Dem Geld darf man nicht nachlaufen, man muss ihm entgegenkommen. Aristoteles Onassis, 1906-1975, griechischer Reeder

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Fluglotsenbranche: Aufsicht gegen Monopolmacht

Verspätungen, Flugausfälle – auf jeden Fall viel Ärger für die Kunden. Fluglotsenstreiks sind immer besonders schwerwiegend – vor allem für Dritte. Die Fluglotsen-Branche ist ein Monopolmarkt. Verbraucher haben keine Chancen auszuweichen. Spartengewerkschaften in wettbewerbsarmen Bereichen kommt daher eine besonders große Verhandlungsmacht zu. Höhere Löhne können automatisch an schutzlose Dritte weitergereicht werden. Ein Blick auf die vergleichsweise hohen Gehälter deutet die Verhandlungsmacht an.

Schon im Jahr 2010 hat die Monopolkommission daher eine Missbrauchskontrolle für Spartengewerkschaften angeregt. Ähnlich wie im Kartellrecht Monopole eine besondere Verantwortung dem Verbraucher gegenüber haben und einer besonderen Aufsicht unterliegen, könnte man eine besondere Aufsicht im Arbeitsrecht einführen. Voraussetzung wäre, dass eine Gewerkschaft auf einem Monopolmarkt agiert und die zu erwartenden volkswirtschaftlichen Kosten eines Streiks für Dritte unverhältnismäßig hoch wären. Wir brauchen ein angemessenes Verhältnis zwischen dem Grundrecht der Koalitionsfreiheit und den verfassungsrechtlich geschützten Interessen Dritter.

  • Autor

    Prof. Dr. Justus Haucap

    Direktor des Duesseldorf Institute for Competition Economics (DICE) und früherer Vorsitzender der Monopolkommission.

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  • Ich bezweifle, dass die Lösung gegen den Missbrauch einer Monopolposition durch eine Bürokratie (Gewerkschaft) dadurch verhindert werden kann, dass mehr Bürokratie eingeführt wird. Warum nicht einfach übernehmen, was sich in anderen Ländern bewährt hat und Arbeitgebern, wie dies z.B. im UK der Fall ist, ein Recht einräumen, die Legitimität eines Streiks rechtlich prüfen zu lassen (mit der Konsequenz, dass Streits von Gerichten untersagt werden können) und warum nicht Arbeitgebern die Möglichkeit geben, Arbeitnehmer leichter zu entlassen als das bislang der Fall ist?
    Ein bischen Flexibilität und weniger gewerkschaftliche Herstellung von Clubgütern (oder gewerkschaftlich sektorales Schmarotzen am Gesamtwohlstand) würde Deutschland sehr gut tun. Und das Entfernen von Gewerkschaftsfunktionären aus Unternehmen wäre sicher ein erster Schritt in diese Richtung.

  • @Michael Klein

    In meinen Augen hat ihr Ansatz genau die gleichen Schwächen wie die aktuelle Situation. Sie verschieben die Macht der Fluglotsengewerkschaften zu denen der Gluglotsenarbeitgebern. Das System bleibt weiterhin unfair, nur die Bevorteilten haben sich geändert.

  • Surp

    Wieso nicht einfach Fluglotsen durch Computer ersetzten? Ist eh viel besser.

  • @Surp

    Das ist praktisch nicht umsetzbar. Außerdem stellt sich am Ende die Frage der Haftung. Wer war Schuld der Programmierer oder der Pilot. Computer können nicht flexibel handeln und sind auf gute Radarmesssignale angewiesen. Bis diese und andere Hürden zuverlässig genommen werden können vergeht noch etwas Zeit.

  • Surp

    @ chriwi

    sicher ist das jetzt schon umsetzbar, Menschen versagen Machinen können maximal ausfallen.

    Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine Boing (ich bin mir sehr unsicher, ist bsissel her, dass ich dazu was gelesen habe) arbeitet an sowas um dem kommenden Flugaufkommen Herr zu werden, das können Menschen nichtmal ansatzweise leisten.

  • Markus

    Alle Lotsen werden ab sofort in den Staatsdienst gerufen und erhalten den Beamtenstatus. Verdienst gut, 65.000 Euro p.a., Altersvorsorge bekanntlich hervorragend, Streikverbot sowieso. Fall erledigt.

    Und wir sprechen hier über lächerliche 2000 Fluglotsen in ganz Deutschland! Sollte die Sicherheit des Luftraums, und damit auch die Organisation – nicht eigentlich Staatsaufgabe sein – gibts hier nciht ein Gesetz (ich erinnere mich an etwas ganz dunkel)?

  • @Surp
    “Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine Boing (ich bin mir sehr unsicher, ist bsissel her, dass ich dazu was gelesen habe) arbeitet an sowas um dem kommenden Flugaufkommen Herr zu werden,”

    Das streite ich auch nicht ab. Aber seit 50 Jahren hört man, dass in 50 Jahren Fusionskraftwerke nutzbar sein werden. Es gibt jede Menge Details, welche umgesetzt werden müssen, angefangen bei der Haftung.

    @Markus

    Das wäre vernünftig und einleuchtend. Stattdessen überlegt man ständig ob dieser Bereich privatisiert werden sollte. Wo da der Wettbewerb herrscht frage ich mich.

  • Kammerjäger

    @Markus:

    Was ist mit dem Dogma, dass alles staatliche immer ineffizienter ist, als wenn das selbe von privatisierten Unternehmen gemacht wird?

  • Surp

    @ Markus

    Da habe ich jetzt gerade auch überlegt, ob das vielleicht sinnvoll ist, da wenn es überhaupt ein Monopol geben sollte, es wohl in staatlichen Händen sein sollte.

    Oder was fieseres, man bildet unglaublich viele Fluglotsen aus, gibt ihnen nur befristete Verträge und ersetzt einfach die Streikenden, fände ich auch ok und fuktioniert bei Zeitarbeit auch super^^.

  • Markus

    @ Kammerjäger
    Was ist denn die Effizienz bei Fluglotsen? (Das soll nicht negativ gemeint sein)