INSM – ÖkonomenBlog, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) Welche Reformen braucht unser Land? Wie erreichen wir mehr Wachstum und Beschäftigung? Experten geben Antworten – diskutieren Sie mit!

 

Wirtschaft braucht Vertrauen

Jahrelang haben wir in der Debatte um die Zukunft der sozialen Sicherung die Notwendigkeit von privater Vorsorge für die Lebensrisiken Alter, Krankheit und Pflege propagiert. Ohne flankierende Vorsorge auf kapitalgedeckter Basis keine Lebensstandardsicherung! Dieses Mantra galt in rot-grünen Agenda-2010-Zeiten ebenso wie in schwarz-gelber Regierungsverantwortung. Doch in Zeiten der Staatsschuldenkrisen, der permanenten Banken-, Euro- und sonstigen Rettungspakete sinkt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die eigene Vorsorge extrem.

Man braucht nicht eine aktuelle Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach bemühen, die den massiven Rückgang der Bereitschaft zur Altersvorsorge vor allem bei jungen Menschen bestätigt. Es reicht die alltägliche Erfahrung in Debatten mit den eigenen Kindern. Lieber wird zusätzliches Einkommen konsumiert – für Klamotten und Reisen. Das Argument ist gleich parat: Wenn ich spare, zehrt die Inflation die Früchte meiner Vorsorge auf. Außerdem werden doch die, die nicht sparen, später ohnehin vom Staat aufgefangen. Und finanziert werden die Transfers dann von denen, die so dumm waren vorzusorgen und im Alter über ein Einkommen verfügen, aus dem der Staat dann höhere Steuern verlangen kann.

Dieser Vertrauensverlust schlägt massiv auf die Propagandisten privater Vorsorge in Banken und Versicherungen zurück. Denen möchte man zurufen: Sorgt endlich dafür, dass die Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns auch wieder in den Kathedralen des Finanzkapitalismus – in der Wall Street oder der Londoner City – zur Geltung kommen. Sorgt für reale Wertschöpfung und nicht für virtuelle! Sonst vertrauen euch immer weniger Anleger ihre Gelder an. Und dann ist euer Geschäftsmodell perdu.

4 Kommentare zu “Wirtschaft braucht Vertrauen”

  1. Private Altersvorsorge kann eine Ergänzung sein, aber mehr auch nicht. Daher baucht diese auch nicht von Staat subventioniert werden, bessere wäre das Geld direkt beim Bürger aufgehoben.

    Wir brauchen endlich Gerechtigkeit, Pensionäre, Rentner und Arbeitslose sind gleich, sie sollten auch das gleiche bekommen und nicht einer fast nix und der andere 120.000 Euro + Sekretärin und Chauffeur.

    Wi brauchen endlich eine andere unbürokratische Umverteilung, die Umverteilung über Arbeit ist gescheitert.

  2. Kammerjäger sagt:

    “Und dann ist euer Geschäftsmodell perdu.”

    Was die wenigsten Menschen wissen: Banken können zwar kein Eigenkapital erzeugen, haben das Privileg normales Geld zu drucken. Das Geschäftsmodell wird nicht so schnell perdu gehen.

  3. Zwei Fragen stelle ich Ihnen Herr Metzger.

    1. Wie sollen die meisten Jugendlichen sparen, wenn sie nicht das nötige Einkommen dafür besitzen?

    2. Wieso sollte das Sparen für die Altersvorsorge sicher sein. Eines hat die Bankenkrise für 2 Jahren gezeigt, nämlich das diese Anlageform sehr unsicher ist und nur durch staatliche Intervention gerettet werden konnte. Daran ändert sich auch in Zukunft nichts. Da können sie so lange sie wollen an den ehrbaren Kaufmann appellieren. Die hohen Durchschnittsrenditen sind nur über ein hohes Risiko zu erreichen.

  4. @ chriwi
    Stimmt. Aber ich sehe auch eine Verantwortung beim Bürger, also beim “Sparer”. Nur allzu oft haben sich die Verbraucher blenden lassen und jeden Quatsch geglaubt. Nach meiner erfahrung sind die Menschen besser informiert wenn sie ein Auto kaufen im Gegensatz zu einer gleichhohen Geldanlage. Da ist zu oft blindes Vertrauen gegeben – und das gilt auch bei der Altersvorsorge. was denken, Sie, wie hoch der Anteil aller Riester-Sparer ist, die keinen blassen Schimmer von ihrem Produkt haben?
    ich sehe hier sehr viel Naivität und gleichermaßen das Ausnutzen der “Berater”. Und aufgrund des Vertrauensverlust (willkommen in der Realität) soll nun nciht mehr gespart werden. Richtig, das Einkommen ist zu niedrig und die Konsumanreize zu hoch. Auch das ein problem, siehe auch steigende Zahl der Privatinsolvenzen.
    Die Retourkutsche wird in den nächsten 20 Jahren wirklich brachial einschlagen und das ganze System vollständig zum Erliegen bringen – es fehlt ganz einfach das Geld. Und wir wissen es schon heute, können aber da facto nichts machen.

Kommentieren Sie den Beitrag

Der Autor:

Oswald Metzger

ist Buchautor und ausgewiesener Haushalts- und Finanzexperte. Von 1994 bis 2002 gehörte er dem Deutschen Bundestag an.

Alle Beiträge von