Verfüge nie über Geld, ehe du es hast. Thomas Jefferson, 1743-1826, US-amerikanischer Politiker

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Fachkräftemangel: Wohlstand aller in Gefahr

Wer bisher geglaubt hat, unter dem Fachkräftemangel leiden ausschließlich die Unternehmen, liegt falsch. Fehlende Arbeitskräfte, insbesondere Fachkräfte, werden zunehmend zur Wachstumsbremse in Deutschland – und das gefährdet den Wohlstand von uns allen. Eine aktuelle Prognos-Studie prognostiziert eine Arbeitskräftelücke bis 2030 von etwa 5,2 Millionen Personen. Es drohen Wohlstandsverluste von 3,8 Billionen Euro. Die gute Nachricht: Mit einem gezielten Maßnahmenkatalog lässt sich noch gegensteuern.

Die Studie zeigt: Eine Steigerung der Wochenarbeitszeit von Teilzeitkräften hin zu vollzeitähnlichen Beschäftigungsformen könnte den Arbeitskräftemangel schon um 1,4 Millionen Personen reduzieren. Gelingt es zudem, durch gezielte Maßnahmen die Erwerbsbeteiligung vor allem von Müttern und Älteren zu erhöhen, verringert sich die Lücke um weitere 1,2 Millionen Arbeitskräfte. Betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen, die die Durchlässigkeit zwischen gelernter Fachrichtung und der ausgeübten Tätigkeit steigern, könnten den Mangel um weitere 1,2 Millionen Personen verringern. Zusätzlich brauchen wir eine Bildungsoffensive mit dem Ziel, die Zahl der Hochschulabsolventen weiter zu steigern. So könnten 1,4 Millionen dringend benötigter Akademiker gewonnen werden. Klingt auf den ersten Blick überschaubar. Doch einige Maßnahmen brauchen Zeit bis sie Früchte tragen. Den Absichtserklärungen müssen daher nun rasch Taten folgen.

  • Autor

    Dominique Döttling

    ist geschäftsführende Gesellschafterin der Döttling & Partner Beratungsgesellschaft mbH, Uhingen und Mainz und Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

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  • Frau Döttling woher nehmen sie die Gewissheit, dass es zu einem Mangel an Arbeitskräften kommen wird? Steigt nicht auch die Produktivität? Haben wir nich offiziell 3 Millionen, inoffiziell eher 5 Millionen Arbeitslose? Wenn also die Arbeitnehmer knapp werden, dann kann man sich auf diese Reserve verlassen. Ist die auch aufgebraucht, dann sollten die Löhne steigen und es lohnt sich für Ausländer einzuwandern. Hinzu kommt, dass man die Technologische entwicklung kaum erahnen kann. Vor 20 Jahren waren Computer noch eher die Ausnahme als die Regel in vielen Bereichen. Heute sieht das dramatisch anders aus. Man kann also Progostizieren, aber ich würde den Ergebnissen nicht allzuviel Bedeutung beimessen.

  • Tim

    @ chriwi

    Schon mal selbst in der Lage gewesen, Fachkräfte einstellen zu müssen? Das ist schon heute verdammt schwierig. Man sucht ja nicht irgendwelche Leute, sondern die passenden. In Zukunft wird das Problem sicher noch viel größer, insbesondere für kleinere und mittlere Firmen.

  • Warum steigen dann die Löhne nicht? Ebenso könnte man Mitarbeiter qualifizieren. Das kostet aber Geld und aus diesem Grund wird ein Fachkräftemangel herbeigeredet, ohne zu definieren was eine Fachkraft im Allgemeinen ist. In lokalen Bereichen und Regionen will ich einen Mangel auch nicht verneinen. Global gesehen ist das Unsinn.

  • Martin

    Also, dass die Erhühung der Wocharbeitszeit bei Teilzeitkräften eine Verringerung des Fachkräftemangels herbeiführt, halte ich für ein Gerücht. Es hat ja seinen Grund, weswegen diese Leute “nur” Teilzeit arbeiten. Ebenso halte ich die Erwerbsbeteiligung von Müttern und Älteren für kein adäquates Mittel, den Mißstand des Fachkräftemangels zu beseitigen, denn es ist noch lange nicht gesagt, dass diese Personenkreise über die erforderlichen Qualifikationen verfügen. Weiterhin brauchen wir auch keine weiteren Hochschulabsolventen, denn die wandern nach Erlangung ihres Abschlusses möglicherweise ins Ausland ab. Eine Bildungsoffensive sollte sich dann eher auf diejenigen mit einem niedrigen oder mittleren Schulabschluss konzentrieren – DAS würde einem Fachkräftemangel entgegenwirken.

  • @Martin
    “Es hat ja seinen Grund, weswegen diese Leute “nur” Teilzeit arbeiten.”

    Diese Aussage ist nur teilweise richtig. Es gibt viele Teilzeitbeschäftigte die gerne eine Vollzeitstelle hätten. Es ist für viele Unternehmen billiger zwei Teilzeit anstatt einer Vollzeitstelle zu bezahlen. Dort werden die Sozialleistungen gespart und der Staat stockt die niedrigen Löhne auf.

  • Kammerjäger

    Vielleicht sollte man einmal über die Lohnstrukturen und die täglicher Realität der “Fachkräfte” nachdenken?

    Ich selber habe ein Doppelstudium Ingeneiurwissenschaften und Wirtschaft (nacheinander studiert). Würde ich im techischen Bereich arbeiten wollen? Ja, denn die Arbeit ist interessant und man hat normalerweise mit intellligenten, gutausgebildeten Menschen zu tun. Arbeite ich im technischen Bereich? Nein, die Bezahlung ist dort nicht besonders, man hat keinerlei Perspektive, an Entscheidungen ist man in der Regel nicht beteiligt, das Sozialprestige ist niedrig, der Arbeitsdruck hoch, und das Risiko im Berufsleben auf Grund der Spezialisierung enorm.

    Ich arbeite also im kaufmännischen Bereich, habe eher durchschnittlich begabte Kollegen, bin aus meiner Sicht eher weniger produktiv, als wenn ich technisch arbeiten würde. Aber der Stress ist geringer, der Job macht sich vergleichweise “mit links”, ist besser bezahlt, ich habe direkten Kontakt mit dem oberen Management, werde auch nach meiner Meinung gefragt und arbeite mit weniger Fremdbestimmung. Außerdem sitzten die technischen Abteilungen im Keller oder in nicht renovierten Büros.

    Der Fachkräftemangel, von dem ich ausserdem aus der mikroöknomischen Logik ausgehend bezweifle , ob er in der beklagten Form überhaupt existiert (das Problem ist eher die geringe Verfügbarkeit billiger Fachkräfte), ist wenn dann auch ein Ergebnis der völlig rationalen Entscheidungen der Arbeitnehmer gegen dieses Berufsbild. Genauso wie die Medizinabsolventen, die keine Ärzte werden wollen.

    Da ich glaube, nein ich weiß sicher, das sich auf Seiten der Arbeitgeber wenig an diesen Missständen ändern wird, wird man dieses Wehklagen auch weiter hören. Die Lernkurve des deutschen Personalmanager ist in diesem Punkt ziemlich flach, aber eines lernt man im Wirtschaftstudium ja auch ausreichend: Die Realität ignoreren, auf dem eigenen Standpunkt beharren, und sich darüber beklagen. In diesem Punkt sind die Ingenieure besser aufgestellt, Realitätsferne kann man sich in dem job nicht erlauben.

  • Tim

    @ chriwi, Kammerjäger

    Gerade im technischen Bereich ist es schwer, gute Leute zu finden. Ein Ingenieur mit den richtigen Fachkenntnisse wird exzellent bezahlt und wird überall mit Kußhand empfangen. Merke: Millionen Arbeitslose schließen den sehr starken Fachkräftemangel in vielen Bereichen nicht aus.

  • Surp

    Der Artikel ist so dumme und üble Propaganda, dass mir schlecht wird.

    Fachkräftemangel wird es niemals in einer auch nur annährend erwähnswerten Form geben.

    Wenn Firmen meinen, sie finden hier keine passenden Mitarbeiter, dann sollen sie einfach nach Spanien gehen, dort gibt es 50% Jugendarbeitslosigkeit, die sind auch in großen Teilen mit einem Studium ausgestattet, da wird sich wohl wer finden lassen. Außerdem reduzieren wir dann unser Aussenbilanzungleichgewicht.

    Wenn Unternehmen das nicht wollen, sollen sie einfach nichts mehr sagen und den nehmen der da ist und ihn selbst qualifizieren, ist doch verdammt nochmal nicht zuviel verlangt.

    Nur weil sich irgendwelche Personalspastis einen “Battle for the Best” überlegt haben, damit sie ihre Jobs rechtfertigen können, bleibt dies immernoch Blödsinn und wird nicht wahrer dadurch das eine Propagandainstitution wie die INSM sie befeuert.

    Allein die Annahmen aus denen ein Fachkräftemangel prognostieziert wird, sind Hohn und Spott (kein technischer Fortschritt etc.).

    Des Weiteren kann eine Gesellschaft die soviel Humankapital an unnütze Berufe bindet kein ernsthaftes Fachkräfteproblem haben, sonst würde sich dort etwas ändern.

    P.S.: Es gibt in bestimmten Bereichen wohl einen tatsächlichen Fachkräftemangel, nämlich in den Berufen in denen die Arbeitsbedingungen so schlecht sind, dass sie keiner machen möchtem, Altenpflege zum Beispiel. Daher schlage ich Frau Döttling vor, doch endlich etwas ihrer für die Gesellschaft erzeugten Kosten (Studium etc.) zurückzugeben und als Altenpflegerin tätig zu werden, gern in der mobilen Pflege.

  • Markus

    @ Kammerjäger
    dann haben Sie in Ihrem Studium die falschen Dozenten vor sich. Denn eigelntlich ist das Gegenteil der Fall.

    @ All
    Die Beiträge zeigen eines klar: Die Autorin setzt Quantität vor Qualität. Grosser Denkfehler. Die Beiträge sind da besser aufgestellt. Verwunderlich, denn die Autorin ist eigentlich die selbst ernannte Expertin in diesem Themengebiet. Schade, dass Sie so flach argumentiert. Ach ja, wem genau drohen denn die sog. Wohlstandsverluste?

  • Jupp53

    Mal ein paar Thesen dagegen genau zu den Punkten der Studie:

    – Teilzeitarbeit wird zu wenig angeboten. Die Lebensqualität steigt damit und das macht auch das Berufsleben attraktiver. Weniger Teilzeitarbeit verringert das Angebot an Arbeit mittel- und langfristig durch erhöhte Krankheitsquoten. (Wo haben die Ersteller solcher Papiere eigentlich wissenschaftliches Arbeiten gelernt? Bei einem Interessenverband?)
    – Die Firmen stellen zu wenig über 50jährige ein. z.B.: Studierte Informatiker, die aus welchen Gründen auch immer 50 und 12 Monate arbeitslos sind, haben kaum eine Chance auf eine Stelle. Solange es diese Situation in irgendeinem Teilarbeitsmarkt gibt, ist alles Gerede von Fachkräftemangel reine ideologische Nebelwerferei. Einstellungen in diesem Teilarbeitsmarkt wird es nur dann geben, wenn die Firmen dazu gezwungen werden, egal ob vom Markt oder vom Staat.
    – Mich würde mal interessieren, wie hoch die Ausbildungsaufwendungen der großen Unternehmen heute und 1950, 1960, …, im Vergleich zum BSP sind und waren. In diesem Zusammenhang ist auch die Entlastung der Unternehmen durch die Veränderungen in der Steuerlast für verschiedene Gruppen der Bevölkerung dieses unseren Landes ein zu berechnen. 1948 wurden 80% des Bundeshaushaltes aus Vermögenssteuern und Unternehmensgewinnen finanziert. Betrachtet man diese Zahlen, dann ist zu bezweifeln, dass von “der Wirtschaft” unseres Landes ein mehr an Ausbildung, sei es im staatlichen Bildungswesen, sei es in den Betrieben, überhaupt gewünscht wird. Es wird höchstens als Subvention ohne Dank mit Forderung nach mehr angenommen.

  • Surp

    @ Jupp

    Unternehmen haben es geschafft, alles vom Staat bezahlt zu bekommen (Subventionen)

    und alles was sie nicht mehr brauchen in die SV-Systeme zu verklappen.

    Und immer mit dem Argument “wir schaffen Arbeitsplätze”, rechtfertigen die Aktionäre und Manager ihre Menschenverachtung. Die gerne von Politikern jeglicher coloeur (ultra links bis ultra rechts) unterstützt wird in dem genauen Wissen auch ein kleines Stück vom Kuchen zu bekommen.

    Ich sage jetzt etwas krasses:
    der Durchschnittsbürger wäre sowohl ohne Arbeit als auch ohne Konzerne als auch Finanzwirtschaft weit besser dran. Die Möglichkeiten die wir haben werden ja nicht beschritten, bzw. dürfen ja nicht, da sie Arbeitsplätze vernichten.

    Solange wir nicht anders umverteilen ist die Katastrophe vorprogrammiert und dafür muss man kein Prophet sein, sondern nur klar denken.

  • Kammerjäger

    @Markus:
    “Denn eigentlich ist das Gegenteil der Fall.”

    Das Gegenteil von was?

    Mein Studium liegt übrigens schon bald 2 Dekaden hinter mir. Was ich geschrieben habe ist die ganz praktische Erfahrung aus meinem Berufsalltag. Da ich den größten Teil meines Berufslebens auch noch in der Unternehmensberatung verbracht habe, kenne ich auch ein knappes Dutzend Unternehmen verschiedener Branchen von innen, darunter auch vier Daxkonzerne, genauso wie auch als Mitarbeiter zwei größere Unternehmensberatungen.

    Die fachliche Anforderungen in den technischen Bereichen ist genauso wie der Leistungsdruck höher als in den typischen kaufmännischen Aufgaben, und die Bezahlung stagniert sofort ab den Tag der Einstellung. Karriereperspektiven gibt es ebenfalls praktisch nicht, und eine Wertschätzung der Arbeit dann meistens auch nur in den Sonntagsreden.

    Die Situation eines Ingenieurs ist zudem schon deshalb problematisch, weil das Risiko viel zu hoch ist, falls man ab Mitte 40 den Job verliert, keinen Zugang zum Arbeitsmarkt mehr zu finden. Schon um dieses Risiko der Altersdiskriminierung zu umgehen, ist in Deutschland jungen Leuten dringend von technischen Berufsbildern abzuraten.

  • @Tim
    Darum sind viele Ingenieure in etwas höherem Alter arbeitslos? Des Weiteren sind die Löhne der Ingenieure nicht wirklich gestiegen. Wenn es einen breiten Mangel gäbe, dann müssten sie steigen.

  • Markus

    @ Kammerjäger

    –> Missverständnis: Ich habe auf Ihre Aussage “Die Realität ignoreren, auf dem eigenen Standpunkt beharren, und sich darüber beklagen” angespielt.
    Im normalen Wirtschaftsstudium wird dem Studenten genau das “ausgetrieben”, zumindestens an den Fakultäten, die ich kennenglernt habe. Und all die Dozenten die ich kenne – und das sind ne Menge – lehren eher die Realität. Deshalb finde ich Ihre Erfahrung schade. Denn eigentlich ist es eben nicht so. Aber Realitätsfremde Professoren gibts es zu genüge, da stimme ich zu – jedoch in allen Fachbereichen.

    Das wollte ich damit ausdrücken.

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  • Ich habe von 1972 bis 2007 als Ingenieur in verschiedenen Bereichen der Entwicklung gearbeit. Daneben war ich als Arbeitnehmervertreter für Ingenierure aktiv. Aus dieser Erfahrung 4 Aussagen:
    1. Schon 1972 wurde im VDI von fehlenden Ingenierunachwuchs gesprochen. Die Zahl der Abgänger eines Ingenieurstudienganges war immer die Hälfte von denen die zum Beginn dabei waren, egal wie hoch die Bewerberzahl waren. Der Ingeniermangel hat sich nie in der Bezahlung ausgewirkt.
    2. In langjährigen Gehaltsanalysen von Ingenieuren des AIN e.V. in der Großindustrie wurde nachgewiesen, das es bei den Einkommen von Ingenieuren eine gaussche Verteilung über das Alter gibt; leichter Anstieg zu Beginn der Beruflaufbahn, am Ende wieder ein Abfall.
    3. Ingenieure können sich auch nach 30 Jahren Berufserfahrung auf dem Wissen aus dem Studium aufbauend neue Qualifikationen aneignen. Die Industrie muss diese dann aber auch abfordern und nicht mit dem Argument “da lohnt sich Qualifizierung nicht mehr” lieber ausstellen und nach Jungingenieuren rufen.
    4. In Betrieben mit einer guten Mischung aus Jung und Alt sind die Projekte erfolgreicher und kostengünstiger.