Es ist beispielsweise in höchstem Maße widerspruchsvoll, wenn der Staatsbürger über die unerträgliche Höhe der Steuerlast klagt, gleichzeitig aber vom Staate Hilfen erwartet, die diesem das moralische Recht geben, noch immer höherer Steuern einzuheben. Ludwig Erhard, 1897-1977, deutscher Wirtschaftsminister, Bundeskanzler

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Trennbankensystem: Wider einer marktwirtschaftlichen Lösung

Während  die „Occupy Wall Street-Bewegung“  immer mehr Teilnehmer findet, erhöht auch die Politik den Druck auf die Banken. Ein Trennbankensystem soll’s richten. Richtig ist: die systemische Macht der Banken untergräbt die Prinzipien der Marktwirtschaft. Daher hat schon Adam Smith 1776 in seinem Buch „The Wealth of Nation“ Brandmauern für den Finanzsektor zur Verhinderung von Flächenbränden gefordert. Denn ohne Flächenbrandgefahr besteht kein politisches Erpressungspotential. Doch der Vorstoß, das Kreditgeschäft der Banken vom Investment-Geschäft zu trennen, ist dahingehend nicht zielführend.

Die Einführung eines Trennbankensystems stellt einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit dar, mit allen negativen Folgen für Wettbewerb und Markt. So haben viele Teile des Investmenbankings einen engen Bezug zum Firmenkundengeschäft; eine regulatorische Trennung hätte hier unabsehbare Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Bankensystems. Fiele diese im internationalen Vergleich deutlich zurück, würden unsere Unternehmen die Rechnung dafür bezahlen müssen.

Hinzu kommt: Lehmann war eine reine Investment Bank und dennoch löste die Pleite eine weltweite Bankenkrise aus. Das Problem der Systemrelevanz ist also durch ein Trennbankensystem überhaupt nicht beseitigt. Vielmehr geht es um die Vernetzung der Banken – und die hängt nicht in erster Linie davon ab, ob bestimmte Geschäfte von einem Haus oder aus mehreren Häusern heraus angeboten werden. Für eine Eindämmung der Too-Big-To-Fail-Problematik müssen andere Wege beschritten werden. Neben  einer speziellen Insolvenzordnung für systemische  Institute müssen wir behutsam die bestehenden aufsichtsrechtlichen Anreize für die Aufblähung des Interbankengeschäfts abbauen. In dem Maße wie die Kreditinstitute sich außerhalb des Bankensektors refinanzieren, kann die Vernetzung und damit das systemische Risiko reduziert werden. Beide Effekte, die implizite Staatshaftung bei systemrelevanten Banken und die aufsichtsrechtliche Bevorzugung von Interbankenkredite, habe zu einer Verzerrung von Marktpreisen, konkret der Refinanzierungskosten, geführt und waren damit mit ursächlich für die heute bestehenden Probleme. Insoweit sollte man bei der Lösung des Too-Big-To-Fail-Problems marktwirtschaftliche Mechanismen nicht völlig außer acht lassen.

  • Autor

    Prof. Dr. Christoph Kaserer

    ist Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität München.

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  • “Lehmann war eine reine Investment Bank und dennoch löste die Pleite eine weltweite Bankenkrise aus”

    Überraschung!!! Die anderen Banken sind zu einem großten Teil auch Investmentbanken. Somit sind die “Real”banken und die letztlich die Realwirtschaft automatisch betroffen.

    “Die Einführung eines Trennbankensystems stellt einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit dar, mit allen negativen Folgen für Wettbewerb und Markt.”
    Es gab diese Trennung schon einmal. Sie wurde wieder aufgegeben mit all den negativen Folgen die wir seit Jahrzehnten sehen.

  • Kammerjäger

    “Das Problem der Systemrelevanz ist also durch ein Trennbankensystem überhaupt nicht beseitigt. Vielmehr geht es um die Vernetzung der Banken ”

    Richtig. Neben der Trennung der verschiedenen Bankentypen gehört natürlich auch das Verbot der Geschäfte der Banken untereinander, sonst bleibt es wirkungslos.

    “Fiele diese im internationalen Vergleich deutlich zurück, würden unsere Unternehmen die Rechnung dafür bezahlen müssen.”

    O Gott, unsere armen Unternehmer. Sie müssten in Zukunft möglicherweise Geschäftsbeziehungen zur ZWEI Banken unterhalten. Das ist natürlich unzumutbar und da sind die Miliardentransfers des Steuerzahlers in den Bankensektor eindeutig das kleinere Übel!

    “Die Einführung eines Trennbankensystems stellt einen massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit dar.”

    Das ist ein billiges Todschlagargument. Die §§242 und 253 im Strafgesetzbuch oder §29 BtMG sind auch eine Beschränkung der unternehmerischen Freiheit vieler ehrbarer Diebe, Erpresser oder Drogendealer. Die Gesellschaft muss hier die Schutzinteressen ihrer Gemeinschaft höher Stellen als sich an einem solche ideologischen Gefasel der freien Unternehmerschaft, der nur alles erlaubt sein muss, zu orientieren. Alles andere ist die Forderungen nach Anarchie.

    “…und die aufsichtsrechtliche Bevorzugung von Interbankenkredite, habe zu einer Verzerrung von Marktpreisen, konkret der Refinanzierungskosten, geführt und waren damit mit ursächlich für die heute bestehenden Probleme.”

    Sie tun so, als die Banken durch die Aufsichtsbehörden oder die Regierungen gezwungen worden wären, diese Geschäfte zu machen. Das ist eine interessengeleitete Falschdarstellung der Banken, die Sie leider unkritisch übernehmen. Das Versagen liegt bei den Experten der privaten Banken, die Gewinne aus den höheren Verzinsungen und niedrigen Refinanzierungskosten gesehen haben, aber die Risiken ignoriert haben. Das Argument, das die Banken von der Regierung oder den Zentralbanken über über diese Risiken nicht aufgeklärt worden sind, und damit gleichsam von jeder eigenen Verantwortung freizusprechen wären, ist gleichzeitig dumm und gefährlich, weil es von den eigentlichen Ursachen ablenkt.

  • NUB

    Für eine Eindämmung der Too-Big-To-Fail-Problematik müssen andere Wege beschritten werden. Neben einer speziellen Insolvenzordnung für systemische Institute müssen wir behutsam die bestehenden aufsichtsrechtlichen Anreize für die Aufblähung des Interbankengeschäfts abbauen. In dem Maße wie die Kreditinstitute sich außerhalb des Bankensektors refinanzieren, kann die Vernetzung und damit das systemische Risiko reduziert werden.

    Für “begutsam” läuft uns die Zeit davon. Und auch den Banken. Wer sich etwas länger als 5 Minuten mit der Geschichte befasst hat, der versteht, dass Situationen in der die wirtschaftliche Grundlage wie ein Teppich unter den Füßen weggezogen werden könnte, brandgefährlich sind. Da wird am Ende nicht mehr über zivilisierte Diskussionen in Talkshows geredet, sondern sowas kann zu Blutvergießen führen. Davon mögen wir noch weit entfernt sein und auch die Griechen… aber derartige Prozesse, die existieren, werden nicht aufgehalten, wenn es zu spät ist, sondern solange noch Zeit da ist. Alle, die sich mit dem Thema befassen, kommen eigentlich zu dem Ergebnis, dass 25% Rendite nicht ohne riskantere Geschäfte = Zocken möglich sind. Dafür aber können normale Steuerzahler nicht haften. Ist auch rein rechnerisch ausgeschlossen. Es ist nicht angebracht, behutsam etwas zu ändern, sondern nun ganz schnell äußerst radikal! Natürlich auch bei der Angewohnheit der Staaten, immer mehr mit Schulden zu finanzieren, muss es ganz schnell grundlegend anders werden. Sonst sind wir erledigt! Und da wird keiner mit einem Victory rausmarschieren, auch kein Banker!

  • Brate

    Kreditgeschäfte und Investmentgeschäfte müssen nicht unbedingt getrennt werden, um das To-Big-To-Fail-Problem zu lösen reicht m. E. eine gesetzlich verordnete 100%Reserve auf alle Spareinlagen (das hat schon Milton Friedman gefordert).
    Damit wären die Spareinlagen bzw. Rücklagen des privaten Sektors geschützt, Banken könnten in die Insolvenz gehen ohne das dabei gleich die Wirtschaft kollabiert oder der Steuerzahler wieder Milliarden verschenken muss.

  • Kammerjäger

    Das wäre am Ende auch nur ein untauglicher Versuch möglichst wenig zu machn um den armen, armen Banken nur keine Veränderung zuzumuten.

    Zwei gesellschaftliche Gruppen in Deutschland sind komplett reformunfähig: Die Politik, hier in vorderster Front die Parteien, und die Wirtschaft, bei denen die Banken in ihrer Reformunfähigkeit besonders hervorzuheben sind.

    Der Finanzsektor ist trägt an der Krise keine Mitschuld, sondern die Hauptschuld. Nur das Trennbankensystem einzuführen ist auch schon ein viel zu kurzer Schritt, wir brauchen eigentlich auch eine restriktive Regulierung welchen Geschäfte den Investmentbanken überhaupt erlaubt ist. Der Schaden, der den Volkswirtschaften durch die Banken derzeit entsteht ist nicht enorm, er ist monströs.

  • Kammerjäger

    “Die Lösung ist nicht Investments zu verbieten oder zu regulieren,”

    Die Deutsche Bank hat eine Derivateposition von 55.000 Mrd Euro. (Das ist kein Schreibfehler), das ist etwa das 25-fache des Deutschen BIP.

    Das gehört reguliert oder am besten ganz verboten.