich nichts.