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Letzter Ausweg Eurobonds?

Unter den meisten Staaten Europas scheint es Konsens zu sein: Nur mit Eurobonds kann die Schuldenkrise in Europa bewältigt werden. Tatsächlich könnten sie kurzfristig auch den Markt beruhigen. Mittel- und langfristig aber gehen von Eurobonds völlig falsche Signale. Warum sollten die verschuldeten Staaten in Europa ihre Strukturreformen mit gleicher Intensität fortsetzen, wenn sie sich plötzlich über Eurobonds wieder günstig verschulden können? Warum sollen Länder wie Deutschland und Frankreich für die mangelnde Haushaltsdisziplin anderer Staaten mit in Haftung genommen werden?

Außerdem muss man die Frage stellen: Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Italien sechs oder sieben Prozent Zinsen zahlen muss? Vor der Währungsunion war das Zinsniveau bei gleicher Schuldenquote ähnlich hoch. Eurobonds haben im Gegensatz zur bisherigen Krisenpolitik eine ganz andere Substanz. Hier geht es nicht mehr um kurzfristige Interventionen, sondern sie justieren die Finanzordnung in der Eurozone neu. Sie würden aber die bisher erreichten Sparanstrengungen und Reformen konterkarieren – und mit ihnen der Ausweg aus der Schuldenfalle.


Dieser Beitrag basiert auf einem Interview mit Prof. Dr. Michael Hüther im Deutschlandfunk.

17 Kommentare zu “Letzter Ausweg Eurobonds?”

  1. Herr Hüther sie gehen davon aus, dass am Finanzmarkt irgendeine vernünftige Preisbildung stattfindet. Warum steht Spanien schlechter da als Deutschland? Die Schulden sind niedriger. Warum stehen die USA besser da als Griechenland oder Italien. Die Politik ist ähnlich korrupt und dennoch bekommen sie die besten Bewertungen. Ihre Grundannahme ist also falsch. Am Finanzmarkt gibt es keine Marktpreise mehr sondern nur noch Herdenverhalten. Heiner Flassbeck hat dies im Vorfeld der Finanzkrise und auch danach Anhand von empirischen Untersuchungen gezeigt.

  2. [...] in Europa ihre Strukturreform nicht mit gleicher Intensität fortsetzen werden, wenn sie sich über Eurobonds wieder günstig verschulden können. Wie hoch die Zinsen der einzelnen Staaten sind und warum die Eurobonds kein dauerhafter [...]

  3. Alles richtig, Herr Hüther, moral hazard allenthalben, Staaten ist nicht zu trauen, was auch für die deutsche Regierung gilt. Aber, wie mein alter Lehrer Hans Albert jetzt gesagt hätte, wo ist der positive Teil? Was schlagen Sie anstelle von Eurobonds vor? Wie wollen Sie eine Währungsunion zum Funktionieren bringen, bei der alle Regierungen weiterhin wie es ihnen beliebt, eine eigene Schuldenpolitik betreiben und jeder seinen nationalen Chauvinismus vor die Lösung gemeinsamer Probleme stellt – wo die einen mit 55 in Rente gehen und ihre Renten vererbbar sind und die anderen öffentliche Mittel zur Förderung einer Sozial-Feminismusindustrie und Gebärindustrie verwenden?

    In Sachen moral hazard stehen sich die Regierungen alle auf Augenhöhe gegenüber, und deshalb gibt es nur einen Weg aus der Schuldenfalle: Regierungen Kompetenzen abnehmen, rent seeking unter der Maßgabe “sozialer Gerechtigkeit” zu verbieten und eine Marktwirtschaft einzuführen, in der Politiker KEINERLEI Einfluss auf die Marktergebnisse haben und jeder Eingriff in den Markt durch Politiker damit bestraft wird, dass der entsprechende Politiker eine Expedition nach Alpha Centauri anführen darf.

  4. @Michael Klein
    “und eine Marktwirtschaft einzuführen, in der Politiker KEINERLEI Einfluss auf die Marktergebnisse haben”

    Nachdem ich fertig gelacht habe, kann ich nur folgendes sagen. Keinerlei Einfluss heißt keinerlei staatliche Tätigkeit, heißt keinerlei Gesetze, heißt keinerlei Marktwirtschaft.

  5. @ Michael Klein

    Sind wir nicht alle der Staat?

    Sie müssten sagen staatlichen Institutionen ist nicht zu trauen, da sie sich oft selbst bereichern.

    Aber der Markt führt derzeit auch nicht zu ädaquaten Ergebnissen, bestes Beispiel sind die Kosten für Atomkraft oder grundsätzlich das Einpreisen von Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch. Das gelingt gelinde gesagt fast garnicht.

    Der derzeitige Kapitalismus dient auschließlich einer kleinen Minderheit, die sich im Prinzip die halbe Welt unter den Nagel gerissen hat.

    Ich denke dafür allein braucht man ein Sozialsystem (das kann sehr unkompliziert und unbürokratisch sein).

    Des Weiteren ist der Arbeitnehmer aber auch der Arbeitslose viel schwächer als andere Marktteilnehmer, daher existiert in diesem Bereich garkein Markt.

    Eine absolut freie Marktwirtschaft ist nicht anderes als ein Neofeudalsystem, das ausschließlich die Besitzenden und ihre Dunstkreise schützt.

    Obwohl es schon abartig ist, dass Pensionen/Renten vererbt werden, beste Beispiel Helmut Kohl und keine Ahnung wieviele andere noch. Irgendwie hat das was von Prostitution.

  6. @chriwi

    Bevor Sie lachen, sollten Sie vielleicht überlegen, warum ich wohl MarktERGEBNISSE geschriebe habe.

    @surp
    Wir haben derzeit keinen Markt, der den Namen auch nur annähernd verdient. WIe soll das Einpreisen von Umweltverschmutzung und Ressourcenverbrauch (ein Problem das Ronald Coase übrigens schon vor Jahrzehnten gelöst hat) gelingen, angesichts staatlicher Subventionen für Kohle, regenerative Energie … Die Subventionen im Bereich regenerativer Energien führen derzeit z.B. dazu, dass Solarzellen verbaut werden, was das Zeug hält, wobei die Herstellung der Solarzellen ein echt giftiges Verfahren ist, das gar nicht umweltfreundlich ist. Ist das für sie ein Beispiel kompetenten staatlichen Eingriffs? Ich behaupte, dass jede Lösung, bei der ein Markt (jetzt für chriwi) im Rahmen staatliche garantierter SPIELREGELN unbeeinflusst von außen funktioniert, bessere Ergebnisse produziert als es ein staatlicher Eingriff je zu leisten im Stande ist.

  7. @Michael Klein

    “Ich behaupte, dass jede Lösung, bei der ein Markt (jetzt für chriwi) im Rahmen staatliche garantierter SPIELREGELN unbeeinflusst von außen funktioniert, bessere Ergebnisse produziert als es ein staatlicher Eingriff je zu leisten im Stande ist.”

    Mag ja stimmen. Aber wo fängt denn die Spielregel an und wo nennen sie es Marktbeeinflussung? Ist ein Umweltgesetz eine Marktbeeinflussung, weil umweltunfreundliche Produkte verdrängt werden oder sind es Spielregeln?

    Die Frage lässt sich auf andere Bereiche ausweiten. Des Weiteren setzen sie einen Markt vorraus. Das ist nicht in jedem Fall gegeben, ebensowenig wie die besseren Ergebnisse die daraus resultieren sollen. Denn auch dort stellt sich die Frage, was die besseren Ergebnisse sind? Mir ist das nicht klar. Ein möglichst gleichverteiltes Einkommen ist sicher für die Mehrheit ein gutes Ergebnis. Für die Unternehmen ist dies ganz sicher nicht so. Hohe Renten, viel Urlaub, gute soziale Absicherung sind wünschenswert, aber sicher nicht für diejenigen die viel Geld haben und sich daran beteiligen müssen. Was also soll diese ominöse bessere Ergebnis sein? Die Verbesserung des Lebensstandards der Mehrheit der Bevölkerung kann es nicht sein. Das ist dem “Markt” egal. Dort werden Gewinne optimiert, darin ist eine Marktwirtschaft gut. Beispielsweise war die Brenndauer der Glühbirnen vor 100 Jahren länger als heute. Man hatte kein Interesse diese lang glühen zu lassen, da sonst die Verkaufszahlen sinken (besser?). Bei Druckern werden Chips eingebaut, welche die Zahl der gedruckten Seiten zählen und nach einer bestimmten Menge einen Fehler ausgeben. Die “Reperatur” wird nicht empfohlen. Man soll lieber einen neuen Drucker kaufen (besser?). Das alles geschieht ohne jeden staatlichen Einfluss.

    http://www.youtube.com/watch?v=tI798T2tRrQ

    Um solche Dinge zu vermeiden müssen sie den Rahmen schon sehr eng spannen.

  8. @chriwi
    Wo die Spielregeln anfangen? Fragen Sie das wirklich?
    Nun, auf dem Markt herrscht das Leistungsprinzip. Entsprechend sind Spielregeln notwendig, die sicherstellen, dass Konkurrenz/Wettbewerb stattfinden können und die Spielergebnisse von allen anerkannt werden, egal, ob sie damit zufrieden sind oder nicht. Folglich braucht es Rechtssicherheit(Rechtsgleichheit), die darin besteht, dass jeder, der sich nicht an die Spielregeln hält, Gefahr läuft, auszuscheiden, und es braucht Privilegienfreiheit, denn nur so ist das Leistungsprinzip zu gewährleisten, also keine Sonderrechte. Mehr braucht es nicht.

  9. @ Michael Klein

    Ich stimme ja in vielen Bereichen zu, ich sehe in fast keinem Bereich einen Markt, außer Flohmarkt vieleicht.

    Ich bin ein absoluter Feind großer staatlicher Institutionen aber auch von Konzernen, sie fördern (bzw. erzwingen) Korruption und Fehlallokation, genauso wie es extreme Vermögenskonzentrationen tun.

    Das was Chriwi anspricht ist auch eine sehr negative Entwicklung durch unser derzeitige Wachstumsdogma (es gibt einen Begriff dafür, ich habe ihn vergessen).
    Grundsätzlich wäre es nicht schlimm, wenn man alles zu 100% wiederverwerten könnte und Energiegewinnung die Umwelt nicht belasten würde.

    Das letzte ist, Ronald Coase hat garnichts gelöst nichtmal Ansatzweise.

    Wie will man etwas kalkulieren geschweige denn einpreisen, was man überhaupt nicht kennt. Jeder endgültig verbrauchte Rohstoff ist für immer weg, wie will man das Recht der nächsten Generationen auf ihn einpreisen? Wem gehören überhaupt die bisher verbrauchten Rohstoffe etc., das sind ethische Fragen, die aber sehr gewichtig sind.
    Ich denke hier kann nur ein anderer Gesellschaftsvertrag Abhilfe schaffen, der klar definiert wo wir hinwollen und wie.

    Solange wir den Markt auf die Realwirtschaft beziehen, ist auch alles eingermaßen in Ordnung, zumindest solange eine hohe Umverteilung die Schwachen schützt und sie nicht gezwungen werden können (ist für mich auch eine ethische Frage). Die Wirtschaft soll in meine Augen immernoch den Menschen dienen, nicht umgekehrt.

    Die Finanzwirtschaft darf niemals, niemals etwas anderes sein, als der Versorger der Realwirtschaft mit Kapital. Alles andere muss weg, damit die Marktwirtschaft einigermaßen funktionieren kann. Folglich muss unser derzeitiges Finanzsystem zusammenbrechen, damit eine Marktwirtschaft überhaupt existieren kann.

    Ihre Vorstellung einer sozialen Marktwirtschat ist mir leider zu feudal, da sie zwangsläufig ausschließlich die Reichen und Mächtigen versuchen zu schützen, das Ergebnis sehen wir gerade. Die Welt ist verteilt, da ist keine Chancengleichheit.

    Ich empfinde die Entwicklung des Kapitalismus seit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus sehr traurig und vorallem extrem unnötig. So genial der Kapitalismus auch ist, man darf ihn niemals wirklich komplett freilassen, dann verkehrt er sich ins Gegenteil.

  10. “Nun, auf dem Markt herrscht das Leistungsprinzip.”

    Ich hoffe das glauben sie nicht wirklich. Was ist denn Leistung? Wenn es um reale erbrachte Leistung ginge, warum verdienen dann Menschen am Finanzmarkt so unendlich viel? Dort werden keinerlei Werte geschaffen und man hantiert mit einer Nullsumme. Warum leisten diese Menschen mehr, als ein Handwerker, wo ist der Mehrwert für die Gesellschaft?

    “Entsprechend sind Spielregeln notwendig, die sicherstellen, dass Konkurrenz/Wettbewerb stattfinden können und die Spielergebnisse von allen anerkannt werden, egal, ob sie damit zufrieden sind oder nicht.”

    Das klingt alles sehr schön und in einem Utopia ist das sicher auch durchsetzbar. Es soll sichergestellt werden, dass Wettbewerb und Konkurrenz stattfindet. Somit dürfen keine Monopole und Oligopole existieren. Wo ziehen sie bei Oligopolen die Grenze? Die ist willkürlich gesetzt. Auch wollen sie eine Kontrolle der Regeln. Nur wird das auch nicht so einfach sein. Schon heute gibt es gute Regeln. Allerdings sind die Kontrollen spärlich und die Kontrolleure teilweise überfordert. Die Bankenkrise 2008 ist dafür ein schönes Beispiel. Die Bankenaufsicht wusste um die Probleme im Vorfeld und warnte. Sie wurde mit einem Lächeln abgetan. Sie müssten also ebenfalls verhindern, dass Kontrolleure zwischen den Lagern hin und her wechseln. Das funktioniert nicht einmal bei den Aufsichtsräten der Aktienunternehmen.

    “Mehr braucht es nicht.”
    Das sind sehr harte Forderungen. Das fängt schon bei der Rechtsgleichheit an. Da müssten sie die freie Wahl des Anwalts verbieten. Sonst können sich große Unternehmen ein besseres Ergebnis einfach “kaufen”. Auch müssten sie die Geschwindigkeit der Prozesse drastisch erhöhen. Ein großes Unternehmen kann sich einen langwierigen Prozess eher leisten als ein kleines, welches daran zerbricht.

    Sie sehen also, dass ihre Forderungen vielleicht gut klingen aber nicht sehr einfach durchsetzbar sind. Vor allem stellt sich dann immer noch die Frage, ob die von Ihnen beschriebene Überlegenheit wirklich existiert. Mathematisch mag man das nachweisen können. Die Realtität zeigt aber, dass gerade Länder mit einem starken staatlichen Einfluss den Weg aus der Armut geschafft haben. Erst danach war eine Reduktion des Selbigen von Vorteil. Wobei es auch gute Gegenbeispiele gibt. Pauschal kann man nur sagen, dass eine reine Planwirtschaft und Kapitalismus ohne Regeln (welche die Extreme darstellen) definitiv nicht funktionieren werden. Das Optimum liegt dazwischen. Was das Optimum ist, ist ebenfalls nicht klar (soziales, Gleichheit, wirtschaftlicher Output, etc.).

  11. @chriwi
    Finanzmarkt: “Dort werden keinerlei Werte geschaffen und man hantiert mit einer Nullsumme.”
    Naja, da liegen sie nun aber völlig falsch. Welche Aufgabe hat denn ein Aktien-Broker? Ich denke, das haben Sie noch nicht verstanden. Es klingt etwas nach Neid.

  12. “Naja, da liegen sie nun aber völlig falsch. Welche Aufgabe hat denn ein Aktien-Broker?”

    Ein Broker kann Gewinne einfahren. Die Summe aller Broker kann es nicht. Am Aktienmarkt wird nichts produziert, sondern nur all die Aktien hin- und hergeschoben. Wenn mehr Menschen bereit sind am Markt zu handeln, dann steigen die Preise. Somit ist die Eingangsgröße höher. Dabei wurde aber keinerlei Wert geschaffen.

    “Es klingt etwas nach Neid.”
    Warum ist marktwirtschaftlich effizient, wenn Computer im Milisekundentakt aufgrund einer mathematischen Mustererkennung kleine Kursschwankungen ausnutzen können, um ein wenig Gewinn zu machen. Wo ist der Nutzen für die Volkswirtschaft? Warum bekommen die Betreiber dann aber so unendlich viel Geld dafür, wenn der Nutzen so verschwindend gering ist? Das liegt einfach daran, dass es sich aufgrund der Gesetzeslage lohnt diese Spielereien durchzuführen und nicht weil diese Menschen so viel Leistung bringen. Die Leistung muss mir jemand erst einmal zeigen, welche erbracht werden muss, um in einem Jahr mehrere Milliarden Dollar zu verdienen. Das hat nichts mit Neid zu tun. Das ist einfach absurd.

  13. @chriwi
    Danke für die Antwort. Sie bestätigen ihre Unkenntnis am Finanzmarkt. Es werden keine Werte geschaffen. Nun, ist das die Aufgabe der Börse? nein.

    Ein Broker kann auch Verluste einfahren. Was die Summe macht ist irrelevant.

    Weiters: KEIN Computer kann am Markt so agieren wie ein Mensch. denn auch der Computer ist nicht in der Lage, Marktsituationen abzuschätzen, sondern lediglich in Zahlenreihen statistischer Werte zu handeln. Aber kein frei gehandeltes Finanzprodukt ist linear. ergo: Der Computer wird versagen.

    Es ist einfach immer wieder schön, diese üblichen Aussagen zu hören.

  14. chriwi: “Dort werden keinerlei Werte geschaffen”
    Markus “Naja, da liegen sie nun aber völlig falsch.”
    Markus2 “Es werden keine Werte geschaffen.”

    Markus3 “Sie bestätigen ihre Unkenntnis am Finanzmarkt. ”

    ???

    “Was die Summe macht ist irrelevant.”
    Lesen sie Nachrichten? Dort wird es häufig sehr viel anders dargestellt. Ein Herr Ackermann behauptete noch vor einigen Jahren, dass die Banken und der Finanzmarkt Werte schaffen. Die Frage die man sich stellen muss ist, wenn die Summe des Casinos Null ist, warum müssen die Finanzmärkte durch Geld vom Staat gestützt werden? Wo sind die Gewinne gelandet, wenn der Staat offensichtlich die Defizite bezahlt.

    “Aber kein frei gehandeltes Finanzprodukt ist linear. ergo: Der Computer wird versagen.”
    Ergo es ist nicht effizient einen Computer im Milisekundentakt handeln zu lassen.

  15. Ich habe Ihre Aussage wiederholt um den Zusammenhang darzustellen.

    Wenn der Finanzmarkt keine Werte schafft, warum gibt es diesen dann, warum gibt es die Arbeitsplätze, was ist die Daseinsberechtigung? Wissen Sie, wie zB Aktien entstanden sind?

    Es ist insofern irrelevant, da das Prinzip der Angebot und Nachfrage nicht zwingend mit der Steigerung der Marktteilnehmer auch zu höheren Preisen führen muss. Weiterhin sind sämtliche Teilnehmer nichts anderes wie Investoren. Denn nur durch diese ist eine Kapitalintensive Expansion erst oft möglich. Und Sie sehen keine Wertsteigerung darin?

    Dass der Staat interveniert halte ich ebenfalls für grundsätzlich falsch – dies obliegt aber unserer Gesetzgebung, zB Eigenkapitalquote. Selbst die “neuen” 9% werden nicht ausreichend sein. Und der Staat stützt, weil er die Auswirkungen als drastischer einstuft als die Rettungskosten. Too big.
    Aber das hatten wir auch in der Industire, siehe Opel, siehe Quelle, siehe Holzmann AG. Und es hat noch nie funktioniert, auch das wissen wir.
    Natürlich packen die Banken Ihre Gewinne ein, schön blöd würden diese das nicht machen. Wollen Sie Ihnen das moralisch vorwerfen? Weil man bestehende Gesetze beachtet? Weil man im Interesse des eigenen Unternehmens handelt? Weil man die Zielsetzung eines Finanzunternehmens verfolgt?

    Glauben Sie immer noch an das Gute im Menschen? Glauben Sie, dass dies ein reines Bankenverhalten ist?

  16. “nicht zwingend mit der Steigerung der Marktteilnehmer auch zu höheren Preisen führen muss.”
    Das nicht, aber das Geldvolumen das an den Finanzmarkt fließt muss dazu führen.

    “Too big.”
    Keine Frage. Da stimme ich absolut zu. Das too big kann aufgrund entstehen, da es eine Risikominimierung darstellt. Ist man zu groß rettet einen der Staat. Somit wird mehr gezockt und es fließt mehr Geld in die Spekulation anstatt in Investionen in die Realwirtschaft.

    “Wollen Sie Ihnen das moralisch vorwerfen?”
    Moral und Markt passt nicht zusammen und soll es auch gar nicht. Die Moral wird durch Regeln geschaffen. Man darf aber nicht die Finanzmärkte derregulieren und sich hinterher über die Zocker und die Unmoral aufregen. Das passiert leider viel zu häufig.

    “Glauben Sie immer noch an das Gute im Menschen?”
    Ich gebe nicht auf.

    “Glauben Sie, dass dies ein reines Bankenverhalten ist?”
    Das hat nichts mit dem Guten zu tun. Banken, Staaten und Unternehmen sind keine Menschen, sondern Menschengruppen. Die Geschichte lehrt uns, dass gute Menschen in Gruppen zu Tieren werden können.

  17. @ chriwi
    In gewisser weise ist Ihr Standpunkt bewunderswert. Ich könnte das so nicht. Ich sehe die Welt aus einer anderen Perspektive.

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Der Autor:

Prof. Dr. Michael Hüther

ist Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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